Finanzen   13.6.2018

Bürgschaft als Kreditsicherheit – Worauf musst Du achten?

Wer eine Bürgschaft als Kreditsicherheit leistet, der sollte sich im Vorfeld genau über die rechtlichen Rahmenbedingungen informieren. Denn mit einer Bürgschaft übernimmst Du eine große Verantwortung.

Bürgschaft als Kreditsicherheit – Was ist das?

Eine Bürgschaft wird dann notwendig, wenn jemand in irgendeiner Form einen Kredit aufnimmt und keine Sicherheiten bieten kann. Die Bürgschaft ist in erster Linie eine Absicherung für den Kreditgeber. Denn der Bürge erklärt sich bereit, die Haftung für Verbindlichkeiten des Kreditnehmers zu übernehmen. Für seine Garantieerklärung erhält der Bürge keine Leistungen, obwohl er eine Verpflichtung eingeht, die er im schlimmsten Fall vollumfänglich erfüllen muss. Die Bürgschaft als Kreditsicherheit findet im Alltag häufig ihre Anwendung, zum Beispiel bei Mietverträgen oder bei der Aufnahme von Darlehen. 

Bürgschaft als Kreditsicherheit

Bürgschaft als Kreditsicherheit – das musst Du beachten!

Was sind die rechtlichen Rahmenbedingungen einer Bürgschaft?

Die Bürgschaft als Kreditsicherheit behandelt der Gesetzgeber im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in den Paragraphen 765 bis 778. 

Wirksamkeit der Bürgschaft

Damit eine Bürgschaft wirksam wird, ist laut § 766 BGB eine einfache Willenserklärung durch den Bürgen erforderlich. Für das Inkrafttreten einer Bürgschaft ist kein ausführlicher Vertrag zwischen zwei Vertragsparteien notwendig. Denn eine Bürgschaft ist eine Verpflichtung, die nur einseitig angelegt ist. Die Willenserklärung allerdings muss in Schriftform erfolgen, denn sie hat in elektronischer oder mündlicher Form keine Wirksamkeit. Für die Bürgschaft müssen weder der Kreditgeber noch der Schuldner eine Gegenleistung bieten.

Zahlungspflichten

Der § 767 BGB legt den Umfang der Verpflichtungen innerhalb einer Bürgschaft fest. Demnach muss der Bürge zwar nur für die Hauptverbindlichkeiten des Schuldners aufkommen, sobald dieser seine Raten nicht mehr bedient. Fallen durch den Ausfall von Rückzahlungsraten zum Beispiel Zinsen an, dann haftet der Bürge für diese nicht. Erweitert der Schuldner nach der Übernahme der Bürgschaft seine Verpflichtungen, dann steht der Bürge für diese ebenso nicht ein. Dahingegen muss der Bürge für sämtliche Kosten im Rahmen einer Vertragskündigung und für Gerichtskosten aufkommen, wenn der Schuldner zum Beispiel in Verzug gerät und ein gerichtliches Mahnverfahren gegen ihn eröffnet wird. 

Einrede der Vorausklage

Die Einrede der Vorausklage (§ 771 BGB) ermöglicht es dem Bürgen, Zahlungen zu verweigern, bis der Gläubiger beim Schuldner eine Zwangsvollstreckung durchgeführt hat. Mit der Einrede der Vorausklage stoppt der Bürge zudem Verjährungsfristen für die Schuld.

Was sollte ich beachten, wenn ich eine Bürgschaft übernehme?

Vor der Übernahme einer Bürgschaft solltest Du Dich genau informieren, welche rechtlichen Pflichten Du als Bürge übernimmst. 

  • Haftung
  • Schuldzahlung
  • Vererbung
  • Rücktritt

Kopf hinhalten

Als Bürge haftest Du mit Deinem gesamten Vermögen für die Verbindlichkeiten des Schuldners. Das bedeutet, dass nicht nur Dein Bankkonto, sondern unter Umständen auch Dein Gehalt bis hin zur Lohnpfändung zur Begleichung der Schulden heran gezogen werden kann. Hast Du eine so genannte selbstschuldnerische Bürgschaft geleistet, dann muss der Gläubiger nicht zwingend gegen den Schuldner mit einer Pfändung vorgehen. Er kann sich auch sofort an Dich wenden, um die Schuld bei Dir einzutreiben. 

Zur Kasse bitte

Mit Deiner Bürgschaft gibst Du eine Garantieerklärung ab. Mit dieser erklärst Du Dich ausdrücklich bereit, die Raten oder die Gesamtsumme des Schuldners zu übernehmen, sobald dieser in Rückstand gerät oder ganz ausfällt. 

Schweres Erbe

Wer für einen Anderen bürgt, der sollte dabei unbedingt an seine Erben denken. Denn eine Bürgschaft geht nach dem Ableben des Bürgen auf dessen Erben über. Viele Erben ahnen im Vorfeld nichts von der Bürgschaft, die sie im schlimmsten Fall zusammen mit ihrem Erbe antreten.  

Kein Zurück

Sofern der Bürgschaftsvertrag nicht ein ausdrückliches Rücktrittsrecht aufweist oder zeitlich begrenzt ist, kannst Du nicht aus der Bürgschaft austreten. Wenn sie einmal in Kraft getreten ist, dann kannst Du Deine Bürgschaft nicht mehr aufkündigen. Erst wenn der Schuldner den Kredit vollständig beglichen hat, erlischt mit dem Kredit auch die dafür verliehene Bürgschaft. 

Erst wenn alle Stricke reißen – Ausfallbürgschaft

Die Ausfallbürgschaft ist eine besondere Form der Bürgschaft. Sie legt fest, dass der so genannte Ausfallbürge nur für einen Teil der Schulden haftet. Und bevor eine Haftung überhaupt greift, müssen sämtliche rechtliche Möglichkeiten zur Beitreibung der Schuld vom Schuldner ausgeschöpft worden sein. Erst wenn der Kreditgeber nachweisen kann, dass nach der zwangsweisen Vollstreckung des Schuldners noch eine Teilschuld vorhanden ist, darf bei der Ausfallbürgschaft der Bürge heran gezogen werden. 

Tipp

Wenn Du eine Bürgschaft als Kreditsicherheit leistest, dann solltest Du die Rahmenbedingungen genau festlegen. Auf keinen Fall solltest Du einen Verzicht auf die Einrede der Vorausklage aussprechen. Den höchsten Schutz als Bürge hast Du durch eine Ausfallbürgschaft. 

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