Gründung   09.11.2016

Entscheidungshilfe Kleinunternehmerregelung: für dich sinnvoll oder nicht?

Mit der Kleinunternehmerregelung ist das so eine Sache: Sie ist gut für Gründer, weil sie Buchhaltung, Rechnungsstellung und Steuer vereinfacht. Aber sie hat auch Nachteile. Willst du die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen oder nicht? Diese Frage solltest du strategisch angehen. Hier unsere „Entscheidungshilfe Kleinunternehmerregelung“.

Die Kleinunternehmerregelung steht im Umsatzsteuergesetz (UStG). Sie stellt laut eine Ausnahme von der Regelbesteuerung für Unternehmen dar.

Entscheidungshilfe Kleinunternehmerregelung: für dich sinnvoll oder nicht?

Bis zu einer bestimmten Umsatzgrenze kannst du die Vorteile der Kleinunternehmerregelung für dich nutzen. Zuvor solltest du aber abwägen, ob diese überhaupt sinnvoll für dich ist.

Was du unbedingt über die Kleinunternehmerregelung wissen musst:

  • Kleinunternehmer können darauf verzichten, auf ihren Rechnungen Umsatzsteuer auszuweisen. Dadurch dass sie keine Umsatzsteuer einnehmen und an das Finanzamt weiterleiten, dürfen sie aber auch keine Vorsteuer ziehen. Das ist die Grundlage der Kleinunternehmerregelung.
  • Die Kleinunternehmerregelung ist an zwei Umsatzgrenzen gebunden. Du darfst nicht mehr als 17.500 Euro Umsatz im Jahr erzielen, wobei der als Bruttoumsatz gerechnet wird. Du bist auch dann noch Kleinunternehmer, wenn du im Vorjahr unterhalb der 17.500 Euro Grenze geblieben bist, im laufenden Jahr aber darüber liegst. Erst im darauffolgenden Jahr musst du auf Regelbesteuerung umsteigen.  Sofort raus aus der Kleinunternehmerregelung bist du nur dann, wenn dein Umsatz im Vorjahr unterhalb von 17.500 Euro war, du im laufenden Jahr aber mehr als 50.000 Euro umsetzt.
  • Wer mitten im Jahr gründet und die Kleinunternehmerregelung nutzen möchte, muss seinen Umsatz hochrechnen, als wäre es ein ganzes Geschäftsjahr gewesen. Die 17.500 Euro Grenze bezieht sich immer auf ein volles Kalenderjahr.
  • Kleinunternehmerreglung ist eine Entscheidungfrage. Man kann rein oder raus aus der Kleinunternehmerregelung. Entweder dein Unternehmen wächst heraus oder nicht. Auch mit geringem Umsatz kannst du aber – jeweils zu Beginn eines Kalenderjahres – auf die Kleinunternehmerregelung verzichten, Umsatzsteuer einnehmen und Vorsteuer ziehen. An diese freiwillige Entscheidung bist du allerdings für mindestens 5 Jahre gebunden.

Wer als Unternehmer in der Regelbesteuerung ist, der muss sich mit Umsatzsteuer auseinandersetzen. Gründer, die als Kleinunternehmer beginnen, können sich das zunächst sparen.

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Entscheidungshilfe Kleinunternehmerregelung: Betriebsausgaben, Anfangsinvestitionen und Kunden

Von zwei Dingen hängt ab, ob die Entscheidung für oder gegen die Kleinunternehmerregelung klug treffen kannst: Deine Ausgaben, besonders die in der Startup-Phase, und ob du für Privatkunden oder Geschäftskunden arbeiten willst und wirst. Bei Selbstständigen mit angestellt arbeitendem, gesetzlich versicherten Ehepartner kommt noch ein weiterer Punkt hinzu: die Familienversicherung.

Kein Vorsteuerabzug = Liquiditätsnachteil

Kleinunternehmer können keine Vorsteuer ziehen. Das bedeutet: Wenn du eine Rechnung bezahlst, dann sind die darin enthaltenen Umsatzsteueranteile erstmal weg. Erst im kommenden Jahr kannst du die Betriebsausgaben brutto in deiner Einnahmen-Überschuss-Rechnung angeben, so dass sie deine Steuerbelastung senken. Wer sich gegen die Kleinunternehmerregelung entscheidet, muss zwar monatlich oder quartalsweise eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben, hat dabei aber die Möglichkeit, die gezahlte Umsatzsteuer mit der eingenommenen zu verrechnen. Das bedeutet aktuell mehr Geld in der Kasse, also eine höhere Liquidität.

Entscheidungshilfe Kleinunternehmerregelung 1: Wenn Liquidität in der Anfangsphase für dich ein ganz wichtiges Thema ist und/oder wenn du anfangs wirklich viele Ausgaben hast, weil du z.B. eine komplette Büroausstattung neu kaufen oder eine Werkstatt einrichten musst, kann es sinnvoll sein, sich schon bei der Gründung gegen die Kleinunternehmerregelung zu entscheiden.

Geschäfts- oder Privatkunden

Kleinunternehmer stellen Rechnungen, in denen keine Umsatzsteuer aufgeschlagen werden muss. Geschäftskunden ist es gleichgültig, ob deine Rechnung mit oder ohne Umsatzsteuer kommt, denn durch den Vorsteuerabzug holen sie sich die Umsatzsteuer sofort vom Finanzamt zurück. Interessant ist die Kleinunternehmerregelung vor allem dann, wenn du für Privatkunden arbeitest. Diese Kunden sind Endverbraucher und bekommen die Umsatzsteuer nicht erstattet. Für Privatkunden ist es also ein erheblicher Unterschied, ob eine Rechnung nun 200 Euro oder 200 Euro plus 19% Umsatzsteuer, also insgesamt 238 Euro beträgt. Einen Dienstleister zu beauftragen, dessen Rechnungen keine Umsatzsteuer enthalten, kann für Privatkunden sehr viel günstiger sein.

Entscheidungshilfe Kleinunternehmerregelung 2: Wer sind deine Kunden? Wenn du überwiegend für Privatleute tätig wirst, kann die Kleinunternehmerregelung für Dich in der Anfangsphase einige Vorteile bringen.

Als Kleinunternehmer familienversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung?

Die Beiträge zur Krankenversicherung können für Selbstständige mit geringem Einkommen, eine große finanzielle Belastung darstellen. Für diejenigen, die die Möglichkeit haben, bei ihrem Partner in der Familienversicherung zu sein, ist das ganz sicher attraktiv. Allerdings sind die Einkommensgrenzen für Selbstständige, die weiter familienversichert sein wollen, gering. Der Gewinn darf sich höchstens auf dem Niveau eines Minijobs bewegen. Und die Selbstständigkeit darf allenfalls eine Nebentätig sein. Für hauptberuflich Selbstständige ist das Mitversichert sein in der Familienversicherung nicht möglich. Nachzulesen ist das im Fünften Buch des Sozialversicherungsgesetzes, §10 (§10 SGB V).

Nun können hauptberuflich Selbstständige durchaus sehr wenig verdienen oder Nebenberufler ein Spitzeneinkommen erzielen. Die Sache ist bei den gering verdienenden Selbstständigen also vom Einzelfall abhängig.

Entscheidungshilfe Kleinunternehmerregelung 3: Umsatzsteuerpflicht und Krankenversicherung sind eigentlich zwei Paar Schuhe. Sie haben nichts miteinander zu tun. Wenn du deine Selbstständigkeit als Nebentätigkeit siehst und mit der Krankenkasse deines Partners darüber verhandelst, ob du weiter familienversichert sein kannst, kann die Kleinunternehmerregelung aber durchaus ein Argument sein. Zum einen hast du weniger Zeitaufwand für Buchhaltung, was für die Nebentätigkeit spricht. Und du kannst, solange du in der Familienversicherung bleiben willst, sowieso nicht aus der Kleinunternehmerregelung herauswachsen.

(*Überarbeiteter Beitrag: diesen Text vom 09.01.2016 haben wir zuletzt im März 2018 aktualisiert.)

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