Gründung   24.5.2020

Du wirst gebraucht: Selbstständig als Altenpfleger

Ausgebildete Altenpfleger sind gefragte Fachkräfte. In vielen Einrichtungen herrscht Personalmangel. Doch Gehälter, Arbeitszeiten und -bedingungen stellen nicht jeden zufrieden. Kannst du auch selbstständig als Altenpfleger arbeiten oder ein eigenes Startup im Bereich Altenpflege aufziehen? Ja. Wie – erfährst Du hier.


  1. Welche Aufgaben hat ein Altenpfleger?
  2. Welche Eigenschaften müssen Altenpfleger mitbringen?
  3. Welche Ausbildung führt zum Beruf als Altenpfleger?
  4. Wie arbeiten freiberufliche Altenpfleger?
  5. Freiberufliche Altenpfleger in stationären Einrichtungen
  6. Welche Vorbereitungen musst Du treffen?
  7. Beim Gesundheitsamt anmelden
  8. Wie sicherst du dich ab?
  9. Wie kommst du an Aufträge und wie rechnest du sie ab?
  10. Event-Tipps: Kongresse und die Altenpflege-Fachmesse

Du wirst gebraucht: Selbstständig als Altenpfleger

Altenpfleger und Altenpflegerinnen sind begehrt. Man kann auch selbstständig als Altenpfleger arbeiten – nämlich freiberuflich. (© VadimGuhva – Fotolia)

Welche Aufgaben hat ein Altenpfleger?

Der Beruf als Altenpfleger geht mit zahlreichen Aufgaben einher, die unterschiedliche Bereiche einschließen.

  • Hilfe bei der Bewältigung des Alltags
    Als eine zentrale Aufgabe unterstützen Altenpfleger ältere Menschen bei der Bewältigung von alltäglichen Anforderungen und bei ihren Bedürfnissen, wie zum Beispiel beim Essen, beim Anziehen oder bei der Körperpflege. Darüber hinaus übernehmen Altenpfleger auch die praktische Betreuung und Beratung von alten Menschen in ihrem persönlichen Tagesablauf. Daneben gehören beispielsweise Behördengänge oder eine Begleitung beim Arztbesuch zu den alltäglichen Anforderungen, mit denen Altenpfleger ihre Patienten unterstützen. 
  • Medizinische Versorgung
    Altenpfleger leisten auch wichtige medizinische Unterstützung, wie zum Beispiel das Wechseln von Verbänden oder die Reichung von Medikamenten nach ärztlicher Anleitung sowie die Durchführung von Einläufen oder Injektionen. Zur Pflege gehört das Messen von Blutdruck und Puls oder Temperatur, die Kontrolle von Flüssigkeit sowie das Umbetten von Bettlägerigen. Altenpfleger überwachen den Gesundheitszustand ihrer Patienten über längere Zeiträume hinweg und tragen aktiv zur Verbesserung von Krankheitsverläufen oder zur Erhaltung von guter Gesundheit bei. Ziel der Behandlung in der Altenpflege ist die Bewahrung oder Wiederaktivierung von eigenständigen Fähigkeiten beim Patienten. In Notfällen müssen Altenpfleger Erste Hilfe leisten. 
  • Rehabilitation
    Schließlich sind Altenpfleger auch in der Rehabilitation und Vorsorge tätig, wenn sie alte Menschen bei Atemübungen oder Bewegungsübungen anleiten. So kann der Altenpfleger beispielsweise ein regelmäßiges Bewegungstraining ansetzen oder krankengymnastische Übungen als Maßnahme der Rehabilitation mit einem Patienten durchführen. Altenpfleger leisten in ihrer pflegerischen Tätigkeit einen wichtigen Beitrag im medizinischen Bereich, indem sie alte Menschen in der Vorsorge, Behandlung und Rehabilitation unterstützen und dabei zum Behandlungserfolg des Arztes beitragen. Dabei arbeiten Altenpfleger eng mit dem behandelnden Arzt zusammen, informieren diesen über gesundheitliche Veränderungen und bereiten Arztbesuche vor. 
  • Planung
    Um ihre umfassenden Aufgaben zu organisieren, planen Altenpfleger den Prozess der Pflege aufgrund konkreter Anforderungen nach den individuellen Bedürfnissen des alten Menschen, den sie versorgen. Dabei legen sie in einem Betreuungsplan fest, welche Maßnahmen im besonderen Fall zu treffen sind, sie dokumentieren ihre Umsetzung und werten die Ergebnisse, Entwicklungen, Fortschritte oder Probleme aus. Auf diese Weise halten Altenpfleger schriftlich fest, wie sie ärztliche Anordnungen ausgeführt haben. 
  • Koordination
    Daneben arbeiten gerade freiberufliche Altenpfleger in der ambulanten Pflege eng mit Familienangehörigen und Ehrenamtlichen zusammen. So können in der häuslichen Pflege viele Aufgaben auf mehrere Personen verteilt werden. Dabei übernimmt der freiberufliche Altenpfleger die Organisation und Koordination der Pflege, um den Umfang, die einzelnen Aufgaben und die Art der Ausführung zu bestimmen. Dabei übernehmen sie die Überwachung der Pflege, indem sie Angehörige und Ehrenamtliche bei der häuslichen Pflege anleiten, unterstützen und aufklären. 
  • Beratung
    Im Rahmen der Betreuung alter Menschen leisten Altenpfleger umfassende Beratung in persönlichen und sozialen Angelegenheiten ihrer Patienten. Sie informieren über Angebote von Hilfsdiensten oder Selbsthilfeorganisationen, beraten ihre Patienten in der Gesundheitsvorsorge oder in behördlichen Angelegenheiten. Sie stellen im erforderlichen Fall den Kontakt zu Behörden oder Diensten her und helfen beim Ausfüllen von Formularen oder bei der Antragstellung für Behörden. Daneben beraten Altenpfleger ihre Patienten auch in der Organisation des Tagesablaufs sowie bei Krisen und schwierigen Lebenssituationen.
  • Psychosoziale Unterstützung
    Neben all den organisatorischen, medizinischen und betreuenden Aufgaben bieten Altenpfleger auch Unterstützung im psychosozialen Bereich. Denn sie stehen nicht nur in einem engen persönlichen Kontakt zu ihren Patienten. Sie nehmen auch konstruktiven Einfluss auf sein Umfeld, indem sie zwischenmenschliche Beziehungen beispielsweise innerhalb der Familie fördern oder die Kommunikation des Patienten mit Nachbarn oder anderen Betroffenen unterstützen. Dabei können Altenpfleger Erlebnisse wie eine Feier, einen Ausflug oder ein Treffen organisieren, um ihre Patienten vor Isolation zu schützen und psychosoziale Fähigkeiten zu bewahren oder zu rehabilitieren. 
  • Sterbebegleitung
    Altenpfleger begleiten ihre Patienten nicht nur, um sie in ihrem Alltag zu unterstützen. Die Begleitung kann sich auch auf einen Sterbeprozess erstrecken. Daher begleiten Altenpfleger sehr häufig auch Sterbende und müssen frisch Verstorbene versorgen.

Welche Eigenschaften müssen Altenpfleger mitbringen?

Wer den Beruf als Altenpfleger ergreifen möchte, muss insbesondere sehr viel Einfühlungsvermögen für alte Menschen mitbringen und eine hohe soziale Kompetenz aufweisen. Die Arbeit richtet sich unmittelbar an eine Person, mit der eine sehr enge Berührung entsteht. Daher sollten Altenpfleger gerne mit Menschen umgehen und Kontaktfreude mitbringen. Da sie mit hilfsbedürftigen Menschen umgehen, müssen Altenpfleger darüber hinaus sehr geduldig sein. Sie müssen Achtung vor dem Leben haben und dürfen sich nicht vor unangenehmen Aufgaben scheuen. Aufgrund der Anforderungen müssen Altenpfleger eine gute körperliche Konstitution mitbringen und belastbar sein. Die umfangreichen medizinischen Anforderungen an den Beruf als Altenpfleger setzen ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein voraus. 

Hier noch einmal die wichtigsten Eigenschaften von Altenpflegern kurz & knapp:

  • Einfühlungsvermögen
  • hohe soziale Kompetenz
  • Kontaktfreude
  • Geduld
  • gute körperliche Konstitution
  • Belastbarkeit
  • Verantwortungsbewusstsein

Welche Ausbildung führt zum Beruf als Altenpfleger?

Seit Januar 2020 führt die generalistische Pflegeausbildung zur Berechtigung, als Altenpfleger zu arbeiten. Die Ausbildung zur Pflegefachkraft fasst die bisher getrennten Ausbildungsgänge für die Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege in einen einzigen Ausbildungsgang zusammen. Durch die Reform der Ausbildung zielt der Gesetzgeber darauf, dass ausgebildete Pflegefachkräfte in jedem der drei Berufe Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege und Gesundheits- und Kinderkrankenpflege arbeiten können. Die Ausbildung zum Altenpfleger im Rahmen der Pflegefachkraftausbildung dauert drei Jahre und umfasst theoretischen und praktischen Unterricht. Den theoretischen Unterricht erteilen Pflegeschulen, während die praktische Ausbildung in mehreren Einrichtungen der unterschiedlichen Bereiche zu absolvieren ist. In den ersten beiden Jahren der Ausbildung lernen die angehenden Pflegefachkräfte allgemeine Kenntnisse. Im dritten Ausbildungsjahr wählen sie ihr Spezialgebiet und vertiefen ihre Kenntnisse entsprechend in ihrem Fachbereich. Der Abschluss erfolgt innerhalb der Spezialisierung als Pflegefachkraft Altenpflege. Wer bereits als Altenpflegehelfer arbeitet, kann die Ausbildung aufbauend absolvieren.

Welche Berufsbezeichnungen sind üblich?

Abhängig von der beruflichen Ausbildung, der ausgeführten Tätigkeit und dem Einsatzfeld können Altenpfleger ihre Dienste als Pflegekraft, als Pflegefachkraft oder als Pflegeperson anbieten.

Wie arbeiten freiberufliche Altenpfleger?

Grundsätzlich können Altenpfleger in der häuslichen Pflege oder in festen Einrichtungen arbeiten. Freiberufliche Altenpfleger haben oftmals eine eigene Praxis und beschäftigen Angestellte. In der Regel arbeiten freiberufliche Altenpfleger im häuslichen Bereich, wo sie die Pflege selbstständig organisieren und ausführen. Da viele Familien für ihre Angehörigen Pflegekräfte suchen, die die häusliche Pflege organisieren und durchführen, besteht in diesem Bereich eine sehr hohe Nachfrage nach freiberuflichen Altenpflegern. Die Durchführung der häuslichen Versorgung einer alten Person durch einen freiberuflichen Altenpfleger geht mit einer Vielzahl individueller Gestaltungsmöglichkeiten und mit einem sehr hohen Maß an Eigenverantwortung für alle Beteiligten einher. 

Freiberufliche Altenpfleger in stationären Einrichtungen

Für freiberufliche Altenpfleger in stationären Abteilungen von Kliniken und Pflegeheimen ist seit einem Urteil des Bundessozialgerichts aus dem Jahr 2019 die regelmäßige Arbeit auf Honorarbasis erschwert worden. Wenn sie in einer stationären Abteilung arbeiten, werden nach dem Urteil des Gerichts für Altenpfleger regulär Sozialabgaben auf ihre Einkünfte fällig. Denn nach Auffassung des Gerichts sind Altenpfleger in einer stationären Pflegeeinrichtung im Regelfall in die Organisations- und Weisungsstruktur eingebunden und haben somit keine unternehmerischen Freiheiten. Daher gelten die Pflegeeinrichtungen als Arbeitgeber, die Sozialversicherungsabgaben zahlen müssen, was einer Festanstellung gleich kommt. Freiberufliche Altenpfleger können nur noch in wenigen Ausnahmefällen auf Station arbeiten, ohne Sozialversicherungsabgaben zu verursachen. In der Regel werden freiberufliche Altenpfleger in stationären Pflegeeinrichtungen seit dem Gerichtsurteil sozialversicherungspflichtig. Das führt dazu, dass viele Pflegeeinrichtungen ihre Altenpfleger in Festanstellung nehmen. Um auch weiterhin für stationäre Pflegeeinrichtungen auf Honorarbasis arbeiten zu können, können freiberufliche Altenpfleger eine Partnerschaftsgesellschaft gründen. Als Freiberufler in einer Partnerschaftsgesellschaft können sie unabhängig vom Auftraggeber auf Honorarbasis arbeiten, ohne die Auffassung des Bundessozialgerichts zu verletzen. 

Selbstständig als Altenpfleger – Welche Vorbereitungen musst Du treffen?

Und so geht’s: Wenn du selbstständig als Altenpfleger für verschiedene Auftraggeber in der Pflege arbeiten möchtest, dann bist du freiberuflich tätig. Als Freiberufler musst du dich nur beim Finanzamt anmelden und dort den Bogen zur Betriebseröffnung ausfüllen. Einen Gewerbeschein brauchst du nicht.

Beim Gesundheitsamt anmelden

Wer Dienstleistungen im Gesundheitswesen erbringt, muss das aber in einigen Bundesländern dem Gesundheitsamt melden. Auch dort ist ein Fragebogen auszufüllen und du musst Unterlagen vorlegen. Zuständig ist jeweils das Gesundheitsamt an deinem Wohnort bzw. dort wo du deine Firma anmeldest. Als Beispiel die Informationen, die das dazu anbietet.

Beim Gesundheitsamt solltest du also:

  • ein polizeiliches Führungszeugnis,
  • die Urkunde über deine erfolgreich abgeschlossene Ausbildung,
  • und ein ärztliches Attest

vorlegen können. Das ist nicht in allen Bundesländern gleich geregelt.

Selbstständig als Altenpfleger: Wie sicherst du dich ab?

Berufsgenossenschaft

Damit Wege- und Arbeitsunfälle versichert sind, musst du Mitglied in einer Berufsgenossenschaft sein. Als Selbstständiger musst du dich dort selbst anmelden. Zuständig für Pflegekräfte ist die .

Krankenkasse

Du brauchst eine Krankenversicherung. Egal ob privat oder gesetzlich versichert: Weil du nichts verdienst, wenn du selbst krank wirst oder dein Kind krank ist, kläre die Konditionen, unter denen du Krankentagegeld erhalten würdest.

Rentenversicherung

Selbstständige Pflegekräfte können in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Viele sind dazu sogar verpflichtet, unter bestimmten Bedingungen kannst du dich auch befreien lassen. Überlege dir genau, ob das klug ist und wie du alternativ  bzw. zusätzlich für’s Alter vorsorgen kannst.

Berufshaftpflicht

Auch andere Versicherungen können für dich sinnvoll sein. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zum Beispiel. Die Berufshaftpflicht sichert deine Zukunft ab, falls dir bei der Arbeit Fehler unterlaufen, die deine Kunden schädigen.

Wie kommst du an Aufträge und wie rechnest du sie ab?

Deine zukünftigen Kunden können sich entweder direkt an dich wenden oder du bekommst deine Aufträge über eine oder mehrere Agenturen. Vermittler für freiberuflich tätige Pflegekräfte gibt es viele. Eine solche Agentur nimmt dir die Akquise ab, du entscheidest aber immer noch selbst, welchen Auftrag du zu welchen Konditionen annimmst.

Das Los der Selbstständigkeit: Du musst dich auch um deine Buchhaltung, Steuern und Rechnungen kümmern. Das heißt du musst für deine Dienstleistung regelmäßig Rechnungen schreiben. Wenn du hierfür ein Rechnungsprogramm suchst, sieh dir gerne die Buchhaltungssoftware Billomat an. Die Testphase dauert 30 Tage, du kannst also ausführlich testen, ob Billomat etwas für dich ist.

Medizinische Dienstleistungen sind in Deutschland von der Umsatzsteuer befreit, also wirst du auf deine Leistungen keine Umsatzsteuer erheben.

Event-Tipps: Kongresse und die Altenpflege-Fachmesse

Selbstständig arbeitende Altenpfleger können sich auf zahlreichen Kongressen und Fachmessen umfassend über Entwicklungen und Chancen informieren sowie hilfreiche Kontakte knüpfen. Am 10. und 11. September 2020 findet beispielsweise der Demografiekongress in Berlin und am 13. September der Gesundheitstag in Hannover statt. Dort kannst Du einen tiefergehenden Einblick über aktuelle Entwicklungen im Bereich der Altenpflege erhalten. Weitere Termine über interessante Fachtagungen findest Du zum Beispiel auf. 

Auch die Messe Altenpflege bietet Dir umfangreiche Informationen. Sie rechnet in der Regel mit ca 500 Ausstellern im Jahr. Dort kannst Du Dich regelmäßig über neuste Trends in der Altenpflege informieren. Die Messe Altenpflege findet jährlich statt, wechselt aber den Veranstaltungsort: In ungeraden Jahren findest du sie in Nürnberg, in den geraden in Hannover. Vielleicht arbeitest du im nächsten Jahr schon selbstständig als Altenpfleger und bist mit deinem eigenen Startup dabei?

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