23. Aug 2017 | Experten

Wenn WLAN wichtiger als warmes Wasser in der Dusche wird – Interview mit Leon Heuser von Beschützerbox

Interview mit Leon Heuser von Beschützerbox

„Gibt es hier kostenloses WLAN?“ Diese Frage gehört sicherlich zu einer der ersten, wenn ein Gast ein Hotel, ein Restaurant oder gar ein Tourismusbüro betritt. Doch einen öffentlichen Hotspot für geladene und ungeladene Gäste einzurichten, stellt immer auch ein rechtliches Risiko dar. Mit der Beschützerbox macht Leon W-Lan für Hotspotanbieter sicher. Wie genau das funktioniert, erklärt uns der Gründer selbst im Interview.

Hallo Leon, stell dich und dein Unternehmen doch bitte kurz vor!

Hey! Ich bin Leon, 29 Jahre alt und komme aus Berlin. Ich war als Teenager ein überzeugter Computernerd. Ich hatte durch meinen Vater aber auch schon früh einen starken Unternehmergeist und immer davon geträumt eines Tages meine eigene Firma zu haben.
Mit 17 habe ich dann meinen Traum wahr gemacht und mein erstes eigenes Geschäft aufgezogen: Einen Autoteilehandel mit Online- und Ebayshop. Das war damals zu den goldenen Zeiten des Ecommerce: Kaum Konkurrenz, aber sehr viel Nachfrage.
Als ich studieren wollte, habe ich meine Mutter überzeugt die Firma zu übernehmen, damit ich für mein BWL Studium nach Tel Aviv gehen konnte.
Nach meinem Studium wusste ich eine zeitlang nicht was ich machen soll. Auf Ecommerce hatte ich keine Lust mehr. Dann kam mir die Idee für Beschützerbox. Irgendwie kam da alles zusammen was mich interessiert: SaaS, IT, Recht, viele Server und jeden Tag was Neues.

Beschützerbox
Beschützerbox – Mehr als nur W-LAN

Für wen ist die Beschützerbox gedacht?

Anfänglich habe ich mich nur auf Ferienwohnungen und Pensionsbetreiber konzentriert. Inzwischen bin ich immer wieder erstaunt, wer alles WLAN anbietet. Flüchtlingsheime, Museen sogar Banken nutzen Beschützerboxen.

Brachte dich die Frustration über mangelnde WLAN-Hotspots in Deutschland auf die Idee zur Beschützerbox?

Die Idee zur Beschützerbox hatte ich als meine Familie eine Abmahnung bekommen hat, nachdem ein Feriengast in unserer Ferienwohnung über das WLAN illegal eine Serie runtergeladen hat.
Ich kam gerade aus Israel und war erstaunt wie kompliziert es in Deutschland war, ein öffentliches WLAN zu betreiben: Teure Hotspotsysteme mit aufwendigen Loginmethoden, die sowohl für den Betreiber als auch für den Gast nervig waren. Das wollte ich ändern.

Was passiert mit der Beschützerbox, wenn Deutschland die öffentlichen und frei verfügbaren WLAN-Netze doch noch ausbaut?

Bevor das passieren wird, muss erstmal das Internet in Deutschland ausgebaut werden. Ein Großteil unserer Kunden ist immer noch mit 6-16 MBit Anschlüssen im Netz unterwegs. In manchen Regionen ist man sogar auf 4G-Mobil-Anschlüsse angewiesen.
Ich sehe dem ganzen daher gelassen entgegen.

Was springt eigentlich für den Anbieter des Gäste-WLANS heraus?

Ein gutes WLAN sorgt für zufriedene Gäste, die gerne länger bleiben und auch wieder kommen. Nichts ist nerviger als eine instabile oder langsame Internetverbindung. Ein Kunde von uns, der eine Ferienwohnung hat, hat es mir mal so erklärt: Den Gästen ist heute ein Internetzugang wichtiger als warmes Wasser in der Dusche. Aber natürlich sollte das kostenlose Anbieten des WLANs für den Betreiber risikofrei und rechtssicher sein.

Den Gästen ist heute ein Internetzugang wichtiger als warmes Wasser in der Dusche.

Mit der Beschützerbox Pro bietet ihr auch sogenanntes Social WLAN an. Was hat es damit auf sich?

Mit einem Hotspot schenkt man seinen Gästen einen kostenlosen Internetzugang. Mit unserem Social WLAN bekommt man im Gegenzug auch etwas von dem Gast geschenkt: Nach dem WLAN-Login wird dem Gast vorgeschlagen, die eigene Facebook-Seite zu liken. Der Gast kann zwar auch ohne ein “Gefällt mir” online gehen, aber das Feature wird trotzdem sehr viel genutzt. Einmal angeschlossen, hat man damit einen wartungsfreien Like-Autopiloten für sein Social Media Marketing.

Beschützerbox
Sichere Hotspots gibt’s nicht ? Gibt’s Doch !

Wie wichtig ist dir die Vernetzung mit deinen potenziellen Kunden über Social Media?

Wir haben damit am Anfang viel experimentiert, letztendlich war es bei der typischen Altersgruppe unserer Kunde aber nicht so wichtig.

Was gefällt dir persönlich am B2B-Geschäft?

Ich liebe es und würde nicht nochmal ein B2C Geschäft versuchen. Die Kunden sind angenehmer. Nicht jeder Euro wird 2 mal umgedreht. Sie sind selber Geschäftsleute und verstehen, dass wir nicht nur von der Berliner Luft leben können. Ich habe damals im Ecommerce mit Privatkunden sehr andere Erfahrungen gemacht.

Thema Störerhaftung: Was hältst du von dem neuen Gesetzesentwurf, der WLAN-Anbieter vor Abmahnkosten schützen, gleichzeitig aber den Anspruch auf Netzsperren ermöglichen soll?

Inzwischen ist das Gesetz ja durch. Wie zu erwarten war, gab es wieder keine klare Entscheidung und noch mehr Verwirrung. An Stelle von Abmahnungen, können jetzt WLAN-Betreiber dazu verpflichtet werden, Inhalte zu sperren. Wer dies nicht tut, kann von den Rechteinhabern verklagt werden und muss für die Prozesskosten aufkommen.
Unsere Kunden müssen sich natürlich weiterhin keine Sorgen machen.
Auf lange Sicht wird der Schutz, aber nicht immer unser wichtigstes Feature sein. WLAN hat großes Potential: Sogar mein 71-jähriger Onkel weiß wie er sein iPhone mit einem WLAN verbindet. QR Codes und andere Methoden, um mit physischen Kunden digital zu interagieren, benötigen eine App und sind damit nicht so einfach und intuitiv. Außerdem eignet sich WLAN super um Statistiken über die Besucherzahlen und Verweildauer zu sammeln.

WLAN eignet sich super um Statistiken über die Besucherzahlen und Verweildauer zu sammeln.

Die Angst vor dem Online-Blackout hat wohl jeder. Kannst du dir eine Welt ohne Internet überhaupt noch vorstellen?

Ich muss zugeben, das wird am Anfang hart, aber es kann auch seine guten Seiten haben. Es gibt in Berlin eine Bar, bei der Handys strengstens verboten sind. Ich muss mich zwar jedes mal daran gewöhnen, aber dann hat es irgendwie einen echt entspannenden Effekt.
Aber wahrscheinlich sehe ich das auch nur so locker bis ich an Stelle von Google Maps eine Stadtkarte rausholen muss. Da kommen traumatische Erinnerungen an Autoreisen aus der Kindheit hoch.

Vielen Dank für das Interview Leon!

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