Lifestyle   18.10.2018

Elektroschrott im Büro – eine Gute-Nacht-Streiterei

Auch Solo-Selbstständige haben innere Instanzen, die für Vernunft und Ordnung am Arbeitsplatz sorgen. Im optimalen Fall lässt die Einzelunternehmerin diese Persönlichkeiten nach getaner Arbeit im Büro. Und so geschieht es, dass abends, wenn im Homeoffice das Deckenlicht ausgeht, der innere Buchhalter der inneren Einkaufsleiterin immer noch ein wenig aus der Steuererklärung des letzten Jahres vorliest. Die Einkaufsleiterin kann dann besser schlafen. Und den Inneren Buchhalter beruhigt es ganz ungemein, immer alle Zahlen vor Augen zu haben. Doch jedes Mal, wenn er an die Stelle mit den Abschreibungen kommt, schrecken beide auf. Denn immer wieder muss er von einem Gerät vorlesen, dass nun Teil des Betriebsvermögens ist, ohne auch nur noch einen Cent zur Steuerersparnis beizutragen. Es ist abgeschrieben. Was nun? – Elektroschrott?

Elektroschrott

Müll und Elektroschrott im Büro: Sollten Neuanschaffungen funktionierende Geräte ersetzen?

Oh, Du Schrottige – eine Gute-Nacht-Streiterei über Elektroschrott zur Blogparade des Electroreturn Blogs

„Neu anschaffen!“ brüllt die Einkaufsleiterin sofort.

„Bloß nicht“, entfährt es dem Buchhalter. Und er hat gute Argumente: „Das alte funktioniert noch sehr gut, ist mit allen anderen Sachen kompatibel und verbraucht nicht viel mehr Strom als ein neues Gerät.“

„Oh nein“, befindet die Einkaufsleiterin, bereits mit Prospekten in der Luft herumwedelnd: „das alte Teil ist unmodern, hat viel zu wenige Schnick-Schnack-Funktionen und fordert uns überhaupt nicht mehr heraus, so langweilig, wie es einfach nur vor sich hin funktioniert!“

„Aber“, erwidert der Buchhalter, „ich will gar nicht herausgefordert werden. In all der Zeit, die wir ein Gerät benutzen, das funktioniert, können wir Geld verdienen.“

„Mit einem neuen Gerät sind wir cooler und können noch viel höhere Honorare in unsere Rechnungen schreiben“, behauptet die Einkaufsleiterin.

Der Buchhalter zählt auf: „Wenn wir ein neues kaufen, geben wir Geld aus. Und wir verbrauchen Arbeitszeit, um es auszuwählen, Arbeitszeit, um seine Funktionen zu erkunden und Arbeitszeit, um uns damit rumzuärgern, wenn es nicht funktioniert.“

„Mir doch egal – Hauptsache cooler“, sagt die Einkaufsleiterin.

Da tritt aus dem Schatten des Rollcontainers der innere Selbstdarsteller hervor, lehnt sich lässig an ein Schreibtischbein, spuckt eine Büroklammer aus, auf der er herumgekaut hat, und sagt: „Unsere Shopping-Lady hat recht! Cool sein ist wichtig. Und das neuste Modell zu haben, das ist so cool. Damit wirken wir so erfolgreich, so professionell so weltgewandt und auf der Höhe der Zeit.“

„Sag ich doch“, gurrt die Einkaufsleiterin.

„Leute!“ verliert der Buchhalter die Geduld, „wir haben kein Geld übrig, um etwas zu kaufen, das wir nicht brauchen. Und wir haben keine Zeit dazu.“

„Aber Herbert!“ Der innere Buchhalter hasst es, mit seinem Vornamen angesprochen zu werden. Die Einkaufsleiterin weiß das: „Komm, du willst es doch auch. Du stehst doch auf Betriebsausgaben. Ein neues Elektrogerät, sei doch nicht so. Und teuer, dann kannst du ganz viel von der Steuer absetzten, du, mein schnuckeliger Knauserer.“

„Nein!“ sagt der Buchhalter und stampft mit dem Fuß auf: „Wir brauchen das nicht neu. Und von Euch beiden hat ja sowieso wieder keiner Lust, das alte Teil zum Wertstoffhof zu bringen!“

„Aber Herbert, das machst du doch für uns“, sagt der Selbstdarsteller: „du bist doch derjenige, der immer jammert, dass es so viel Arbeitszeit verbraucht, dass wir immer erst das alte Faxgerät von den Archivkartons heben müssen, wenn wir da mal ran wollen. Das kannst du dann auch gleich mitnehmen.“

„Wir brauchen wirklich mal was Neues“, betont die Einkaufsleiterin erneut, „wir sollten uns das einfach mal gönnen.“

Und wenn die drei nicht noch weiter streiten, dann treffen wir sie heute, morgen oder übermorgen in einem Elektronikmarkt, wo sie Dinge kaufen, die sie eigentlich nicht brauchen, dabei Arbeitszeit und andere Ressourcen verschleudernd, um anschließend tagelang vor sich hin zu fluchen, weil das neue Gerät nicht tut, was es soll. Und viele Monate lang hören wir ihr Stöhnen, wenn sie sich wieder einen Zeh oder das Knie gestoßen haben, an dem voll funktionstüchtigen Elektroschrott, der in den Büroecken herumsteht, weil ihn irgendwie dann doch keiner von ihnen zum Wertstoffhof gefahren hat. Das schönste und edelste Stück darunter hat noch ein 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerk und steht da schon seit vielen Jahren.

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