01. Aug 2022 | Buchhaltung

Bußgeld von der Steuer absetzen – geht das?

Eine Unachtsamkeit z.B. im Straßenverkehr und es passiert schneller als man denkt: der rote Blitz erscheint und man weiß „Das war’s! Bald bekomme ich Post.“. Der Bescheid über das Bußgeld wegen Geschwindigkeitsüberschreitung lässt in den wenigsten Fällen lange auf sich warten und mit ihm flattert unbeliebte Post in den Briefkasten, der einem nicht nur sein Fehlverhalten klar und deutlich vor Augen hält, sondern auch noch eine (in einigen Fällen empfindliche) Geldstrafe beinhaltet.

Bußgeld von der Steuer absetzen
Quelle: unsplash.com, Urheber: Denny Müller

Doch so einige Ausgaben sind bereits steuerlich absetzbar, wie wäre es also mit dem verhängten Bußgeld? Und was ist, wenn ich nicht mit meinem privaten Fahrzeug unterwegs war, sondern beruflich und mit meinem Firmenwagen geblitzt werde?

Überblick: Was ist steuerlich absetzbar?

Die Kosten für den eigenen Beruf, Dienstleistungen, besondere Situationen, die eigene Vorsorge oder besondere Umstände sind im Groben gesagt steuerlich absetzbar und in der Steuererklärung einzutragen.

Im Folgenden werden die einzelnen Kategorien im Überblick erklärt.

Werbungskosten

Die wohl bekanntesten absetzbaren Steuern sind Werbungskosten. Unter Werbungskosten versteht man alle Kosten, die im Zusammenhang mit dem Beruf entstehen. Diese beinhalten die Fahrten zur Arbeit, die notwendigen Arbeitsmittel, das Arbeitszimmer, Fortbildungen sowie Telefon & Internet. Pauschal werden dabei jedem Arbeitnehmer bei der Steuererklärung 1.000 Euro im Jahr automatisch abgezogen. Eine ausdrückliche Antragstellung ist hierfür nicht notwendig. Natürlich gilt aber: sind Ausgaben von mehr als 1.000 Euro entstanden, sind diese anzusetzen – hier lohnt es sich, für eventuelle Rückfragen durch die Steuerbehörde die entsprechenden Belege bereit zu halten.

Handwerkerleistungen und haushaltsnahe Dienstleistungen

Weitere absetzbare Kosten sind Kosten für Dein Zuhause, nämlich Handwerkerleistungen und (haushaltsnahe) Dienstleistungen. Bei Handwerkerleistungen können 20 Prozent der Ausgaben abgesetzt werden, maximal jedoch ein Betrag in Höhe von 1.200 Euro, haushaltsnahe Dienstleistungen hingegen mit 20 Prozent der Rechnungssumme bei einem Maximalbetrag in Höhe von 4.000 Euro im Jahr.

Sonderausgaben

Sind jedoch nicht nur hohe Ausgaben im Zusammenhang mit dem Beruf entstanden, sondern auch im privaten Umfeld, so sind diese als Sonderausgaben in der Steuererklärung kenntlich zu machen und anzusetzen. Darunter versteht man Kosten für Kranken- und Pflegeversicherung, Rentenversicherung, Riester-Beiträge oder weitere Versicherungen sowie Kosten für die Erstausbildung, Spenden, Kirchensteuer, Kinderbetreuung und den Ehegattenunterhalt.

Außergewöhnliche Belastungen

Außergewöhnliche Belastungen sind ebenfalls allseits bekannt. Bei diesen geht es um private Ausgaben, die die gewöhnlichen Ausgaben übersteigen und in ihrer Art und Höhe als außergewöhnlich anzusehen sind. Meist wirken sich diese Kosten jedoch nicht in voller Höhe aus, da auf die zumutbare Eigenbelastung (Wie viel Kosten können mir aufgrund meines Einkommens zugemutet werden) abgestellt wird. Unter außergewöhnlichen Belastungen sind Kosten für Krankheit, Bestattung, Unterhalt oder Behinderten- und Pflegepauschbeträge zu verstehen.

Nachdem wir einen kleinen Überblick über die steuerlich absetzbaren Kosten erhalten haben, schauen wir uns nun unser Bußgeld genauer an. 

Werbungskosten oder Betriebsausgabe?

Die beiden Kategorien, die für den Ansatz des verhängten Bußgeldes in der Steuererklärung in Frage kommen würden, wären nach der Übersicht „Werbungskosten“ und „Betriebsausgaben“.

Grundsätzlich gilt: Bußgelder, Ordnungswidrigkeiten oder Verwarnungsgelder sind steuerlich nicht absetzbar. Anderenfalls würde dies bedeuten, dass die Allgemeinheit für das Fehlverhalten des Einzelnen aufkommen müsste und das ist weder gerecht noch gesetzlich vorgesehen.

Beruflich bedingtes Fehlverhalten im Straßenverkehr

Die aus dem Bußgeldbescheid resultierenden Kosten müssen aber nicht immer von dem Betroffenen selbst getragen werden. Denn was ist, wenn das Fehlverhalten des Fahrzeugführers nicht allein aus der Tatsache heraus entstanden ist, dass dieser unachtsam war, sondern von seinem Arbeitgeber dazu angehalten wurde, dieses zu begehen?

Nehmen wir als Beispiel einen Paketdienstleister, der die Zustellung der Ware innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens vornehmen soll. Um den Zeitrahmen einzuhalten, fährt der Fahrer des Fahrzeuges zu schnell und überschreitet die zulässige Höchstgeschwindigkeit. Bei dieser Überschreitung wird er von einem Radar erfasst. Wer haftet nun für das bald anstehende Bußgeld wegen Geschwindigkeitsüberschreitung? Der Fahrer oder aber der Arbeitgeber von diesem? Bei diesem Beispiel ist die Fahrweise als betrieblich bedingt anzusehen, ebenso hätten wir ein Beispiel mit Parken in der zweiten Reihe nehmen können.

In den dargestellten Fällen wird der Strafzettel wegen Falschparkens oder aber der Bußgeldbescheid wegen Geschwindigkeitsüberschreitung dem Unternehmen zugestellt und nicht dem Fahrer als Privatperson. Das Unternehmen wird das Bußgeld wahrscheinlich übernehmen – wichtig ist hierbei jedoch: es muss ein betrieblich bedingter Grund für das Fehlverhalten des Fahrers ersichtlich und feststellbar sein!

Betriebsausnahme für Unternehmer

Anders als Privatpersonen können Unternehmen die festgesetzten Bußgelder jedoch als Betriebsausgaben geltend machen, wenn sie diese für den Arbeitnehmer erstatten. Wird das Bußgeld für einen Arbeitnehmer übernommen, so ist dieses jedoch als lohnsteuerpflichtiger Arbeitslohn anzurechnen. Zu beachten ist jedoch, dass Geldbußen, Geldstrafen, Verwarnungsgelder und Auflagen nicht als Betriebsausgaben angesetzt werden können, wenn sie laut § 4 Abs. 5 Satz 1 Nummer 8 EstG den Gewinn mindern. Dies gilt auch für solche, die von einem EU-Mitgliedsstaat verhängt werden.

Fazit

Die Entstehung von Bußgeldern ist auf das eigene Fehlverhalten zurückzuführen. Daher müssen die damit entstehenden Kosten grundsätzlich auch selbst getragen werden, das Absetzen dieser Kosten von der Steuer würde der Übernahme der Kosten durch die Allgemeinheit gleichkommen und ist nicht rechtens. In bestimmten Ausnahmefällen können die Kosten jedoch vom Unternehmen übernommen und von diesem steuerlich abgesetzt werden. Hierfür müssen jedoch korrekte Sachverhalte und konkrete Nachweise vorliegen.

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