Recht   05.7.2018

Die richtige Krankenversicherung für Selbstständige: PKV oder GKV?

Gut versichert in die Selbstständigkeit – gesetzlich oder privat?

In Deutschland besteht eine gesetzliche Pflicht zur Krankenversicherung. Wer ein Unternehmen gründet, der hat genauso eine Pflicht zur Versicherung wie jeder Arbeitnehmer und Angestellte.  Abhängig von mehreren Faktoren haben Angestellte und Unternehmer die freie Wahl, ob sie einer gesetzlichen oder privaten Kasse beitreten. Die passende Krankenversicherung für Selbstständige sollte bereits im Vorfeld einer Unternehmensgründung sorgfältig ausgesucht werden.

Krankenversicherung für Selbstständige

Krankenversicherung für Selbstständige

Wer hat Wahlfreiheit?

Aus den beiden Trägerformen können sowohl Selbstständige als auch Angestellte ihren optimalen Anbieter wählen. Selbstständige können sich entscheiden, ob sie sich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung melden oder ob sie eine Privatversicherung wählen.

Sie haben darüber hinaus die Möglichkeit, jederzeit von der gesetzlichen Kasse in die Privatkrankenkasse zu wechseln. Der Schritt zurück von der privaten in die gesetzliche Kasse ist jedoch nur eingeschränkt möglich. Selbstständige können den Wechsel zurück in die GKV erst vollziehen, wenn sie wieder in einem Angestelltenverhältnis arbeiten. Dabei muss das Einkommen unterhalb einer festgelegten Grenze liegen. Darüber hinaus darf der Arbeitnehmer nicht älter sein als 55 Jahre. Angestellte und Arbeitnehmer hingegen haben die Wahlfreiheit grundsätzlich nur dann, wenn sie über ein Gehalt verfügen, das oberhalb einer gesetzlich definierten Grenze liegt.

Privat oder Gesetzlich – was sind die Unterschiede?

Welche der beiden Formen die richtige Krankenversicherung für Selbstständige ist, ist individuell zu prüfen. Die Unterschiede zwischen den privaten und den gesetzlichen Krankenkassen liegen in zwei grundlegenden Kriterien:

  • Beiträge
  • Leistungen

Was sind die Unterschiede in der Beitragsberechnung der Krankenkassen?

Die gesetzlichen Krankenkassen

Die gesetzlichen Krankenkassen berechnen ihren Beitragssatz auf Basis der Einkünfte des Versicherten. Der Gesetzgeber hat eine Mindesteinkommensgrenze für die Beitragserhebung festgelegt. Aus dem festgelegten Mindesteinkommen in Höhe von knapp 2.200 Euro errechnet die gesetzliche Krankenversicherung GKV einen Mindestbeitrag in Höhe von 14,5 %. Wer weniger verdient, zahlt demzufolge einen erheblich höheren Beitragssatz. Dagegen gewähren die GKV eine Beitragsbemessungsgrenze, die bei knapp 4.400 Euro liegt. Sämtliche Einkünfte, die darüber hinausgehen, sind beitragsfrei. Je höher also das Einkommen liegt, desto niedriger ist der prozentuale Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung.

Härtefallregelung – überhöhte Beiträge der gesetzlichen Krankenversicherung für Selbstständige

Für viele Solo-Selbstständige sind die Mindesteinkommensgrenzen der gesetzlichen Krankenkassen unrealistisch hoch angesetzt. Wer ein Einkommen unterhalb von 2.231,25 Euro pro Monat verdient, der muss trotzdem den vollen Beitrag des Mindesteinkommens bezahlen. Daher können Solo-Selbstständige eine niedrigere Mindestbemessungsgrenze beantragen. Hierfür müssen sie sowohl ihre Einkünfte samt ihrem Vermögen als auch das ihres Ehepartners oder ihres unverheirateten Partners offen legen. Auch nach der Senkung der Mindesteinkommensgrenze liegt der Beitrag immerhin noch bei 234 Euro. 

Tipp: Steuerung der Beiträge in der Krankenversicherung für Selbstständige

Viele neue freiwillige Mitglieder bei der gesetzlichen Krankenkasse werden zu hoch eingestuft. Denn die Krankenkassen gehen bei Selbstständigen von einem hohen Einkommen aus und orientieren sich an der Einkommensobergrenze. Dadurch können sich stark überhöhte Beitragszahlungen ergeben. Daher sollten Selbstständige, die sich freiwillig gesetzlich versichern, bei der Anmeldung eine niedrige Schätzung ihrer Einnahmen angeben. Zwar kann es bei guter Auftragslage und höheren Einnahmen zu Nachzahlungen kommen, für die Du im Vorfeld Geld zurück legen solltest. Doch wenn die Schätzung der zukünftigen Einnahmen höher ausfällt, als Deine tatsächlichen Einkünfte, dann zahlst Du laufend zu hohe Beiträge, die Du nicht zurück erstattet bekommst. 

Eine Anpassung der Beiträge der Krankenversicherung für Selbstständige an ein niedrigeres Einkommen erfolgt erst nach Vorlage eines aktuellen Steuerbescheides. Da der Steuerbescheid bei Selbstständigen jedoch erst mehrere Monate nach Ablauf eines betroffenen Abrechnungsjahres erteilt wird, kann es dazu kommen, dass Du über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr hinweg zu hohe Beiträge bezahlen musst. Eine Senkung der Beiträge erfolgt zudem nicht rückwirkend für die Zeit, in der tatsächlich bereits ein niedriges Einkommen vorlag, sondern nur für die Zukunft. Auch werden zu viel bezahlte Beiträge durch die GKV nicht zurück erstattet. Dabei kann es zu ernsthaften Liquiditätsproblemen kommen.

Private Krankenkassen

Die privaten Krankenkassen berechnen ihre Beiträge nicht nach Einkommen, sondern nach dem Risiko für die Versicherung. Versicherte mit einem niedrigen Erkrankungsrisiko bezahlen geringere Beiträge. Die Beiträge sind abhängig von Vorerkrankungen, vom Geschlecht und vom Alter des Eintritts in die Versicherung. Da die private Krankenversicherung für Selbstständige mit schwankendem Einkommen einen stabilen Beitrag garantiert, schafft sie mehr Planungssicherheit in der Kalkulation regelmäßiger Ausgaben.

Andererseits können die Beiträge der Privaten Krankenversicherung für Selbstständige mit einem niedrigen Einkommen zu hoch ausfallen.

Ottonova Private Krankenversicherung

Familienversicherung – GKV und PKV

In der gesetzlichen Krankenversicherung sind sowohl der Ehepartner als auch die Kinder bis zu einem Alter von 25 Jahren ohne zusätzliche Kosten mitversichert. Dahingegen muss in der privaten Krankenversicherung für jedes einzelne Familienmitglied ein eigener Vertrag abgeschlossen werden. Hierdurch können erhebliche Ausgaben entstehen. Aus diesem Grund kann die private Krankenversicherung für Selbstständige mit Familie die ungünstigere Wahl darstellen.

Welche Unterschiede gibt es bei den Leistungen der Krankenkassen?

GKV

Die gesetzlichen Krankenversicherungen bieten eine deutlich geringere Leistung im Vergleich zu den PKV. Die Auswahl an Ärzten und Krankenhäusern sowie an Behandlungsmöglichkeiten ist stark eingeschränkt. Die GKV bietet eine Regelversorgung, deren Standard aufgrund steigender Ausgaben stetig absinkt.

Private Krankenversicherung

Privat Versicherte können sich die Leistungen nach Bedarf selbst zusammenstellen. Sie haben freie Arzt- und Krankenhauswahl und ein sehr viel breiteres Spektrum an Behandlungsmöglichkeiten. Darüber hinaus erhalten sie auch höhere Zuzahlungen bei Zahnbehandlungen und medizinischen Hilfsmitteln wie Brillen oder Hörgeräten. Darüber hinaus führt der Selbstbehalt zu einer Senkung von Beiträgen. Auch können Beitragsrückzahlungen von bis zu vier Monatsbeiträgen vereinbart werden, wenn keine Leistungen in Anspruch genommen wurden.

Krankengeld

Die GKV bezahlt erst nach sechs Krankheitswochen ein Krankengeld. Bis dahin muss der Selbstständige selbst für den Verdienstausfall bei einer Erkrankung aufkommen. Dahingegen bieten die PKV flexible Vereinbarungen für den Einstieg, die Dauer und die Höhe von Krankengeld.

Fazit – Krankenversicherung für Selbstständige

Da die Beiträge der Privatversicherer einkommensunabhängig sind und hohe Rückerstattungen ermöglichen, können sich Selbstständige unter bestimmten Voraussetzungen deutlich günstiger in einer PKV versichern. Darüber hinaus bietet die private Krankenversicherung für Selbstständige mehr Leistungen, die auf den individuellen Bedarf zugeschnitten werden können.

Ähnliche Fragen:

Verwandte Artikel

Das könnte dich auch interessieren

Die 5 wichtigsten Versicherungen für Gründer
Finanzen

Die 5 wichtigsten Versicherungen für Gründer

Der Start in die Selbständigkeit – sei es als Freiberufler oder als Unternehmer – bringt zahlreiche Unwägbarkeiten mit sich. Je …
Finanzen

Krankengeld für Selbstständige mit krankem Kind

Das Kind hat hohes Fieber, Mama ist auf Dienstreise und Papa hätte eigentlich heute einen ganz dringenden Abgabetermin. Kranke Kinder …
Lifestyle

Burnout – was können Selbstständige und Unternehmer dagegen …

Als Angestellter ein Burnout zu haben, ist schlimm genug. Doch können sich Angestellte krankschreiben lassen, ohne gleich befürchten zu müssen, …

Privat: Billomat 60 Tage kostenlos testen

Mit der Anmeldung akzeptierst du die AGB.

Newsletter
Newsletter
Kontakt
Folge uns
Deine Einstellungen zu Cookies für diese Website:

Wähle selbst aus, welcher der nachfolgenden Cookies die Website verwenden darf. Du kannst diese Einstellungen jederzeit wieder über unsere Datenschutzbestimmungen ändern.

Ändere deine Cookie-Einstellungen mit dem Schieberegler:
Notwendig
Notwendig
Statistik
Statistik
Komfort
Komfort
Targeting
Targeting