Interview   15.8.2016

Keine Versicherungen von der Stange – Interview mit Ralph Günther von exali.de

Für Laien klingt das Thema Versicherungen erst einmal alles andere als spannend. Die meisten befassen sich aber damit, weil man es irgendwann in seinem Leben muss. Ralph Günther dagegen beschäftigt sich tagtäglich damit. Freiwillig. Denn er ist Gründer und Geschäftsführer des Online-Portals exali.de, einer Versicherungsplattform für Freiberufler, Dienstleister und mittelständische Unternehmen. Wir hatten ihn im Gespräch und haben interessante Dinge über Versicherungen für Selbstständige und Gründer von ihm erfahren!

Interview mit Ralph Günther 

Ralph Günther, Gründer und Geschäftsführer von exali.de

Ralph Günther, Gründer und Geschäftsführer von exali.de

Hallo Ralph, stell dich und dein Unternehmen exali.de doch bitte kurz vor.

Ich bin Gründer und Geschäftsführer von exali.de. Mit dem gleichnamigen Online-Portal war ich einer der Vorreiter in der Branche und hatte bereits vor 8 Jahren ein „FinTech“ (FinTech = Finanztechnologie) gegründet, ohne mir darüber richtig bewusst zu sein. Ich fand es damals einfach spannend die Möglichkeiten des Internets und meine Spezialisierung auf berufliche Haftpflichtversicherungen zusammenzubringen. Über das Versicherungsportal exali.de bieten wir heute eine Vielzahl branchenspezifischer Berufshaftpflicht-Versicherungen an, die sich der Selbständige individuell auf seine Bedürfnisse  zusammenstellen und danach auch in ein paar Minuten online beantragen kann. Dabei nutzen wir die Vorteile des Internets und unserer papierlosen Prozesse optimal aus und bieten z.B. die Möglichkeit an, Verträge im Kundenbereich jederzeit zu aktualisieren bzw. anzupassen.
Heute ist die Digitalisierung in der Finanzdienstleistung in aller Munde und gefühlt lese ich täglich von neu gegründeten FinTechs und InsureTechs. Das bestätigt mich darin, dass ich damals eine gute Entscheidung getroffen habe.

IT & Engineering, eCommerce, Agenturen & Kreative, Consultants – exali.de deckt viele Bereiche ab. Gibt es große Unterschiede zwischen den Branchen, was die Ansprüche an eine gute Versicherung angeht?

Es gibt grundlegende Risiken und daraus resultierende Anforderungen, die bei unseren Branchenlösungen sehr ähnlich sind, z.B. die Absicherung von so genannten Vermögensschäden.
Jedoch hat jede Branche und auch jedes Geschäftsmodell selbst so seine Besonderheiten und damit auch spezielle Risiken, die dann auch branchenspezifisch versichert werden müssen. Ich halte nichts von „one fits all“ – also einer Berufshaftpflichtversicherung „von der Stange“.
Der Consultant, der auch als Interim Manager arbeitet, kann z.B. in die Organhaftung genommen werden, die Agentur hat dieses Risiko sicherlich nicht. Vergleichen wir beispielsweise den IT- oder Media-Dienstleister mit einem Online-Händler: der Online-Händler trägt ein viel höheres Umsatzausfallrisiko wenn seine Webseite offline ist als der Dienstleister. Auch in dieser Hinsicht muss sich das Versicherungsangebot unterscheiden.
Daher bieten wir für jede Branche eine individuelle Versicherungslösung mit speziellen Leistungserweiterungen an, durch die der Selbständige den Versicherungsumfang dann auf die eigenen Bedürfnisse anpassen kann.

„Ich halte nichts von „one fits all“ und Versicherungen „von der Stange“.“

Wer sich über Versicherungen als Unternehmer informieren möchte, befragt sicherlich als erstes Google. Reicht das, oder ist ein direkter Dialog mit einem Experten ratsam?

„Googeln“ ist im ersten Schritt immer eine gute Idee. Das mach ich auch. Bei exali.de und auf meinem Blog veröffentlichen wir zu vielen Themen wie Schäden, Haftung und Gesetzesänderungen Artikel, durch die sich Freiberufler und Selbständige gut informieren können. Jedoch habe ich gemerkt, dass viele diese Beiträge als Anlass nehmen über die eigene Situation nachzudenken und dann gerne die Ergebnisse mit einem Experten durchsprechen möchten. So kommt es dann im zweiten Schritt zum Dialog. Ich denke, es ist auch wichtig die eigene Risikosituation mit einem Experten für berufliche Haftungsrisiken durchzusprechen, da viele Informationen im Web – wie auch unser Interview – auf den allgemeinen Fall abzielen und nicht hundertprozentig auf das eigene Business umgemünzt werden können. Nichts desto trotz wird ein Gespräch viel zielgerichteter und in aller Regel mit besserem Output belohnt, wenn man vorher schon mal recherchiert hat.

Mit welchen beruflichen Risiken haben Selbstständige zu rechnen?

Aus meiner Schadenpraxis kann ich sagen, dass die Brandbreite hier sehr groß ist. Daher kann ich nur ein paar allgemeine Risiken ansprechen, die zumindest zum Nachdenken anregen sollen:
Da Mittlerweile in fast jedem Business die eigene Webseite, ein Blog oder zumindest Social Media-Accounts dazugehören, ist das Risiko von Rechtsverletzungen wie die Verletzung von Urheber-, Marken-, Namens- und Persönlichkeitsrechten und daraus resultierende Abmahnungen allgegenwärtig.
Genauso besteht jederzeit das Risiko berufliche Fehler bei einer Werk- und Dienstleistung oder einer Beratung zu machen. Dabei spielt bei Projekten auch häufig das Überschreiten von Deadlines eine Rolle.
Nicht selten kommt es dann zu finanziellen Nachteilen beim Kunden (so genannter Vermögensschaden) aber auch zu einem Sach- oder Personenschaden.
Auch Verstöße gegen unsere komplexen Datenschutzgesetze oder Vertraulichkeitsvereinbarungen kommen immer wieder vor.
Und was leider unabhängig von der Unternehmensgröße immer mehr in den Fokus rückt, sind Cyber-Risiken wie Schäden durch Hackerangriffe, DDoS-Attacken, Malware und Ransomware.

Welche Business-Versicherungen würdest du einem Startup unbedingt empfehlen?

Ähnlich wie im Privatbereich ist die berufliche Haftpflichtversicherung eine der wichtigsten Grundabsicherungen. Da die Haftung gegenüber Dritten (z.B. Kunde, Auftraggeber) i.d.R. nicht begrenzt ist, lauert hier eine der größten Gefahren für das Startup und häufig auch für das Privatvermögen der Gründer.
Je nach Branche können dann noch andere Versicherungen sinnvoll sein, z.B. eine Inhalts- und Elektronikversicherung oder bei einer Kapitalgesellschaft die D&O-Versicherung für den oder die Geschäftsführer.
Wer im Business mit sensiblen Daten operiert, sollte auch über eine Cyber-Eigenschaden-Versicherung nachdenken.
Eine Transport-, Rechtsschutz- oder Forderungsausfall-Versicherung sind dann beispielsweise schon sehr spezielle Absicherungen, die über den Basisschutz hinausgehen und bei denen der Selbständige sehr genau abwägen muss, ob diese überhaupt und insbesondere in der Startup-Phase notwendig sind.
Auch wenn es in den privaten Bereich geht und daher nicht mein Thema ist, möchte ich jedoch der Vollständigkeit halber noch erwähnen, dass sich der Existenzgründer in jedem Fall auch über seine Absicherung bei Krankheit, Arbeits- und Berufsunfähigkeit rechtzeitig Gedanken machen sollte.

Auf den ersten Blick ist das Thema Versicherung doch recht trocken. Wolltest du schon immer in dieser Branche arbeiten?

Nein, das konnte ich mir früher gar nicht vorstellen. Allerdings hatte ich damals nur Erfahrungen mit Versicherungen im privaten Umfeld. Berufliche Risiken zu versichern unterscheidet sich doch sehr stark von dem, was ich damals unter „Versicherung“ verstanden habe. Heute muss ich mich täglich mit den jeweiligen Geschäftsmodell und den darin enthaltenen beruflichen Risiken auseinander setzen. So lerne ich viele Freiberufler, Selbständige und Startups kennen. Das ist für mich sehr spannend. Genauso wie die Abwicklung von Schäden im IT- und eCommerce Bereich. Insbesondere der eCommce Bereich ist sehr neu und es gibt viele Schäden im Bereich von Rechtsverletzungen und Cyberkriminalität, die mich einfach kopfschüttelnd zurücklassen. Dazu kommen auch die Herausforderungen das Online-Portal von exali.de weiter zu entwickeln. Das ist alles andere als trocken.
Im Laufe der Zeit habe ich auch erkannt, dass es mir sehr viel Spaß macht an der Entwicklung von neuen Versicherungskonzepten wie der Webshop-Versicherung oder der Portal-Versicherung mitzuwirken und dabei selbst Klauseln und Versicherungsbedingungen zu schreiben. Wer hätte das gedacht? Ein weiter Weg von „Ich will Feuerwehrmann werden“!

„Ich konnte mir früher gar nicht vorstellen, in der Versicherungs-Branche zu arbeiten.“

Du hast exali.de 2008 gegründet. Was waren damals die größten Herausforderungen?

Da muss ich noch einen Schritt weiter zurückgehen. 2004 hatte ich die Idee eine Online-Plattform zu bauen, auf der man einfach und schnell ein Angebot für eine Berufshaftpflicht erstellen und online ohne „Papierkrieg“ beantragen kann.
Da war die größte Herausforderung einen Versicherer zu finden, der an das Vertriebsmodell Internet glaubte, nachdem sich beim Platzen der Dotcom-Blase im März 2000 viele Versicherer die Finger und viel Geld verbrannt hatten.
Die zweite große Herausforderung war dann dem Versicherer klar zu machen, dass ein komplexer Risikofragebogen über 8 oder mehr Seiten, wie er im Bereich der Absicherung von IT-Risiken damals üblich war, nicht für einen Online-Antrag geeignet ist.
Das Ganze ist dann als Versuchsballon neben meiner traditionellen Versicherungsmaklertätigkeit gestartet, mit der ich meine Brötchen verdienen und mein berufsbegleitendes Studium finanzieren musste. Bis ich dann aufgrund des großen Erfolges trotz der schlechten Vorzeichen der aktuellen Finanzmarktkiese im Jahr 2008 beschlossen habe mich komplett auf das Online-Business und berufliche Haftpflichtversicherungen zu konzentrieren. Dies war dann die Geburtsstunde von exali.de.

exali.de hat seinen Firmensitz in Augsburg. Welche Vorteile sprechen für Augsburg als Standort?

Den Standort Augsburg habe ich eigentlich gar nicht so bewusst gewählt. Ich bin hier seit Ende 1996 beruflich tätig und fühle mich in Augsburg sehr wohl. Ein Vorteil ist sicherlich, dass die gewerblichen Mietpreise noch um einiges günstiger sind als in der 60 km entfernten Landeshauptstadt München. Ebenso verhält es sich mit den Gehältern. Die Augsburger Universität z.B. mit dem Studiengang „Informationsorientierte Betriebswirtschaftslehre“ ist für mein Business ebenso positiv. Aus diesem Studiengang konnte ich bereits zwei sehr gute und mittlerweile langjährige Mitarbeiter für exali.de gewinnen.
Ich merke aber auch, dass ich in Augsburg, was neue Mitarbeiter betrifft, in starkem Wettbewerb mit München stehe. Hier sind große und namhafte Konzerne und Firmen ansässig, die bei Absolventen natürlich hoch im Kurs stehen.

In deinem Lebenslauf stößt man auch auf die „inxali GmbH“. Was hat es damit auf sich?
Ihr habt gut recherchiert! Ja, die inxali GmbH habe ich zusammen mit einem langjährigen Freund und Mitgesellschafter bei exali.de im Jahre 2012 gegründet. Die inxali GmbH entwickelt Webanwendungen im Versicherungsumfeld. inxali entwickelt viel für die exali.de-Plattform. Wir haben aber auch schon Projekte für andere Unternehmen z.B. für einen Versicherer umgesetzt. Bei der inxali GmbH bin ich als kaufmännischer Geschäftsführer tätig und habe über die letzten Jahre dadurch viel über IT-Projekte gelernt. Das kommt mir wiederum bei exali.de zu Gute, wenn es um die Beratung zu IT-Risiken geht.

Für ein Versicherungsunternehmen tretet ihr mit eurem Facebook und Twitter Auftritt sehr modern und frisch auf. Was versprecht ihr euch von eurem Social-Media-Auftritt?

In erster Linie wollen wir durch die Social-Media-Kanäle mit unserer Zielgruppe in Kontakt und Interaktion treten. Zudem können wir in den Sozialen Medien schnell erkennen, was unsere User aktuell bewegt und heiß diskutiert wird und darauf mit hilfreichen Informationen reagieren. Und nicht zuletzt gewähren wir z.B. durch unseren Facebook-Account einen Einblick hinter die Kulissen von exali.de. Letztendlich ist exali.de auch nur so gut, wie die Personen, die dahinter stehen. Um das zu vermitteln eignet sich aus meiner Sicht ein Social Media-Auftritt sehr gut.


Über Ralph Günther

Ralph Günther von exali.de gilt als ausgewiesener Experte, wenn es um Risikomanagement und spezifische Haftpflichtversicherungen bei freien Berufen, Dienstleistern und mittelständischen Unternehmen geht. Als einer der Vorreiter im Online-Versicherungsbusiness hat er aktiv an der Verbesserung des Versicherungsschutzes für Freiberufler mitgewirkt und neue Leistungserweiterungen am Markt eingeführt.
Er schreibt als Fachautor in relevanten Medien. Zudem klärt er wöchentlich auf seinem Blog „Vermögensschaden: Versicherung neu denken“ auf.

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