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Als Friseur selbstständig machen: ein realisierbarer Traum?

Am 31. Dezember 2016 gab es in Deutschland mehr als 80.000 Betriebe im Friseurhandwerk. Um 80.000 herum hält sich diese Zahl schon seit mehreren Jahren. Kein Grund, den Traum vom eigenen Friseurgeschäft gleich wieder aufzugeben. Aber sei dir klar: Es scheint ein gesättigter Markt. Wer sich jetzt als Friseur selbstständig machen will, der muss gute Ideen mitbringen, um erfolgreich zu sein.

Ein neu gegründeter Friseurbetrieb muss sich entweder durch Standort, Geschäftsmodell oder besondere Ideen auszeichnen, um schnell ausreichend Kunden zu gewinnen. Schließlich sind von den 80.000 anderen Friseurgeschäften sicher einige auch in deiner Nähe. Doch bevor du die Konkurrenzsituation beleuchtest, deinen Businessplan schreiben willst und dir einen Namen für deinen Laden überlegst, steht eine Frage: Darfst du dich überhaupt als Friseur selbstständig machen?

als Friseur selbstständig machen
Einen Mangel an Friseur-Salons gibt es nicht. Deswegen sollte man kreativ werden, wenn man sich als Friseur selbstständig machen will. (Bild © unsplash.com)

Selbstständig nur mit Meisterbrief?

Das Friseurhandwerk ist streng geregelt. Bis auf wenige Ausnahmen darf sich nur selbstständig machen, wer einen Meisterbrief in der Tasche hat. Und der ist ein hartes Stück Arbeit und auch nicht umsonst zu haben. Damit du überhaupt zum Meisterkurs zugelassen wirst, musst du neben einer bestandenen Gesellenprüfung auch noch einige Jahre Berufserfahrung mitbringen. Schließlich dürfen Meister später Auszubildende einstellen und Betriebe leiten, dafür ist die Berufserfahrung sehr hilfreich. Doch auch, wenn du den Meisterbrief bereits hast, musst du von der Handwerkskammer noch eine Gewerbeerlaubnis haben, um den Eintrag in die Handwerksrolle zu bekommen.

Als Friseur selbstständig ohne Meisterbrief: die Ausnahmen

Nun gibt es aber ein paar Wege, um die Meisterprüfung zu umgehen und dennoch selbstständig ein Friseurgeschäft gründen zu können. Die Kammer kann unter den folgenden Bedingungen Ausnahmen genehmigen, um selbstständig ohne Meister als Friseur zu arbeiten:

  • Die Betriebsleitung übernimmt ein fest angestellter Friseurmeister, der möglichst Vollzeit arbeitet. So kannst Du einen Friseurladen eröffnen, in dem Du selbstständig ohne Meistertitel als Friseur arbeitest.
  • Du weist gegenüber der Kammer nach, dass du die notwendigen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse und die Berufserfahrung hast, die du auch schon in leitender Funktion ausüben konntest. Dafür ist aber auch eine bestandene Gesellenprüfung Grundlage. Die Handwerksordnung schreibt in die Bedingungen vor, zu denen Du eine Ausübungsberechtigung erhalten kannst. In der Gesellenzeit musst Du über eine Berufserfahrung als Friseur von mindestens sechs Jahren verfügen. Mindestens vier Jahre davon müssen in einer führenden Position geleistet worden sein. Liegen die Voraussetzungen vor, kann Dir die Kammer eine Ausübungsberechtigung erteilen, mit der Du Dich auch ohne Meister als Friseur selbstständig machen kannst.
  • Du erhältst eine Ausnahmebewilligung gemäß , die in Ausnahmefällen eine Bewilligung zur Eintragung in die Handwerksrolle erteilt. Als Ausnahmefall gilt, wenn Du die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten als Friseur nachgewiesen hast, wobei Deine bisherigen beruflichen Erfahrungen und Tätigkeiten als Friseur zu berücksichtigen sind und wenn die Ablegung der Meisterprüfung eine unzumutbare Belastung darstellen würde. Mit einer Ausnahmebewilligung kannst Du auch ohne Meister selbstständig als Friseur arbeiten.
  • Durch andere Zusatzqualifikationen als den Meisterkurs, erreichst du dennoch die Ausübungsberechtigung, wie sie in der Handwerksordnung geregelt ist.
  • Du gründest nicht einen Friseurbetrieb mit eigenem Ladengeschäft sondern einen mobilen Friseurservice.
  • Auch wenn das Angebot der Friseurdienstleistungen bewusst eingeschränkt wird zum Beispiel auf nur Bartfrisuren, keine Colorationen, dann kann das Gewerbe auch mal ohne Meisterbrief durchgehen.

Über den genauen Businessplan, die Finanzierung und so weiter musst du dir dann aber noch immer sehr genau Gedanken machen, denn die Konkurrenz im Friseurhandwerk ist groß. Wo ist die Marktlücke, in der du dein Geschäft etablieren möchtest?

Businessplan als Friseur erstellen – Wofür brauchst Du ihn?

Unabhängig vom Geschäftsvorhaben ist der Businessplan notwendig, um gegenüber externen Investoren das Vorhaben vorzustellen sowie den Bedarf an finanziellen Mitteln darzulegen und zu begründen. Doch nicht nur für die Beantragung eines Bankkredits bei der Hausbank und für die Antragstellung auf die Bewilligung von Fördermitteln der öffentlichen Hand ist die Vorlage eines gut ausgearbeiteten Businessplans grundlegende Voraussetzung. Der Businessplan hilft dem Gründungswilligen dabei, seiner Geschäftsidee eine Form zu geben, seinen finanziellen Bedarf zu ermitteln, den Ertrag abzuschätzen und den langfristigen Erfolg zu planen. Der Businessplan als Friseur folgt denselben inhaltlichen Schwerpunkten wie die Planungsdarstellung anderer Geschäftsvorhaben auch.

Was gehört in den Businessplan für Friseure?

Der Umfang des Businessplans als Friseur hängt von der Komplexität des Unternehmens ab. Je umfangreicher der Friseursalon ausgestattet ist, umso mehr Planungsbedarf geht mit ihm einher. Unabhängig davon, wie viele Details der Businessplan für den Friseursalon, für den mobilen Friseurservice oder für das Geschäft mit Angestellten im einzelnen ausführen muss, gehören die folgenden Positionen in den Businessplan als Friseur:

Überblick

Nachdem Du alle nachfolgenden Inhalte zusammengestellt hast, solltest Du einen zusammenfassenden Überblick an den Anfang stellen. So können Interessierte einen groben Eindruck von Deinem Vorhaben erhalten, noch bevor sie sich in die Ausführungen im Einzelnen vertiefen. Der Überblick kann auch nach dem Durchlesen des Businessplans die Eckpunkte ins Gedächtnis rufen und gibt zudem eine klare Struktur sowie die Inhalte vor.

Vorstellung Deiner Person

Als wichtigster Faktor Deines Unternehmens zählt Deine Person mit ihren Qualifikationen. Führe hier sämtliche berufliche Erfahrungen auf, die Du im Laufe Deines Berufslebens gesammelt hast. Auch wenn sie scheinbar nichts mit dem Friseursalon zu tun haben, den Du eröffnen möchtest, gibst Du so einen Einblick in Deine beruflichen Kenntnisse und Erfahrungen. Hier gibst Du insbesondere an, welche Branchenkenntnisse Du hast, wie lange Du in welchen Friseursalons gearbeitet hast und in welchen Positionen. Auch Deine kaufmännischen Kenntnisse sind wichtig. Hast Du Zertifikate vorzuweisen, sind sie hier anzuführen. Hebe hier auch Deine besonderen Stärken hervor und stelle dar, warum Du die Selbstständigkeit als Friseur anstrebst. 

Beschreibung Deines zukünftigen Friseursalons

In der Beschreibung Deines zukünftigen Geschäfts legst Du dar, welchen Zweck Deine Arbeit erfüllen soll. Hier führst Du aus, welche Leistungen und Produkte Du anbieten wirst. Auch der Termin der Geschäftsgründung, die Lage des Geschäfts, die Größe der Räume, die Zahl der Mitarbeiter sowie die Ausstattung und das Angebot, das Du Deinen Kunden eröffnest, werden hier  angegeben. Zudem solltest Du ausführen, welche Aufgaben bis zur Gründung noch zu erledigen sind. Gibt es Besonderheiten, Alleinstellungsmerkmale oder außergewöhnliche Angebote, die Deinen zukünftigen Salon auszeichnen, solltest Du diese hier ausführen. Stelle auch die kurz- und langfristigen Ziele dar, die Du erreichen möchtest. Schließlich gibst Du an, welche Formalitäten Du noch erfüllen musst, ob sämtliche Zulassungen und Genehmigungen vorliegen oder noch zu besorgen sind. 

Marktanalyse des Friseurangebotes in Deinem Einzugsgebiet

Stelle in der Marktanalyse glaubwürdige Zahlen bereit über die Anzahl und die Stärken Deiner Mitbewerber in der näheren Umgebung Deines zukünftigen Friseursalons. Kannst Du nähere Informationen über Deine Mitbewerber einbringen, wie beispielsweise deren Stärken oder Schwächen, den Zustand ihres Geschäfts oder Schwierigkeiten mit Mitarbeitern, solltest Du auch diese Aspekte erwähnen. Zeige hier auf, mit welchen Preisen Deine Konkurrenten arbeiten und stelle einen Vergleich her mit Deiner eigenen Preisgestaltung. 

Standortbeschreibung des Friseursalons

Gehe in einem eigenen Gliederungspunkt Deines Businessplans als Friseur auf den Standort Deines Geschäfts ein. Beschreibe die Lage, die Vorteile und Nachteile, die Erreichbarkeit, die Frequenz von Laufkundschaft sowie die Parkplatzsituation Deines neuen Friseursalons. Begründe, warum Du Dich für den Standort entschieden hast. Zeige auf, wie Du den Nachteilen und Beeinträchtigungen am Standort begegnen wirst, um sie auszugleichen. 

Marketingstrategie für Deinen Friseursalon

In einer Marketingstrategie führst Du aus, welchen Nutzen Deine Leistungen für zukünftige Kunden hat. Stelle insbesondere heraus, wie sich Dein Angebot von dem Deiner Mitbewerber abhebt. 

Werbung für das Angebot als Friseur

Hier legst Du eine Planung offen, wie Du Deine Werbung gestalten wirst. Liste auf, welche Werbemaßnahmen Du planst und was diese kosten werden. Stelle dar, wie Deine Kunden von Deinem Angebot erfahren werden. 

Preisgestaltung Deines Friseurangebots

Führe in der Darlegung der Preisgestaltung aus, mit welchen Preisen welche Angebote angeboten werden. Zeige zudem auf, welche Kalkulation zu Deinen Preisen führt. Dazu gehört eine Auflistung Deiner Ausgaben für Einkäufe. Lege auch offen, welche Strategie sich in Deiner Preisgestaltung verbirgt. Denn aus der Preisgestaltung geht hervor, welche Gewinnspanne Du mit Deinem Friseursalon erzielen möchtest. 

Ermittlung des Umsatzes durch Deine Selbstständigkeit

Stelle in der Umsatzermittlung dar, welche Umsätze Du innerhalb welcher Zeiträume zu erzielen planst. Gib dabei an, welche Kapazitäten zur Verfügung stehen und wie viele Mitarbeiter dabei eingesetzt werden.

Stimme nach Deinen Ausführungen Dein Angebot, Deine Werbung, Deine Preisgestaltung und Umsatzziele miteinander ab, um Deine Marketingstrategie zu entwickeln und zu optimieren. 

Organisation des Friseurbetriebs

In der Darstellung der Organisation Deines Friseurbetriebs fasst Du die Eckdaten für Dein Unternehmen zusammen. Dazu gehören

  • Zweck des Unternehmens
  • Geschäftsführer, beziehungsweise Inhaber
  • Gründungsdatum
  • Firmensitz
  • Firmenname
  • Rechtsform
  • bestehende Verträge
  • Status Quo der Gründungsphase

Führe aus, ob Dein Friseursalon mit Angestellten arbeiten soll und wann Du wie viele Mitarbeiter einstellen möchtest. Zugleich solltest Du hier offen legen, welche Qualifikation Deine zukünftigen Mitarbeiter mitbringen sollen, welche Umsätze Du durch sie erzielen kannst und wie viel sie kosten werden. 

Risiken und Chancen des Friseurbetriebs

Jedes Geschäft geht mit Risiken und Chancen einher. Auch diese solltest Du eindeutig benennen und darlegen, wie Du Schwierigkeiten begegnen wirst. Nenne an dieser Stelle sowohl drei besondere Gefährdungen als auch drei gute Chancen, die Deinem Geschäft einen besonderen Schub verleihen können. 

Finanzierung des Friseursalons

Der Finanzplan für den neuen Friseursalon stellt eine der wichtigsten Positionen in Deinem Businessplan als Friseur. Fasse hier zusammen, wie hoch der Gesamtbedarf an Kapital sein wird. Führe aus, welche Anschaffungen anstehen und wie hoch die Vorlaufkosten für die Gründung ausfallen. Hast Du finanzielle Reserven, sind sie hier zu beziffern. 

Im Finanzplan führst Du aus, wie viel Eigenkapital Du einbringen kannst und wie hoch der Bedarf an Fremdkapital ausfällt. Kommen Förderprogramme in Frage, benennst Du diese hier. Wenn Du einen Kredit anstrebst, solltest Du angeben, welche Sicherheiten Du bereitstellen kannst. 

Rentabilitätsplan für das Friseurgeschäft

Der Rentabilitätsplan stellt das wirtschaftliche Kernstück Deines Businessplans. Denn hier führst Du aus, mit welchen Umsätzen Du in den kommenden drei Jahren nach der Gründung Deines Friseursalons rechnest. Daneben führst Du auf, welche Kosten der Friseursalon im gleichen Zeitraum verursachen wird. Im Ergebnis ermittelst Du den Gewinn, den Du mit Deinem Unternehmen erzielen wirst. 

Liquiditätsplan

Auf Basis Deines Rentabilitätsplans kannst Du auch Deine Liquidität planen. Sie gibt Auskunft darüber, welche finanzielle Belastung Dein Friseursalon tragen kann, wenn er einen Kredit zurück zahlen muss. Im Liquiditätsplan schätzt Du Deine monatlichen Kosten und die Investitionskosten im ersten Jahr der Gründung und stellst sie dem Umsatz im gleichen Zeitraum gegenüber. So ermittelst Du die Belastbarkeit sowie die Aussicht darauf, über Reserven verfügen zu können. 

Unterlagen zum Businessplan als Friseur

Ergänzend zu den Ausführungen im Businessplan als Friseur solltest Du die folgenden Unterlagen beilegen, die Deine Ausführungen belegen:

  • Lebenslauf
  • berufliche Zeugnisse
  • Meisterbrief
  • Miet- oder Pachtvertrag für den Friseursalon
  • Preisangebote für Anschaffungen
  • Verträge
  • Nachweise für Sicherheiten
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