Finanzen   18.7.2019

Elterngeld für Selbstständige – Teil 3: Arbeiten in der Elternzeit

Für Selbstständige oft ein absolutes Muss: Den Kundenstamm erhalten, neue Projekte akquirieren, im Geschäft bleiben, einfach gesagt – auch nach der Geburt eines Kindes. Wenigstens für wichtige und Lieblingskunden willst du so schnell es geht wieder neue Projekte umsetzen oder die laufenden fortführen. Doch wie wirkt sich das Arbeiten in der Elternzeit auf das Elterngeld für Selbstständige aus?

  1. Arbeiten in der Elternzeit – Was ist erlaubt?
  2. Zahlungseingänge planen – die Lösung?
  3. Auf was musst du achten, wenn du in der Elternzeit Einkommen erzielst?
  4. Welche Zeiträume zählen für die Berechnung des Elterngelds?
  5. Welchen Einfluss hat die Kappungsgrenze auf das Elterngeld?
  6. Welche Unterlagen müssen Selbstständige vorlegen?
Elterngeld für Selbstständige - Teil 3: Arbeiten in der Elternzeit

Arbeiten in der Elternzeit ist prinzipiell erlaubt: Doch gibt es einige Punkte zu beachten, damit es nicht zu Abzügen kommt. (Bild © pexels.com)

Du darfst auch während der Elternzeit und im Elterngeldbezug erwerbstätig sein, doch dein Einkommen wird auf das Elterngeld angerechnet. Schließlich ist das Elterngeld für Selbstständige dazu da, Einkommensausfälle zu kompensieren. Je weniger Ausfall du hast, umso weniger bekommst du. Gerade Selbstständige sollten da unbedingt genau nachrechnen und mit ihrer Elterngeldstelle in Kontakt bleiben, um zum Beispiel Rückzahlungen zu vermeiden.

Arbeiten in der Elternzeit – Was ist erlaubt?

Generell: Arbeiten in der Elternzeit ist erlaubt, aber du darfst maximal 30 Stunden pro Woche für deinen Beruf tätig sein. Was du verdienst während du Elterngeld beziehst wird von der Berechnungsgrundlage abgezogen. Die Berechnungsgrundlage ist das durchschnittliche Monatseinkommen des Kalenderjahres vor der Geburt (siehe auch Teil 1 und Teil 2 zum Thema Elterngeld für Selbstständige). Unter Verdienst versteht die Elterngeldstelle den Gewinn, nicht den Umsatz.

Beim Verdienst gilt das sogenannte Zuflussprinzip. Es zählt also der Zeitpunkt, zu dem das Geld auf deinem Konto eingeht. Der Leistungszeitraum, also wann du die Arbeit erbracht hast, ist nicht relevant. Sollte also Geld eingehen, für das du lange vor der Geburt gearbeitet hast, gilt das dennoch als Einkommen während der Elternzeit. Umgekehrt heißt das natürlich auch: Wenn Honorare, für die du in der Elternzeit gearbeitet hast, erst später bei dir eintreffen, dann zählen die nicht mit.

Zahlungseingänge planen – die Lösung?

Eine vermeintlich geniale Lösung: Alle Honorare vor der Geburt zu bekommen und alle, in der Elternzeit erledigten Projekte erst nach Ende des Elterngeldbezugszeitraumes in Rechnung zu stellen. Das ist aber, mit Verlaub, eine blöde Idee. Zum einen weil Kunden eben nicht immer dann zahlen, wenn sie sollen, zum anderen kannst du deinen Kunden natürlich nicht Rechnungen erst Monate später stellen. Da sprechen eine Menge Gründe dagegen.

Elterngeld Zuverdienst: Auf was musst du achten, wenn du in der Elternzeit Einkommen erzielst?

  • Optionen prüfen: Der Elterngeldbezug lässt sich durch das Elterngeld Plus zeitlich strecken. Die Auszahlungsbeträge sind dann geringer, dafür verlängert sich der Auszahlungszeitraum. Durch die geringeren monatlichen Elterngeldzahlungen ist ein höherer Zuverdienst ohne Abzüge möglich. Rechne das genau nach.
  • Jeden Auftrag detailliert kalkulieren! Aufträge, die du abwickelst, sollen dir Gewinn bringen. Während des Elterngeldbezugs ist ein Faktor, den du immer mit bedenken musst, ob du mit diesem Auftrag Abzüge beim Elterngeld in kauf nimmst und ob du dann noch in der Gewinnzone bist. Lohnt sich das Projekt noch, wenn Betrag X hereinkommt, dafür Betrag Y vom Elterngeld abgezogen wird, aber zusätzlich Kinderbetreuungskosten anfallen?
  • Betriebsausgaben senken den Gewinn. Alle Kosten, die dir dein Projekt verursacht, kannst du gegenrechnen. Du engagierst Dienstleister oder buchst Subunternehmer, um ein Projekt zu stemmen: alles Betriebsausgaben. Und falls größere Anschaffungen für dein Büro anstehen wie zum Beispiel neue Software, ein neues Notebook oder der superbequeme, ergonomische Bürostuhl: Nutze die Gewinnminderung, die das mit sich bringt! Gegebenenfalls musst du die Sachen sowieso über mehrere Jahre abschreiben.
  • Einnahmen werden nicht nur mit dem Monat verrechnet, in dem sie anfallen, sondern immer auf alle Monate umgerechnet, in denen du neben dem Elterngeldbezug gearbeitet hast. Daher können sich die Abzüge insgesamt erhöhen. Auch das solltest du immer vorab mal durchrechnen.
  • Du kannst Elterngeldpausen einlegen. Falls ein größeres Projekt ansteht, kann der Elterngeldbezug so lange auf den anderen Elternteil wechseln, bis dein Honorar eingegangen ist. Das setzt natürlich voraus, dass auch das andere Elternteil nur maximal in Teilzeit arbeitet. Organisatorisch klingt das kompliziert. Aber ihr seid als Paar nicht darauf festgelegt, wer wann wieviele Monate der euch zustehenden Elternzeit mit Elterngeldbezug nimmt. Wie ihr den Elterngeldbezug einteilt, steht euch frei.

Ganz sicher gelten Selbstständige in den Elterngeldstellen als kompliziertes Klientel, aber nur keine Scheu: Stellt Fragen und legt die Fakten offen. Auf diese Weise kommen die Behörde und du bestimmt zu einer korrekten Lösung der Rechenaufgabe „wann gibt es wie viel Elterngeld für Selbstständige“.

Welche Zeiträume zählen für die Berechnung des Elterngeldes bei Selbstständigen?

Für die Berechnung des Elterngeldes von Eltern, die vor der Geburt ihres Kindes ihr Einkommen aus selbstständiger Tätigkeit erworben haben, legt die Elterngeldstelle das letzte Wirtschaftsjahr zugrunde. Das letzte Wirtschaftsjahr umfasst in der Regel das letzte Kalenderjahr, das steuerlich abgerechnet wurde und im Jahr vor der Geburt des Kindes liegt. Es werden demnach nicht die letzten zwölf Monate vor der Geburt des Kindes herangezogen, sondern der letzte Abrechnungszeitraum für die Jahressteuererklärung. Für die Bemessung des Elterngeldes berücksichtigt die Elterngeldstelle genau zwölf Monate im entsprechenden Abrechnungszeitraum. 

Ausnahmen für den Abrechnungszeitraum bei Einkommensschwankungen

Für das reguläre Schema bei der Berechnung von Elterngeld können auch Ausnahmen geltend gemacht werden. Das gilt zum Beispiel dann, wenn Eltern nachweisen können, dass sie aufgrund der Schwangerschaft im entsprechenden Abrechnungszeitraum weniger verdient haben als das reguläre Einkommen. Der Verlust an Einkommen muss dabei auf die Schwangerschaft oder andere familiäre Verhältnisse zurückzuführen sein. Für die Geltendmachung der Ausnahme hinsichtlich der Berechnung des Elterngeldes müssen entsprechende Nachweise vorgelegt werden, die die Begründung für die Einkommenseinbußen ausreichend belegen. Als Nachweise können zum Beispiel Belege über eine Einkommensersatzleistung, wie Krankentagegeld oder Unterlagen über den Bezug von Elterngeld für ein älteres Kind vorgelegt werden. 

Antrag auf Verschiebung des Bemessungszeitraums

Wenn betroffene Eltern eine ausreichende und gut belegte Begründung vorbringen können, dann können sie einen Antrag auf die Verschiebung des Bemessungszeitraums stellen. Stimmt die Elterngeldstelle dem Antrag der Eltern zu, dann kann sie auch eines der davor liegenden Wirtschaftsjahre als Bemessungsgrundlage heranziehen, um das Elterngeld der selbstständig arbeitenden Eltern zu berechnen.

Welchen Einfluss hat die Kappungsgrenze auf das Elterngeld für Selbstständige?

Die Höhe des Elterngeldes setzt 65 Prozent des monatlichen Einkommens an, während zugleich die Auszahlung einen Betrag von 1.800 Euro nicht übersteigt. Das bedeutet, dass für die Berechnung der Bemessungsgrenze für das Elterngeld ein Einkommen von höchstens 2.770 Euro pro Monat Berücksichtigung findet. Eltern, die als Selbstständige arbeiten und ein höheres Einkommen erzielen, erhalten mit dem Auszahlungshöchstbetrag ein Elterngeld, das gemäß der so genannten Kappungsgrenze ermittelt wurde. 

Beispiel für die Anwendung der Kappungsgrenze

Wenn Selbstständige in der Elternzeit arbeiten und damit ein Einkommen in Höhe von 2.500 Euro pro Monat verdienen, dann rechnet die Elterngeldstelle den Restbetrag bis zur Kappungsgrenze hoch, um den Auszahlungsanspruch zu ermitteln. Im angeführten Beispiel liegt der Restbetrag bei 200 Euro. Aus dem Restbetrag werden Selbstständigen, die in der Elternzeit arbeiten, 65 Prozent und damit insgesamt 130 Euro ausbezahlt. 

Welche Unterlagen müssen Selbstständige vorlegen?

Einkommensteuerbescheid des vergangenen Wirtschaftsjahres

Um das Einkommen im regulären Bemessungszeitraum zu ermitteln, benötigt die Elterngeldstelle den Einkommensteuerbescheid aus dem Kalenderjahr, das der Geburt des Kindes vorangeht. In vielen Fällen liegt der Einkommensteuerbescheid aus dem Vorjahr noch nicht vor. Daher müssen selbstständig arbeitende Eltern in diesen Fällen für den Antrag auf Elterngeld die Einnahmenüberschussrechnung vorlegen, die sie im Rahmen ihrer Steuererklärung für den betreffenden Abrechnungszeitraum erstellt haben. In den Ausnahmefällen, in denen Eltern einen Antrag auf Verschiebung des Bemessungszeitraums gestellt haben, müssen sie den Einkommensteuerbescheid des davor liegenden Wirtschaftsjahres vorlegen.

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Prognose über das Einkommen während des Elterngeldbezugs

Um die Auszahlungen realistisch beurteilen zu können, ist für die Ermittlung des Elterngelds für Selbstständige eine Prognose der zu erwartenden Einkünfte aus der beruflichen Tätigkeit erforderlich. Auf Basis der bisherigen Einkünfte kann die Elterngeldstelle zusammen mit der Prognose über die Einkünfte während des Bezugs von Elterngeld die Höhe des Auszahlungsbetrags ermitteln. 

Einkommen während der Lebensmonate des Kindes

Für die Ermittlung des Elterngeldanspruchs müssen die Angaben über die Einkünfte stets gemäß der Lebensmonate des Kindes erfolgen. Das bedeutet, dass für die Berücksichtigung von Einkünften nicht der Geldzufluss innerhalb von Kalendermonaten zählt. Vielmehr müssen die Zuflüsse innerhalb der einzelnen Lebensmonate des Kindes angegeben werden. Ist das Kind am 14. Mai geboren, dann zählen für den ersten Monat des Elterngeldbezugs die Einkünfte, die die Eltern im Zeitraum zwischen dem 14. Mai und dem 13. Juni erzielen. Der zweite Monat ist zwischen dem 14. Juni bis zum 13. Juli anzusetzen und so weiter. 

Bescheid über Elterngeldanspruch nur unter Vorbehalt

Selbstständige erhalten ihren Bescheid über den Bezug von Elterngeld nur unter Vorbehalt. Denn das tatsächlich erwirtschaftete Einkommen wird nach dem Ende des Elterngeldbezugs durch die Elterngeldstelle überprüft. Dann müssen die Eltern die Einnahmen, die sie während des Bezugs von Elterngeld erzielt haben, dem Amt vorlegen. Dabei müssen sie die Abzüge, die sie als Betriebsausgaben geltend machen, durch die entsprechenden Unterlagen belegen. Wurde zu viel Elterngeld ausgezahlt, weil der Gewinn während des Elterngeldbezugs höher ausfiel, als die Prognose vorgab, dann müssen die Eltern den Überschuss an die Elterngeldstelle zurück zahlen. Wenn hingegen die Einnahmen der Eltern geringer ausfielen, als ihre angegebene Prognose, dann haben sie zu wenig Elterngeld erhalten. In diesem Fall haben sie Anspruch auf eine Nachzahlung.

Erweiterung des Artikels am 16. Juli 2019 von Christine Olbrich

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