Steuerberatung: Do-it-yourself oder Profi suchen?

14.12.2010
Julia

Leicht ist es ja nicht, das deutsche Steuersystem. Gab es nicht vor Jahren mal einen Vorsatz, es derart zu vereinfachen, dass jede Steuerklärung auf einen Bierdeckel passen könnte? Umgesetzt hat ihn leider niemand. Und weil jeder, der Rechnungen schreibt, sich auch mit dem Finanzamt auseinandersetzen muss, stellt sich irgendwann die Frage: Brauche ich einen Steuerberater?

Das ist sicher vor allem eine Typenfrage. Wer den Ehrgeiz hat, sich ins System einzudenken, der hat eine Chance, es ohne Beratung zu schaffen. Sobald er allerdings Bezüge aus verschiedenen Einkommensquellen hat, vielleicht auch noch Angestellte bezahlt, wird es unübersichtlich. Wohl dem, der da nicht den Mut verliert.

Wer eine überschaubare Buchhaltung hat, für den ist die Do-it-yourself-Steuererklärung aber in jedem Fall eine Option. Freiberufler zum Beispiel müssen ja nicht mehr als eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (sogenannte EÜR) vorweisen: Alle Einnahmen abzüglich aller Betriebsausgaben ergeben den Gewinn, der versteuert wird.

  • Was aber gilt als Betriebsausgabe und was nicht?
  • Auf welche Einnahmen wird welcher Umsatzsteuersatz – 7 oder 19 Prozent – fällig?
  • Kann ich berufliche Fahrten absetzen, und wenn ja, unter welchen Bedingungen?
  • Was, wenn ich mein Privatauto für eine berufliche Fahrt nutze – gilt auch das?
  • Kann ich ein Geschäftsessen absetzen, und zu wie viel Prozent den Anteil, den ich selbst verzehrt hab?
  • Muss ich meine Privatverkäufe bei ebay und auf dem Flohmarkt etwa auch versteuern?
  • Kann ich mir jedes Jahr einen neuen Computer kaufen und absetzen?
  • Was bedeutet eigentlich „abschreiben“ – und wie geht das?

Im Buchhaltungsalltag – und sei es eine noch so kleine Buchhaltung – tauchen ständig derartige Fragen auf. Manche davon lassen sich klären, indem man Kontakt mit erfahreneren Selbstständigen aus der gleichen Branche hält, die damit schon konfrontiert wurden. Ganz sicher fährt aber nur der, der einen Experten aufsucht. Natürlich kann man auch das Finanzamt selber fragen, die Mitarbeiter dort aber dürfen dann keine Auskunft mehr geben, wenn diese einen beratenden Charakter hätte. Das dient nicht dazu, es dem Unternehmer schwerzumachen, sondern liegt daran, dass es sehr enge und strenge Grenzen für Rechts- und Steuerberatung gibt. Und zwar zum Wohle desjenigen, der Rat sucht.

Steuerberatung ist letztlich nichts anderes als die Entscheidung, in wirklich sicheren Wassern zu fahren – und damit eine Dienstleistung zu beauftragen, die ebenso professionell ist, wie der Anspruch an die eigene berufliche Leistung. Profis lassen sich von Profis beraten – ein Unternehmer, der auf sich hält, lässt seine Website ja auch nicht vom Nachbarsjungen programmieren, der das in der Computer-AG seiner Schule gelernt hat.

Wer einen Steuerberater hinzuzieht, muss seine Steuererklärung übrigens nicht zum 30. Mai, sondern erst zum 31. Dezember eines Jahres abgeben. Und das wird eine sein, die wasserdicht ist – dem Profi sei Dank.

9 Kommentare zu “Steuerberatung: Do-it-yourself oder Profi suchen?”

  1. Martin sagt:

    Der Vergleich mit dem Nachbarsjungen
    hinkt so ein bisschen hier auf dem norddeutschen Lande…
    Verliere leider häufig aus diesem Grunde Angebote, weil der
    Kunde einen kennt, der einen kennt, der…. Oftmals sieht der
    Kunde leider keinen Unterschied, oder im Gegenteil er zieht sein
    Lehrgeld daraus und aus Scham sucht er sich einen anderen…

    Übrigends gibt es durchaus Nachbarsjungen
    mit Potential :-)

  2. Susi sagt:

    Grüße …
    Hallöchen,

    ich bin der Meinung, dass man versuchen sollte Dinge zu verstehen und nicht immer auf andere abzuwälzen. Andererseits ist ein Steuerberater in vielen Fällen unerlässlich … es geht halt nicht ohne =)

  3. Steuerberater
    Hallo,

    ich arbeite mittlerweile 10 Jahre mit demselben Steuerberater zusammen und wir haben ein sehr gutes Verhältnis entwickelt. Er kennt nun meine Ecken und Kanten und meine sorgfältig gepflegten Spleens, so dass die Zusammenarbeit sehr schnell und effizient ist. Wenn ich eine große Anschaffung wie Auto o.ä. plane oder meine finanzielle Situation sich ändert, dann reicht meistens ein kurzer Anruf und ich fahre wieder im sicheren Wasser …

    Liebe Grüße, Brian

  4. Rayjet sagt:

    Gehaltsabrechnung extern geben
    Für Kleinsunternehmer finde ich die Möglichkeit des “Outsourcing” toll. Vielleicht ist man ja Freiberufler aber besitzt einen oder zwei Angestellte? Dann sind Externe Gehaltsabrechner sinnvoll. Ich habe gute Erfahrungen mit den Leuten von Lohnexperte (www.lohnexperte.de) gesammelt aber auch Sage oder ähnliche Firmen bieten solch einen Service an.

  5. inita sagt:

    keinen
    Um eines auch nicht zu vergessen: Hat man einen Stb und den unter Umständen sogar jahrelang, macht das beim FA weniger den Eindruck “da muss man mal kontrollieren”. Und wenn eine Prüfung kommt, dann ist die beim Stb. Ist mir passiert, lief alles wunderbar über die Bühne. Jedes Fragezeichen wurde sofort fachlich wasserdicht von meiner Stb. aufgeklärt.

    Nachts ruhig schlafen sind mir die Kosten eines Stb. wert! Man sollte nicht an der falschen Ecke sparen.

  6. Simone sagt:

    Möglichst viel Outsourcen
    Hallo, also wir sind inzwischen 5 Jahre am Markt und betreiben ein inzwischen mittelständisches Unternehmen mit 34 Mitarbeitern. Wir haben uns während der gesamten Tätigkeit auf unsere Kernkompetenz konzentriert und Getränke produziert. Damit sind wir bis heute sehr gut gefahren. Das bedeutet allerdings auch, dass wir alle Arbeiten – welche nicht zu unserer Kernkompetenz gehören – direkt extern vergeben haben. Aus zwei Gründen, zum einen war uns der Wissenserwerb und Aufbau einfach eine zu hohe finanzielle Belastung, gerade zu Beginn. Darüberhinaus ist es auch ein gutes Gefühl, wenn man Partner an der Seite hat, die sich auch auf Ihre Kernkompetenzen besinnen.

    Unser Mitarbeiterteam wird seit Beginn durch unseren Unternehmensberater (www.danielking.de) unterstützt. Dieser unterstützt uns bei der richtigen Finanzplanung, der Kostenkontrolle und der Personalgewinnung, -entwicklung und -abrechnung. Darüberhinaus ist er bei Investoren und Bankgesprächen eine sehr gute stütze.

    Also wir würden immer wieder ein Team extern aufbauen die bei der Gründung und bei der Entwicklung des Unternehmens immer mit Rat und Tat zur Seite stehen.

  7. Outsourcen ist günstiger
    Ich bin jetzt auch auf der Suche nach einen guten Steuerberater, dieser Blogeintrag hat mich darin nochmal bestärkt.
    Sicher kann man das auch alles selbst machen, wie ich das anfangs wollte. Günstiger ist es für mich aber die Sachen vpom Steuerberater machen zu lassen, da ich sonst ja wertvolle Zeit verliere, die ich in eigene Kunden investieren kann.
    P.S.: Jemand da mit ‘nem Tip nach nem Steuerberater in Düsseldorf?

  8. Andi Fischer sagt:

    Steuerberater ist nicht gleich Steuerberater
    Was ist absetzbar und was nicht? Wer entscheidet, wie ich mein Geschäft betreibe, ich oder das Finanzamt?

    Bei der Frage, was man einem Steuerberater überlässt, sollte nicht vergessen werden, dass Steuerberater systembedingt am langen Arm des Gesetzgebers hängen. Die Forderung nach der Steuererklärung auf dem Bierdeckel ist dabei leider leere, politische Rhetorik, denn das Interesse jeder Regierung ist schließlich, möglichst viele Steuereinnahmen zu erhalten. Sollten also beim Finanzamt keine Freunde zu gewinnen sein, so muss spätestens der Steuerberater ein guter Freund werden.

    Hat der Steuerberater die Steuergesetze im Griff, oder haben die Steuergesetze den Steuerberater im Griff?

    Ein Steuerberater muss meines Erachtens vor allem gut Beraten können; als Unternehmer muss ich schließlich verstehen, was mir der Gesetzgeber abverlangt. Da ich nicht viel Zeit mit meinem Steuerberater verbringe, lege ich darum wert darauf, dass ich ihn jedes Jahr ein bisschen besser kennen lerne—und er mich.

    Mit zunehmendem Vertrauen und Erfahrung kann sich die hier gestellten Fragen jeder selbst beantworten. Wenn mir geschäftliche Entscheidungen vom Gesetzgeber vorgeschrieben werden, besuche ich den Sachbearbeiter im Finanzamt dann noch immer selbst, und schaffe Klarheit.

  9. Ulrike sagt:

    Es ist auf jeden Fall empfehlenswert, sich vom Steuerberater vertraten zu lassen – zum einen ist die eigene Steuererklärung dadurch immer auf der Höhe der Zeit, was das Gesetzliche angeht (und man holt allein dadurch einfach mehr heraus, als wenn man sich selbst in die Materie einarbeitet), zum anderen kann man sich im einfachsten Fall darauf beschränken, übers Jahr Belege zu sammeln. Möchte man eine komplette Begleitung des eigenen Unternehmens, ist das natürlich auch möglich.

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