Gründung   12.9.2018

GmbH-Gründung ohne Bargeld – geht das?

GmbH-Gründung ohne Bargeld, geht das? Tatsächlich ist das Stammkapital eine ziemlich hohe Hürde für Gründerinnen und Gründer. Wer seinem Unternehmen die Rechtsform einer Gesellschaft mit begrenzter Haftung geben möchte, muss Werte einbringen: 25.000 Euro. Doch das muss nicht sofort da sein und auch nicht unbedingt in Form von Geld.

  1. Wie gründe ich eine GmbH-ohne Bargeld?
  2. Was ist die Voraussetzung der Sachgründung?
  3. Was sind die Folgen?

Eine GmbH-Gründung ohne Bargeld, da wird es selbst bei einer grandiosen Geschäftsidee erstmal schwierig. Bei Gründung einer GmbH in Deutschland muss mindestens die Hälfte des Mindeststammkapitals von 25.000 Euro sofort da sein. Wer die finanziellen Mittel nicht selbst aufbringen kann, sucht sich vielleicht einen Kapitalgeber in Gestalt eines Investors. Oder du findest Mitgründer, die einen Teil der Einlage tragen und das Unternehmen mit aufbauen wollen.

GmbH-Gründung ohne Bargeld

Weg von der UG, hin zur GmbH, aber keine 12.500 Euro flüssig? Hier könnte die Sachgründung eine Alternative sein! (Bild © Fotolia.de)

Manche Startups weichen nach der Existenzgründung auch vom Plan GmbH-Gründung ab und gründen stattdessen als haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft, UG. Umgangssprachlich nennt man die UG auch „Mini-GmbH“. Eine UG genießt allerdings kein hohes Ansehen und hat es wegen fehlender Höhe eines soliden Stammkapitals schwer, zum Beispiel Bankenkredite oder Vertrauen von Geschäftspartnern zu gewinnen. Deshalb kann die sogenannte Sachgründung – eine GmbH-Gründung ohne Bargeld – die bessere Option sein.

Wie gründe ich eine GmbH ohne Bargeld?

Sobald eine neugegründete GmbH ins Handelsregister eingetragen wird, muss ein Viertel des festgelegten Stammkapitals da sein. Mindestens jedoch die Hälfte des gesetzlich vorgeschriebenen Mindeststammkapitals von 25.000 Euro. Das wären dann 12.500 Euro. Weniger geht nicht.

Wer zu diesem Zeitpunkt nicht über 12.500 Euro verfügt, hat ein Problem. Oder doch nicht? Diese Vorraussetzung für die GmbH Gründung muss nicht in Form von Bareinlagen erfüllt sein.

Statt der sogenannten „Bargründung“ ist auch eine „Sachgründung“ möglich. Dabei fließen Sacheinlagen ins GmbH-Stammkapital ein, die das Bargeld ersetzen. Solche Sacheinlagen können sein:

  • Vermögenswerte, die nicht materieller Natur sind, zum Beispiel Patente, Lizenzen oder auch Beteiligungen an anderen Unternehmen
  • Computer, Waren oder Materialien, aus denen ein Unternehmen Ware herstellen möchte
  • Grundstücke und Immobilien
  • Ausstehende Forderungen aus bereits gelieferter Ware oder erbrachter Leistung gelten solange als Sacheinlage, bis die Mindesteinlage komplett ist.

Was ist die Voraussetzung der Sachgründung?

Leider ist die Bewertung der Sacheinlagen aufwendig, was die Sachgründung verkompliziert. Außerdem müssen Sacheinlagen tatsächlich zum Zeitpunkt des Handelsregistereintrags sofort in die GmbH eingebracht werden. Zunächst einmal ist wichtig, dass immer der Wert der jeweiligen Sacheinlage zu genau dem Zeitpunkt zählt, zu dem das Unternehmen ins Handelsregister eingetragen wird. Je nachdem, um welche Art von Sacheinlage es sich handelt, zählt der Wiederbeschaffungswert, der Ertragswert oder der Umlaufwert.

Wiederbeschaffungswert, Ertragswert, Umlaufwert

Gegenstände, die ins GmbH-Stammkapital eingebracht werden, zählen beispielsweise mit ihrem Wiederbeschaffungswert. Ist der Computer, der vor zwei Jahren für 2.000 Euro angeschafft wurde, zum Zeitpunkt der Gründung für 1.500 Euro zu haben, ist dieser zweite Wert von Belang. Wichtig: Der Wiederbeschaffungswert errechnet sich anders als z.B. die Abschreibung, mit der du z.B. vorhandene Büroausstattung, die du in eine Gründung einbringst, von der Steuer absetzt.

Ertragswerte geben an, wie Sacheinlagen zu bewerten sind, für die ein Ertrag zu erwarten ist. Einen erwarteten Ertrag gibt es zum Beispiel, wenn du Lizenzgebühren für die Nutzung deiner Patente bekommst. Auch wenn du der Urheber einer kreativen Leistung bist, die in die Sacheinlagen eingerechnet werden sollen, sind Erträge für den Verkauf von Nutzungsrechen zu erwarten. Ertragswerte müssen von einem Gutachter ermittelt werden, was leider kostspielig ist.

Der Umlaufwert schließlich bezieht sich auf Sachwerte, die nicht langfristig im Unternehmen bleiben sollen und sich nach dem Veräußerungswert berechnen. Der Veräußerungswert ist der Verkaufspreis minus anfallender Kosten, die der Verkauf erzeugt.

Beispiel: Ware, die zum Zeitpunkt der Gründung schon vorhanden ist, aber natürlich im Sinne des Unternehmens an den Käufer gebracht werden soll. Angenommen, deine künftige GmbH möchte Pullover zu 100 Euro pro Stück verkaufen, von denen schon 10 Stück zum Zeitpunkt der Gründung vorhanden sind. Um die Pullover zu verkaufen, werden pro Stück 10 Euro Kosten anfallen (zum Beispiel als Händlermarge). Dann beträgt der Umlaufwert (Veräußerungspreis minus Veräußerungskosten) 10 mal 100 Euro minus 10 mal 10 Euro = 900 Euro.

Gemischte Einlagen: Geld und Gegenstände

Eine GmbH Gründung ohne Bareinlagen ist also möglich. Es gibt aber auch die Möglichkeit das Stammkapital durch gemischte Einlagen aufzubringen. Du kannst also Sach- und Geldeinlagen kombinieren.

Was sind die Folgen der GmbH-Gründung ohne Bargeld?

Die Sachgründung bedeutet, dass sämtliche Sacheinlagen detailliert im Gesellschaftervertrag aufgeführt werden müssen. Jeder einzelne Gegenstand bzw. entsprechende immaterielle Werte müssen dort benannt sein.

In einem Sachgründungsbericht müssen die Gesellschafter ebenfalls darlegen, weshalb die einzelnen Sacheinlagen in ihrer Summe den geforderten Gesamtwert ergeben. Dabei müssen folgende Angaben gemacht werden:

  • Anschaffungskosten
  • Herstellungskosten
  • Aktueller Marktpreis
  • Zustand
  • ggf. Nutzungsmöglichkeiten für die Gesellschaft

Gründer haften für ihre Sachwerte!

Alle Angaben müssen strikt nach bestem Wissen und Gewissen gemacht werden – sonst kann es teuer werden. Falls eine Sacheinlage in Wirklichkeit nicht dem Wert entspricht, der angegeben worden ist, zahlen die Gründer den Differenzbetrag in bar nach. Erst nach 10 Jahren verfällt diese Haftung.

Fazit zur GmbH-Gründung ohne Bargeld

Wenn zum einen bei der Gründung kein ausreichendes Bargeld verfügbar ist, zum anderen aber Sachwerte vorhanden sind, deren Wert leicht nachzuweisen ist, dann ist die Sachgründung eine gute Alternative zur GmbH-Bargründung!

von Julia Dombrowski und Regina Bartel

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