Interview   19.9.2016

Globetrotter meets Craft Beer – Interview mit Katharina Kurz von BRLO

Von Bier leben zu können – das ist bestimmt der Traum vieler Deutscher. Katharina Kurz hat ihr Feierabendbier zum Beruf gemacht. Sie ist Mitbegründerin von BRLO, einem jungen Craft Beer Startups mit Sitz in Berlin. In unserem Interview erklärt sie, wie man als Quereinsteigerin in dieser Branche Fuß fasst und was gerade Berlin als Standort für hippe Unternehmen interessant macht.

Interview mit Katharina Kurz

Katharina Kurz, Gründerin von BRLO

Katharina Kurz, Gründerin von BRLO

Prst, Mahlzeit Katharina. Bitte stell dich und dein Unternehmen kurz vor!

Ich bin eine der drei Gründer von BRLO, ein kleines Berliner Craft Beer Startup. Wir brauen handwerkliche und kreative Biere, die Spaß machen und lassen uns dabei nicht nur von deutschen, sondern auch von ausländischen Bierstilen inspirieren.

Mit eurem Bier bereitet ihr uns schlaflose Nächte – in vielerlei Hinsicht. Wie spricht man BRLO denn nun wirklich aus?

KEINE AHNUNG! Nein, Scherz beiseite, wir sagen eigentlich immer, dass man es aussprechen soll wie man mag – Hauptsache das Bier schmeckt. BRLO ist tatsächlich der alt-slawische Ursprung des Namens Berlin und bedeutet soviel wie Sumpfgebiet. Wir selbst sagen „Berlo“, also an Berlin angelehnt. Das ändert sich aber auch mal je später der Abend wird.

Welche Zielgruppe möchtet ihr mit eurem Bierkonzept ansprechen?

Anfangs stand eigentlich das Ziel, eine Biermarke zu schaffen, die uns und unseren Freunden gefällt – sowohl vom Inhalt, als auch vom Look & Feel. Das ist uns glaube ich ganz gut gelungen. Glücklicherweise gefällt BRLO aber auch noch anderen Leuten außerhalb unseres Freundeskreises. Insgesamt scheinen wir Leute anzusprechen, die bereit sind, für gute Qualität und etwas Besonderes einfach mehr zu bezahlen.

„Wir scheinen Leute anzusprechen, die bereit sind, für gute Qualität und etwas Besonderes einfach mehr zu bezahlen.“

Wie kam es zu dem Entschluss, eine eigene Biermarke zu gründen?

Das war tatsächlich aus einer Bierlaune heraus. Christian, ein Freund aus Studienzeiten und ich wollten beide irgendwann mal „was mit Bier“ machen. Christian eher als Vater-Sohn-Hobby, ich fand Craft Beer an sich toll und dachte mir, ich würde irgendwann mal gerne eine eigene kleine Biermarke haben. Jeder für sich hätten wir das vielleicht nie verwirklicht, aber zusammen dachten wir: Lass uns doch einfach mal als Nebenprojekt schauen, wie weit wir kommen. Als wir dann Michael, unseren Braumeister kennen gelernt haben, kam irgendwie eines zum anderen und im Juli 2014 haben wir dann den Schritt gewagt.

Du bist eine Quereinsteigerin im „Bier-Business“. Wie sehr haben dir deine Erfahrungen im Bereich Marketing und Management geholfen, was die Gründung und Etablierung von BRLO anging?

Diese Erfahrung hat mir schon sehr geholfen. Ich habe vorher bei Bertelsmann auch schon an den unterschiedlichsten Projekten gearbeitet und hatte bereits ein kleines konzerninternes Start-up in Frankreich mit aufgezogen. Man lernt eben einfach eine gewisse Herangehensweise und Professionalität, die dann natürlich auch im Umgang mit Kunden wie Air Berlin oder bei Kooperatonen, etc. hilft. Und sich mit Zahlen auszukennen schadet natürlich auch keineswegs.

Welche Hürden gibt es, wenn man sein eigenes Bier in Deutschland brauen will?

Erstaunlicherweise relativ wenige! Wir haben ja als sogenannte „Gypsy Brauer“ angefangen, d.h. wir mieten uns in fremden Brauereien ein, nutzen dort freie Kapazitäten und brauen nach unseren eigenen Rezepten. Dabei hat man natürlich wirklich geringe Hürden, da reicht eine eigene Firma und Gewerbeanmeldung – und natürlich das Brauer-Know-how. Momentan sind wir ja gerade dabei, eine eigene Brauerei in Kreuzberg zu bauen. Da gibt es dann schon ein paar mehr Auflagen, man muss sich z.B. mit dem Zollamt für die Biersteuer, dem Veterinäramt für die Hygiene und dem Umweltamt beschäftigen. Aber auch das ist alles machbar.

New York, Shanghai, Paris und jetzt wieder Berlin, dein Lebenslauf liest sich wie die Weltkarte eines Globetrotters. Warum zieht es dich immer in die großen Metropolen der Welt?

Da hatte ich in der Tat wirklich Glück gehabt. Bei meiner Bertelsmann-Zeit wurde ich statt Gütersloh wirklich in die tollsten Städte geschickt. Ich hatte nach dem Studium jahrelang ein unglaubliches Fernweh und auch eine gewisse Rastlosigkeit, das war für mich eine sehr aufregende Zeit. Insgesamt inspirieren mich die großen Städte sehr, ich brauche diese Vielfalt, Kultur und die unterschiedlichsten Leute um mich herum. Berlin ist ja noch die ruhigste Stadt aus dieser Liste. Aber ich fühle mich nun das erste Mal richtig angekommen und möchte gerade nirgendwo anders leben.

„Große Städte inspirieren mich sehr, ich brauche diese Vielfalt, Kultur und die unterschiedlichsten Leute um mich herum.“

Die Niederlassung eures BRLO BRWHOUSE ist in Berlin. Was hat gerade Berlin für dich bei der Standortwahl attraktiv gemacht?

Siehe oben. Ich war nach Jahren im Ausland endlich wieder bereit, nach Deutschland zu kommen und da kam für mich eigentlich nur Berlin in Frage. Diese Biervielfalt und Entwicklung, die wir in der Berliner Craft Beer-Szene gerade erleben, wäre wahrscheinlich auch in keiner anderen Stadt in diesem Maße möglich. Meine Mitgründer Christian und Michael wohnten auch bereits in Berlin, also war das die logische Konsequenz, hier auch unser Bier anzusiedeln.

Es ist ja nicht nur Bier, von dem wir hier sprechen. Euer BRLO BRWHOUSE soll in Zukunft Brauerei, Biergarten, Bar und Restaurant miteinander vereinen, und das in einem Bau komplett aus Überseecontainern.  Wie wichtig ist es gerade in Berlin, etwas auf den Markt zu bringen, was es zuvor so nicht gegeben hat?

Die Überseecontainerbauweise ist für eine Brauerei tatsächlich völlig neuartig und hat einen ganz bestimmten Grund: Wir haben das Grundstück nur für einige Jahre und bleiben so eine mobile und flexible Brauerei, immer genau auf unsere Bedürfnisse abgestimmt. Der Berliner an sich hat schon viel gesehen, da schadet es natürlich nicht, wenn man etwas Neuartiges oder eine neue Herangehensweise wählt. Unser Standort am Gleisdreieck ist bis jetzt auch noch kaum gastronomisch erschlossen, das finden wir sehr spannend! Eine sehr urbane Atmosphäre zwischen zwei U-Bahn-Brücken.

Was steht für BRLO in Zukunft noch an? Ist eine Expansion ins Ausland geplant?

Momentan lassen wir das noch ein bisschen auf uns zukommen. Wir exportieren schon kleine Mengen in einige europäische Länder, aber ich hätte schon Lust, das noch ein wenig intensiver anzugehen und vielleicht mal ein paar Städtetouren zu machen, Bars und Restaurants zu besuchen und Events zu planen, um BRLO dort bekannter zu machen. Jetzt müssen wir erstmal die Eröffnung des BRWHOUSE stemmen, dann folgt der nächste Schritt.

Mal ehrlich: Hat man irgendwann keine Lust mehr auf das Feierabendbier, wenn sich der Arbeitsalltag um nichts anderes mehr dreht?

Ganz ehrlich: mir schmeckt unser Bier immer noch absolut hervorragend und das obligatorische Feierabendbier mit meinen Mitgründern und dem Team ist eine der schönsten Dinge für mich im Gründeralltag!

Über Katharina Kurz

Nach ihrem Studium der internationalen Betriebswirtschaftslehre an der EBS in Oestrich-Winkel, war die gebürtige Fränkin Katharina Kurz viele Jahre für das Medienunternehmen Bertelsmann tätig. Nach einigen beruflichen Stationen im Ausland wie New York und Paris, promovierte Katharina Kurz anschließend im Bereich Marketing.
Während Reisen und Aufenthalten in den USA und Australien, lernte Katharina Kurz ihre Liebe zum Craft Beer kennen und in ihr wuchs die Idee, sich einmal mit einer Biermarke selbständig zu machen. Nach erfolgreicher Promotion und zurück in ihrer Wahlheimat Berlin, gründete Katharina Kurz im November 2014 zusammen mit einem Studienfreund und einem Braumeister die Craft Beer Marke BRLO.

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