Interview   05.9.2018

Texterkennung mit dem smarten digitalen Butler – Interview mit Georg von Gini

Das Start-up Gini setzt sich für mehr Lebensfreude und Nutzerfreiheit ein. Mit Gini hat das Team einen intelligenten Assistenten für alltägliche digitale Herausforderungen entwickelt, der aus Textdokumenten relevante Informationen extrahiert und interpretiert. Im Interview erzählt uns Business Developer Georg mehr über die Arbeit mit Gini. 

mit Gini

Im Interview mit Gini – Das Team

Hallo Georg, du bist Business Developer bei Gini. Stell dich und euer Unternehmen doch bitte kurz vor.

Gini ist ein erwachsenes FinTech Start-Up mit aktuell 40 passionierten Mitarbeitenden an zwei Standorten – München und Berlin. Wir arbeiten an der Vision eines magischen Assistenten, der die Lebensqualität eines jeden einzelnen erhöhen kann, in dem er zeitraubende Aufgaben automatisiert und so Raum für mehr Freizeit schafft. Mittlerweile haben wir diese Vision in verschiedenen Anwendungsfälle umgesetzt und arbeiten täglich daran, den Menschen noch mehr Arbeit abzunehmen.

Ich persönlich bin, wie schon richtig erwähnt, im Business Development tätig. Vor meiner Zeit bei Gini habe ich in Wien studiert und anschließend beim Aufbau des FinTech Start-up ChillBill mitgearbeitet. Meine Leidenschaft dreht sich um die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Digitalisierung und Automatisierung der Buchhaltung für kleine Unternehmen. Angefangen hat diese auf dem Bio-Apfelhof meiner Freunde als ich mit der ehrenvollen Aufgabe der Buchhaltung betraut wurde. Da auch ich keine Leidenschaft für das Abtippen von Rechnungen entwickeln konnte, machte ich mich auf den Weg, Alternativen zu suchen. Umso mehr freut es mich jetzt mit Firmen wie Billomat zusammenzuarbeiten, die gemeinsam mit Gini Unternehmen wieder die Zeit für ihre für ihre eigentliche Leidenschaft zurückgeben.

Ihr nennt euch den „fortschrittlichsten digitalen Alltags-Assistenten der Welt“: Könnt ihr einem technischen Laien kurz erklären, wie Gini funktioniert?

Aus unstrukturierten Textdokumenten – wie Smartphone-Fotos, Scans oder PDFs – extrahiert Gini sämtliche relevanten Daten. Mithilfe hochmoderner Technologien zur semantischen Analyse, wie etwa maschinellem Lernen, werden die ausgelesenen Daten zuverlässig interpretiert. So kann Gini strukturierte Daten in bester Extraktionsqualität aus verschiedensten Dokumenten auslesen.

Welche Services bietet Gini für Privatkunden?

Da gibt es zum einen die Gini Fotoüberweisung, welche bei zahlreichen Partner Banken zum Einsatz kommt. Die Fotoüberweisung ist bereits in zahlreichen mobilen Apps integriert und ermöglicht es Privatkunden, ihre Rechnungen zu fotografieren und direkt zu überweisen, ohne lästiges Abtippen von IBAN oder Zahlungsempfänger.

Unser zweiter Service im Privatkundenbereich ist Gini Pay, welcher sich aktuell noch in einer Pilotphase befindet. Gini Pay ist ein komplett neu gedachter Ansatz, Zahlung und Einkaufserlebnis zu vereinfachen, indem wir unsere Kompetenzen aus der Rechnungsanalyse und Payment verknüpfen.

Und welche für Geschäftskunden?

Im Bereich B2B bieten wir mit Smart Accounting ein Produkt für Buchhaltungs-Plattformen an, welche mit Hilfe von Gini ihren Usern ein Werkzeug zur Rechnungserkennung anbieten können, das Teile der Buchhaltung automatisiert.

Neben der Erkennung von Rechnungen spielt Gini beim Konsumentenkredit eine wichtige Rolle. Ziel ist es gemeinsam mit unseren Partnern, die Kreditantragsstrecke vollständig zu digitalisieren und soweit wie möglich zu automatisieren, indem wir alle relevanten Daten aus einem Gehaltszettel und Kontoauszug auslesen. Für die Zukunft soll das dann nicht nur beim Konsumentenkredit, sondern auch bspw. bei der KfZ-Finanzierung oder der Baufinanzierung möglich sein und somit über unsere Partner dem Endkunden das Leben bei der Kreditbeantragung erleichtern.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden sich hier.

Verschiedene Banken wie die ING DiBa oder Sparkasse nutzen euren Service für ihre Banking Apps. Wie genau kann man sich das vorstellen?

Ganz einfach 🙂 Man öffnet die mobile App seiner Bank und wählt die Fotoüberweisungs-Funktion. Dann nur noch ein Foto der Rechnung machen und die Überweisung ist erledigt. IBAN abtippen war gestern!

Gini extrahiert Daten aus unstrukturierten Textdokumenten. Wie lange habt ihr an der Entwicklung dieser komplexen Technologie gearbeitet?

Wir arbeiten seit der Firmengründung im Jahr 2011 daran. Im Laufe der Zeit gab es natürlich zahlreiche Ups & Downs. Wie bei Projekten im Bereich von Forschung & Entwicklung üblich, werden Annahmen getroffen und überprüft. Manche dieser Annahmen können oft erst im Laufe der Zeit falsifiziert werden und führen nicht zu den gewünschten Ergebnissen. Das hohe Investment in diesem Bereich macht sich aber mittlerweile mehr als bezahlt, da wir sehr viel Know-how in diesem Bereich ansammeln konnten. Für die kommenden Aufgaben sind wir daher sehr zuversichtlich, dass sich unser Investment in Machine Learning rechnen wird.

Wie funktioniert die semantische Analyse? Und wie zuverlässig ist sie?

Zunächst wird der Textinhalt und die Struktur von Dokumenten extrahiert. Bei gescannten Dokumenten kommt dabei eine sogenannte „Optical Character Recognition“-Lösung (abgekürzt OCR) zum Einsatz. Danach wird das Dokument semantisch analysiert, durch eine Vielzahl an Verfahren. Dabei benutzen wir sowohl Machine Learning als auch regelbasierte Ansätze.

Die Erkennungen sind zusätzlich noch optimiert auf bestimmte Dokumententypen wie etwa Rechnungen, Überweisungsträger, Kontoauszüge, Gehaltsabrechnungen oder Energierechnungen. Außerdem können die Informationen, die bei der Extraktion eines Feldes gewonnen wurde, auch für andere Felder mit einbezogen werden.

Schließlich werden die Ergebnisse bereinigt, auf Plausibilität überprüft und zur Ausgabe vorbereitet.

Wohin geht die Reise mit Gini? Was habt ihr noch geplant?

Unsere Vision ist es, Menschen in allen möglichen Alltagssituationen die Arbeit abzunehmen und das Leben zu erleichtern.

„Erst wenn wir es geschafft haben, den denkbar smartesten Butler zu erschaffen, geben wir uns wirklich zufrieden.“

Zur Verfolgung unserer Vision ist es enorm wichtig, mit Partnern zusammen zu arbeiten. Gini möchte weniger die Dienstleistungen oder Produkte selbst anbieten (bspw. Bankprodukte, Stromverträge oder Versicherungen) – sondern vielmehr den Umgang damit radikal einfach und angenehm gestalten. Wir möchten Gini somit nach und nach weitere “Fähigkeiten” beibringen, um Menschen – bei der Arbeit oder am Wochenende zuhause – mehr positive Emotionen zu schenken.

Dazu ist neben komplexer Technologie, die sich für den End-User idealerweise kaum bemerkbar macht, häufig die Integration in die Prozesse der Provider & Firmen notwendig. Die Ausdehnung auf verschiedenste Branchen und somit Anwendungsfälle ist somit unser mittelfristiger Fokus.

Ihr habt zwei Standorte in München und Berlin: Unterscheidet sich die Startup Szene in diesen Städten?

Ja! München hat sich in den letzten Jahren zwar merklich entwickelt – die Suche nach Investoren oder Talenten für ein junges Start-up ist heute vermutlich fast auf dem gleichen Niveau wie in Berlin. Aufgrund der schieren Größe von Berlin, den schon groß gewordenen Vorzeige-Start-ups und der enormen Attraktivität der Stadt für junge Menschen aus dem Ausland ist die Frequenz von Meetups oder der Austausch mit Gleichgesinnten schon noch etwas anderes.

Berlin und München sind im Kern auch einfach sehr unterschiedliche Städte mit ihrem ganz eigenen Charakter – das spiegelt sich auch in der Start-up Szene wieder. Was besser und was schlechter ist kann allerdings nur jeder für sich selbst beurteilen – und da wir uns nicht entscheiden wollten, sind wir einfach in beide gegangen 😉

„First, create happy people!“ – so heißt es auf eurem Blog. Daneben zu sehen ist ein Bild von eurem Team in Dirndl und Lederhosen. Wie können wir uns den Arbeitsalltag bei Gini vorstellen und welche Teambuilding Maßnahmen unternehmt ihr?

mit GiniUnsere Kultur ist für uns so zentral, dass wir sie als gleichermaßen wichtig wie unsere Vision sehen – und auch entsprechend “pflegen”.

Wir haben in den Anfangsjahren Start-up typische Wachstumsschmerzen erlebt – so zum Beispiel als wir mit Risikokapital in wenigen Monaten von 10 auf 40 Personen gewachsen sind, und uns plötzlich in einer stark hierarchischen Kultur mit langen Backlogs, ewigen Abstimmungen und wenigen intrinsisch motivierten Kollegen wieder gefunden haben. Aufgrund von gefloppten Produkten mussten wir kurz darauf wieder auf 12 Personen schrumpfen und die Firma quasi “neu aufbauen” – seither haben wir uns als Ziel gesetzt, einen herausragenden Arbeitsplatz mit enorm glücklichen und motivierten Mitarbeitern zu schaffen.

Teambuilding-Maßnahmen spielen für eine exzellente Kultur, so wie wir es sehen, nur eine untergeordnete Rolle. Zentraler ist es, kontinuierlich an der Organisationsform, der Autonomie von Teams, der Art der Entscheidungsfindung, dem Vertrauen untereinander oder der Wertschätzung zwischen den Kollegen zu arbeiten. Ein Beispiel dafür ist unser “Coaching-Friday” – jeden Freitag ist ein professioneller Business-Coach bei uns im Haus, mit dem jeder Gini unbegrenzte Einzelsitzungen buchen kann. Hierin kann jeder in höchst vertraulichem Rahmen alles besprechen, was ihm persönlich wichtig ist – was häufig auch gar nichts mit der Firma zu tun hat. Menschen in ihrer Ganzheit zu entwickeln und die Kollaboration untereinander so dynamisch und lebendig wie möglich zu gestalten ist unsere Philosophie. Falls du noch mehr über die Welt von Gini erfahren möchtest, kann ich dir unsere Blogbeiträge empfehlen.

Und wer die Gini Kultur hautnah erleben will, kann uns einfach mal einen Tag lang besuchen – das macht es greifbarer als jeder Text 😉

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