Organisation   23.10.2013

„Wer beruflich am Ball bleiben will, muss die individuelle Qualifikation permanent updaten“ – Meik Zimmermann im Interview

Für viele Angestellte ist es eine Pflicht auf der Agenda, der sie nicht viel Beachtung schenken – für viele Selbstständige ist es ein Wunschtraum, der in finanziell schwierigen Zeiten kaum erfüllbar zu sein scheint: Fort- und Weiterbildung oder „Lebenslanges Lernen“, wie es heutzutage so schön heißt. Warum berufliche Bildungsmaßnahmen in der modernen Arbeitswelt selbstverständlich sein sollten, warum Angestellte happy sein können, wenn ihre Führungsetage sie zur beruflichen Qualifizierung schickt, wie Selbstständige an finanzielle Förderung für Bildungsmaßnahmen kommen können und woran man gute Bildungsangebote erkennt: Zu diesen Themen hat uns Meik Zimmermann, Leiter des Instituts für Weiterbildung und Kompetenzförderung Südwestfalen (IWKS) im CJD Olpe, Standort des Instituts für Weiterbildung (IfW) NRW, aufschlussreiche Antworten gegeben.

  • Meik, irgendwann hat man erst die Schule und dann auch die Uni hinter sich gelassen – und viele waren ganz froh darüber. Heutzutage ist allerdings immer wieder von „Lebenslangem Lernen“ die Rede: Heißt das, man kommt nie richtig von der Schulbank weg? Und ist das gut oder schlecht?

Meik Zimmermann (MZ): Es hat sich im Laufe der Zeit so einiges in Sachen berufsbezogener Bildung geändert. Und in der Tat: Früher hat man erst seine schulische und dann die berufliche Ausbildung hinter sich gebracht. Und das Wissen, das man sich dort aneignete, reichte in der Regel auch aus, um in dem gewählten Beruf zu arbeiten. Man hatte sozusagen ausgelernt, und das, was man nicht wusste, hat einem dann der Meister oder Chef erklärt.

Mit dieser Strategie kommt man heute allerdings nicht mehr sehr weit. „Lebenslanges Lernen“ hat sich als Schlüsselbegriff unserer modernen Wissens- und Informationsgesellschaft etabliert und bezeichnet die Ausdehnung der Lernphase auf die gesamte Lebensphase. Es geht in diesem Zusammenhang auch nicht darum, ob das gut oder schlecht ist. Lebenslanges Lernen ist ein unumgängliches Muss, wenn man als Unternehmen, als Freiberufler, als Selbständiger, als Arbeitgeber und -nehmer jeglicher Couleur den Erwartungen und Anforderungen der heutigen Arbeitswelt gerecht werden will.

  • Wieso ist das so? Hast du eine Erklärung dafür?

MZ: Im Zuge der Globalisierung und damit einhergehender internationaler Märkte ist berufliches bzw. fachspezifisches

Meik Zimmermann, Leiter des IWKS: “Man muss über den Tellerrand hinausschauen und schon heute präventiv Wissen für den Bedarf von morgen sammeln.”

Meik Zimmermann, Leiter des IWKS: “Man muss über den Tellerrand hinausschauen und schon heute präventiv Wissen für den Bedarf von morgen sammeln.”

Wissen zu einem Produktionsfaktor geworden, den Schule, Studium oder Lehre nicht mehr umfänglich abdecken können. Dies gilt sowohl für Unternehmen, die internationale Standards an Qualitätssicherung erreichen müssen, um im Wettbewerb zu bleiben, als auch für jede einzelne erwerbstätige Person, die im Hinblick auf ständige Veränderungen berufsspezifischer Anforderungen am Ball bleiben will – sozusagen die individuellen Qualifikationsprofile permanent updaten muss.

Zu den vielen Beispielen gehören die ständigen Entwicklungen auf dem medialen und technischen Sektor. Man nehme hier nur die Energie- und Umwelttechnik. Technische Veränderungen und natürlich auch gesetzliche Vorgaben in diesen Bereich ziehen ganze Branchen mit ein, die sich den Veränderungen stellen und deren Umsetzung erlernen müssen, da sie sonst als Einzelunternehmen ganz schnell weg vom Fenster sind : die chemische und pharmazeutische Industrie, Landwirtschaft, Energieversorgung, Umweltschutz, Architektur- und Ingenieurwesen, Baugewerbe etc.

Weiterbildung übernimmt heute somit eine tragende Funktion von Wissensproduktion, Wissenserwerb und Wissensverbreitung.

  • Arbeitgeber haben entsprechend vermutlich durchaus ein Interesse daran, ihre Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zur Weiterbildung zu motivieren?

MZ: Weiterbildung wirkt natürlich auch dem Fachkräftemangel entgegen. Durch den demografischen Wandel wird die Erstausbildung junger Menschen schon allein rein quantitativ geschwächt, was weniger Fachkräfte zur Folge haben wird. Auch hier setzt Weiterbildung als entscheidende strategische Maßnahme an, um benötigte Fachkräfte zu sichern.

Neben den genannten Chancen durch Weiterbildung – wie internationale Wettbewerbsfähigkeit, Sicherung von Qualitätsstandards und dem Standort, im Arbeitsleben am Ball zu bleiben – steht noch ein nicht zu verachtender Faktor im Raum, nämlich der berufliche Wiedereinstieg durch Qualifizierung dank Weiterbildung. Wer auch in Zeiten der Arbeitslosigkeit über aktuelle Anforderungen in seinem Beruf Bescheid weiß und hier fit ist, findet signifikant schneller wieder einen Job, als der, der sich in dieser Phase nicht weiterbildet.

  •  Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben es gut: Die bilden sich normalerweise auf Kosten des Unternehmens weiter. Selbstständige haben es nicht so leicht, die müssen alles aus eigener Tasche bezahlen. Und wer gerade nicht flüssig ist, kann auch nicht einfach investieren …

MZ: Ganz so ist es zum Glück nicht. Selbstständige haben unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, die Bildungsprämie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung in Anspruch zu nehmen, die einen Teil der Weiterbildungskosten abdeckt.

Darüber hinaus gibt es beispielsweise in NRW den Bildungsscheck, der vom Land finanziert wird, und der Existenzgründerinnen und Existenzgründern in den ersten fünf Jahren zur Verfügung steht. Der Bildungsscheck übernimmt die Hälfte der Weiterbildungskosten bis maximal 2.000 Euro.

Entsprechende finanzielle Unterstützung bei Weiterbildungsmaßnahmen gibt es natürlich auch in anderen Bundesländern.

  • Woran erkennt man im Dschungel der Fort- und Weiterbildungen, dass man es mit einem guten Angebot zu tun hat? Hast du Tipps, welche Hinweise bei der Auswahl helfen?

MZ: Zum einen gibt es eine Reihe Merkmale, anhand derer man auf einen Blick sehen kann, ob man es mit einem Weiterbildungsinstitut zu tun hat, das nach gewissen Qualitätsstandards arbeitet. Damit sind diverse Zertifikate bzw. die staatliche Anerkennung gemeint. Allerdings muss man hier beachten, dass eine Zertifizierung freiwillig ist. Soll heißen, dass ein nicht zertifiziertes Institut durchaus auch gute Weiterbildungen anbieten und somit gute Arbeit leisten kann.

Um unseren Kunden im von dir bereits angesprochenen Dschungel der Fort- und Weiterbildung ein wenig Orientierungshilfe an die Hand zu geben, hat sich das IfW, zu dem das IWKS gehört, staatlich anerkennen lassen, was unter anderem eine Zertifizierung als Weiterbildungsträger voraussetzt.

Zum anderen gibt es Hinweise, die keinen offiziellen Charakter haben, auf die man aber auch im Vorfeld schon achten sollte. So zum Beispiel, ob der jeweilige Angebotskatalog oder Internetauftritt, sofern überhaupt existent, einen guten Eindruck macht, ob in den Seminarbeschreibungen Inhalte, Zielgruppen und Angaben zum Ausführungsort und den Zeiten gemacht werden.

Auch zeugt es von einer gewissen Kundennähe und von Engagement, wenn man nach einer Seminaranmeldung zeitnah eine Anmeldebestätigung bekommt.

Sicherlich spielen ebenso die Ausstattung der Seminarräumlichkeiten und methodisch-didaktische Kompetenzen der Dozentinnen und Dozenten eine Rolle. Wenn hier etwas nicht stimmt, ist es aber auch meist zu spät, um sich wieder abzumelden.

  • Wann ist es Zeit für eine Fort- oder Weiterbildung?

MZ: Es ist immer Zeit für eine Fort- oder Weiterbildung. Die Veränderungen der Anforderungen an die Arbeitswelt, die Entwicklung neuer Technologien, Innovationen und letztlich die Konkurrenz auf dem Markt schlafen ja auch nicht.

Was heute noch Zukunftsmusik ist, kann morgen schon Standard sein. Man muss über den Tellerrand hinausschauen und schon heute präventiv Wissen für den Bedarf von morgen sammeln. Wenn man merkt, dass andere Anbieter von Waren oder Dienstleistungen in ihrem Wissen einen Schritt voraus sind, ist es meist schon zu spät.

  • Man hat innerhalb seines Jobs ja oft einen Tunnelblick – hält Ausschau nach Themen, die einen klaren Bezug zum eigenen Business haben. Aber der Webdesigner sollte sich vermutlich nicht nur in Design-Dingen weiterbilden, die Shop-Betreiberin sich nicht immer nur um E-Commerce-Themen kümmern: Gibt es Bereiche, in denen sich jede und jeder Berufstätige weiterbilden sollte, ganz gleich, aus welcher Branche man kommt?

MZ: Natürlich ist es wichtig, in seinem Business auf dem neusten Stand zu bleiben. Dies ist aber nicht alles. Jedes Unternehmen, jeder Selbstständige, jeder Arbeitnehmer muss sich auch Bereichen zuwenden, die erst einmal nichts mit der berufsspezifischen Tätigkeit zu tun haben. Ich denke da alleine schon an Bereiche wie Marketing, Teamfindung – oder Fremdsprachen, um auch international mithalten zu können. Auch kann man in die Verlegenheit kommen, das eigene Produkt oder die eigene Dienstleistung vor Publikum präsentieren zu müssen.

An diesen Stellen hilft es einem Web-Designer nichts, wenn er nur die allerneuste Software besitzt und sich perfekt damit auskennt.

Für jeden kann es hilfreich sein, sich in Bereichen wie beispielsweise der Unternehmenskommunikation, Fremdsprachen, Kommunikationskompetenz oder Organisations- und Kreativitätstechniken weiterzubilden, ganz unabhängig vom der jeweiligen Branche.

Da wir unsere Kunden auch in dieser Hinsicht mit Fachwissen versorgen und somit im ganzheitlichen Geschäftsprozess unterstützen möchten, bieten wir auch diese Themen an: Wir haben Angebote aus den Bereichen Selbstbewusstes Auftreten, Marketing-Planung, Mentaltechniken gegen Erfolgsblockaden, Förderung der eigenen Kreativität, Büroorganisation, Schreiben von Online-Pressemitteilungen, Grundlagen-Seminare zur Pressearbeit, Einführung ins Arbeiten mit Cloud-Software oder mit neuesten Software-Versionen.

Wenn man als Unternehmer, Selbstständiger, Freiberufler oder auch Angestellter nicht nur in seinem Fachgebiet, sondern auch in den nötigen Soft Skills fit ist, kann das schon der richtige Weg zum Erfolg sein.

  • Gibt es einen universellen Rat, den du Gründerinnen und Gründern ans Herz legen würdest? Eine Weisheit, die sich aus deiner bisherigen beruflichen Laufbahn herausgestellt hat?

Logo_IWKS-blauNEUMZ: Ja, den gibt es: Ich würde raten, nicht immer beruflich auf das zu setzen, was gerade up to date erscheint. Das kann nämlich morgen schon Schnee von gestern sein. Man sollte seine Nische suchen, das machen, was eben nicht alle machen. Und man sollte drauf achten, dass man auch mit dem Herzen dabei ist, dass man sich mit dem, was man macht, identifizieren kann. Auch halte ich es für wichtig, Netzwerke zu knüpfen, durchaus auch mit Leuten, die aus ganz anderen Bereichen kommen. Vernetzen bedeutet Austausch, neue Perspektiven und Unterstützung. Und natürlich: Man sollte sich ständig fort- und weiterbilden.

Danke schön fürs Interview, Meik!

 

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