Organisation   12.6.2013

„Die Beziehung muss geprägt sein von echtem Vertrauen“: Anne Oppermann und Dr. Gereon Franken im Interview

Seit 10 Jahren arbeiten Anne Oppermann und Dr. Gereon Franken als Leiter der Fernstudienakademie in Münster. Sie sind nicht nur die Geschäftsführer ihres Unternehmens, sondern auch privat ein Paar. Wie hält man häusliche und berufliche Bereiche auseinander, wenn man gemeinsam ein Unternehmen führt? Wie arrangiert man sich in solch einer Konstellation, wenn es in unternehmerischen Fragen zu Unstimmigkeiten kommt? Wie teilt man Kompetenzen und Befugnisse auf?

Anne Oppermann und Dr. Gereon Franken wissen, wie man im Team funktioniert - und verraten im Interview, worauf es ankommt.

Anne Oppermann und Dr. Gereon Franken wissen, wie man im Team funktioniert – und verraten im Interview, worauf es ankommt.

Dass Anne Oppermann und Gereon Franken darauf Antworten gefunden haben, die funktionieren, zeigt sich am Erfolg ihrer gemeinsamen Laufbahn. Sie bringen nicht nur Fernstudien-Projekte zusammen auf den Weg, sondern haben auch als Paar einen Ratgeber geschrieben: Fit für den Fernunterricht. Das alles könnte wohl kaum so gut klappen, wenn sie nicht wüssten, wie man als Team funktioniert, und gemeinsam daran arbeiteten, sich in ihrer Spezialisierung Fortbildung zu positionieren.

Im Gespräch reden die beiden über Wertschätzung der Arbeit des anderen, Ungeduld und Kompromisse – und dass das Schreiben von Sachbüchern eine Kunst ist, die man lernen kann!

  • Anne und Gereon, ihr arbeitet nicht nur täglich zusammen, ihr teilt auch einen Haushalt – wie stellt ihr sicher, dass ihr zwischen Privatem und Beruflichem trennt? Tut ihr das überhaupt?

Gereon Franken: Da sprichst du ja direkt den größten Problemkomplex einer Geschäftsbeziehung an, die auch gleichzeitig noch eine Lebenspartnerschaft ist. Das Problem ist wirklich nicht wegzudiskutieren, vor allem, weil wir außerdem Kinder haben und meist auch noch von zu Hause aus arbeiten.

Anne Oppermann: Ja, wir sehen uns praktisch ständig – aber wir haben gelernt, sehr schnell zwischen den verschiedenen „Handlungsfeldern“ zu switchen. Wenn die Kinder morgens auf dem Weg zur Schule sind, wird der erste gemeinsame Cappuccino gekocht und wir planen den Tag. Dann ist Arbeitszeit, die auch erst wieder zu Ende ist, wenn die Kinder am Nachmittag wieder zu Hause sind. In dem Moment stehen allerdings die beiden absolut im Mittelpunkt – dann wird nicht gearbeitet.

LogoFernstakademie6Gereon: Oder nur noch ganz wenig. 😉 Denn auch in dieser Familienzeit kann man den Job nicht ganz und gar ausblenden. Wenn mir die Lösung zu einem Problem einfällt, an dem ich vielleicht schon den ganzen Tag geknabbert habe, dann nehme ich mir auch die Zeit, dies wenigstens stichwortartig aufzuschreiben. Jeder von uns hat dafür ein eigenes „Arbeitstagebuch“ herumliegen, in dem sofort solche Geistesblitze eingetragen werden können.

  • Habt ihr ein System, wie ihr eure Verantwortungsbereiche so sauber trennt, dass ihr einander nicht ins Gehege kommt?

Anne: Ein solches System haben wir tatsächlich: Es gibt Bereiche, mit denen ich in erster Linie beschäftigt bin, dann gibt es Aufgaben, die in erster Linie Gereon bearbeitet, und schließlich gibt es auch noch Themen, für die wir beide zuständig sind.

Gereon: Wir sind bei der Aufgabenverteilung zunächst einmal strikt davon ausgegangen, wer was am liebsten macht und auch am besten kann. Anne ist bei uns in erster Linie als Fernkursautorin unterwegs, die im Jahr so an die 800 bis 1000 Seiten Text produzieren kann, der dann auch noch gut verständlich ist. Außerdem ist sie auch unsere „Social-Media-Beauftragte“; Facebook-Fanpage, das Blog und Co. sind also in erster Linie ihr Ding.

Anne: Gereon hat es dagegen nicht so mit der Schreiberei; er ist dafür aber sehr gut in der Kundenberatung, in der Kursbetreuung und in der pädagogischen Aufbereitung der Lehrbriefe, wenn sie der staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht vorgelegt werden müssen. Auch den gesamten Backofficebereich betreut er, allerdings zusammen mit einer weiteren Mitarbeiterin.

Gereon: Und dann gibt es ja auch noch den dritten, gemeinsamen Bereich. Da geht es um die Planung der Zukunft unseres Unternehmens. Wo wollen wir also in einem Jahr, in fünf oder in zehn Jahren stehen? Welche Kurse könnten wir dafür in unser Produktportofolio nehmen? Welche Marketingmaßnahmen sollten wir durchführen? Solche Fragen werden bei unserem wöchentlich stattfindenden Arbeitsessen besprochen.

  • Wie geht ihr mit Unstimmigkeiten um? Kommt es vor, dass ihr unterschiedliche Richtungen einschlagen wollt – und wie einigt ihr euch dann? Was könnten sich andere Unternehmer in Sachen Teamarbeit von euch abschauen?

Anne: Wie in jeder guten Ehe gibt es bei uns auch manchmal Unstimmigkeiten, und natürlich auch, wenn es um die Firma geht. Unser beruflicher Hauptstreitpunkt ist sicherlich die Prioritätensetzung: Ich möchte Problem A am liebsten in genau dieser Sekunde von jetzt auf gleich gelöst haben, während Gereon da auch schon mal einen Zeitrahmen von drei Monaten für angemessen hält.

Gereon: Meist sprechen wir dann wirklich sofort (!) über die anstehende Frage, was Anne sehr entgegenkommt, und einigen uns auf einen genauen Zeitpunkt, bis zu dem Problem A tatsächlich gelöst werden soll – was mir dann wieder entgegenkommt, vor allem, wenn bis dahin noch ein paar Wochen ins Land gehen können.

Anne: Wichtig ist für uns, dass dieses Gespräch wirklich sofort erfolgt, damit zumindest der weitere Zeitrahmen schnell geklärt ist. Ein solches zeitnahes Gespräch hilft dabei, dass die Unstimmigkeiten nicht eskalieren und es immer schwieriger wird, eine gemeinsame Lösung zu finden.

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