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Wir sprechen drüber – Interview mit Peter Kautz von Mymoria

Eigentlich befassen sich doch die wenigsten Leute freiwillig mit dem Thema Tod. Außer man ist von Beruf Arzt, bei der Kriminalpolizei, oder Bestatter. So wie Peter Kautz. Er ist Mitbegründer von Mymoria, einer Online-Plattform, die seit 2016 Bestattungen anbietet. Was es mit dem Hashtag #wirsprechendrueber auf sich hat und wie es ist, sich täglich mit dem Thema Tod auseinander zu setzen, erfahrt ihr im Billomat Interview.

Interview mit Peter Kautz von Mymoria

Hallo Peter! Stell dich und dein Unternehmen Mymoria doch bitte kurz vor!

Hallo, mein Name ist Peter Kautz. Ich bin 35 Jahre alt und Mitgründer und Geschäftsführer von Mymoria. Im Juni 2016 ist www.mymoria.de als erstes Digitales Bestattungshaus live gegangen. Die Idee ist entstanden, als wir bei einem Todesfall in unserem Freundeskreis von Schwierigkeiten bei der Bestattungsplanung gehört hatten. Wir fragten uns, ob man diesen sehr kleinteiligen Prozess nicht digital viel transparenter und kundenfreundlicher gestalten kann. Und genau das haben wir mit Mymoria umgesetzt. Hinterbliebene können bei uns von zu Hause aus eine vollumfängliche Bestattung planen und beauftragen.

Peter Kautz, Mitbegründer und Geschäftsführer von Mymoria
Peter Kautz, Mitbegründer und Geschäftsführer von Mymoria

Wer gehört noch zum Gründungs-Team von Mymoria?

Wir haben Mymoria zu dritt gegründet, neben mir sind Björn Krämer und Heiko Reintsch dabei.

Mymoria ist dein erstes Gründungs-Projekt. Welche Schwierigkeiten eröffneten sich bei der Etablierung der Plattform?

Weder ich, noch meine zwei Mitgründer sind Bestatter. Diese Expertise haben wir frühzeitig mit der Einstellung von erfahrenen Bestattungsfachkräften ins Unternehmen geholt und uns auch persönlich angeeignet. Bei der Auswahl unserer deutschlandweit verteilten Bestatter achten wir sehr auf Qualität und diverse Kriterien. Da wir alle persönlich besucht haben, hat das viel Zeit in Anspruch genommen.

Für die meisten Menschen ist das Thema Tod doch erstmal befremdlich. Wie ist es, sich tagtäglich damit zu befassen?

Wir erleben in unserem Feld täglich viel Neues, jede Bestattung ist anders. Für uns steht dabei der persönliche Service für die Hinterbliebenen im Vordergrund, für den wir eine professionelle Distanz brauchen. Uns motivieren sehr die vielen positiven Rückmeldungen unserer Kunden. Diese sind sehr dankbar über unser Angebot und insbesondere die persönliche Betreuung.

Wir erleben in unserem Feld täglich viel Neues, jede Bestattung ist anders.

Was sind die Vorteile von Mymoria im Gegensatz zu der klassischen Organisation einer Bestattung?

Mymoria bietet Angehörigen, die eine Bestattung organisieren, die Vorteile des Internets: Kostentransparenz, ständige Erreichbarkeit von überall, auch aus der gewohnten Umgebung zu Hause. Wir haben den kompletten Prozess der Bestattungsplanung und –Buchung digitalisiert. Hinterbliebene geben bei Mymoria den Ort der Bestattung an, suchen sich die Bestattungsart und alle gewünschten Produkte auf unserer Seite aus. Bei Bedarf unterstützen unsere ausgebildeten und erfahrenen Bestatter Tag und Nacht am Servicetelefon.

Nicht jeder ist für das Gespräch mit Trauernden geeignet. Welche Eigenschaften sollte ein Berater bei Mymoria mitbringen?

Unsere Mitarbeiter, die Hinterbliebenen für alle Fragen über unsere kostenlose Service-Nummer zur Verfügung stehen, bringen die richtige Mischung aus Professionalität und Einfühlungsvermögen mit. Unsere Kundenberater haben immer ein offenes Ohr und gleichzeitig sind sie aber auch diejenigen, die alle Fäden in der Hand halten und sicherstellen, dass die Beisetzung ganz nach den Erwartungen der Auftraggeber verläuft.

Lässt man besonders schwerwiegende Trauerfälle auch mal persönlich an sich herankommen?

Ich nehme alle Kunden und deren Trauerfälle gleich wichtig. Jede Bestattung ist individuell und jeder trauert anders. Für die Hinterbliebenen ist es ein schwerwiegender Einschnitt, wir müssen als Dienstleister professionelle Distanz wahren, aber trotzdem mitfühlend agieren und unterstützen.

Wir müssen als Dienstleister professionelle Distanz wahren, aber trotzdem mitfühlend agieren und unterstützen.

Was meinst du, wie weit wird die Digitalisierung in der Bestattungsbranche in Zukunft noch vorangehen?

Die Digitalisierung ist auch in der Bestattungsbranche nicht aufzuhalten. Wir betreiben gerade Pionierarbeit, woraus sich noch viel entwickeln wird. Die Generation, die heute Großeltern und Eltern beerdigt, kennt das Internet gut und ist beim Online-Kauf sehr erfahren. Für sie ist es nur konsequent, nun auch Bestattungen online zu beauftragen.

#wirsprechendrueber: Wieso ist der Tod immer noch so ein großes Tabu-Thema in Deutschland?

Gute Frage. Wenn man sich, wie ich, einmal damit auseinandersetzt, wird es ein ganz normales Thema, über das man offen reden kann. Die Reaktionen auf meinen Job sind meist sehr positiv. Im privaten Kreis stoße ich nur auf offene Ohren und großes Interesse an dem Thema. Es ist, als ob sich bei vielen Menschen ein Ventil öffnet, wenn ich von Mymoria erzähle da sie sonst kaum oder keine Gelegenheit haben sich über das Thema auszutauschen.

Ihr nutzt unter anderem Facebook und Youtube. Ist Social Media eine Möglichkeit für euch, jüngeren Leuten die Angst vor dem Thema Tod und Bestattung zu nehmen?

Das sind sicher Kanäle, um jüngere Menschen zu erreichen. Noch spielen aber soziale Netzwerke keine große Rolle für unser Geschäft. Tod und Trauer sind leider gesellschaftliche Tabuthemen, die sich noch nicht wirklich in sozialen Medien widerspiegeln. Kaum jemand postet Bilder von einer Beerdigung oder tweetet, wo er oder sie die Bestattung gebucht hat. Aber es gibt eine Entwicklung zu mehr Offenheit beim Thema Tod, die im Internet eine Basis und Publikum findet. In immer mehr Blogs schreiben zum Beispiel Bestatter über ihre Arbeit oder Hinterbliebene über ihre Trauer. An dieser Enttabuisierung wollen wir mit Mymoria mitwirken.

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