Gründung   15.12.2019

Die Neugründung als Handwerker – Das solltest du wissen

Wer mit geschickten Händen Wunder beim Reparieren und Basteln vollbringen kann, dem steht einer Neugründung als Handwerker nichts mehr im Weg? Na ja, nicht ganz – in Deutschland gibt es ein paar formelle Pflichten und Fallstricke, über die du dich im Vorfeld unbedingt informieren solltest. Wer die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt, kann die Wahrheit hinter dem Sprichwort „Handwerk hat goldenen Boden“ schon bald selbst entdecken.

Welche Berufskategorien des Handwerks gibt es?

Für deine Neugründung als Handwerker musst du grundsätzlich drei Berufskategorien unterscheiden:

  • mit Meisterpflicht
  • ohne Meisterpflicht
  • Handwerksähnliche Gewerbe
Neugründung als Handwerker

Die Neugründung als Handwerker ist doch nochmal etwas anderes. Verschiedene Institutionen wie die Handwerkskammer spielen zum Beispiel eine Rolle. (Bild © unsplash.com)

Gewerbe im Handwerk eröffnen – Warum mit Meisterpflicht?

Bereits im Mittelalter war der Zugang zum Markt für bestimmte Handwerke eingeschränkt. Die Beschränkung sicherte die Qualität der handwerklichen Arbeit und war somit ein Garant für Produktqualität. Zudem stellte die Meisterpflicht die Überlebensfähigkeit der bereits bestehenden Betriebe sicher. Sie waren vor Billigkonkurrenz geschützt, sodass ein Handwerksbetrieb in der Regel für ein gesichertes Auskommen des Meisters und seiner Angestellten sorgte. Die Meisterpflicht wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder aufgehoben und erneut eingeführt. In Deutschland gilt sie seit 1935 als Voraussetzung dafür, um in einem bestimmten Handwerk einen Betrieb zu eröffnen. Seit 1953 schreibt die Handwerksordnung eine Meisterprüfung vor, um einen Handwerksbetrieb zu eröffnen. Erst im Jahr 2004 schaffte die Rot-Grüne Regierung in Deutschland die Meisterpflicht für 53 von insgesamt 94 Handwerksberufen ab. 

Warum wurde die Meisterpflicht für das Gewerbe Handwerk abgeschafft?

Die Regierung wollte mit der Abschaffung der Meisterpflicht für mehr Unternehmensgründungen und einen verstärkten Wettbewerb sorgen. Das Instrument sollte der Arbeitslosigkeit entgegen wirken und für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgen. Die Meisterpflicht sollte nur noch für diejenigen Handwerke bestehen bleiben, die eine hohe Qualität erfordern, da sie mit einem Risiko für die Gesundheit oder das Leben Dritter einhergehen. Trotz der Abschaffung der Meisterpflicht können Handwerker in den Gewerken, für die keine Meisterpflicht mehr besteht, einen Meistertitel freiwillig erwerben. 

Was bringt der Meistertitel?

Wer einen Meisterbrief in seinem Handwerk erworben hat, kann:

  • eine höhere Qualifikation vorweisen als seine Mitbewerber ohne Meistertitel
  • bei seiner Kundschaft ein weitaus höheres Vertrauen in seine fachlichen Kompetenzen genießen
  • Lehrlinge ausbilden

Welche Folgen zeigt die Abschaffung der Meisterpflicht?

Eine Stellungnahme der Regierung zu der Veränderungen im Handwerksbetrieb nach der Abschaffung der Meisterpflicht zeigte, dass die Zahl der Meisterbetriebe stark abgesunken ist. Dahingegen ist die Unternehmensgröße der verbleibenden Meisterbetriebe angewachsen. In den zulassungsfreien Gewerken gab es sehr viele Neugründungen von Einzelunternehmern, die nach kurzer Zeit ihren Handwerksbetrieb wieder aufgaben. Die Zahl der Ausbildungsplätze im Handwerk ist stark gesunken. Die Auswertung zeigte insgesamt eine negative Entwicklung durch die teilweise Abschaffung der Meisterpflicht.

Warum wird die Meisterpflicht für bestimmte Gewerbe im Handwerk wieder eingeführt?

Das Ergebnis der Auswertung führte zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in bestimmten Gewerken. Nach der Abschaffung der Meisterpflicht für insgesamt 53 Gewerke im Jahr 2004 ist daher mit dem Jahresbeginn 2020 die Meisterpflicht für spezielle Handwerksberufe wieder eingeführt. Die Wiedereinführung der Meisterpflicht mit ihrer höheren Qualität sorgt insbesondere für eine Verbesserung des Verbraucherschutzes. Zudem schaffen mehr Meisterbetriebe auch mehr Ausbildungsplätze. Schließlich stellt der Meisterbrief ein solides Fundament für Inhaber, um ihren Handwerksbetrieb wirtschaftlich erfolgreich zu führen. 

Welche Handwerksberufe erfordern eine Meisterpflicht?

In der Handwerksordnung findest du im  ein Verzeichnis der Gewerbe, die einen Meistertitel erfordern. Hierzu gehören neben vielen anderen:

  • Maurer
  • Zimmerer
  • Dachdecker
  • Straßenbauer
  • Maler und Lackierer
  • Gerüstbauer
  • Schornsteinfeger
  • Metallbauer
  • Friseur
  • Fahrzeugbauer
  • Informationstechniker
  • Klempner
  • Bäcker
  • Tischler
  • Fleischer
  • Optiker
  • Zahntechniker

Welche Gewerke erhalten die Meisterpflicht ab 2020 zurück?

Die Liste der Handwerksberufe, die laut § 1 Abs. 2 Anlage A HWO einen Meistertitel erfordern, ist ab dem Jahr 2020 um einige Gewerke erweitert, deren Meisterpflicht 2004 abgeschafft worden war. Betroffen sind die folgenden Gewerke:

  • Betonstein- und Terrazzohersteller
  • Behälter- und Apparatebauer
  • Böttcher
  • Drechsler und Holzspielzeugmacher
  • Estrichleger
  • Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
  • Glasveredler
  • Orgel- und Harmoniumbauer
  • Parkettleger
  • Rollladen- und Sonnenschutztechniker
  • Raumausstatter
  • Schilder- und Lichtreklamehersteller

Was gilt für den bisher zulassungsfreien Handwerksbetrieb nach der Änderung?

Ein Handwerksbetrieb, der in einem seit 2004 zulassungsfreien Gewerk besteht, genießt einen sogenannten Bestandsschutz. Das bedeutet, dass der Handwerksbetrieb ohne Änderung auch weiterhin geführt werden kann und kein Meisterbrief nachgeholt werden muss. 

Welche Möglichkeiten der Neugründung gibt es ohne Meistertitel?

In der Handwerksordnung () findest du ein Verzeichnis der Gewerbe, die auch nach der Wiedereinführung der Meisterpflicht keinen Meistertitel erfordern. Die Liste der aufgeführten Gewerbe ist ab dem Jahreswechsel 2020 entsprechend angepasst. Hierzu gehören neben vielen anderen:

 
  • Graveur
  • Metallgießer
  • Gold- und Silberschmied
  • Parkettleger
  • Modellbauer

Auch in den Handwerksberufen ohne Meisterpflicht kannst du eine Meisterprüfung ablegen. Der Meistertitel ist auch in diesen Berufen ein Qualitätsmerkmal, das deinem Betrieb Vertrauen bei der Kundschaft verschafft.

Welche Handwerksberufe fallen unter die handwerksähnlichen Gewerbe?

Laut HwO :

  • Theatermaler
  • Metallschleifer
  • Rohr- und Kanalreiniger 
  • Änderungsschneider
  • Schuhreparaturen

Was musst du bei Neugründung als Handwerker beachten?

In vielen Berufen gilt die sogenannte Meisterpflicht, auch Meisterzwang genannt. Diese Pflicht bzw. dieser Zwang besagt, dass nur ein Handwerksmeister einen selbstständigen Handwerksbetrieb führen darf. Erkundige dich vor der Gründung deines Handwerksunternehmens unbedingt, ob für dich die Meisterpflicht auch gilt. Solltest du selbst sowieso einen Meistertitel tragen: alles paletti. Wenn du keinen Meistertitel hast, aber trotzdem einen Handwerksbetrieb gründen willst, kannst du auch einen Handwerksmeister einstellen – auch damit erfüllt dein Betrieb dann die nötige Voraussetzung.

Welche Ausbildung brauche ich für den Meistertitel?

Auch andere Formen der Ausbildung können dich zum Meistertitel führen. In der Handwerksordnung legt der  genau fest, welche Fachausbildungen dem Meistertitel gleichgestellt sind. Dazu gehören neben Ingenieuren

  • Absolventen technischer Hochschulen
  • Absolventen staatlich anerkannter Fachschulen für Technik
  • Absolventen staatlich anerkannter Fachschulen für Gestaltung

Voraussetzung für ihren Eintrag in die Handwerksrolle ist, dass ihr Studienschwerpunkt oder der Schulschwerpunkt ihrer Prüfung dem Handwerk entspricht, für das sie zugelassen werden wollen. Aber auch andere staatlich anerkannte Prüfungen, die dich dazu befähigen, das angestrebte Handwerk auszuüben, können dir den Meistertitel verschaffen.

Hier zählt die Erfahrung

Berufstätige, die nachweislich über mehrere Jahre hinweg in einer leitenden Position in einem Unternehmen im entsprechenden Handwerk gearbeitet haben, können sich auch in Berufen mit Meisterpflicht selbstständig machen. Über eine Zulassung kann dich in deinem individuellen Fall die Handwerkskammer beraten. Dort stellst du auch deinen Antrag zur Eintragung in die Handwerksrolle.

Was nützt mir die Mitgliedschaft in der Handwerkskammer?

Die Handwerkskammer ist keine Option, sondern eine Pflicht für selbstständige Handwerker. Dein Betrieb muss in der entsprechenden Kammer Mitglied werden. Für dich bedeutet das zwar auf der einen Seite, dass du auch zu regelmäßigen Mitgliedsbeiträgen verpflichtet bist. Andererseits ist die Handwerkskammer auch eine Interessenvertretung deiner Branche, die dir bei Fragen und für Informationen jederzeit zur Verfügung stehen wird. Die Verpflichtung hat also ihre durchaus positiven Seiten!

Müssen Handwerksbetriebe ein Gewerbe anmelden?

Auch Handwerksbetriebe sind ein Gewerbe und müssen deshalb beim Gewerbeamt angemeldet werden. Voraussetzung für die Anmeldung ist übrigens der Gang zur Handwerkskammer, den du schon vorher erledigt haben musst. Erst wenn dein Betrieb bei der Handwerkskammer in der Handwerksrolle eingetragen ist und die Kammer dir eine Handwerkskarte ausgestellt hat, kann dein Gewerbe angemeldet werden.

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Wann muss ich eine Genehmigung bei der Unteren Bauaufsicht einholen?

Mitgliedschaft in der Handwerkskammer und Eintragung im Gewerberegister sind schon mal zwei Meilensteine auf dem Weg zur Gründung deines Handwerkbetriebs! Jetzt brauchst du noch eine Genehmigung der Unteren Bauaufsicht. Dann hast du beinahe alle Formalitäten geklärt! Die Untere Bauaufsicht ist zuständig für die Genehmigung deiner Betriebsstätte. Wenn die Räume deines neu gegründeten Handwerksbetriebs bisher privat genutzt oder von einem Lager in eine Werkstatt umgebaut wurden, dann musst du die Baumaßnahmen genehmigen lassen. Wenn du einen Betrieb übernimmst, der keine neue Nutzung nach sich zieht, dann entfällt die Genehmigungspflicht durch die Untere Bauaufsicht.

Warum sollte ich die Mitgliedspflicht bei der Berufsgenossenschaft klären?

Für manche handwerklichen Betriebe gilt eine Versicherungspflicht bei der Berufsgenossenschaft, andere dürfen sich freiwillig dort versichern. Wenn du in deinem Betrieb Mitarbeiter beschäftigst, dann hast du eine Pflicht zur Mitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft. In jedem Fall ist es vorteilhaft, sich schon zu Beginn der Existenzgründung aktiv bei der Berufsgenossenschaft zu melden. Zwar würde sie irgendwann von sich aus auf dich zukommen, aber besser ist es, wenn dein Betrieb von Anfang an den richtigen berufsbezogenen Versicherungsschutz genießt!

Habe ich eine Pflicht zum Handelsregistereintrag?

Wenn deine Neugründung als Handwerker in der Rechtsform GmbH umgesetzt werden soll, dann brauchst du einen Gesellschaftsvertrag, den du von einem Notar beurkunden lässt. Danach brauchst du eine Eintragung in das Handelsregister, die du beim Amtsgericht ausführen lässt. Aber auch als Einzelunternehmer kannst du unter die Pflicht des Handelsregistereintrags kommen, wenn dein Geschäftsumsatz einen festgelegten Betrag übersteigt. 

Welche spezifischen Nachweise sind noch nötig?

Für bestimmte Handwerksberufe brauchst du gesonderte Nachweise, um deine Tätigkeit auszuführen. Als Gas- oder Wasserinstallateur zum Beispiel musst du in das örtliche Installateurverzeichnis eingetragen sein. Denn nur ausdrücklich ermächtigten Fachleuten ist der Zutritt zum Beispiel zu öffentlichen Versorgungsnetzen erlaubt.

Förderprogramme für Existenzgründer

Bund und Länder haben verschiedene Förderprogramme, die speziell die Neugründung als Handwerker unterstützen sollen. Das sind teilweise staatlich geförderte verbilligte Darlehen, teilweise kostenlose Coachings für Existenzgründer. Von Bundesland zu Bundesland sehen die Förderungen unterschiedlich aus. Daneben gibt es noch deutschlandweite Förderungen des Handwerks durch den Bund, über die du auf der Website des mehr erfährst.

Diskussion

Ein Kommentar

  1. 1. Februar 2018 am 23:46

    es gibt so viele betriebe ohne meistertitel. HWK Soll die Betriebe kontrolieren und saftigen geldstrafe geben. gibs so viele firmen unter bautenschutz oder hausmeisterdienst tatig sind aber machen die aufgaben von bauhauptgewerben.

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