Recht   02.10.2018

Erholungsbeihilfe statt Urlaubsgeld: Vor- und Nachteile

Urlaubszeit: Alle wollen in die Ferien und viele freuen sich aufs Urlaubsgeld. Nicht jeder bekommt es, aber wer eine solche Sonderzahlung erhält, wundert sich oft, dass nach Steuern nicht viel davon übrig bleibt. Zahlt ein Arbeitgeber Erholungsbeihilfe statt Urlaubsgeld, sieht das anders aus. Den ein oder anderen Haken hat die Sache aber schon.

Die Erholungsbeihilfe dürfen die Empfänger nicht nach Belieben ausgeben. Sie ist zweckgebunden: Es besteht der Zwang, das Geld zu Erholungszwecken einzusetzen. Ja, der Fiskus zwingt dich, mit diesem Geld eine Eintrittskarte für das Freibad zu kaufen und sie selbst zu nutzen. Oder in einem Freizeitpark Karussell zu fahren, eine Pauschalreise anzutreten oder ein Wellnesswochenende zu buchen. Dafür ist die Erholungsbeihilfe aber steuerfrei.

Erholungsbeihilfe als Allternative zum Urlaubsgeld: Vor- und Nachteile

Das Wort sagt es eigentlich schon: Erholungsbeihilfe soll zu der Erholung der Arbeitnehmer beitragen. Unterschied zum Urlaubsgeld: Du musst deine Freizeitaktivitäten belegen können.

Steuern sparen mit Erholungsbeihilfe – Gibt es Urlaubsgeld steuerfrei?

Im Einkommensteuergesetz  ist festgelegt, dass ein Arbeitgeber die Lohnsteuer mit einem pauschalen Steuersatz von 25% erheben kann, wenn er Erholungsbeihilfe für Arbeitnehmer ausbezahlt. Voraussetzung für die Anerkennung der Auszahlung als Erholungsbeihilfe ist die Einhaltung von Höchstgrenzen und die Verwendung zu Erholungszwecken. Die vorgeschriebene zweckgebundene Verwendung der Auszahlung von Erholungsbeihilfe muss durch den Arbeitgeber sicher gestellt werden. Hierfür muss er von seinen Mitarbeitern entsprechende Belege einfordern. 

Was sind die Vorteile von Erholungsbeihilfe anstatt Urlaubsgeld?

Erholungsbeihilfe – Urlaubsgeld steuerfrei

Die Erholungsbeihilfe gilt als lohnende Alternative zum Urlaubsgeld, um von steuerlichen Vorteilen zu profitieren. Die Beihilfe kann aber auch zusätzlich zum Urlaubsgeld an die Mitarbeiter bezahlt werden. Die Vorteile lassen sich in drei Faktoren zusammenfassen:

  • Mitarbeiterbindung: Die Beihilfe stellt eine Form des Mitarbeiterbonus, der für den Mitarbeiter steuerfrei bleibt.
  • Regeneration der Mitarbeiter: neben dem gesetzlich verankerten Recht auf Urlaub erhalten Mitarbeiter durch die Beihilfe einen weiteren Anreiz, für die eigene Regeneration zu sorgen. Da die Auszahlung zweckgebunden ist und nachgewiesen werden muss, erhalten Arbeitgeber die Sicherheit, dass sich ihre Mitarbeiter aktiv für ihre Erholung einsetzen. 
  • Senkung von Lohnnebenkosten: Da die Beihilfe nicht versteuert werden muss und auch auf Seiten des Arbeitgebers lediglich mit einem Pauschalsatz zu versteuern ist, bringt die Auszahlung einen steuerlichen Vorteil mit sich. 

Was bringt die Erholungsbeihilfe für geringfügig Beschäftigte?

Auch Minijobber können Erholungsbeihilfe erhalten, die auf ihren Lohn nicht angerechnet werden darf. Durch die Auszahlung der Beihilfe kann ein Minijobber bis zum üblichen Höchstsatz ein zusätzliches Urlaubsgeld steuerfrei zu seinem Arbeitslohn erhalten. Trotz der Auszahlung der steuerfreien Beihilfe bleibt der Arbeitslohn bis zu 450 Euro sozialversicherungsfrei.

Wofür darf die Erholungsbeihilfe ausgegeben werden?

Da die Erholungsbeihilfe für den Arbeitnehmer für den Zweck der Erholung eingesetzt werden muss, gilt es klarzustellen, welche Erholungsmaßnahmen durch den Gesetzgeber auch anerkannt werden. Die Beihilfe kannst du zum Beispiel für die folgenden Aktivitäten einsetzen:

  • Flugreise
  • Pauschalreise
  • Bahnreise
  • Schiffsreise
  • Wellnessreise
  • Seilbahnfahrt
  • Eintritt in Freizeitangebote wie Schwimmbad, Zoo oder Freizeitpark
  • und vieles mehr

Warum Erholungsbeihilfe nicht Urlaubsgeld bedeutet

Erholungsbeihilfe ist aus Sicht des Finanzamtes etwas ganz anderes als Urlaubsgeld. Mit dem Urlaubsgeld – bzw. dem, was davon nach Steuern übrig bleibt – dürfen Arbeitnehmer tun, was sie wollen. Ob sie damit Gartenstühle kaufen oder neue Winterreifen oder tatsächlich in den Urlaub fahren, ist jedem einzelnen überlassen.

Worauf müssen Arbeitgeber achten, die Erholungsbeihilfe für Arbeitnehmer zahlen?

Die Beihilfe zur Erholung für Arbeitnehmer ist eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Sie gehört zu den Perks, den kleinen Extras, die super zur Mitarbeiterbindung sind. Die Erholungsbeihilfe steht nicht im Arbeitsvertrag und darf nicht zusammen mit dem Gehalt ausgezahlt werden. Wenn im Arbeitsvertrag Urlaubsgeld vereinbart ist, dann kann es sie nur zusätzlich geben aber nicht anstelle von Arbeitslohn oder Urlaubsgeld.

Die Erholungsbeihilfe ist an das Kalenderjahr, Personen und den Zweck gebunden. Das heißt für dich als Unternehmer: Du musst von deinem Mitarbeiter Belege anfordern, um zu dokumentieren, was mit dem Geld geschehen ist. Außerdem muss die Auszahlung im zeitlichen Zusammenhang mit einem Urlaub des Mitarbeiters stehen. Du kannst sie einige Wochen bevor dein Teammitglied in die Ferien fährt auszahlen. Der Empfänger muss Belege abgeben, die zeigen, was mit dem Geld zu Erholungszwecken geschehen ist. Eine Reise gebucht: einfach! Wer allerdings im heimischen Garten am Planschbecken bleibt, muss alternativ Eintrittskarten für den Freizeitpark, Schwimmbad, Sauna oder die Rechnung für einen Fitnesskurs einreichen.

Es gelten Höchstbeträge, die du nicht überschreiten darfst: Pro Jahr darf ein Arbeitnehmer 156 Euro erhalten, für jeweilige Lebenspartner nochmal 104 Euro und pro Kind 52 Euro. Für einen verheirateten Mitarbeiter mit zwei Kindern beträgt die Erholungsbeihilfe für Arbeitnehmer zum Beispiel insgesamt 364 Euro im Kalenderjahr. Mehr geht nicht.

Und das erhaltene Geld muss der Empfänger komplett für seine Erholung ausgeben. Es darf nichts übrig bleiben. Um das zu gewährleisten können Arbeitgeber auch einfach die Rechnung für eine gewünschte Ausgabe direkt bezahlen. Dein Mitarbeiter wünscht sich eine Schwimmbadjahreskarte: gekauft. Keine Überzahlung.

Fazit: Die Erholungsbeihilfe bringt etwas mehr Bürokratie durch Dokumentation und Auszahlung mit sich als das Urlaubsgeld. Andererseits ist sie eine Zusatzleistung für Arbeitnehmer, die gleichzeitig gewährleistet, dass diese tatsächlich etwas für ihre Regeneration tun.

Arbeitsrechtlich allerdings ist für Unternehmer weder die Erholungsbeihilfe noch Urlaubsgeld Pflicht.

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