09. Dez 2021 | Unternehmenssteuerung

Ergonomie am Arbeitsplatz

Körperliche Über- und Unterforderungen vermeiden
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Einen Großteil unseres Lebens verbringen wir im Job. Umso wichtiger ist ein ergonomisch gestalteter Arbeitsplatz. Falsche Sitzhaltungen im Büro oder eine falsche Höhe des Tätigkeitsbereichs in der Produktion etwa führen über einen längeren Zeitraum zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die Tätigkeiten, die Arbeitnehmer zu verrichten haben, müssen individuell angepasst sein. Jedoch werden die Grundsätze der Ergonomie in vielen Unternehmen vernachlässigt, dabei ist Ergonomie am Arbeitsplatz Bestandteil präventiven Arbeitsschutzes. Eine aktuelle Studie der Pronova BKK zeigt , dass lediglich 12 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland frei von Rückenschmerzen sind. 

Körperliche Über- und Unterforderungen vermeiden

Mit dem Begriff Ergonomie ist die Anpassung der Arbeitsbedingungen an den Menschen gemeint. Ergonomie ist immer dort wichtig, wenn Menschen während der Arbeit Werkzeuge benutzen oder Maschinen bedienen. Doch auch die Verwendung von Fahrzeugen im Job und der Umgang mit Computern, Laptops sowie Telefonen gehören dazu. 

Welche ergonomischen Aspekte berücksichtigt werden müssen, hängt also stark vom Arbeitsplatz ab: Während es im Büro zum Beispiel um die richtigen Sitzhöhe vor dem Schreibtisch oder den Abstand zum Bildschirm geht, sind es in Handwerksbetrieben, in Werkstätten und in der Produktion häufig solche, die mit Körperhaltungen und längerem Stehen zusammenhängen. 

Generell gilt: Körperliche Über- und Unterforderungen auf der Arbeit sollten vermieden werden. Die Gesundheit der Mitarbeiter sollte Priorität haben. Das ist auch aus unternehmerischer Sicht von Bedeutung. Zufriedene und gesunde Mitarbeiter sind nachweislich leistungsfähiger. Verordnungen, Regelungen und Gesetze verpflichten den Arbeitgeber zur Umsetzung ergonomischer Richtlinien, um mögliche Gesundheitsgefahren für die Arbeitnehmer zu senken. 

Das betrifft auch Aspekte wie Farbgestaltung, Raumklima, Lärm, Beleuchtung oder Platzbedarf. Laut Farbpsychologie haben Farben durchaus Einfluss auf die Psyche: Sie können dazu beitragen, sich besser konzentrieren zu können, sie wirken beruhigend oder auch motivationssteigernd. Helle Farben wirken nicht nur freundlich und heiter, sie hellen Räume auf und sorgen so für positive Emotionen. Anders dunkle Farben, die eher einen negativen Einfluss auf die Sinne haben. Reinweiße Wände jedoch wirken häufig nüchtern, kühl, wenig belebend und können wegen ihrer reflektorischen Eigenschaften auf längere Sicht die Augen ermüden. Deshalb wird empfohlen, weiße Wandfarbe abzutönen. Dominante Farben wie Rot oder Violett kommen am besten nur sparsam als farbliche Akzente zum Einsatz. 

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Fehlhaltungen machen auf Dauer krank

Laut Arbeitsstättenverordnung müssen die Arbeitsräume nicht nur ausreichend Fläche bieten, sondern auch eine ausreichende Höhe ausweisen. Dabei ist die Größe des Raums von der Art der Tätigkeit und der Anzahl der darin Beschäftigten abhängig. Alle Arbeitnehmer, so heißt es weiter, müssen sich ungehindert bewegen können. Erfahrungswerte zeigen, dass pro Arbeitnehmer eine Bewegungsfläche von mindestens 1,5 Quadratmeter zur Verfügung stehen sollte. 

Bei der Arbeitsplatzgestaltung muss auch die individuelle Körpergröße berücksichtigt werden. Das gilt für die Anbringung von Bedienelementen genauso wie die richtige Höhe eines Schreibtisches. Ergonomisch kritische Körperhaltungen sind zum Beispiel langes Stehen, ohne dass die Beschäftigten Gelegenheit haben, sich hinzusetzen und anders herum: Langes Sitzen, ohne Möglichkeit, zwischendurch aufstehen zu können. Auch stark gebeugte Haltungen, Liegen, Knien und Hocken, aber auch Über-Kopf-Arbeit und Zwangshaltungen schaden auf Dauer der Gesundheit. 

Laut Arbeitsstättenverordnung kannst Du zum Beispiel diese Maßnahmen ergreifen, um Fehlhaltungen zu minimieren: 

  • Ungünstige Körperpositionen durch eine Anpassung der Höhe vermeiden oder Hilfsmittel einsetzen 
  • Arbeitsabläufe umgestalten
  • Regelmäßiger Wechsel der Körperhaltung (sitzen und stehen, auch umhergehen)
  • Arbeitshöhe anpassen

Bei Steharbeitsplätzen: 

  • Stolper- und Rutschgefahren beseitigen
  • Elastische Gummimatten (Antiermüdungsmatten) bereitstellen
  • Passendes Schuhwerk tragen

Nicht zu heiß, nicht zu kalt

Beim Raumklima sind es oft zu hohe Temperaturen, Zug oder stickige Luft, die das Arbeiten erschweren – egal, ob im Büro, in der Werkstatt oder der Produktionshalle. Hier muss der Arbeitgeber gesetzliche Vorgaben einhalten, denn schlechte Luft führt nicht nur zu nachlassender Leistung, sondern kann die Mitarbeiter ernsthaft gefährden. Bei leichten sitzenden Tätigkeiten zum Beispiel muss die Raumtemperatur laut Arbeitsstättenregel mindestens 20 Grad Celsius betragen, bei schwerer körperlicher Arbeit sind es 12 Grad. Als Höchsttemperatur gelten 26 Grad Celsius in Arbeitsräumen, in Ausnahmefällen 30 Grad. In diesem Fall jedoch muss der Arbeitgeber überprüfen, ob ein geeigneter Sonnenschutz Abhilfe schaffen kann. Ansonsten ist er dazu angehalten, organisatorische oder technische Maßnahmen zu ergreifen, zum Beispiel eine Lüftung der Arbeitsräume über Nacht oder Änderungen bei der Gleitzeitregelung. 

Hinzu kommt die Luftfeuchtigkeit, die nicht höher als 60 Prozent und nicht niedriger als 40 Prozent ausfallen sollte. Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit vergrößert das Risiko von Schimmel, ist die Luft zu trocken, werden Beschwerden wie trockene Augen oder Atemwegsinfekte gefördert. Diese Werte können mit regelmäßiger Stoßlüftung erreicht werden – im Sommer je zehn Minuten, im Frühling und Herbst fünf, und im Winter drei Minuten. 

Arbeitsplätze richtig ausleuchten

Die richtige Beleuchtung ist ein wesentlicher ergonomischer Faktor, um gesundheitliche Risiken zu minimieren. Worauf es dabei ankommt ist in der Arbeitsstättenverordnung und in der „Technischen Regel für Arbeitsstätten Beleuchtung“ festgelegt. Danach sollte das in den Arbeitsraum oder das Büro einfallendes Tageslicht nach Möglichkeit optimal genutzt werden. Während der dunklen Jahreszeit oder am Abend reicht die natürliche Beleuchtung oft nicht aus. Für Büroarbeitsplätze etwa, bei denen Schreibarbeiten und Datenverarbeitung im Vordergrund stehen, ist eine gleichmäßige Beleuchtung ohne zu hohe punktuelle Beleuchtungsstärken von mindestens 500 Lux Pflicht. In Handwerksbetrieben zum Beispiel sind deutlich höhere Werte vorgesehen. 

Arbeitsplätze richtig ausleuchten
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Ergonomie im Büro: Ein ergonomischer Stuhl ist das A und O

Für ergonomisches Arbeiten im Büro spielt der Bürostuhl eine wesentliche Rolle: Die richtige Sitzhöhe bewegt sich in einer Spanne zwischen 42 und 53 Zentimetern, als optimal gelten Maße von 40 bis 48 Zentimeter. Der Bürostuhl muss höhenverstellbar sein, um sich der individuellen Körpergröße anpassen zu können und dem Arbeitnehmer außerdem ermöglichen, wechselnde Haltungen einnehmen zu können. Dazu gehört auch eine stufenlos verstellbare Rückenlehne.

Der Bürostuhl muss so ausgerichtet sein, dass die Beine in einem Winkel von 90 Grad angezogen werden können, und die Füße dabei komplett den Boden berühren. Berührt der Rücken die Lehne, sollten die angewinkelten Oberschenkel mindestens zwei Fingerbreit über die Sitzfläche hinausragen. Als Faustregel gilt außerdem eine Handbreit Platz zwischen Oberschenkeln und der Unterseite des Schreibtisches. 

Monitor und Schreibtisch

Im Büro sind es besonders drei Dinge, die ergonomisch gut aufeinander abgestimmt werden müssen: Monitor, Schreibtisch und Bürostuhl. Ziel muss sein, dass der Beschäftigte mit geradem Rücken in einer geraden Linie auf den Bildschirm blicken kann. Der Kopf sollte dabei leicht nach vorn geneigt sein, der Blick leicht nach unten. Nach ergonomischen Gesichtspunkten beträgt ein augenschonender Abstand zum Monitor zwischen 50 und 70 Zentimeter. Ebenfalls den Augen zuliebe sollte auch der Bildschirm groß sein. Bei der Ausrichtung des Monitors ist außerdem wichtig, dass keine Reflexionen entstehen. Das erschwert die Bildschirmarbeit. 

Ein ergonomischer Schreibtisch ist höhenverstellbar, mindestens 80 Zentimeter tief, mindestens 1,60 Meter lang und so ausgerichtet werden, dass die Arme waagerecht auf der Tischplatte liegen. Außerdem sollte so viel Platz sein, dass die Beine zwischendurch ausgestreckt werden können. 

Was die Maus angeht: Die Verwendung einer falschen Maus kann zu erheblichen Einschränkungen, dem sogenannten Mausarm (Impingementsyndrom) führen. Abhilfe bei entsprechenden Problemen kann eine vertikale Maus schaffen, die nicht auf dem Tisch aufliegt, sondern aufgestellt ist. Hier wird bei der Bedienung die Hand gedreht, was den Arm entlastet und die Hand dazu zwingt, eine ergonomische Position einzunehmen. Auch ein Touchpad hilft bei einem Mausarm. Am besten ist ein Wechsel zwischen einer herkömmlichen Maus, der vertikalen Variante und dem Touchpad. 

Ergonomie: Tipps für mehr Wohlbefinden

Arbeitnehmer können selbst etwas dafür tun, um ihre Gesundheit am Arbeitsplatz zu fördern. Zum Beispiel durch regelmäßige Bewegung. Alle Beschäftigten, insbesondere Arbeitnehmer, die am Schreibtisch arbeiten oder eine Arbeit im Stehen verrichten, sollten sich einmal pro Stunde mehrere Minuten lang bewegen. Viele Büroangestellte verfahren auch nach der Faustregel 40-15-5: 40 Minuten im Sitzen arbeiten, 15 Minuten im Stehen, 5 Minuten bewegen. 

Insbesondere dann, wenn Du zurzeit vermehrt im Homeoffice arbeitest, ist es ratsam, auch mal eine Pause an der frischen Luft einzulegen. So sind Spaziergänge im Freien eine gesunde Alternative, um einfach mal vom Bildschirm wegzukommen und abzuschalten. Zudem ist die dazugehörige Bewegung ein weiterer positiver Aspekt. 

Wer einen Bildschirmarbeitsplatz hat, strengt seine Augen permanent an. Gut ist deshalb, den Blick alle paar Minuten vom Bildschirm abzuwenden oder sie kurz zu schließen. Auch ein aufgeräumter Arbeitsplatz sorgt für entspanntes Arbeiten. Deshalb sollten dort nur Gegenstände liegen, die wirklich benötigt werden. Letztlich wirkt sich auch die Umgebung auf das Wohlbefinden und damit die Arbeitsleistung aus. Wer seinen Arbeitsplatz mit Pflanzen oder Bildern schmückt, profitiert. 

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