Finanzen   14.11.2013

Elterngeld für Selbstständige – Teil 1: Wer bekommt’s?

Ein Kind ist unterwegs. Angehende Eltern, die angestellt arbeiten, haben es mit ganz festen Fristen und gesetzlichen Ansprüchen auf Elternzeiten und Wiedereinstieg in den alten Job zu tun. Für  Selbstständige ist alles weniger gewiss. So ist z.B. beim Elterngeld für Selbstständige einiges zu bedenken.

Was tun bevor das Kind kommt?

Da ist zum einen die Frage: Wie lange kann ich aussteigen, ohne dass sich meine Kunden neue Dienstleister suchen? Engagiere ich mir Subunternehmer, die für mich einspringen? Kann ich Kolleginnen oder Kollegen – die doch auch meine Konkurrenten sind – als Vertretung empfehlen, ohne dass die mir die Kunden abwerben? All das sollte vor der Geburt des Kindes überlegt und organisiert sein. Denn ist das Baby ersteinmal da, bleibt oft kaum Zeit für anderes.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Geld: Ist der Einkommensverlust für die Auszeit zu verschmerzen? Und gibt es eigentlich Elterngeld für Selbstständige?

Elterngeld für Selbstständige

Elterngeld für Selbstständige – auch Freiberuflerinnen bekommen finanzielle Unterstützung in den ersten Lebensmonaten des Kindes.

Elterngeld auch für Selbstständige: aber klar doch!

Wer ein Kind bekommt und es nach der Geburt selbst betreut, der kann Elterngeld beziehen. Ob er und sie zuvor angestellt oder freiberuflich tätig war oder überhaupt nicht gearbeitet hat, ist dabei erstmal nebensächlich.

Spannend ist bei Selbstständigen aber, wieviel es ist. Der Bemessungszeitraum ist das Wirtschaftsjahr, das der Geburt voraus geht. In der Regel ist es das Kalenderjahr vor der Geburt. Den Nachweis über dein Einkommen erbringst du über deinen Steuerbescheid oder eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung, falls der Steuerbescheid noch nicht vorliegt.

Was ist das Basis-Elterngeld?

Das Basis-Elterngeld gibt es meist für 12 Monate. Auf 14 Monate wird verlängert, wenn entweder beide Elternteile einen Teil der Elternzeit nehmen oder ein Elternteil mit dem alleinigen Sorgerecht dasteht. 14 Monate gibt es aber nur, wenn vorher mindestens einer ein Arbeitseinkommen hatte. Wer von beiden Eltern wie viele Monate frei nimmt, das kann das Paar individuell entscheiden. Es ist auch nicht schlimm, wenn sich da während der Elternzeit noch Änderungen ergeben, der Vater also zum Beispiel doch mehr Monate nimmt und die Mutter früher zurück in den Job will. Dann wird einfach neu berechnet.

Zeitrechnung Elterngeld: am Geburtstag beginnt es

Der „Monat“ für das Elterngeld beginnt bei der Berechnung übrigens nicht klassisch am Ersten des Geburtsmonats, sondern am Tag der Geburt des Kindes.

Wichtig ist außerdem: Basis-Elterngeld kannst du nur innerhalb der ersten 14 Lebensmonate des Kindes beantragen. Außerdem musst du mindestens zwei Monate Basis-Elterngeld beziehen, bevor du auf Elterngeld Plus umsteigen kannst. Das Elterngeld Plus kannst du dafür aber über den 14. Lebensmonat des Kindes hinaus beziehen.

Weniger aber länger: Elterngeld Plus

Die Möglichkeit statt Basis-Elterngeld das Elterngeld Plus zu beziehen und damit den Bezugszeitraum auszudehnen, gibt es erst seit 2015. Beim Elterngeld Plus wird zwar weniger pro Monat gezahlt, dafür ist aber der Bezugszeitraum länger. Das ist ideal für diejenigen, die in Teilzeit wieder in ihre Arbeit einsteigen möchten. So kann der Elterngeldbezug auf bis zu 24 Monate ausgedehnt werden. Es kommen auch nicht 2 sondern ein Minimum an 4 Partnermonaten dazu. Damit ist Elterngeld Plus gerade für Selbstständige eine gute Option, Kinderbetreuung und Arbeit zu verbinden.

Vorraussetzung: Wer Elterngeld bezieht, darf neben der Kinderbetreuung nicht mehr als 30 Stunden pro Woche bezahlt arbeiten. Wer in dieser Zeit einer Erwerbsttätigkeit nachgeht, muss damit rechnen, dass Einkünfte auf das Elterngeld angerechnet werden, so dass hier Abzüge entstehen. Das ist der Punkt, bei dem es für Selbstständige kompliziert wird. Von Ihnen verlang die Elterngeldstelle daher vor der Geburt eine Prognose des erwarteten Einkommens. Später wird dann abgerechnet. Falls du während der Elternzeit mehr verdient hast, als du zuvor geschätzt, musst du unter Umständen einen Teil des Elterngeldes zurückzahlen.

Elterngeld für Selbstständige – Wie stellt man den Antrag?

Doch zunächst einmal: Wie kommt man dran, ans Elterngeld? Den Antrag stellt man nach der Geburt des Kindes bei der Elterngeldstelle. Diese ist nicht in jedem Bundesland an derselben Stelle zu finden. Je nach Bundesland sind mal die Kreise, mal die Landesgesundheitsämter, mal die Versorgungsämter zuständig.

Damit es nicht in Stress ausartet und du den Antrag so schnell wie möglich stellen kannst, sammelst du am besten schon bevor die Wehen einsetzen, alle Unterlagen zusammen, die du zur Antragstellung brauchst. Dazu gehört

  • das Antragsformular.
  • Kopie des Personalausweises.
  • dein Steuerbescheid des Vorjahres oder eine Schätzung (besser du machst die Steuererklärung für das Vorjahr rechtzeitig, das erspart Nach- und Neuberechnungen)
  • wenn du gesetzlich krankenversichert bist, der Nachweis der Pflichtversicherung.
  • Nachweis der Krankenkasse, dass Mutterschaftsgeld gezahlt wurde.
  • wenn du in der Zeit, in der du Elterngeld beziehst, auch arbeiten möchtest, braucht die Elterngeldstelle eine Schätzung des Einkommens, das du erzielen möchtest. Sie rechnet das dann bereits auf das Elterngeld an.

Dieser Text erschien zuerst am 14.11.2013. Wir haben ihn zuletzt im März 2018 aktualisiert und überarbeitet.

Lies auch Teil 2: Elterngeld für Selbstständige: Wie viel ist es?

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