20. Mrz 2019 | Unternehmenssteuerung

Bezahlte Überstunden – wann und wie viel wird gezahlt?

Bezahlte Überstunden – Manche Arbeitnehmer begrüßen die Möglichkeit, Überstunden zu machen, um etwas mehr Geld durch Mehrarbeit in der Tasche zu haben. Andere Arbeitnehmer ziehen es vor, ihre Freizeit auszukosten und stehen auf dem Standpunkt, dass ein finanzieller Ausgleich verlorene Mußestunden nicht ersetzen kann. Wie der Gesetzgeber die Bezahlung von Überstunden geregelt hat, wie hoch der Überstunden Tarif ausfällt und wann Überstunden nicht ausbezahlt werden, lohnt einer genauen Untersuchung.

Bezahlte Überstunden: Wann und wie viel wird gezahlt?
Überstunden sind gar nicht schlecht, um die Urlaubskasse ein wenig aufzustocken. In dem Fall, dass man die Mehrarbeit überhaupt ausbezahlt bekommt. (Bild © unsplash.com)

Was genau sind Überstunden?

Wenn Arbeitnehmer ihre normale Arbeitszeit überschreiten, dann fallen Überstunden an. Die normale Arbeitszeit ist in der Regel durch einen Arbeitsvertrag, einen Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung festgelegt.

Die Mehrarbeit ist die Überschreitung der Höchstarbeitszeit, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Wenn der Arbeitsvertrag, der Tarifvertrag oder die Betriebsvereinbarung einen Arbeitnehmer zur Mehrarbeit verpflichtet, dann wird diese Form der Überstunden meistens durch einen besonderen Zuschlag vergütet.

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Überstunden und Mehrarbeit meist in gleicher Weise verwendet. 

Wann ist ein Arbeitnehmer verpflichtet, Überstunden zu leisten?

In der Regel muss der Arbeitnehmer seinem Arbeitgeber lediglich für die vereinbarte Stundenzahl zur Verfügung stehen. Solange im Arbeitsvertrag nichts anderes festgelegt wurde, müssen Arbeitnehmer keine Überstunden leisten. Meist enthalten Arbeitsverträge, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen jedoch die Option, dass Überstunden anfallen können. Darüber hinaus ergibt sich dann eine Pflicht, Überstunden zu leisten, wenn der dringende Fall entsteht, dass durch die Mehrarbeit Schaden vom Betrieb abgewendet wird. 

Wann kannst Du Überstunden ablehnen?

Wer insgesamt mehr als zehn Stunden am Tag arbeiten soll, der kann Überstunden auch ablehnen. Auch wenn nicht ersichtlich ist, dass innerhalb der nachfolgenden sechs Monate ein Abbau von Überstunden durch Freizeit oder eine Auszahlung der Überstunden gewährleistet ist, kannst Du als Arbeitnehmer Überstunden ablehnen. 

Wie werden Überstunden bezahlt?

Für die Bezahlung von Überstunden gibt es keine eindeutige gesetzliche Regelung. Da der Arbeitnehmer Überstunden jedoch zumeist auf Anweisung des Arbeitgebers leistet, muss dieser auch in irgendeiner Form die Bezahlung von Überstunden gewährleisten. 

Wie müssen Überstunden vergütet werden?

Viele Arbeitsverträge, Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen enthalten genaue Regelungen, wie die Mehrarbeit zu vergüten ist. Neben den Stundensätzen, die für die Überstundenvergütung Berechnung angelegt werden, sind in vielen Verträgen auch Zuschläge für Überstunden vereinbart. Fallen Überstunden an, dann haben die Arbeitnehmer einen Anspruch auf die im Vertrag festgelegte Vergütung. 

Auszahlung der Überstunden

In der Regel werden Überstunden bezahlt. Dabei kann der Arbeitsvertrag vorsehen, dass eine bestimmte Anzahl von Überstunden mit dem normalen Lohn abgegolten ist. Überstunden, die über diese Zahl hinausgehen, müssen dann in der Regel mit dem Stundenlohn, einem gesondert vereinbarten Lohn oder zusätzlich mit einem „Zuschlag Überstunden“ abgegolten werden. 

Bezahlung von Überstunden durch Freizeit

Eine andere Variante, um nicht bezahlte Überstunden zu vergüten, ist der Ausgleich mit Freizeit. So können Angestellte auf die Bezahlung von Überstunden verzichten und im Gegenzug die Überstunden entweder als zusätzlichen Urlaub nehmen oder Überstunden abbauen, indem sie an bestimmten Tagen den Arbeitsplatz früher verlassen. 

Fristen für Überstundenausgleich durch Freizeit

Sollte es für geleistete Überstunden einen zeitlichen Ausgleich geben, dann muss der zusätzliche Urlaub innerhalb von 6 Monaten in Anspruch genommen werden. 

Hast Du zum Beispiel im Januar an fünf Tagen täglich zehn Stunden anstatt acht Stunden pro Tag gearbeitet, dann muss bis spätestens Juli gewährleistet sein, dass Du an bestimmten fünf Tagen täglich nur sechs Stunden anstatt der regulären acht Stunden pro Tag arbeitest. Alternativ verteilen sich die freien Stunden auf drei anstatt auf fünf Tage oder Du kannst einen ganzen Tag lang frei bekommen. Die Abgeltung der Überstunden durch Freizeit müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer miteinander abstimmen und gesondert vereinbaren. In jedem Fall müssen die Überstunden innerhalb von sechs Monaten ausgeglichen werden, damit der gesetzliche Anspruch erhalten bleibt.

Wie viele Überstunden auszahlen lassen?

Die Anzahl der Überstunden, die ausbezahlt werden muss, richtet sich entweder nach dem Vertrag oder nach den tatsächlich geleisteten Stunden. Ist im Vertrag zum Beispiel eine bestimmte Anzahl „nicht bezahlte Überstunden“ festgelegt, dann werden diese Überstunden nicht vergütet. So kann der Vertrag zum Beispiel eine Bestimmung enthalten, nach der zwei anfallende Überstunden pro Monat mit dem Arbeitslohn abgegolten sind. Diese ersten zwei Stunden an Mehrarbeit gelten demnach als nicht bezahlte Überstunden. Alle Überstunden, die darüber hinaus geleistet werden, müssen dann entweder laut der gesetzlichen Regelungen oder nach den Vorgaben des Vertrags vergütet werden. Darüber hinaus können Arbeitgeber und Arbeitnehmer auch vereinbaren, dass nur ein bestimmter Teil der Überstunden ausbezahlt wird und ein weiterer Teil als Freizeit abzugelten ist. Auf diese Weise kann die Auszahlung gedrosselt werden, während der Urlaubsanspruch ansteigt.

Überstunden nicht ausbezahlt – Vertrag nicht zulässig

Die Klausel, dass Überstunden mit der regulären monatlichen Entlohnung abgegolten sind und daher nicht ausbezahlt werden müssen, ist nur dann gültig, wenn die Zahl der erwarteten Überstunden genau definiert ist. Eine Klausel, die bestimmt, dass Überstunden grundsätzlich nicht vergütet werden, ist nicht zulässig.

Auch ein Vertrag, der vorgibt, dass Überstunden bis zur höchsten zulässigen gesetzlichen Arbeitszeit mit dem normalen Arbeitslohn abgegolten sind, ist unwirksam. 

Überstunden auszahlen berechnen – gesetzliche Regelung

Wenn die Bezahlung für Überstunden nicht im gemeinsamen Arbeitsvertrag vereinbart wurde, dann sieht das Bürgerliche Gesetzbuch vor, dass die übliche Vergütung auch für die Überstunden als vereinbart anzusehen ist. Das bedeutet, dass für Überstunden in diesem Fall der reguläre Stundensatz, der mit Deinem Gehalt ausbezahlt wird, anfällt. Darüber hinaus gilt es, bei der Überstunden Berechnung zu ermitteln, ob neben dem normalen Stundensatz für die Überstunden auch ein Zuschlag anfällt. Zum Beispiel kann für die Arbeit bei Nacht oder an Sonn- und Feiertagen ein regulärer Zuschlag anfallen, der bei geleisteten Überstunden ebenso als „Zuschlag Überstunden“ berücksichtigt werden muss. 

Zuschlag für Überstunden – Wer hat einen Anspruch?

Der Zuschlag für Überstunden greift nur dann, wenn im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag Zuschläge für die normale Arbeit unter bestimmten Voraussetzungen, wie zum Beispiel Nachtarbeit oder Arbeit an Sonn- und Feiertagen, vereinbart wurden. Meist beträgt der Zuschlag für Überstunden zwischen 15 bis 40 Prozent des normalen Stundensatzes. 

Wie viele Überstunden sind erlaubt? – Wie ist die Arbeitszeit gesetzlich geregelt?

  • Wie lange dauert die gesetzliche Arbeitszeit?
    Unabhängig davon, wie viele Arbeitsstunden im Arbeitsvertrag festgehalten sind, hat der Gesetzgeber im Arbeitszeitgesetz die tägliche Arbeitszeit auf acht Stunden an den Werktagen begrenzt. 
  • Wieviele Überstunden sind erlaubt?
    Die tägliche Arbeitszeit kann darüber hinaus auf bis zu zehn Stunden ausgedehnt werden, wenn zugleich innerhalb eines halben Jahres die Arbeitszeit von acht Stunden durchschnittlich nicht überschritten wird. 
  • Wieviele Arbeitsstunden pro Woche sind festgelegt?
    Zugleich darf die Arbeitszeit pro Woche höchstens 48 Stunden betragen. Dabei umfasst der Arbeitseinsatz maximal 48 Wochen im Jahr. Vier Wochen lang besteht ein Urlaubsanspruch. Die maximale Arbeitszeit pro Jahr beträgt damit 2.304 Stunden. 

Berechnung der Überstundenvergütung

Ein Arbeitnehmer arbeitet regulär 35 Stunden pro Woche. Sein Gehalt liegt bei 2.380 Euro brutto im Monat. Der Bruttolohn liegt demnach bei 17 Euro pro Stunde. In einem besonders arbeitsintensiven Monat leistete er insgesamt 10 Überstunden. Für die geleisteten Überstunden erhält er insgesamt 170 Euro brutto. 

Hohe Überstundenanzahl – Auszahlung der Überstunden verteilen

Wenn in bestimmten Fällen sehr viele Überstunden aufgelaufen sind, dann lohnt sich die Überlegung, ob die Auszahlung über einen längeren Zeitraum hinweg verteilt werden kann. Eine Verteilung auf mehrere Monate ist es jedoch unerheblich, wenn die Auszahlung innerhalb eines Jahres vorgenommen wird. Wenn die Auszahlung sehr hoch ausfällt, dann kann es sich steuerlich lohnen, die Summe auf zwei Jahre zu verteilen. So kann der jeweilige Jahresarbeitslohn auch mit einer sehr hohen Anzahl geleisteter Überstunden innerhalb eines günstigeren Steuertarifs gehalten werden. 

Wer hat keinen Anspruch auf Bezahlung von Überstunden?

Wer überdurchschnittlich verdient, hat keinen Anspruch auf die Vergütung von Mehrarbeit. Bei hohen Gehältern wird ein überdurchschnittlich hoher Arbeitseinsatz im Regelfall vorausgesetzt. Denn leitende oder höhere Angestellte werden nach ihrer Aufgabe bezahlt und nicht nach den zu leistenden Arbeitsstunden. Als überdurchschnittliches Gehalt gilt ein Einkommen oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze in Höhe von 78.000 Euro pro Jahr in Westdeutschland und von 69.600 Euro jährlich in Ostdeutschland. 

Auszahlung der Überstunden nicht versäumen – Verjährungsfrist von drei Jahren

Für die Vergütung von Überstunden haben Arbeitgeber und Arbeitnehmer drei Jahre Zeit. Nach spätestens drei Jahren verfallen sämtliche Überstunden und der Anspruch verjährt. 

Nicht immer liegt es am Arbeitgeber, wenn sich die Auszahlung verzögert. In Unternehmen, die den Arbeitnehmern Wahlfreiheit lassen, ob sie Auszahlung oder Freizeitausgleich in Anspruch nehmen möchten, lassen sich viele Anspruchsberechtigte oftmals Zeit, um sich beide Optionen offen zu halten. Doch innerhalb von höchstens drei Jahren müssen sie aufgrund der Verjährungsfrist eine der beiden Varianten gewählt und in Anspruch genommen haben.

Überstunden und die Steuererklärung

Arbeitnehmer müssen auch für geleistete Überstunden Steuern bezahlen. Denn Überstunden zählen im Sinne des Steuerrechts zum ausbezahlten Arbeitslohn. Neben den Steuern fallen für ausgezahlte Überstunden auch Sozialabgaben an. Daher bleibt von der Bezahlung von Überstunden nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben oftmals nicht sehr viel übrig. 

Daher solltest Du sorgfältig abwägen, ob es sich für Dich lohnt, eine Bezahlung von Überstunden zu verlangen oder einen Freizeitausgleich in Anspruch zu nehmen. 

Eine Möglichkeit, um bei der Bezahlung von Überstunden Steuern zu sparen, ist das so genannte Lebensarbeitszeitkonto. Dieses wird durch den Arbeitgeber angelegt, um Geld für die Rente des Arbeitnehmers einzubezahlen. Auf dieses kann auch die Bezahlung von Überstunden laufen, ohne dass Steuern und Abgaben auf die Einzahlung anfallen. Die Besteuerung wird erst mit der Auszahlung fällig. Die Auszahlung kann jedoch in monatlicher Form und in einer Höhe erfolgen, die steuerlich günstiger ausfällt, als die Besteuerung von ausbezahlten Überstunden. 

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