Interview   25.1.2017

Einfach abheben – Interview mit Lars Klein von Wingly

Es gibt zahlreiche Mitfahrzentralen, die Fahrer und Mitfahrer vernetzen. Warum dieses System nicht in die Lüfte übertragen? Das dachten sich Bertrand Joab-Cornu, Emeric de Waziers und Lars Klein. So entstand Wingly – Die Mitflugzentrale.
Private Piloten bieten auf der Plattform des deutsch-französischen StartUps Flüge an, auf denen Mitglieder gegen eine Kostenbeteiligung mitfliegen können.

Interview mit Lars Klein

Hallo Lars, möchtest du dich und Wingly unseren Lesern kurz vorstellen?

Hi! Als einer der drei Mitgründer, neben meinen beiden Kollegen Bertrand und Emeric, bin ich für die technische Entwicklung und den deutschen Markt verantwortlich. Angefangen als junger Programmierer, entwickelte ich mich schnell zum Selbstständigen und arbeitete hart an vielen internationalen Projekten. Wingly sollte eines davon sein, denn Luftfahrt ist etwas, das nicht nur meine Kollegen und mich, sondern viele Menschen überall auf der Welt begeistert.

Das deutsch-französische Gründerteam: Bertrand Joab-Cornu, Emeric de Waziers und Lars Klein

Das deutsch-französische Gründerteam: Bertrand Joab-Cornu, Emeric de Waziers und Lars Klein

Mitfahrzentralen gibt es ja einige auf dem Markt. Aber eine Mitflugzentrale? Wie entstand die Idee dazu?

Der Grundgedanke ist ähnlich der Mitfahrzentrale. Ein Privatpilot stellt seine Flüge auf Wingly ein, der Mitflieger bucht einfach und verbindlich seinen Sitz. Anders als bei der typischen Mitfahrgelegenheit, bietet unsere Mitflugzentrale Wingly aber auch die Möglichkeit, Rundflüge zu buchen. Einfach mal eine Stunde über die Heimat fliegen. Oder einen Tagestrip ans Meer zu unternehmen. Dinge, die vorher unmöglich oder gar zu teuer erschienen. Die Idee kam daher, dass wir drei aus dem luftfahrerischen Bereich stammen und es zum einen als Pilot sehr teuer ist, seine Leidenschaft zu finanzieren (deswegen die Kostenteilung). Und als Außenstehender ist es wiederum schwierig, an einen Flug zu kommen. Da musste man bis dato an den Flugplatz fahren oder ewig herum telefonieren.

„Anders als bei der typischen Mitfahrgelegenheit, bietet unsere Mitflugzentrale Wingly aber auch die Möglichkeit, Rundflüge zu buchen.“

Wie funktioniert Wingly?

Wingly ist simpel. Der Pilot trägt seine Flüge ein, weiß auch schon was es kostet und diese Kosten werden durch alle Insassen geteilt. Als Gast bucht man seinen Flug einfach via PayPal, Kreditkarte oder Lastschrift und muss nur auf die Zusage des Piloten warten. Man trifft sich zur vereinbarten Zeit an der Landebahn, geht durch die Sicherheitseinweisung und hebt ab!

Es liegt wohl nicht fern, dass ihr drei selbst Luftfahrt-Enthusiasten seid. Was fasziniert euch an der Fliegerei?

Emeric, mein Mitgründer, ist seit Kindesbeinen Pilot. Die Möglichkeit, mit einem Kleinflugzeug in so kurzer Zeit ans Meer oder an außergewöhnliche Orte zu kommen, ist einfach unbeschreiblich. Man hebt ab, ist frei und sieht die Welt aus einem ganz anderen Blickwinkel. Und trotz der vergleichbar geringen Fluggeschwindigkeit von 200 km/h kommt man doch leicht und zügig an seine Wunschziele. Ein Tagesausflug von Berlin nach Usedom braucht beispielsweise nur 45 Minuten Flugzeug.

Ihr seid ein deutsch-französisches StartUp – Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Kombination?

Der Zufall hat tatsächlich die Karten gelegt. Wir drei hatten alle zur selben Zeit die selbe Idee, kannten uns aber nicht. Bertrand hat Emeric in seinem Studium als Ingenieur an der Pariser Ecole Polytechnique kennengelernt und gemeinsam haben sie beschlossen, irgendwann dieses Projekt anzugehen. Bei einer Vorab-Recherche aus Neugierde haben sie gesehen, dass ich schon an einem Projekt dieser Arbeit arbeitete und es auf www.angel.co veröffentlicht habe. Ich wurde kontaktiert, wir haben uns wochenlang konstruktiv ausgetauscht und getroffen und dann entschieden: allez, gehen wir es an!

Wo könnte sich Deutschland in Sachen StartUps-Förderung an Frankreich eine Scheibe abschneiden?

Deutschland und Frankreich bieten beide tolle Förderprogramme an. Wir hatten die Möglichkeit, beim Axel Springer Plug & Play Accelerator teilzunehmen und haben hier durch Berlin Partners einen sehr guten Zugriff auf die lokalen Ressourcen haben können. Wir sind mit beiden Ländern voll zufrieden. Beide arbeiten hart an der Unterstützung von Jungunternehmern.

„Deutschland und Frankreich bieten beide tolle Förderprogramme an. […] Wir sind mit beiden Ländern voll zufrieden. Beide arbeiten hart an der Unterstützung von Jungunternehmern.“

Inwiefern unterscheidet sich die französische StartUp Szene von der Deutschlands und anderer Länder?

Nicht so sehr wie man denken mag. Die Start-Up Szene in Frankreich bzw. Paris ist sehr aktiv. Das liegt nicht zu Letzt an den vielen Wettbewerben und der guten Förderung, die man vom französischen Staat erhält. Natürlich ist Paris ein sehr teures Pflaster, aber die Kultur, Atmosphäre und vielfältigen Events machen das ganze wett. Nicht desto trotz wären ein paar mehr internationale Events schön. Sonst ist man nämlich auf die Sprachkenntnisse angewiesen.

Als reiner Online-Dienstleister: Habt Ihr Tipps für angehende Gründer im Online-Business?

Eine gründliche Recherche des Marktes und der Umfeldbedingungen! Wer ist die Zielgruppe? Ist es legal? Wie erreiche ich meine Nutzer? Viele Fragen warten auf einen, bevor das Abenteuer Start-Up wirklich losgehen kann.

Das Arbeiten in einem interkulturellen Team bringt vermutlich einige Schwierigkeiten mit sich. Möchtest du uns ein paar der Hürden nennen und erzählen, wie ihr sie überwunden habt?

In den letzten anderthalb Jahren, die ich in Frankreich war, würde ich eher sagen, dass der Gegenteil der Fall ist. Die unterschiedlichen Kulturen helfen, sich gegenseitig zu verbessern. Gerade das deutsch-französische Verhältnis ist deutlich besser als ich selber vorher dachte. Man begegnet sich mit viel Humor und das fließt natürlich positiv in den Arbeitsalltag ein. Auch ist man sehr offen, was After-Work-Aktivitäten angeht. Wer spielt nicht gerne an Sommertagen eine Runde Petanque im Jardin du Luxembourg neben dem Büro?

„Die unterschiedlichen Kulturen helfen, sich gegenseitig zu verbessern.“

Das Thema Sicherheit ist insbesondere in der Luftfahrt ein großes Thema. Wie stellt ihr sicher, dass Wingly-Nutzer mit erfahrenen und tauglichen Piloten fliegen?

Als Privatpilot durchgeht man eine langwierige und umfangreiche Ausbildung, die für einen hohen Wissenstand bei den Piloten sorgt. Auch wenn die „Privatpilotenlizenz“ die erste Stufe auf der Leiter zum Airliner ist, so lernt man doch einiges. Wir als Vermittler zwischen Pilot und Gast informieren hier sehr stark. Man muss wissen, worauf man sich einlässt – und hier erhalten wir überaus gutes Feedback unserer Nutzer. Piloten müssen sich selber identifizieren und den Besitz einer gültigen Lizenz und eines medizinischen Flugtauglichkeitszeugnisses nachweisen. Auch Gäste können sich optional verifizieren und eine Profilbeschreibung hinterlegen. So bauen wir Vertrauen auf. Die Menschen sollen sich gegenseitig kennenlernen und wissen, mit wem man fliegt. Das klappt sehr gut. Viele telefonieren vor dem Flug ausführlich und besprechen den einzelnen Flugplan. Von den über 2.000 Nutzerbewertungen, die wir erhalten haben, gibt es keine einzige unter der Note „gut“ (4 von 5 Sternen). Das spricht Bände, weshalb wir auch stetig in unserem Blog  über die verschiedensten Themen informieren.

The sky‘s the limit? Wie sehen eure Zukunftspläne aus?

Europa ist riesig und bietet eine einheitliche, rechtliche Grundlage für Wingly. Deswegen wird das erst einmal der Zukunftsplan für Wingly sein.

Über Lars Klein

Lars Klein ist Mitgründer der Mitflugzentrale Wingly. Privatpiloten werden mit Gästen vernetzt, um Leidenschaft aber auch die Kosten des Fliegens zu teilen. Heute fliegt Klein regelmäßig in der Cessna (mit) durch Europa. Vorher war er weltweit als selbstständiger Web-Dienstleister tätig.

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