Finanzen   23.8.2017

Das Girokonto als Gemeinschaftskonto

Ein Gemeinschaftskonto bietet sich für (verheiratete) Paare an, die einen gemeinsamen Haushalt führen und ebenso über die Ein- und Ausgaben verfügen möchten. Jeder Kontoinhaber hat dabei – ganz unabhängig vom Partner – dasselbe Recht das Geld auf dem Gemeinschaftskonto auszugeben oder dort etwas einzuzahlen. Es gibt zahlreiche Varianten eines Gemeinschaftskontos.

Die Vorteile eines partnerschaftlichen Gemeinschaftskontos

 Ein Girokonto lässt sich grundsätzlich als Gemeinschaftskonto verwenden. Gemeinschaftskonten werden in

  • „und“-Konten und
  • „oder“-Konten unterschieden.

Das sogenannte „Und“-Konto lebt von der Zustimmung der beiden Vertragsparteien. Bankgeschäfte wie die Durchführung von Transaktionen oder das Beantragen eines Dauerauftrages erfordern die beidseitige Zustimmung der Verfügungsberechtigten. Ebenso werden alle Angelegenheiten rund um die Konten (Umschreibung, Auflösung und sonstige Änderungen) nur nach gemeinsamer Absprache umgesetzt. Der Vorteil liegt dabei in dem besseren Überblick über die gemeinsamen Finanzen. „Und“-Konten gibt es in der Praxis seltener als „Oder“-Konten.

Das Girokonto als Gemeinschaftskonto

Das Girokonto als Gemeinschaftskonto: Wer hat Zugriff auf die Ersparnisse vom Konto?

„Oder“-Konten sorgen für Unabhängigkeit bei den Vertragspartnern. Jede Partei besitzt eine eigene Bankkarte und kann bei Bedarf die entsprechenden Abwicklungen vornehmen. Für Ehepartner birgt das Konto die Möglichkeit, die Haushaltsführung aufzuteilen und unabhängig vom anderen über das gemeinsame Geld zu verfügen. Das Gemeinschaftskonto ermöglicht eine recht unkomplizierte Handhabung der anfallenden Haushaltskosten. Via Lastschriftverfahren werden Mietkosten sowie Kosten für Strom- und Telefonrechnungen bezahlt. Mit einem Blick auf die Definition fallen alle bargeldlosen Zahlverfahren unter den Sammelbegriff „Lastschriftverfahren“. Eingekauft wird dann via Kartenzahlung vom gemeinsamen Konto. Ein gemeinsames Girokonto ist generell nicht nur für verheiratete Paare möglich, sondern auch für Lebenspartner und eingetragene Lebenspartnerschaften.

 Nachteile: Steuerrechtliche Fragen und das gemeinsame Risiko

 Die Nachteile des Gemeinschaftskontos liegen in der soeben dargestellten Freiheit und in steuerlichen Themen. Partner, die über alle Kontobewegungen mitverfügen dürfen, gelten im Fall einer Trennung als mögliche Risikofaktoren und könnten das Konto buchstäblich plündern. Eine sichere Alternative ist hierfür die Einrichtung eines „Und“-Kontos wie eingangs erwähnt.

Weitere Vorsicht ist bei der Versteuerung der Einkünfte auf einem Gemeinschaftskonto geboten. Hier können nur die Zahlungen berücksichtigt werden, die beiden Partnern gleichmäßig zustehen – andernfalls rechnet das Finanzamt spätere Zahlungen im gleichmäßigen Verhältnis 50:50 ab.

Gemeinschaftskonto für Gründer und Freiberufler: Wann ist es sinnvoll?

 Sobald mehrere Freiberufler und Selbstständige einer Branche miteinander zusammenarbeiten, kann es sinnvoll sein, ein gemeinsames Konto zu eröffnen. Übernehmen eine Landschaftsarchitektin, eine Planerin und eine Bauingenieurin beispielsweise regelmäßig gemeinsam Aufträge, ist ein Gemeinschaftskonto eine Option. Auf diesem Konto gehen dann die Honorare ein, welche die Freiberufler gemeinsam erwirtschaften. Es ist ebenfalls möglich, über das Gemeinschaftskonto alle anfallenden Fort- und Weiterbildungskosten zu verbuchen, die sich steuerlich absetzen lassen. Rein inhaltlich betrachtet gehört zu einem gemeinsamen Konto auch immer eine Portion Vertrauen und eine gute Organisation. Für die Haftung gilt: Jeder Selbstständige haftet zu gleichen Teilen. Hierfür ist es zwingend notwendig, dass alle Freiberufler bei der betreffenden Bank einen gemeinsamen Vertrag unterzeichnen. Zusätzlich zum Gemeinschaftskonto ist ein eigenes Geschäftskonto nötig.

Möglichkeiten der Auflösung eines Gemeinschaftskontos

Ist eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich und möchten die betreffenden Parteien das Gemeinschaftskonto auflösen, kommen dafür mehrere Wege infrage. Die günstigste Variante ist die Auflösung des Kontos mit der Zustimmung aller Verfügungsberechtigten. Rechtskräftig wird die Auflösung durch einen Auflösungsvertrag. Bei einem „Oder“-Konto ist eine Entfernung des Partners möglich, obgleich es sich hierbei nicht um eine Auflösung des Kontos handelt. Diese Variante tritt in Verbindung mit einer Scheidung oder einem Geschäftswechsel in Kraft, funktioniert jedoch nur beim Konstrukt eines „Oder“-Kontos.

Im Falle des Todes eines Vertragspartners besteht das Konto weiter. Wurde bei der Eröffnung eines „Und“-Kontos keine spezielle Klausel für diesen Fall gesetzt, sperrt die Bank nach dem Ableben eines Partners vorläufig das Gemeinschaftskonto, sodass der Partner ausschließlich die notwendigen Zahlungen tätigen kann. Die Verfügungsgewalt geht in diesem Falle zunächst an die Erben der verstorbenen Person über. Es ist ratsam, die entsprechenden Vereinbarungen zu treffen, um im Todesfall des Partners das Gemeinschaftskonto zu einem Einzelkonto machen zu können. Ein „Oder“-Konto steht allen Verfügungsberechtigten zur freien Verfügung.

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