Finanzen   08.9.2016

Geringwertige Wirtschaftsgüter richtig abschreiben

Ob sich Betriebsausgaben für ein Wirtschaftsjahr oder über mehrere verteilt steuersenkend auswirken, hängt von der Art der Ausgaben und von der Abschreibung ab. Geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sind dabei durchaus mehr als nur das Kleinvieh, das auch Mist macht.

Was sind Geringwertige Wirtschaftsgüter?

Definiert sind die Geringwertigen Wirtschaftsgüter in § 6 Abs. 2 EStG. Es handelt sich dabei um abnutzbare, bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die zu einer selbständigen Nutzung fähig sind. Der Netto-Herstellungs oder Anschaffungspreis darf nicht höher als 1.000 Euro sein. Der Gegenstand muss üblicher Weise über mehrere Jahre in Gebrauch sein.

Geringwertige Wirtschaftsgüter richtig abschreiben

Man braucht sich nur einmal in seinem Büro umzusehen, beim Großteil der Ausstattung handelt es sich wahrscheinlich um Geringwertige Wirtschaftsgüter.

Für einen Gartenbaubetrieb bedeutet das: Die Heckenschere für 200 Euro und ein Spaten für 40 Euro sind Geringwertige Wirtschaftsgüter, der Aufsitzrasenmäher für 4.000 Euro ist es nicht. Zwar können beide Geräte unabhängig von anderen Maschinen genutzt werden und sind mehrere Jahre im Einsatz, aber der Anschaffungspreis des Rasenmähers liegt zu hoch. Er wird auf jeden Fall über mehrere Jahre abgeschrieben.

Für den Spaten und die Heckenschere gibt es mehrere Möglichkeiten, sie korrekt abzuschreiben.

Anschaffungspreis bis 150 Euro

Für Geringwertige Wirtschaftsgüter, deren Anschaffungs- oder Herstellungskosten unter 150 Euro liegen ist die Sache einfach: Sie können für das Wirtschaftsjahr abgeschrieben werden, in dem sie angeschafft wurden. Der Spaten ist somit steuerlich erledigt.

Anschaffungskosten 150,01 Euro – 410 Euro

In diese Preisklasse fällt die Heckenschere. Und der Gartenbaubetrieb hat im selben Jahr noch mehr eingekauft: Eine Motorsense und einen Laubpuster, beides für jeweils 250 Euro.

Hier hat der Gärtnermeister die Wahl: Entweder er setzt die Geräte alle einzeln für das Steuerjahr komplett als Betriebskosten an oder er bildet einen Sammelposten. Der besteht dann aus allen drei in diesem Jahr in dieser Preisklasse angeschafften Geräten und wird über einen Zeitraum von 5 Jahren linear abgeschrieben.

Wer einen Sammelposten bildet, muss eine Liste mit den darin enthaltenen Geräten und Dingen führen. Es besteht Aufzeichnungspflicht, denn der Steuerpflichtige selbst, das Finanzamt und eventuell Betriebsprüfer müssen über den ganzen Zeitraum nachvollziehen können, was zum Sammelposten gehört.

Anschaffungskosten 410,01 Euro bis 1.000 Euro

Für das Büro der Gärtnerei waren noch zwei neue Notebooks nötig. Der Gärtnermeister hat dafür netto jeweils 900 Euro ausgegeben. Der reguläre Zeitraum für die Abschreibung für Computer beläuft sich auf 3 Jahre. Wird das Notebook Teil eines Sammelpostens, dann kann dieser über 5 Jahre abgeschrieben werden.

Sammelposten oder sofortige Abschreibung?

Beides hat Vor- und Nachteile. In umsatzstarken Jahren ist es von Vorteil möglichst hohe sofort abschreibbare Betriebsausgaben zu haben, um damit die Steuerbelastung zu senken. In umsatzschwachen Jahren bringt es unter Umständen wenig, dennoch müssen auch in solchen Jahren Anschaffungen getätigt werden. Die reguläre Abschreibungsdauer kann – wie bei den Notebooks der Gärtnerei – kürzer sein als die für einen Sammelposten. Es ist aber auch das Gegenteil möglich: Aktenschränke beispielsweise haben eine viel längere Abschreibungszeit (13 Jahre). Was über wie viele Jahre abgeschrieben werden muss, steht in der AfA-Tabelle.

Leider gibt es für die Abschreibung Geringwertiger Wirtschaftsgüter auch einige Sonderregelungen. So ist zum Beispiel nicht immer möglich, einen Sammelposten zu bilden, weil z.B. schon einer in der anderen Preisgruppe gebildet wurde. Ein Gerät wird innerhalb des Abschreibungszeitraums verkauft oder gestohlen: Wird es dennoch weiter abgeschrieben? Über all diese Besonderheiten weiß dein Steuerberater bescheid. Er kann dich bei der Entscheidung beraten, ob die reguläre Abschreibung oder der Sammelposten für dein Unternehmen zum jetzigen Zeitpunkt die günstigste Lösung ist.

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