Finanzen   05.3.2019

Als Freiberufler ein Projekt auf Minijobbasis abrechnen: Geht das?

Im Zuge der Selbstständigkeit kann es sich ergeben, dass ein Kunde ein Projekt auf Minijobbasis abrechnen möchte. Grundsätzlich ist eine Zusammenarbeit mit einem Auftraggeber, der einen Auftrag als 450€ Job auf selbstständiger Basis vergeben möchte, durchaus möglich. In der Praxis bringt jedoch die Kombination Minijob Freiberufler einige Besonderheiten sowohl für Dich als auch für den Auftraggeber mit sich. Daher lohnt es sich, wenn Du Dich mit dem Thema „Selbstständig auf 450€ Basis“ bereits im Vorfeld ausführlich befasst. Damit bist Du gut vorbereitet, wenn ein Kunde den Wunsch an Dich heranträgt, einen Auftrag oder eine langfristige Zusammenarbeit in Form eines Minijobs abzurechnen.

  1. 450€ Job Freiberufler – wie geht das?
  2. Abrechnung Minijob – welche Abgaben fallen für Freiberufler an?
  3. Freiberufler Job – Wo ist die Grenze zwischen Minijob und Midijob?
  4. Freiberufler 450 Euro Job – für wen lohnt es sich?
  5. Abhängiges Arbeitsverhältnis als Nachteil – 450€ Job auf selbständiger Basis
  6. Freiberufler 450 Euro Job – Vorteile
  7. Fazit – Freiberufler 450 Euro Job
Als Freiberufler ein Projekt auf Minijobbasis abrechnen: Geht das?

Der Kunde möchte sein Projekt auf 450-Euro-Basis von dir abrechnen lassen? Wirkliche Vorteile springen hierbei für dich nicht heraus. (Bild © unsplash.com)

450€ Job Freiberufler – wie geht das?

Als Freiberufler ein Projekt auf Minijobbasis abzurechnen, ist durchaus möglich. Denn Du hast jederzeit die Freiheit, neben Deiner Selbstständigkeit auch in einem abhängigen Arbeitsverhältnis zu arbeiten. Dabei ist es für den Gesetzgeber unerheblich, ob die abhängige Beschäftigung in einem Angestelltenverhältnis oder in einem Minijob besteht. Solange Du nur einen einzigen Auftrag als 450-Euro-Job abrechnest, kann Dich Dein Kunde hinsichtlich der Sozialabgaben und Steuern in seiner Lohnbuchhaltung wie jeden anderen Minijobber behandeln. Deine anderen freiberuflichen Projekte rechnest Du ganz normal über Rechnung ab.

Abrechnung Minijob – welche Abgaben fallen für Freiberufler an?

Für die Beschäftigungsform Minijob hat der Gesetzgeber besondere Vorschriften hinsichtlich der Sozialversicherung und der Steuern vorgegeben.

Pauschale Sozialabgaben Minijob Freiberufler

Der Arbeitgeber muss für einen Minijob Sozialabgaben abführen, deren Höhe in pauschalen Sätzen festgelegt sind. Im Rahmen der Sozialabgaben fallen keine Beiträge für die Arbeitslosenversicherung an. So zahlen Arbeitgeber für ihre Minijobber einen Anteil aus dem Arbeitsentgelt in unterschiedlichen Prozentsätzen. Zu den Pauschalen gehören:

  • Krankenversicherung 13%
  • Rentenversicherung 15%
  • 0,06% Insolvenzgeldumlage bei gewerblichen Minijobs
  • o,9% Umlage auf Lohnfortzahlung
  • 0,24% Umlage auf Mutterschutz

Für die Rentenversicherung greift eine besondere Regelung. Denn Minijobber sind grundsätzlich verpflichtet, in die Rentenversicherung einzuzahlen. Sie können sich jedoch von der Pflicht zur Einzahlung in die Rentenkasse befreien lassen. Die Verzichtserklärung für die Rentenversicherung muss in den Arbeitsvertrag aufgenommen werden.

Pauschalversteuerung Minijob 

Für einen Minijob ist keine Steuerkarte erforderlich. Denn der Arbeitgeber entrichtet für den Minijobber eine Pauschale für die Lohnsteuer in Höhe von 2 Prozent des Arbeitseinkommens an das Finanzamt.

Freiberufler Job – Wo ist die Grenze zwischen Minijob und Midijob?

Wenn Du mehrere Arbeitsverträge auf Minijobbasis hast, dann ist es möglich, dass Du die für den Minijob vorgesehenen Einkommensgrenzen überschreitest. In diesem Fall ist zu prüfen, ob Du durch Dein Einkommen aus mehreren Minijobs bereits als Midijobber einzuordnen bist. Die Abgaben für Midijobber sind durch den Gesetzgeber anders gestaltet als die Abgaben für den Minijob. Der so genannte Midijob bezeichnet eine Spanne von einem regelmäßigen Einkommen, das zwischen 450,01 Euro und 850 Euro liegt.

Abgabenlast für Midijobber

Wenn Du aus mehreren Minijobs ein entsprechendes Einkommen erzielst, dann bist Du vollständig sozialversicherungspflichtig. Die Beiträge sind sowohl durch den Arbeitgeber als auch durch den Arbeitnehmer zu bezahlen. Der Anteil für den Midijobber liegt dabei unter 50 Prozent. Je geringer das Einkommen ausfällt, umso geringer fällt auch der prozentuale Anteil an den Sozialabgaben aus. Mit steigenden Einnahmen steigt auch der Anteil an den Sozialabgaben. Sobald Du mehr als 850 Euro verdienst, fallen die üblichen Abgabensätze für das Arbeitnehmerverhältnis an.

Freiberufler 450 Euro Job – für wen lohnt es sich?

Bei der Konstellation 450€ Job – Freiberufler erhebt sich die berechtigte Frage, ob und welche Vorteile sie mit sich bringt.

Argument Kostenersparnis für den Auftraggeber – 450€ Job Freiberufler

Auftraggeber, die den Wunsch äußern, Deine Arbeit über Minijob statt über Rechnung abzugelten, gehen in der Regel von einem Vorteil für ihre Kosten aus.

Keine Kostenersparnis an Abgabenlast

Die Abrechnung eines langfristig angelegten Auftrag oder eines einzelnen Projekts auf Minijobbasis spart einerseits Umsatzsteuer. Diese ist allerdings für Unternehmer ein Durchlaufposten, der in der Regel keine Belastung für den Auftraggeber bedeutet. Andererseits versteuern sie den Minijobber aber pauschal und haben auch Sozialabgaben zu leisten. Aus diesen Gründen liegt keine Kostenersparnis für den Auftraggeber vor, wenn er mit einem Freiberufler ein Projekt als 450-Euro-Job abrechnet. Daher gilt es zu prüfen, ob die Absicht der Kostenersparnis einen anderen Hintergrund haben kann.

Minijob und Mindestlohnfalle – Selbstständig auf 450€ Basis

Vermutlich beziehen Kunden oftmals die Annahme in ihre Kalkulation ein, dass ein Arbeitsentgelt auf Minijobbasis zugleich die Abgeltung der Leistung durch einen Mindeststundenlohn beinhaltet. Doch eine Kalkulation mit einem Arbeitsentgelt in der Höhe des Mindestlohns ist für Freiberufler nicht akzeptabel.

Stundensatz berücksichtigen – Freiberufler 450 Euro Job

Dein Stundensatz basiert auf einer gut durchdachten Kalkulation. Du hast jederzeit die Freiheit, davon abzuweichen, jedoch muss sich Dein Arbeitseinsatz unbedingt lohnen. Ein Projekt als 450-Euro-Job abzurechnen lohnt sich für Dich nur dann, wenn Du dabei zugleich die geleisteten Stunden zu einem für Dich rentablen Stundensatz abrechnest. Der Stundensatz, den Du für Deine Leistung benötigst, um wirtschaftlich zu arbeiten, muss daher im ausbezahlten Gehalt als Minijobber berücksichtigt sein. Nur in diesem Fall stellt der Minijob als Abrechnungsform für einen kleinen Dauerauftrag oder ein einzelnes Projekt eine akzeptable Möglichkeit. Denn als Unternehmer musst Du Deine laufenden Kosten berücksichtigen. Wenn du statt Rechnungen zu schreiben ein Gehalt erhältst, sparst Du auch nur wenig an Buchhaltungsaufwand ein.

Abhängiges Arbeitsverhältnis als Nachteil – 450€ Job auf selbständiger Basis

Zeitliche Bindung – Minijob Freiberufler

Ein regelmäßiger Job bindet Dich zeitlich. In der Regel wird ein abhängiges Arbeitsverhältnis in eine feste Arbeitszeit eingebunden. Das kann Deine Bewegungsfreiheit einschränken und Dich in den entsprechenden Zeiten für selbstständige Projekte blockieren. Dabei gilt es abzuwägen, inwiefern Deine selbstständige Arbeitsweise sich mit Einschränkungen hinsichtlich bestimmter Termine durch den Minijob vereinbaren lässt.

Weisungsgebundenes Arbeitsverhältnis – Freiberufler Job

Als Minijobber stehst Du in einem Arbeitsverhältnis, in dem Du weisungsgebunden bist. Auch diesen Aspekt gilt es zu bedenken, damit der Minijob nicht andere freiberufliche Projekte behindert. Daher solltest Du bei der Vertragsgestaltung darauf achten, dass die Weisungsgebundenheit genau bezeichnet und festgelegt wird. So vermeidest Du die Überschneidung von Anforderungen durch das weisungsgebundene Arbeitsverhältnis einerseits und durch die Verpflichtung zur Leistung in freiberuflichen Projekten andererseits.

Freiberufler 450 Euro Job – Vorteile

Soziale Absicherung – Abrechnung Minijob

Zu den Vorteilen eines Minijobs gehört die soziale Absicherung. Als Minijobber hast Du Urlaubsanspruch und im Krankheitsfall erhältst Du eine Lohnfortzahlung. Beide Absicherungen fallen im Anspruchsfall jedoch nicht allzu hoch aus. Zudem muss der Kunde Kündigungsfristen beachten, die Dir Planungssicherheit verschaffen können. 

Rentenansprüche verbessern – Minijob Freiberufler

Ein überzeugender Pluspunkt der Abrechnung auf Minijobbasis ist die Beitragsleistung Deines Arbeitgebers an die . Auf diese Weise kannst Du die Beitragszahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung aufstocken und Deine Rentenansprüche verbessern. 

  • Regelmäßige Beitragszahlung: Als Minijobber zahlst Du zwar nur kleine Beträge in die Gesetzliche Rentenversicherung ein. Gemäß dem Sprichwort „Kleinvieh macht auch Mist“ stellt dieser Rentenversicherungsbeitrag jedoch zumindest einen regelmäßigen Beitrag zu Deiner Altersvorsorge.
  • Beitragslücken schließen: Der Rentenversicherungsbeitrag aus dem Minijob kann zudem dafür sorgen, dass Du eventuell fehlende Mindestbeitragszeiten ergänzen kannst. Im Zweifel kannst Du jederzeit bei der Gesetzlichen Rentenversicherung anrufen, um Dich zu erkundigen, ob eine Beitragszahlung im Rahmen eines Minijobs für Dein Rentenkonto Vorteile bringt oder nicht.
  • Steuerfreier Rentenbeitrag: Du musst den Rentenbeitrag, der im Rahmen des Minijobs durch den Arbeitgeber geleistet wird, nicht versteuern. Der steuerfreie Rentenversicherungsbeitrag bringt einen eindeutigen Steuervorteil für Dich mit sich.
  • Unterstützende Altersvorsorge: Alternativ kannst Du als Freiberufler zwar jederzeit in die private Altersvorsorge investieren. Andererseits musst Du Deine Investitionen in die private Altersvorsorge oftmals an Deine Auftragssituation anpassen. Das kann zu Versorgungslücken führen. Eine zusätzliche Rentenbeitragszahlung durch den Minijob kann als unterstützende Altersvorsorge daher durchaus sinnvoll sein.

Steuervorteil – 450€ Job Freiberufler 

Da Dein Arbeitgeber den Minijob pauschal versteuert, kann sich für Dich ein steuerlicher Vorteil ergeben. Denn Dein übriges Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit versteuerst Du in der Regel zu einem höheren Steuersatz. Dein Einkommen aus dem Minijob hingegen ist bis auf die „Pauschalversteuerung Minijob“ durch den Arbeitgeber steuerfrei. Für Deinen Minijob bezahlst Du keine Einkommensteuer. Das hat zur Folge, dass Du für einen regelmäßig angelegten Minijob als Selbstständiger 5.400 Euro pro Jahr steuerfrei dazu verdienen kannst.

Hier lohnt es sich, Deine jeweils anfallende Steuerlast als Freiberufler und als Minijob Freiberufler genau durchzurechnen. Hierbei solltest Du die Steuerlast als Minijob Freiberufler mit den Abgabenbeträgen aus selbstständiger Arbeit vergleichen, um einen möglichen Vorteil zu ermitteln.

Finanzielle Absicherung – 450€ Job auf selbständiger Basis

Die finanzielle Absicherung durch einen zusätzlichen Minijob neben der selbstständigen Tätigkeit stellt ein starkes Argument für die Abrechnung von Projekten auf Minijobbasis. Denn gerade bei Einzelunternehmern oder Gründern ist die Auftragslage oftmals starken Schwankungen ausgesetzt. Wenn die Freiberuflichkeit die zeitlichen Freiräume zulässt, einen Minijob anzunehmen, dann kann die finanzielle Absicherung, die damit einhergeht, eine starke Entlastung bedeuten. Denn mit dem Gehalt kann zum Beispiel ein Teil der regelmäßig anfallenden Grundkosten für die Selbstständigkeit finanziert werden.

Fazit – Freiberufler 450 Euro Job

Ob sich die Kombination aus Minijob und Freiberuflichkeit für Dich lohnt, musst Du im individuellen Fall sorgfältig abwägen. Denn die Bewertung einer Kombination aus Selbstständigkeit und Minijob liegt grundsätzlich in Deiner Ausgangssituation als Freiberufler. Solange sich zum Beispiel Deine Auftragslage als Freiberufler nicht stabilisiert hat und Du noch nicht ausgelastet bist, kann es sich lohnen, selbstständig auf 450€ Basis zu arbeiten. Auch solange Dein Einkommen aus der selbstständigen

Sobald sowohl Dein Einkommen als auch die Arbeitsauslastung aus der Freiberuflichkeit jedoch ein ausreichendes Maß erreicht haben, ist von einer zusätzlichen Verpflichtung durch einen Minijob abzuraten. 

In jedem Fall gilt es jedoch, die Bedingungen innerhalb des Minijobs so zu verhandeln, dass sie mit Deiner Freiberuflichkeit gut vereinbar sind. Denn langfristig solltest Du das Ziel anstreben, aus Deiner Selbstständigkeit ausreichend Verdienst zu erwirtschaften, sodass sich die Frage nach einem Minijob nicht mehr stellt.

Zudem gilt es abzuwägen, ob das Anliegen des potenziellen Auftraggebers, Dir eine Auftragsabwicklung auf Minijobbasis anzubieten, zu Zweifeln Anlass geben. Denn die Regelung durch einen Minijob kann eine Entlohnung durch einen niedrigen Stundensatz andeuten.

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