Interview   18.7.2016

Vom Studi zum Chef – Interview mit Benjamin Bauer von UniCoach

Interview mit Benjamin Bauer: Als Student in der Not fallen einem doch immer wieder ein paar wahnwitzige Ideen ein, um sich das Studium und die Prüfungszeit leichter zu machen. Doch nur die wenigsten setzen diese Ideen auch um. Im Gegensatz zu Benjamin Bauer. Er gründete mithilfe zwei seiner Kommilitonen die Plattform UniCoach, einem intelligenten Online-Stundenplan mit über 25 Hochschulen in ihrer Datenbank, nachdem ihm die hochschuleigene Software einfach nicht mehr zusagte. Benjamin hat sich Zeit für ein Interview mit uns genommen und gibt wertvolle Tipps für Studis, die selber gründen wollen!

Interview mit Benjamin Bauer

Benjamin Bauer, Gründer von UniCoach.

Benjamin Bauer, Gründer von UniCoach.

Hallo Benjamin, vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst für ein Interview. Stell dich und dein Projekt UniCoach doch bitte kurz vor!

UniCoach ist der Helfer fürs Studium an 26 Hochschulen in Deutschland, um sich sehr einfach einen Stundenplan mit allen Daten seiner Uni zu erstellen und während der Prüfungsphase von unseren geprüften Online-Tutoren Hilfe zu bekommen, z.B. bei einer schweren mathematischen Aufgabe in Statistik.

Stundenplan erstellen und Hilfe bei Fragen zu Studium und Prüfungen: Wie sehr hättest du „UniCoach“ damals selber gebraucht?

Ich hätte so etwas ganz dringend gebraucht und genau das war auch der Grund, warum wir UniCoach ins Leben gerufen haben! Die Idee ist aus der eigenen Not heraus entstanden. Die Software an deutschen Hochschulen ist oft nicht besonders gut und sehr veraltet. Für über 400 Hochschulen und rund 2,7 Millionen Studierende gibt es nur sehr wenige Softwareanbieter. Oft basteln Lehrstühle an eigenen Softwarelösungen, weshalb Studis meistens zahlreiche verschiedene Plattformen nutzen müssen, um sich im Alltag zurechtzufinden. Wir wollten die Situation damals vereinfachen und haben uns gesagt, anstatt nur das Problem zu beklagen, versuchen wir es auch zu ändern. Nach 3 Monaten intensiver Arbeit mit einem IT-Studenten und einem Designer hatten wir unseren ersten Prototypen erstellt. Keine vier Tage nach Veröffentlichung der Seite und ohne einen Cent Marketingbudget, hatten sich bereits über 1000 Studierende angemeldet. Für uns eine Riesenüberraschung und Bestätigung, dass die Idee Potential hat. Seitdem hat das Ganze viel Fahrt aufgenommen. Wir sind an 26 Hochschulen expandiert (bald werden es mehr), konnten jedes Semester tausende Studierende gewinnen, wurden mehrmals ausgezeichnet, durften auf dem Nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung vor Politik, Medien und anderen Bildungsstartups präsentieren und wurden von der WirtschaftsWoche als das „Quora für Studenten“ ausgezeichnet.

Was war zuerst da: Der Wunsch, sich selbstständig zu machen oder die Idee für die Plattform UniCoach?

Die Idee, sich selbständig zu machen, war schon lange vor UniCoach da. Ich hatte mit 16 Jahren bereits meinen ersten Ebay-Shop und importierte Lautsprecher, machte mit 17 ein Startup-Praktikum in einem StudiVZ-Klon (ja, das gab es wirklich!) und hatte auch während der Studienzeit verschiedene Gründungsprojekte. Bei der studentischen Gründungsinitiative START war ich lange aktiv und gründete dann 2012 in Berlin den mittlerweile größten studentischen Verband Deutschlands, den Gründermagnet. Der Gründermagnet ist die Dachorganisation für alle studentischen Gründer und Gründungsinitiativen im deutschsprachigen Raum mit aktuell 45 Standorten und mehr als 1000 Mitgliedern. 2013 sind wir fusioniert mit dem Bundesverband Deutscher Startups (BVDS) in Berlin, mit dem wir zusammen z.B. die German Valley Week organisieren.

Nischen- und Marktlückenfindung ist wohl mit das absolut Wichtigste bei der Gründung eines Startups. Hast du Tipps für junge Gründer, wie sie ihre individuelle Nische finden können?

Ich würde das nicht zu 100% unterstreichen. Nischen- und Marktlückenfindung ist eine Voraussetzung, klar. Ein gutes Team aufzubauen ist aber meiner Ansicht nach viel entscheidender und vor allem deutlich schwerer. Das Team kann nämlich eine Idee gemeinsam besser machen oder aus einer eher mittelmäßigen Idee ein großartiges Startup formen. Wenn das Team stimmt, kommt man auch durch schlechte Zeiten. Wenn das Team nicht gut ist oder nicht komplett (z.B. IT extern dazu gekauft wird), scheitert ein Projekt viel schneller, da bei viel Stress der Zusammenhalt schneller verloren geht und z.B. eine Agentur nicht bis Nachts um 3 Uhr für einen kleinen Startup-Kunden arbeitet… Da muss man selber ran!
Nichtsdestotrotz spielt die Nische natürlich eine große Rolle. Hier würde ich dazu raten, dass man sich einen Markt/Produkt/Service sucht, für den man ohnehin eine Affinität aufweist. Als wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik hatte ich viel mit der Unisoftware zu tun und sah jeden Tag die Schwachstellen. Ich hatte eine intrinsische Motivation, dagegen etwas zu unternehmen. Das erscheint mir äußerst wichtig, denn auch hier gilt: In stürmischen Zeiten hat man mehr Hingabe für ein Thema, das einen wirklich begeistert!

Eine große Hürde beim Gründen (im Studium) ist das Startkapital. Inwieweit hat euch der Gewinn des STARTstipendiums geholfen, euer Startup zum Laufen zu bringen?

Das STARTstipendium ist ein großartiger Wettbewerb, der deutschlandweit die besten studentischen Startups fördert. Uns haben damals vor allem die kostenlosen Büroflächen geholfen und die kostenlose (juristische) Beratung, die man uns gab. Ansonsten war es auch für unsere Kunden und Partner ein Zeichen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Über START haben wir auch unser Advisory Board aufgebaut. Hier unterstützt uns z.B. der ehemalige Xing-CMO, was uns enorm geholfen hat.
Ansonsten sehe ich die fehlenden Ressourcen während des Studiums eher als Vorteil! Wer sonst kann es sich leisten, schnell und unkompliziert ein Startup zu gründen? Steckt man im Beruf und hat eine Familie, fällt das nicht so leicht. Als Studi hat man nichts zu verlieren, weder Geld noch Ansehen. Ich nenne das immer den „Welpen-Bonus“: Keiner erwartet Großes von dir und keiner ist dir böse, wenn du scheiterst. Daher mein Rat an alle Studis: Einfach machen und nicht lange überlegen!

„In stürmischen Zeiten hat man mehr Hingabe für ein Thema, das einen wirklich begeistert!“

Wie kommt man an so ein Stipendium ran? Hast du Tipps für junge Gründer?

Für das STARTstipendium kann man sich ganz einfach bewerben (http://start-stipendium.de). Wir haben auch bei anderen Wettbewerben mitgemacht. Es muss aber jeder selbst abwägen, wie viel Zeit man in Wettbewerbe und Bühnenauftritte steckt. Das kann am Anfang hilfreich sein, verschlingt aber auch enorm viel Zeit, die man meines Erachtens oft produktiver einsetzen kann. Gerade mit den hunderten von Events in Berlin, Nürnberg oder München kann man super viel Zeit totschlagen. Hier würde ich raten, dass man sich ein paar wenige gute Events aussucht (für jeden in jeder Branche unterschiedlich) und ansonsten seine Abendstunden lieber mit echter Arbeit fürs Startup verbringt.

UniCoach sitzt in Nürnberg. Wie bewertest du die Startup Szene in der fränkischen Metropole?

Es gibt eine sehr aktive und qualitativ hochwertige Startupszene in der Region, die meines Erachtens immer bedeutender wird und auch national wie international an Strahlkraft gewinnt, auch wenn man bisher in den entsprechenden Medien noch wenig darüber liest. Hier sitzen zum einen die „Altstars“ wie Hotel.de, immowelt.de, anwalt.de, stayfriends.com, SuSe Linux und viele weitere. Aber auch die Youngsters wie streetspotr.de (größte Mobile Workforce Europas), Playata (mit über 35 Mio Spielern weltweit eines der erfolgreichsten Mobile-Games-Startups), jDownloader (größter Downloadmanager der Welt mit über 40 Mio Usern), sowie enorm viele Hardware-Startups (z.B. aus der Medizintechnik), die oft aufgrund ihrer B2B-Ausrichtung nicht groß in der Presse auftauchen. Das Potential ist enorm, vor allem auch durch die exzellente Uni (#6 der innovativsten Hochschulen Europas).
Um nur ein Beispiel zu nennen: Die Software von IT-Doktoranden der Uni Erlangen hat es neulich mit ihrer Gesichts-Manipulationssoftwarezu Jimmy Kimmel geschafft . Würde man diese Hightech-Produkte noch öfter in Startups ausgründen und entsprechend fördern, könnten so große Erfolge entstehen. Davon bin ich überzeugt! Genau deshalb arbeite ich parallel zu UniCoach gerade an der Entstehung eines Digital-Inkubators für die Region, für den wir bereits mehrere Millionen eingesammelt haben, um den Startups der Region ein zentrales Zuhause zu geben und in Zukunft noch mehr großartige Unternehmen zu fördern.

Wie wichtig ist es, sich als Startup mit der Gründerszene vernetzen?

Es ist wichtig, gute Kontakte zu pflegen. Dies kann man auf öffentlichen Events tun, oder privat im kleinen Kreis. Ich kenne viele Startups, die sich gar nicht in der Gründerszene beteiligen und trotzdem sehr erfolgreich sind. Das kommt auch immer auf den Markt und die Kunden an. Uns hat es immer wieder gute Kontakte und auch mal den ein oder anderen Kunden gebracht. Bei UniCoach gibt es auch eine Kategorie, bei der prominente Personen Fragen beantworten. Hier konnten wir z.B. den Audi Vorstand Prof. Sigi, Dr. Edmund Stoiber oder den Chefredakteur des Postillon gewinnen. Dies hat nur über direkte Ansprache bei Netzwerkevents funktioniert. Vernetzung ist das A und O und ein gutes Netzwerk entwickelt sich nicht spontan, sondern über Jahre.

Themawechsel: Wie gut liegt dir das „Chef sein“? Welche Softskills muss ein Chef mit sich bringen?

In das „Chef-sein“ wächst man als Geschäftsführer eines Startups automatisch hinein und findet seinen Weg mit Learning-by-Doing. Ich halte extrem wenig von selbsternannten Wortführern, die Artikel schreiben wie „10 Charaktereigenschaften, die du brauchst, um Chef zu sein“ oder ähnlichen Blödsinn. Ich habe ganz häufig erlebt, dass die nerdigsten ITler tolle Chefs sind und viele der größten Startups weltweit werden von „Techies“ geführt. Trotzdem stelle ich einen Trend hin zu deutlicher Professionalisierung der Startups fest. Viele ehemalige Berater entdecken die Startup-Szene als neuen Karriereweg für sich und bringen dementsprechend viel Führungserfahrung mit, siehe Flixbus.

Wenn ich jedoch eine Charaktereigenschaft hervorheben würde, wäre das Durchhaltevermögen. Jedes Startup, egal ob bereits gefunded oder gerade erst mit 5 Euro gestartet, hat immer und immer wieder schwierige Zeiten, in denen es sich neu orientieren muss und mit besonderen Herausforderungen zu kämpfen hat. Den Aufbau eines Startups vergleiche ich immer mit einer Achterbahnfahrt, bei der es täglich auf und ab geht – und das in Höchstgeschwindigkeit. Wenn man bei dieser Fahrt kein Durchhaltevermögen hat, scheitert vielleicht eine tolle Idee viel zu früh. Gerade während des aktuellen Startup-Hypes erlebe ich oft Gründer, die beim kleinsten Problem aufhören, an ihre Idee zu glauben. Doch viele der ganz großen Startups sind aus anderen, weniger erfolgreichen Ideen, entstanden. Und das nur, weil die Gründer durchgehalten haben.

„Die nerdigsten ITler können tolle Chefs sein!“

Kannst du dir vorstellen, noch ein Projekt in Angriff zu nehmen, oder bist du mit UniCoach und deiner Arbeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Erlangen schon genug ausgelastet?

Wie bereits erwähnt, arbeite ich gerade intensiv an der Entstehung des Digital-Inkubators, der einen Fokus auf „Smart Engineering“ haben wird. Dafür haben wir in den letzten Monaten einige Millionen eingeworben, um noch in 2016 richtig loslegen zu können. Der Digital-Inkubator wird ein extrem spannendes neues Projekt, für das wir viele große Unternehmen und Unternehmerpersönlichkeiten bereits überzeugen konnten. Das wird für Startups aus ganz Deutschland interessant, da sie direkten Draht zu Weltunternehmen bekommen können und somit erste große Aufträge oder Investments. Darauf freue ich mich sehr!
Ansonsten helfe ich einigen Startups bei der Gründung und bin deren Advisor. Dieses Jahr bin ich wieder in einer Jury aktiv, die Startups auszeichnet. Mir wird es in nächster Zeit also bestimmt nicht langweilig werden!


 

Über Benjamin Bauer

Benjamin Bauer ist seit 2013 Gründer und Geschäftsführer von UniCoach – dem Helfer fürs Studium an 26 Hochschulen in Deutschland. Seit seiner Jugend ist Benjamin in der Gründerszene aktiv und baute 2012 in Berlin den mittlerweile größten studentischen Verband im deutschsprachigen Raum namens Gründermagnet, welcher seit 2013 zum Bundesverband Deutscher Startups gehört, auf. Neben seiner Gründung arbeitet Benjamin bei der Entstehung des ersten Digital-Inkubators in Nürnberg mit. Außerdem ist er Advisor von mehreren Startups und Jurymitglied zur Bewertung von Startup-Ideen.

Benjamin erreicht man am besten per Email !

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