Lexikon

Fremdkapital - Was ist das Fremdkapital?

Beim Fremdkapital handelt es sich um Kapital, das einem Unternehmen von Dritten – den sogenannten Gläubigern – befristet und rückzahlbar geliehen wird. Fremdkapital wird den Unternehmen in unterschiedlichen Formen zur Verfügung gestellt, die eines gemeinsam haben: Mit diesem Kapital sind weder eine Eigentümerposition, noch eine wirkliche unternehmerische Mitentscheidung verbunden. Stattdessen wird das „Kapital von Fremden“ mit der Absicht zur Verfügung gestellt, dass die Rückzahlung aus Zinsen und Kapital die ursprüngliche Zahlung an das Unternehmen übersteigt.

Du verfügst weder über Eigen- noch Fremdkapital und möchtest trotzdem eine Firma gründen? Mit Bootstrapping ist das möglich. Im Billomat Magazin schreiben wir mehr darüber.


  1. Unterschiede zwischen Eigen- und Fremdkapital
  2. Arten des Fremdkapitals
  3. Fremdkapital und Steuern
  4. Der Kredit als Fremdkapital

Unterschiede zwischen Eigen- und Fremdkapital

Neben dem Fremdkapital fundiert ein Unternehmen auch auf seinem Eigenkapital. Beide Kapitalherkünfte können aufgrund ihrer Rechtsposition und der damit verbundenen Eigenschaften unterschieden werden:

  • Eigenkapital: Kapital, das von den Eigentümern – also natürlichen oder juristischen Personen – zur Verfügung gestellt wird
  • Fremdkapital: Kapital, das Dritte dem Unternehmen zur Verfügung stellen

Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal des Fremdkapitals ist auch die fehlende Beteiligung am Unternehmenserfolg: Ist das Unternehmen zahlungsfähig und die Gewinnlage gut oder sehr gut, dann werden Kredite und Fremdkapital so wie vereinbart bedient. Eine zusätzliche Gewinnbeteiligung wird dagegen nur in außergewöhnlichen Sonderfällen explizit vereinbart.

Beim Eigenkapital hingegen laufen die Gewinne entweder auf den Kapitalkonten der Eigentümer oder in allgemeinen Gewinnrücklagen auf – so dass sich hier eine unterschiedliche Rendite je nach Verlauf des Geschäftsjahres ergibt.

fremdkapital

Arten des Fremdkapitals

Fremdkapital wird in Form von kurzfristigen, mittelfristigen und langfristigen Finanzierungen bereitgestellt. Die Finanzierung kann dabei sehr unterschiedliche Formen aufweisen. Zum Beispiel gibt es folgende Arten für Fremdkapital:

Kurzfristiges Fremdkapital

Kurzfristiges Fremdkapital bietet eine Liquiditätsüberbrückung, deren Rückführung kurzfristig fällig ist. Dazu gehören zum Beispiel

  • Handelskredit: Ein sehr geläufiger Handelskredit ist der Kundenkredit, der durch die Vorleistung des Kunden zustande kommt. Die Vorleistung kann beispielsweise durch eine Teilzahlung entstehen. Auch Lieferantenkredite gehören zu den geläufigen Handelskrediten. Dabei geht ein Lieferant in Vorleistung, indem er beispielsweise seinem Kunden ein großzügiges Zahlungsziel einräumt. 
  • Bankkredit: Überziehungskredite in Form von Dispokrediten oder Kontokorrentkrediten stellen einen kurzfristigen Bankkredit. Auch der Lombardkredit ist ein kurzfristig zur Verfügung gestelltes Fremdkapital. Der Lombardkredit ist eine Finanzierung, die Wertpapiere oder Bankguthaben als Sicherheit pfändet. 
  • Kreditanleihen: Durch eine Kreditanleihe stellt die Bank ihrem Kunden die eigene Kreditwürdigkeit zur Verfügung. Mit dem sogenannten Avalkredit tritt das Kreditinstitut für den Kunden gegenüber dessen Gläubiger als Bürge ein. Dafür erhält die Bank eine Gebühr vom Kunden. 

Mittel- und langfristiges Fremdkapital

  • Schuldscheindarlehen: Nur Kreditnehmer mit sehr guter Bonität erhalten Fremdkapital durch ein Schuldscheindarlehen. Dabei überträgt die Bank den Schuldschein an einen großen Investor, wie beispielsweise an Sozialversicherungsträger, Pensionskassen oder Versicherungsunternehmen. 
  • Anleihen: Anleihen sind Wertpapiere, über die ein Gläubiger bestimmte Rechte, wie zum Beispiel das Recht auf Tilgung oder auf Zinsen besitzt.
  • Mitarbeiterbeteiligung: Unternehmen können ihre Mitarbeiter über Aktien oder Unternehmensanteile am Erfolg beteiligen. Dafür investieren die Mitarbeiter Kapital durch Einzahlung oder durch Lohnabzug in das Unternehmen und sorgen so für dessen Liquidität.
  • Außenhandelskredit: Um den Wirtschaftsverkehr mit dem Ausland zu finanzieren, können Importeure ebenso wie Exporteure sogenannte Außenhandelskredite erhalten. Das Fremdkapital stellen insbesondere die Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW und die Ausfuhr-Kreditgesellschaft AKA zur Verfügung.

Langfristiges Fremdkapital

  • Unternehmenskredite: Fremdkapital, das über einen Firmenkredit mit einer Laufzeit von mindestens 4-5 Jahren zur Verfügung gestellt wird, gewährt dem Unternehmen ein hohes Maß an Liquidität. Denn die Auszahlungssumme kann sofort investiert werden, während die Rückführung in kleinen überschaubaren Beträgen über einen langen Zeitraum hinweg erfolgt. 

Sonderformen der Finanzierung

  • Leasing: Das Leasing stellt Fremdkapital zur Verfügung, das unmittelbar für die Nutzung von technischen Geräten oder Firmenfahrzeugen eingesetzt wird. Die Konditionen für das Leasing sind in der Regel günstiger als eine Kreditaufnahme. 
  • Sale-Lease Back: Diese besondere Form der Beschaffung von Fremdkapital verschafft ein hohes Maß an Liquidität ohne Kreditlasten. Bei Sale-Lease-Back verkauft ein Betrieb die eigene Immobilie an eine Leasinggesellschaft. Zugleich schließen beide Parteien einen Leasingvertrag, durch den der Betrieb die Immobilie gegen monatliche Leasingzahlungen zurück least. Das Unternehmen kann die Leasingkosten steuerlich absetzen, während es zugleich durch den Verkauf der Immobilie ein hohes Maß an Liquidität gewinnt. 
  • Factoring: Das Factoring bezeichnet die Übertragung von Gläubigeransprüchen. Dabei verkauft ein Unternehmen seine offenen Forderungen, die gegenüber Kunden bestehen, an ein Factoring Unternehmen. Das Unternehmen erhält den Betrag der offenen Forderung abzüglich eines vorher vereinbarten Anteils als Gebühr. Durch den beschleunigten Zahlungseingang verbessert es seine Liquidität.
  • Asset backed Securities: Asset backed Securities sind Wertpapiere, die forderungsbesichert sind. Dabei werden Zahlungsansprüche als Wertpapiere verfasst, mit denen gehandelt werden kann. Auf diese Weise können sich Unternehmen kurzfristig über den Kapitalmarkt Geld beschaffen. 

Mischformen der Finanzierung 

  • Mezzanine: Die Mezzanine Finanzierung vereint die Eigenschaften von Eigen- und Fremdkapital für Kapitalgesellschaften. Über die Mezzanine Finanzierung wird einem Unternehmen Eigenkapital zugeschlagen, während zugleich die Geldgeber kein Stimmrecht erhalten. Das Unternehmen erhält das Eigenkapital wirtschaftlich oder über die Bilanz, ohne dafür zugleich Einfluss abzugeben. Typische Mezzanine Finanzierungen sind beispielsweise stille Beteiligungen, Genussrechte oder wertpapierverbriefte Genussscheine.

Fremdkapital und Steuern

Die Fremdfinanzierung geht mit einer günstigen Besteuerung einher. Denn die Nebenkosten und Zinsen, die bei der Beschaffung von Fremdkapital anfallen, können Unternehmen als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen. Dabei tragen sie die Zinsen, die sie im Laufe eines Abrechnungszeitraums im Rahmen der Rückführung von Fremdkapital – beispielsweise für einen Bankkredit – gezahlt haben, in ihrer Steuererklärung als Schuldzinsen ein. Der Betrag der geltend gemachten Schuldzinsen für die Rückführung von Fremdkapital senkt den Unternehmensgewinn entsprechend ab. Die Rendite für Eigenkapital hingegen mindert die steuerliche Bemessungsgrundlage nicht. Für die Finanzierung von Projekten durch Eigenkapital fallen somit höhere Steuern an als bei einer Finanzierung von Fremdkapital.

Der Kredit als Fremdkapital

Die am häufigsten und bei fast allen Unternehmen zu findende Form des Fremdkapitals ist der Kredit an das Unternehmen. Beginnend bei der kürzesten Laufzeit, dem Kontokorrent- bzw. Dispositionskredit auf dem laufenden Girokonto der Firma bis hin zu längerfristigen Finanzierungen werden die wesentlichen Konditionen bei Vertragsabschluss festgelegt. Dies sind:

  • Die Zinsvereinbarung (entweder Festzins oder variabler Zins oft auch in Abhängigkeit eines Bezugszinssatzes)
  • Vereinbarungen über die Kapitalauszahlung und -tilgung (beispielsweise in Monatsraten oder beim Dispo mit beliebigen Tilgungen)
  • Unkündbarkeit bzw. Kündbarkeit des Kredites: Laufende Kredite (Dispositionskredite) können in Volumen und Fälligkeit mit einer Kündigungsfrist angepasst werden. Amortisationskredite bzw. Kredite mit fest vereinbarten Monatsraten können meist nur bei Nicht-Bezahlung gekündigt bzw. angepasst werden.
  • Bei der Aufnahme dieses Kapitals sind weder eine Veränderung des Handelsregistereintrags noch eine Anpassung des Grundkapitals notwendig, es findet sich in der Rechnungslegung des Unternehmens und des Kapitalgebers wieder.

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