Finanzen   28.10.2019

Abschreibung berechnen: Wozu brauchst du das?

Eine Abschreibung berechnen müssen Unternehmer nicht nur im Rahmen der Steuererklärung. Maschinen, Gebäude, andere Vermögensgegenstände erleiden mit der Zeit einen Wertverlust, das ist die Abschreibung.

  1. Abnutzbar oder nicht abnutzbar?
  2. Planmäßig oder außerplanmäßig?
  3. Was ist die Abschreibung genau?
  4. Welche rechtlichen Regelungen gibt es für die Abschreibung?
  5. Welche Varianten zur Berechnung der Abschreibung gibt es?
  6. Welche Abschreibung erkennt das Finanzamt an?
  7. Wie funktioniert die Berechnung der Abschreibung genau?
  8. Was sind die AfA Tabellen?
Abschreibung berechnen

Die Abschreibung berechnen Unternehmer, um den Wert ihres Anlagevermögens einzuschätzen und für das Finanzamt, denn Wertverluste wirken gewinnmindernd. (Bild © pexels.com)

Abschreibung berechnen: abnutzbar oder nicht abnutzbar?

Das gilt aber nicht für alle Dinge, die zum Vermögen deines Unternehmens gehören: Es gibt abnutzbare und nicht abnutzbare Anlagevermögen.Während Fahrzeuge, Computer, Büroausstattung und die Software mit der Zeit veralten oder kaputt gehen, sind Investitionen in Grundstücke, Unternehmensbeteiligungen und zum Beispiel Kunstgegenstände nicht von einem Wertverlust durch Gebrauch betroffen.

Die Abschreibung musst du berechnen, um die Anschaffungs- oder den Herstellungszeitraum auf die Nutzungsdauer zu verteilen. Die Nutzungsdauer kann unterschiedlich sein. Aber das Finanzamt wünscht sich einheitliche Angaben von allen, deshalb gibt es die AfA-Tabelle. AfA bedeutet Absetzung für Abnutzung. In deiner Steuererklärung muss die Abschreibung also gemäß Tabelle erfolgen. Einen Firmenwagen kannst du danach über 6 Jahre, einen Computer über 3 Jahre abschreiben.

Eine solche Abschreibung ist linear. Damit ist gemeint, dass für jeden Nutzungsmonat bzw. jedes Jahr ein gleichbleibender Wertverlust angesetzt wird. Der Restwert bei der Steuer oder in der Buchhaltung kann also vom real erzielbaren Wiederverkaufswert abweichen. Im Anlagevermögen wird der abzuschreibende Gegenstand jeweils mit dem errechneten Restbuchwert weitergeführt.

Nur geringwertige Wirtschaftsgüter kann ein Unternehmer direkt im Jahr der Anschaffung voll abschreiben oder als Sammelposten über mehrere Jahre verteilt steuermindernd ansetzen.

Abschreibung berechnen: planmäßig oder außerplanmäßig?

Investitionen im Unternehmen sind meist geplant: Dein Team braucht neue Werkbänke, ihr plant die Renovierung der Werkstatt und kauft neue Werkbänke. Planmäßige Anschaffung und Abschreibung sind also der häufigere Fall.

Zu außerplanmäßigen Abschreibungen kommt es durch Marktpreisänderungen oder plötzlich und unerwartet. Ein Unfall mit dem Firmen-Pkw, der den Wert des Fahrzeuges erheblich mindert, führt dazu, dass eine außerplanmäßige Abschreibung den Buchwert des Fahrzeuges erheblich senkt und die Abschreibungen der Folgejahre deutlich sinken. Vom Firmengelände eines Gartenbaubetriebes wird ein Aufsitzrasenmäher gestohlen: Diesen Totalverlust darf der Gartenbaubetrieb sofort restlos abschreiben.

Abschreibungen berechnen musst du nicht nur fürs Finanzamt. In deiner Steuererklärung sind die Angaben zu Betriebsausgaben und zur Abschreibung dazu da, deinen Gewinn zu ermitteln und nur den zu besteuern. In deiner Buchhaltung brauchst du die Abschreibung auch, um immer über dein Anlagevermögen Bescheid zu wissen.

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Was ist die Abschreibung genau?

Im steuerrechtlichen Sinne ist eine Abschreibung ein Betrag, der als betrieblicher Aufwand steuermindernd geltend gemacht werden kann. Das Rechnungswesen ermittelt den Abschreibungsbetrag von Anlagevermögen, indem es die Wertminderung berücksichtigt, die während der Dauer der Nutzung eintritt. Denn durch die dauerhafte Nutzung einer Anschaffung sinkt der wirtschaftliche Wert des betroffenen Gegenstandes fortlaufend ab. Somit ist die Abschreibung eine Methode, um den Abschreibungsbetrag von betrieblichen Anschaffungen zu ermitteln, der von der Steuer abgesetzt werden kann. Der ermittelte Betrag wird in der Steuererklärung als Abschreibung bezeichnet und gesondert ausgewiesen. Die Abschreibung von neu beschafften Wirtschaftsgütern ist immer dann über mehrere Jahre hinweg vorzunehmen, wenn der Preis für die Anschaffung oder Herstellung den geltenden Höchstbetrag für geringwertige Wirtschaftsgüter übersteigt. 

Welche rechtlichen Regelungen gibt es für die Abschreibung?

Die Abschreibung wird durch den Gesetzgeber sowohl im Handelsgesetzbuch als auch im Einkommensteuergesetz behandelt. Im Handelsgesetzbuch gibt vor, dass Vermögensgegenstände, die ein Betrieb anschafft, planmäßig abzuschreiben sind. Der Plan muss die Kosten für die Anschaffung oder die Herstellung eines Gegenstandes auf Jahre aufteilen, in denen dieser voraussichtlich genutzt werden kann. Das Einkommensteuergesetz regelt die steuerliche Geltendmachung der Abschreibung in . Dort gibt der Gesetzgeber vor, dass die Kostenanteile, die sich ergeben, nachdem der Anschaffungs- oder Herstellungspreis in die Jahre der voraussichtlichen Abnutzung aufgeteilt wurde, ab dem ersten Jahr der Nutzung steuermindernd vom Gewinn abgezogen werden können.

Welche Varianten zur Berechnung der Abschreibung gibt es?

Um eine Abschreibung umzusetzen, können unterschiedliche Verfahren zum Einsatz kommen. Grundsätzlich können planmäßige Abschreibungen nur bei Wirtschaftsgütern umgesetzt werden, die gleichmäßig abnutzbar sind. Die verschiedenen planmäßigen Abschreibungsverfahren sind:

  • Lineare Abschreibung:
    Die Kosten für die Anschaffung oder Herstellung werden gleichmäßig auf Nutzungsjahre der Abnutzung aufgeteilt. Für jedes Jahr ergibt sich somit ein Betrag der Abschreibung, der gleich hoch ist. 
  • Degressive Abschreibung
    Die degressive Abschreibung teilt den Anschaffungs- oder Herstellungswert während des Zeitraums der Nutzung in ungleichmäßige Anteile auf. Dabei ist die Rate, in der der Anteil absinkt gleichmäßig, wie zum Beispiel im ersten Jahr 30%, im zweiten Jahr 20%, im dritten Jahr 10% usw. 
  • Progressive Abschreibung
    Die progressive Abschreibung funktioniert wie die degressive Abschreibung, indem der Anteil gleichmäßig ansteigt. Zum Beispiel beträgt in der progressiven Abschreibung der Anteil im ersten Jahr 10%, im zweiten Jahr 20% und im dritten Jahr 30% usw. 
  • Leistungsabschreibung
    Die Leistungsabschreibung berechnet die Leistungseinheit pro Jahr, um diese in einem Betrag pro Leistungseinheit abzuschreiben. Zum Beispiel können auf diese Weise Firmenfahrzeuge je nach ihrer tatsächlichen Nutzung zur Abschreibung kommen.

Welche Abschreibung erkennt das Finanzamt an?

Grundsätzlich können nur planmäßige Abschreibungen in unterschiedlichen Varianten angesetzt werden. Das Steuerrecht kennt insgesamt sechs untergeordnete Arten der Abschreibung:

  • AfA – Absetzung für Abnutzung
    Die AfA verteilt die Kosten der Anschaffung oder Herstellung des Wirtschaftsgutes auf mehrere Jahre. Die Anzahl der Jahre richtet sich nach der üblichen Nutzungsdauer des Gebrauchs, wie sie zum Beispiel in den AfA Tabellen aufgelistet sind. 
  • AfaA: Absetzung für außergewöhnliche technische oder wirtschaftliche Abnutzung
    Die AfaA ist eine außerplanmäßige Abschreibung, die steuerlich zulässig ist, wenn die Nutzungsfähigkeit beeinträchtigt wurde. Die AfaA ergänzt die AfA im gegebenen Fall. 
  • AfS: Absetzung für Substanzverringerung
    Die AfS ist für Steinbrüche, Bergbauunternehmen und ähnlichen Betrieben eingerichtet. Die Höhe der Abschreibung richtet sich nach den jährlichen Fördermengen.
  • Sonderabschreibungen und erhöhte Absetzungen
    Diese besonderen Formen der Abschreibung sollen Anreize für Investition schaffen. Sie fördern die Anschaffung bestimmter Wirtschaftsgüter oder begünstigen bestimmte Branchen.
  • GWG: geringwertige Wirtschaftsgüter mit Sofortabschreibung
    Wirtschaftsgüter, die nur einen geringen Wert bis hin zu genau festgelegten Höchstgrenzen haben, können im Jahr der Anschaffung in voller Höhe abgesetzt werden. Alternativ können Wirtschaftsgüter innerhalb eines festgelegten Wertintervalls auch in Sammelposten abgesetzt werden. 
  • Teilwertabschreibungen
    Der Teilwert bezeichnet den Wert eines Gegenstandes, der sich danach richtet, wie er dem Betrieb dient und wird zur Bewertung des Betriebsvermögens ermittelt. Für die Berechnung der Abschreibung eines Teilwertes ermittelt man die Differenz zwischen dem Buchwert und dem Teilwert eines Gegenstandes. Das Ergebnis kann in der Teilwertabschreibung angesetzt werden.

Wie funktioniert die Berechnung der Abschreibung genau?

In der Regel wird die lineare Abschreibung angewandt. Denn die lineare AfA ist durch das Finanzamt stets erlaubt und für die meisten Wirtschaftsgüter zutreffend und anwendbar. 

Die lineare Abschreibung berechnen

Da die lineare Abschreibung die Kosten der Anschaffung oder Herstellung abzüglich eines Restbetrags gleichmäßig auf Nutzungsjahre verteilt, ist die Berechnung der linearen Abschreibung anzusetzen wie folgt:

Gegebene Größen

  • Herstellungskosten HK
  • Restbetrag R
  • Nutzungsjahre NJ

Gesuchte Größe

Abschreibungsrate AR

Formel zur Abschreibung:

AR = (HK – R) : NJ

Beispielrechnung:

Die Anschaffungskosten für ein betriebliches Fahrzeug betragen 50.000 Euro
Der Restbetrag soll 5.000 Euro betragen
Die Nutzungsdauer erstreckt sich über sechs Jahre

AR = (50.000 – 5.000) : 6
AR = 45.000 : 6
AR = 7.500 

Somit beträgt die lineare Abschreibung für das Firmenfahrzeug 7.500 Euro pro Jahr. 

Was sind die AfA Tabellen?

Das Bundesfinanzministerium hat die sogenannten AfA Tabellen vorbereitet, um die Abschreibung von Wirtschaftsgütern einheitlich zu regeln. Die Abschreibungstabellen gelten für allgemein verwendbare Anlagegüter und geben hierfür die übliche Nutzungsdauer vor. Die Anwendung der Tabellen ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn der Gegenstand nicht branchenspezifisch genutzt wird. Denn ein ungewöhnlich intensiver Einsatz des Wirtschaftsgutes kann zu einer abweichenden Zeitspanne für die Nutzung führen.

Sind AfA Tabellen verbindlich?

Die AfA Tabellen stellen daher lediglich ein Hilfsmittel für die Steuerpflichtigen, um die normal übliche Nutzungsdauer von angeschafften Wirtschaftsgütern einzuschätzen. Die Werte, die die Tabellen vorgeben, beziehen sich auf allgemein übliche Zeitspannen für die Nutzung unter normalen Umständen und ergeben sich aus der Erfahrung. Daher geben die Tabellen keine verbindlichen Werte vor, die Unternehmer zur Verwendung verpflichten. Jedoch liefern die AfA Tabellen bewährte Richtwerte, die von der Rechtsprechung und durch das Finanzamt zuverlässig anerkannt werden.

Wo findet man die AfA Tabellen?

Die für allgemein verwendbare Anlagegüter findet sich auf der Seite des Bundesfinanzministeriums. Darüberhinaus bietet das BMF auch ergänzende AfA Tabellen, wie zum Beispiel die .

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