14. Feb 2019 | Unternehmenssteuerung

Generationskonflikte im Unternehmen – was kannst du dagegen tun?

Für alle Beteiligten in einem Unternehmen kann es eine große Herausforderung bedeuten, wenn jüngere Angestellte mit dem frischen Wissen aus ihrer Ausbildung, aber ohne Erfahrung in ein Unternehmen kommen. Dort treffen sie auf ältere Mitarbeiter, die über eine lange Erfahrung in der Anwendung von Wissen und dessen Integration in Arbeitsabläufe verfügen. Wie Du Generationskonflikte im Unternehmen steuern kannst, erfährst Du hier.

Generationskonflikte am Arbeitsplatz

In vielen Unternehmen arbeiten mehrere Generationen miteinander zusammen. Jede Generation bringt jedoch unterschiedliche Fähigkeiten und Ansprüche mit. Aber auch ihre Ideen und Vorstellungen gehen zum Teil weit auseinander. Eine gute Führung muss daher darauf abzielen, dass alle Kollegen miteinander auskommen und sich in ihren Teams nicht nur gegenseitig respektieren, sondern auch voneinander profitieren. 

Generationskonflikte
Wenn Babyboomer und Digital Natives am Arbeitsplatz aufeinander treffen, gibt es oft Meinungsverschiedenheiten. Das Wichtigste beim lösen der Generationskonflikte im Unternehmen: Kommunikation! (Bild © unsplash.com)

Wie sind die Ausprägungen der unterschiedlichen Generationen?

Baby Boomer

Die so genannten Baby Boomer, die Anfang der 1960er Jahren geboren wurden, stellen mittlerweile die Generation der Erfahrenen in den Unternehmen. Sie sind es gewohnt, für ihren Erfolg hart zu arbeiten. Sie können mit Entbehrungen umgehen und akzeptieren Autoritäten. Die Baby Boomer zeichnen sich durch ihre solide Bildung und Zuverlässigkeit aus. Sie gehören zu den so genannten Digital Immigrants, die die Medientechnologien erst im Erwachsenenalter kennen gelernt haben und sich den Umgang mit diesen schrittweise aneignen mussten. 

Generation X

Wer zwischen 1965 und 1980 geboren wurde, gehört zur so genannten Generation X. Diese Generation zeichnet sich durch ein gutes Niveau an Bildung aus. Sie wuchsen als erste Generation mit Fernsehen sowie Video- und Computerspielen auf und zeigen ein verstärktes Interesse an Konsum. Oftmals arbeitet die Generation X in Bereichen, in denen sie unterfordert ist, da sie ihre Lebensplanung weniger nach der Karriere ausrichtet. Laut dem US amerikanischen Beratungshaus Aba Technologies arbeitet die Generation X, um leben zu können. Sie verfolgt demnach mit ihrer Arbeit zwar keine ehrgeizigen Ziele, arbeitet aber dennoch sehr leistungsorientiert. 

Generation Y (Millenials)

Die Generation Y bezeichnet die Jahrgänge zwischen 1980 und 1995. Sie gehören bereits zu den Digital Natives. Sie stellen bewährte Konzepte in Frage und weisen eine ausgeprägte Flexibilität auf, die ihre Karriereplanung offen hält. In dieser Generation haben viele einen akademischen Abschluss. Daher treten sie gegenüber ihren Arbeitgebern selbstbewusst auf und können es sich aufgrund mangelnder Konkurrenz in der eigenen Altersgruppe leisten, Forderungen zu stellen. Die Generation Y arbeitet gerne und viel, während sie zugleich ihre eigenen Bedürfnisse nach Familie, Erholung und Lebensqualität durchsetzt. 

Generation Z

Die derzeit jüngste Generation in der Arbeitswelt ist die Generation Z mit den Jahrgängen zwischen 1995 bis 2010. Sie sind ein hohes Niveau an Wohlstand gewöhnt, während sie zugleich aufgrund der sich verändernden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Unsicherheit empfinden. Die Generation Z strebt keine ehrgeizigen Ziele an und arbeitet gerne in geregelten Vorgaben. Sie sucht nach sicheren Strukturen, wie geregelte Arbeitszeiten und unbefristete Arbeitsverträge, während Arbeit und Privatleben ineinander übergehen sollen. 

Generation Alpha/Generation Global

Die nachfolgende Generation mit der Bezeichnung Generation Alpha oder Generation Global stellt die angehenden Auszubildenden und Praktikanten der kommenden Jahre.

Was sind die zentralen Unterschiede der Generationen am Arbeitsplatz?

Jede Generation – angefangen von den Baby Boomern über die Generationen X, Y bis hin zur Generation Z hat ihre eigenen Stärken und Schwächen, die äußerst unterschiedlich ausgeprägt sind. Jede Generation bringt unterschiedliche Vorstellungen und Bedürfnisse mit an den Arbeitsplatz. Durch die technologische Entwicklung ist besonders die Art der Kommunikation zwischen den Generationen erheblich unterschiedlich gestaltet. Auch der Umgang mit Feedback und das Verhalten im Team unterscheidet sich zwischen den Generationen sehr deutlich. Junge Mitarbeiter gehen mit der digitalen Technologie sehr selbstverständlich um und sind offen für neue Arbeitsweisen. Die älteren Generationen hingegen pflegen einen zurückhaltenden Umgang mit den neuen Technologien und setzen auf bewährte Strukturen in den Arbeitsabläufen.

Generationskonflikte am Arbeitsplatz: Beispiele

Unterschiedlicher Führungsstil

Wie eine aktuelle Studie der Universität Luxemburg feststellt, ist die Interaktion zwischen den verschiedenen Generationen in Unternehmen sehr gering. Denn die Generation der Erfahrenen pflegt nach wie vor einen hierarchischen Führungsstil, nach dem die Alten die Jungen anleiten. Dahingegen streben Mitarbeiter in leitenden Positionen aus der Generation Y (Millenials)  nach besonders flachen Hierarchien. Da auch die Generation Z Hierarchien mit einer straffen Führung nicht kennt und bereits nur noch flache Hierarchien gewohnt ist, entstehen gerade zwischen den Generationen der Erfahrenen und den Generationen Y und Z besonders viele Konflikte über den anzuwendenden Führungsstil.

Generationskonflikte im Unternehmen durch unterschiedliche Arbeitsmoral

Nicht nur die Bedürfnisse der Arbeitnehmer unterscheiden sich aufgrund ihres Alters. Auch die Arbeitsmoral der verschiedenen Generationen fällt sehr unterschiedlich aus. Gerade die Baby Boomer und die Generation X stören sich oftmals an der Arbeitsmoral der jüngeren Generationen, die sie für unverbindlich halten. Dahingegen stören sich die jüngeren Generationen daran, dass die Älteren Erwartungen an sie stellen, die sie für hinderlich erachten. Denn für sie zählen die Ergebnisse und nicht die erwartete Art bei deren Umsetzung.

Mangelnde Kommunikation beim Generationskonflikte am Arbeitsplatz

Daher wäre es äußerst wichtig, dass die Generationen untereinander sehr viel und offen miteinander kommunizieren. Doch gerade die Kommunikation zwischen den Generationen ist in vielen Unternehmen sehr schwierig. Denn die Generationen haben große Probleme damit, einander zu verstehen. Gerade die jungen Berufseinsteiger klagen darüber, dass sie die Sprache der älteren Generationen nur schwer auffassen können.

Unterschiedliche Auffassungen, die Generationskonflikte im Unternehmen verursachen

Während die jungen Generationen sehr technikorientiert handeln, erachten die Baby Boomer ihr Smartphone als Nebensache und bevorzugen traditionelle Beschäftigungen und Herangehensweisen in der Arbeit. Die Generationen sprechen nicht mehr dieselbe Sprache, denn sie stehen in vielen Ansichten auf unterschiedlichen Standpunkten. Diese Unterschiede erschweren eine Entscheidungsfindung und behindern die Zusammenarbeit erheblich. 

Wie können Unternehmen Generationskonflikte am Arbeitsplatz lösen?

Da jede Generation erheblich anders geprägt ist, ergeben sich ebenso erhebliche Unterschiede in den Bedürfnissen, in den Zielen und in der Arbeitseinstellung. Arbeitgeber müssen sich daher über die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Angestellten informieren und auf diese in besonderem Maße eingehen. 

Gemeinsame Unternehmungen zur Verbesserung der Kommunikation

Da die Probleme in der Kommunikation zwischen den Generationen sehr häufig als zentrales Hindernis für die Zusammenarbeit genannt werden, sollten Arbeitgeber besonderes Augenmerk darauf legen, wie sie diese verbessern können. Um die Kommunikation zu verbessern, sollten sie Anstrengungen darauf verwenden, die Beziehungen zwischen den Kollegen und Abteilungen zu verbessern. Hierfür können gemeinsame Unternehmungen hilfreich sein. Gemeinsame Erlebnisse stärken das gegenseitige Verständnis und befördern die Kommunikation. Auf diese Weise können sich sehr unterschiedliche Kollegen besser kennen lernen und eine gemeinsame Basis für die Verständigung aufbauen. 

Generationskonflikt lösen – individuelle Eigenschaften nutzen

Da die verschiedenen Generationen sehr unterschiedlich geprägt sind, bringen sie ebenso verschiedenartige Eigenheiten mit. Während die Erfahrenen Generationen Baby Boom und Generation X eine höhere Gelassenheit und Leistungsfähigkeit mitbringen, zeigen die Generationen Y und Z Technologiefähigkeit und Kreativität. Unternehmen können gemeinsame Kommunikationsrunden einberufen, in denen die Mitarbeiter selbst Modelle für die Zusammenarbeit entwickeln. Die Modelle für die Zusammenarbeit sollten den Bedürfnissen der verschiedenen Generationen entgegen kommen und deren Stärken nutzen. Denn die unterschiedlichen Fähigkeiten bieten dem Unternehmen ein breites Spektrum an Wissen, Kreativität und technologischem Verständnis, das zusammengeführt und gebündelt am besten genutzt werden kann.

Warum können gerade Führungskräfte den Generationskonflikt lösen?

Der Schlüssel für eine gute Zusammenarbeit zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Generationen liegt in der Hand der Führungskräfte. In ihrer Führungsrolle sollten sie ihren Mitarbeitern die Möglichkeit bieten, ihre Stärken einzubringen und sich zu entfalten. Dabei müssen Vertrauen und Verantwortung zusammen wirken, um das unternehmerische Denken und Handeln der Mitarbeiter zu fördern. Führungskräfte müssen ihren Mitarbeitern aus den verschiedenen Generationen die Rahmenbedingungen für ihre Arbeit schaffen, die ihre Leistung befördert und den Arbeitserfolg sicher stellt. Aus diesem Grund müssen sie bereit sein, ihren Mitarbeitern zuzuhören, sich um sie individuell bemühen und ihnen die passenden Mittel zur Verfügung stellen. 

Generationskonflikt lösen durch neue Arbeitsumfelder

Neue Arbeitsumfelder, wie das mobile Arbeiten bieten gute Möglichkeiten, um die Arbeitswelt positiv zu verändern. Die Zusammenarbeit von Mitarbeitern muss inzwischen in vielen Berufsbildern nicht mehr zwingend physisch stattfinden. Es ist somit nicht mehr erforderlich, dass alle Mitarbeiter in einer Betriebsstätte zusammen kommen, um zu arbeiten. Vielmehr ermöglichen technische Systeme, wie die Cloud oder Google eine Zusammenarbeit auf virtuellem Wege, die eine zwar reduzierte, aber sehr eindeutige Kommunikation ermöglicht. Auf diesem Wege verschwinden auch die zentralen Probleme in der Kommunikation zwischen den Generationen, was zu einem Abbau der Generationskonflikte im Unternehmen führt.

Beispiel: Guide Netzwerk – Lösung Generationskonflikte im Unternehmen

Die Firma Continental arbeitet gegen Generationskonflikte im Unternehmen, indem es seine Mitarbeiter dazu ermuntert, ihr Wissen aktiv weiter zu geben, Kollegen zu unterstützen und ihnen bei Problemen zu helfen. Innerhalb eines unternehmensinternen Netzwerks können so genannte Guides von Rat suchenden Kollegen gefunden werden. Die Guides arbeiten in ihren normalen Aufgaben, während zehn Prozent ihrer Arbeitszeit für die Wissensvermittlung an Kollegen durch das Unternehmen frei gestellt wird. Auf diese Weise kommen die unterschiedlichen Generationen ganz selbstverständlich zusammen, um voneinander zu lernen. Dabei stellen nicht etwa nur die Angehörigen aus den älteren Generationen alleine die Guides. Da die jüngeren Generationen einen Wissensvorsprung in den modernen Technologien haben, geben sie ebenso ihr Wissen an die Älteren weiter. 

Beispiel: Paten, Communities und Intranet – Generationskonflikt lösen

In der Firma Festo erhalten neue Mitarbeiter einen Paten gestellt. Dieser steht für Berufseinsteiger mit seiner Erfahrung und seinem Wissen persönlich zur Verfügung. Das Unternehmen sorgt darüber hinaus mit Hilfe verschiedener Communities und über das unternehmensinterne Intranet für einen Austausch zwischen den Kollegen. Weitere Initiativen des Unternehmens, wie zum Beispiel der „Mittagstisch“ befördern das Zusammentreffen und den Austausch der Mitarbeiter untereinander. Dazu gehört auch die Initiative „Kollegen informieren Kollegen“, in der Mitarbeiter ihre Kollegen über neue Projekte und speziell ausgewählte Themen informieren. Darüber hinaus organisiert das Unternehmen Workshops, in denen unterschiedliche Generationen aufeinander treffen und in einen gemeinsamen Austausch treten. 

Fazit für Generationskonflikte am Arbeitsplatz

Dein Unternehmen kann von den unterschiedlichen Erfahrungen der verschiedenen Generationen am besten profitieren, wenn diese überlegt und bewusst genutzt werden. Auf diese Weise werden weder die Schätze von Lebens- und Berufserfahrung der Baby Boomer vernachlässigt, noch neue Ideen von jüngeren Generationen behindert. So kann Dein Unternehmen sowohl auf bewährte Qualitäten zurück greifen, als auch mit Hilfe junger Kreativität seine Firmenstrukturen zukunftsfähig gestalten.  

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