Finanzen   08.8.2016

Altersvorsorge für Selbstständige

Gerade junge Selbständige stehen oft vor der Frage, welche Form der Altersvorsorge  die richtige für sie ist – gesetzlich, privat oder vielleicht sogar beides? Alexander Vorgerd ist Versicherungsmakler bei transparent-­beraten.de, einer Online­-Plattform  für Versicherungen aus Berlin. Er erklärt im Interview, was Selbständige und Gründer bei dem Thema Altersvorsorge beachten sollten und welche Altersvorsorge für Selbstständige die richtige ist.

Altersvorsorge für Selbstständige

Einige Selbständige, z. B. Künstler, Publizisten oder Handwerker, sind in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert. Alle anderen Selbständigen können sich freiwillig gesetzlich versichern lassen. Reicht denn die gesetzliche Rente aus?    

Nein, die gesetzliche Rente reicht später mit Sicherheit nicht aus. Im Prinzip sollte sich jeder privat absichern, um im Alter einen angemessenen Lebensstandard zu erhalten. Denn das Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung, dessen Prinzip es ist, dass die  Jüngeren die Alten finanzieren, kann aufgrund des demografischen Wandels auf Dauer nicht funktionieren. Denn die Menschen in Deutschland werden immer älter und leben immer länger. Währenddessen wir immer weniger junge Leute haben, die die Rente finanzieren.

Gastartikel: Altersvorsorge für Selbständige (transparent-beraten.de)

Alexander Vorgert von transparent-beraten.de klärt über die Altersvorsorge für Selbstständige auf.

Zur Zeit ein viel diskutiertes Thema: Sollte es eine gesetzliche Rentenversicherungspflicht für Selbständige geben?

Über diese Frage muss in der Politik diskutiert werden. Generell würde die gesetzliche Rentenversicherung entlastet werden, wenn auch Selbständige und Freiberufler in die Kassen einzahlen müssten. Auf diese Weise könnte das Rentensystem entlastet werden. Was Altersvorsorge für Selbständige angeht, bietet die private Rentenversicherung den Vorteil, dass die Beitragshöhe individuell vereinbart werden kann. Besonders für junge Selbständige, bei denen das  Einkommen noch Schwankungen unterliegt, ist das ein Vorteil gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung. Hier muss ein fester Prozentteil des Einkommens eingezahlt werden.

Welche private Absicherung würdest du empfehlen?    

Für Selbständige, die später eine lebenslange Rente möchten, kann ich den Abschluss einer Rürup -Rente empfehlen. Diejenigen, die lieber in einem bestimmten Alter eine Kapitalsumme ausgezahlt bekommen möchten, sind mit einer klassischen privaten  Lebensversicherung besser beraten.

Was sind die Vorteile der Rürup­-Rente gegenüber der gesetzlichen  Rentenversicherung?    

Die Rürup­-Rente ist relativ ähnlich zur gesetzlichen Rentenversicherung aufgebaut. Mit dem  großen Vorteil, dass bei der Rürup­-Rente eingezahlte Beiträge steuerlich geltend gemacht  werden können. Der absetzbare Anteil steigt jedes Jahr an, ab dem Jahr 2025 können 100 Prozent als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden.

Für wen empfiehlt sich Rürup besonders, für wen eher weniger?    

Generell empfiehlt sich die Rürup­-Rente für alle Selbständigen, Freiberufler und besser Verdienenden. Vor allem für Gutverdiener lohnt sich Rürup aber besonders, denn sie werden hoch besteuert und können dementsprechend auch mehr absetzen. Bei geringem Einkommen lohnt sich das Ganze dann eher weniger.

Können Selbständige auch von der Riester­Rente profitieren?

Das ist rein theoretisch möglich.​ Selbständige sind zwar nicht direkt förderberechtigt, sie können aber über einen förderberechtigten Ehepartner einen sogenannten “Anhängselvertrag” abschließen. Für eine Förderung von 154 Euro im Jahr rentiert sich das aber wohl eher nicht, denn an Riester sind viele Bedingungen geknüpft. Wenn sich die Ehepartner beispielsweise scheiden lassen, dann ist der Riester­-Vertrag wertlos.

Wie sieht es bei Unternehmern mit Angestellten aus: Lohnt es sich, den Angestellten  eine betriebliche Altersversorgung anzubieten? Und wenn ja, ab welcher Mitarbeiter­-Anzahl ist das empfehlenswert?    

Das Angebot einer betrieblichen Altersversorgung ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer eigentlich immer von Vorteil. Selbst kleine Unternehmen mit einer geringen Mitarbeiterzahl  profitieren von diesem Modell. Die Mitarbeiter werden an das Unternehmen gebunden und der Arbeitgeber kann, je nach Unternehmensform, die Altersvorsorge auch für sich selbst nutzen. Ein Irrglaube an dieser Stelle ist, dass die betriebliche Altersvorsorge nur genutzt werden kann, wenn diese Form vom Arbeitgeber angeboten wird. Das stimmt nicht. Denn jeder kann eine betriebliche Altersvorsorge abschließen. Dem Arbeitgeber steht es hierbei  nur offen, ob er noch einen Zuschuss beisteuert oder nicht. Bei geringen Zuschüssen ist es meist sogar rechnerisch so, dass der Arbeitgeber durch die Steuerersparnis am Ende den  Zuschuss wieder raus hat. Das heißt, er kann seine Mitarbeiter zusätzlich finanziell unterstützen ohne am Ende tatsächlich etwas dafür zu bezahlen.

Gibt es noch einen generellen Tipp für Selbständige, die eine private Rentenversicherung abschließen wollen?

Ein Tipp, den ich Kunden immer wieder ans Herz lege und der eigentlich für jeden Vertragsabschluss gilt: Vor dem Abschluss sollten die Verträge genau gelesen und verstanden werden. Wenn es zum Beispiel um eine Fondsanlage geht, dann sollte man zum Beispiel wissen, um welchen Fonds es sich handelt und welche Risikoeinstufung er besitzt. Außerdem sollten immer die Verwaltungs-­, Abschluss-­ und Betriebskosten geprüft werden. Denn in diesem Bereich existieren teilweise enorme Unterschiede zwischen den Anbietern.  Manche Verträge sind reinster Wucher, weil jeder noch so kleine Zusatzbeitrag abgerechnet wird.

Welche Versicherungen sind außerdem wichtig für Selbständige? 

Neben der Altersvorsorge ist die Absicherung von Haftpflichtschäden enorm wichtig. Bei Selbständigen erfolgt das auf privater Ebene über die normale Haftpflichtversicherung, für den beruflichen Bereich sind die Betriebs-­ und Berufshaftpflicht enorm wichtig. Auch eine Geschäftsinhaltsversicherung kann Sinn machen, wenn der Unternehmer die Geschäftsräume oder Waren gegen Diebstahl und Beschädigungen absichern möchte.

Und als Tipp für junge Gründer bzw. Startups?    

Selbständige, die ganz am Anfang stehen, sollten sich beraten lassen, ob sie sich gesetzlich  oder privat krankenversichern lassen wollen. Und sich dann natürlich auch selbst die Frage stellen, ob und in welcher Form privat für das Alter vorgesorgt werden soll. Auch über eine Arbeitskraftabsicherung sollte sich möglichst frühzeitig Gedanken gemacht werden. Wenn der Unternehmer zum Beispiel einen Autounfall hatte und im Rollstuhl sitzt, kann die  Versicherung bei der Umorganisation zu einem bedarfsgerechten Arbeitsplatz helfen oder, falls das nicht möglich ist, eine Arbeitsunfähigkeitsrente zahlen. Eine Rechtsschutzversicherung ist zwar ebenfalls wichtig. Dennoch wissen wir selbst, als Startup, dass am Anfang meist wenig Geld für Versicherungen da ist. Daher sollten die Fragen der Krankenversicherung und die der  Haftpflichtschäden als erstes geklärt werden. Alles weitere dann, sobald das Geld dafür da  ist.

Über transparent­-beraten.de​

transparent-­beraten.de ist ​ ein Unternehmen, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, mehr Transparenz und Kundenfreundlichkeit in das Versicherungswesen zu bringen. Die Plattform bietet zum einen Interessierten die Möglichkeit, sich rund um das Thema Versicherungen und Finanzen zu informieren. Bei Bedarf kann außerdem das Maklerteam kontaktiert werden. Die Mitarbeiter​ der „transparent­beraten.de Maklerservice UG“ bieten in nahezu allen Versicherungsbereichen kompetente Beratung und die Möglichkeit, direkt eine Versicherungspolice abzuschließen.

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