Finanzen   14.10.2019

Krankenversicherung zu teuer? Was Selbstständige da tun können

Für Gründer und Selbstständige, bei denen grade das Geld knapp ist, wird schnell die Krankenversicherung zu teuer. Aber: Krankenversicherung ist auch in der Selbstständigkeit ein absolutes „must have“. Wirklich gar kein Weg geht daran vorbei, eine zu haben, denn es besteht Krankenversicherungspflicht. Einfach abmelden und hoffen, dass schon nichts schlimmes passiert: Denk nicht mal dran! Selbst wenn dir im Moment die Krankenversicherung zu teuer ist.

Krankenversicherung zu teuer

Wenn die Krankenversicherung zu teuer für dich ist, solltest du dich nicht von der Existenzangst lähmen lassen, sondern aktiv nach Wegen suchen, um deine finanzielle Situation zu verbessern oder deinen Krankenversicherungsvertrag deinen Möglichkeiten anzupassen. (Bild © pexels.com)

Krankenversicherung in der Selbstständigkeit: Warum war die Berechnungsgrundlage umstritten?

Bis zur Reform 2019 diskutierten Politiker, Krankenkassen und Selbstständige darüber, dass die Berechnung der Krankenkassenbeiträge für sehr viele Freiberufler und Kleinunternehmer viel zu hoch und eigentlich nicht leistbar war. Die Berechnungsgrundlage war ein fiktives Einkommen von mehr als 2.000 Euro im Monat, das aber viele Soloselbstständige, Gründer oder Freiberufler und Kleingewerbetreibende gar nicht erreichen. Somit fielen für diese Geringverdiener Monat für Monat Krankenkassenbeiträge an, die nur schwer oder gar nicht zu stemmen sind. Denn als Selbstständige zahlen sie ja nicht nur einen Arbeitnehmeranteil, sondern den vollen Krankenkassenbeitrag selbst.

Worin genau lag das Problem der Krankenkasse für Selbstständige?

Bis einschließlich des Abrechnungsjahres 2018 galt als Mindestgrenze für die Bemessung der Krankenkassenbeiträge Selbstständiger der Betrag von 2.282,50 Euro. Von diesem Betrag mussten Selbstständige an die Krankenkasse durchschnittlich 14%, sowie 2,8% Pflegeversicherung für Kinderlose oder 2,55% mit Kindern und einen Zusatzbeitrag in Höhe von 1,1% als Beitrag bezahlen.

Da die Mindestbemessungsgrenze von einem monatlichen Gewinn in Höhe von 2.283,50 Euro ausging, ergab sich ein Mindestbeitrag für die Krankenkasse Selbstständiger in Höhe von 417 Euro monatlich. Diesen Mindestbeitrag konnten sehr viele Selbstständige nicht leisten. Auf Antrag hin konnten Selbstständige zwar ihre Mindestbemessungsgrenze absenken lassen. Doch auch für die Absenkung galt bislang ein Betrag in Höhe von mindestens 1.522,50 Euro, der zu einem Mindestbeitrag an die Krankenkasse für Selbstständige in Höhe von 278 Euro führte. Auch dieser Betrag lag weit über den realistischen Einkommen vieler Selbstständiger.

Was hat sich 2019 für Selbstständige geändert?

Seit dem Beginn des Jahres 2019 wurde die Mindestbemessungsgrenze auf 1.038,33 Euro monatlich abgesenkt. Somit liegt der Mindestbeitrag an die Krankenkasse Selbstständiger abhängig von verschiedenen Kriterien bei zwischen 160 bis 190 Euro. Die Absenkung des Mindestbeitrags führte dazu, dass die Beiträge für die Krankenkasse Selbstständiger nahezu halbiert wurden.

Zudem ist es nicht mehr nötig, einen Antrag auf Absenkung der Bemessungsgrenze auf das untere Niveau von bisher knapp 1.500 Euro zu stellen. Dieser forderte nicht nur die Offenlegung sämtlicher Vermögensverhältnisse des Selbstständigen. Im Zuge der Überprüfung mussten auch Ehepartner oder Lebensgefährten ihr Einkommen offen legen, damit die Krankenkasse der Absenkung des Mindestbeitrags zustimmte. Somit sorgt die Absenkung der Bemessungsgrenze für spürbare Entlastung von Selbstständigen im Umgang mit ihrer Krankenkasse.

Was gilt in der Künstlersozialversicherung?

Anders funktioniert die Krankenkasse für Selbstständige, die aufgrund ihres Berufs und Arbeitsgebietes verpflichtet sind, in die Künstlersozialkasse einzutreten. Dort wird das tatsächlich erzielte Einkommen als Grundlage für Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung und zur Krankenversicherung herangezogen.

Die Künstlersozialkasse ist selbst keine Krankenkasse. Vielmehr übernimmt sie die Verwaltung der Versicherungsbeiträge ihrer Mitglieder. Jedes Mitglied der KSK bezahlt einen monatlichen Beitrag, den die Künstlersozialkasse an die Träger der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungen weiterleitet. Zudem übernimmt die KSK die Hälfte der Beiträge und tritt damit für die Selbstständigen ein wie ein Arbeitgeber für seine Angestellten. Somit bezahlen Mitglieder der Künstlersozialkasse lediglich 50 Prozent der Beiträge für die Sozialversicherungen, während die KSK den Arbeitgeberanteil einzahlt. 

Über eine Abgabe zur Künstlersozialkasse sind auch die Auftraggeber zum Teil mit an den Versicherungsbeiträgen beteiligt.

Was kann ich tun, wenn die Krankenversicherung zu teuer ist?

Mit der Absenkung der Mindestbemessungsgrenze kommt der Gesetzgeber der Realität vieler Selbstständiger zwar ein gutes Stück näher. Dennoch ist auch die abgesenkte Mindestbemessungsgrenze für zahlreiche Selbstständige immer noch sehr viel höher angesetzt, als ihr tatsächliches Einkommen. Für sie stellt sich daher nach wie vor die Frage, wie sie mit den zu hohen Forderungen der Krankenkasse gegenüber Selbstständigen mit niedrigem Einkommen umgehen können. 

Was können die Selbstständigen tun, für die jetzt ganz akut die Krankenversicherung zu teuer ist? Den Kopf in den Sand stecken und Schulden bei deiner Krankenkasse anhäufen sollst du natürlich nicht. Wenn du deine Krankenkassenbeiträge gerade nicht zahlen kannst, dann versuch mal, ob dich die folgenden Punkte weiterbringen.

Welche Möglichkeiten den Versicherungsvertrag anzupassen gibt es?

  • Als Selbstständige oder Gründer bist du wie jeder andere in Deutschland verpflichtet, eine Krankenversicherung zu haben. Du kannst aber wählen, ob das eine Private (PKV) oder eine Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ist. In der GKV gelten die meisten Selbstständigen als freiwillig Versicherte. Die PKV bietet Tarife für Selbstständige an. Falls du gerade erst gründest, erkundige dich sehr genau, welchen Versicherungsweg du gehen möchtest und wie die Beiträge sich langfristig entwickeln können. Wer sich vorher nicht richtig informiert, kann später damit konfrontiert sein, dass die Krankenkasse für ihn als Selbstständigen zu teuer wird. Vor- und Nachteile von PKV oder GKV haben wir hier beleuchtet.
  • Private Krankenversicherung für Selbstständige: Frage, ob du in einen günstigeren Tarif wechseln kannst, der vielleicht etwas weniger Zusatzleistungen oder eine höhere Selbstbeteiligung enthält, dafür aber niedrigere Beiträge, also Kosten, bedeutet.
  • Erkundige dich nach dem sogenannten Notlagentarif. Die privaten Krankenversicherungen sind verpflichtet, solch einen Tarif anzubieten.
  • Verzicht aufs Krankengeld? Das vorgezogene oder das reguläre Krankengeld kostet in beiden Krankenversicherungssystemen einen Aufschlag. Krankengeld gehört zu den Zusatzleistungen. Es ist für Selbstständige eigentlich besonders wichtig, denn Freiberufler und Unternehmer haben keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Überlege dir also sehr gut, ob du das Krankengeld als Stellschraube nehmen willst, um deine Krankenversicherungsbeiträge zu verringern.
  • Familienkrankenversicherung bei Selbstständigkeit. Bei sehr geringen Einnahmen und nur wenigen Arbeitsstunden pro Woche können Verheiratete unter Umständen bei ihren gesetzlich versicherten Partnern als Familienversicherte gelten. Trifft das vielleicht auf dich zu?
  • Du willst von der PKV in die GKV zurück? Gar nicht so einfach. Falls du hauptberuflich (zurück) in ein Angestelltenverhältnis wechselst, ist es möglich. Aber sprich deine Wunschkrankenkasse in jedem Fall an und frage, welche Bedingungen du erfüllen musst, um aufgenommen zu werden.

Kosten senken, Einnahmen erhöhen: Was kannst du tun?

  • Schau, wo du sonst Kosten sparen kannst, damit es dir (wieder) leichter fällt, den monatlichen Krankenkassenbeitrag zu zahlen. Manchmal bemerkt man Einsparpotenziale erst, wenn man danach sucht. Und schau, wie du deine Einnahmen und Ausgaben als Selbstständiger oder Gründer kontinuierlich verbessern kannst.
  • Tolle und gut zahlende Kunden finden. Das klingt erstmal unglaublich schwierig, gerade für Selbstständige, denen Geldsorgen an den Nerven zerren. Aber dein Business voran bringen und die Kunden finden, die dich wirklich gut bezahlen, ist die eleganteste Lösung. Berechne doch mal den Stundensatz, den du wirklich erzielen solltest, damit deine Kosten gedeckt sind und du auch deine Krankenversicherungsbeiträge in Zukunft problemlos zahlen kannst.

Wichtig ist also, dass du dich nicht von der Existenzangst lähmen lässt, sondern aktiv nach Wegen suchst, deine finanzielle Situation zu verbessern oder deinen Krankenversicherungsvertrag deinen Möglichkeiten anzupassen.

Tipps zum Thema Krankenkasse für Selbstständige

Kriterien für die Wahl zwischen PKV und GKV

Bei der Mitgliedschaft in der Krankenkasse können Selbstständige zwischen PKV und GKV wählen. Zwar gibt es keine einfache Regel für die Wahl zwischen den beiden Versicherungsformen. Dennoch können einige Kriterien bei der Entscheidung helfen. Denn Selbstständige, die jung sind und keine Vorerkrankungen haben, können von günstigen Beiträgen der PKV profitieren, die vom Einkommen unabhängig sind. Dahingegen bietet die gesetzliche Krankenkasse für Selbstständige in höherem Alter oder nach vorangegangenen Erkrankungen meist die günstigeren Tarife. Auch Kinder sorgen dafür, dass die GKV günstiger ausfallen kann. Denn sie sind in den gesetzlichen Krankenkassen mitversichert, während in der PKV Kinder einen eigenen Versicherungsvertrag benötigen. 

Bei Gründung Mindestbemessungsgrenze angeben

Vor dem Schritt in die Selbstständigkeit können Versicherte der GKV ihrer Krankenkasse erst einmal ein Einkommen angeben, das höchstens die Mindestbemessungsgrenze erreicht. In der Folge kann die Krankenkasse von Selbstständigen lediglich den Mindestbeitrag berechnen. Zwar müssen Selbstständige, deren Einkommen die Bemessungsgrenze überschreitet, Beiträge entsprechend nachzahlen. Die Nachzahlung sollten sie im Gründungsjahr im Auge behalten und auf die Seite legen. Doch auch wenn das Risiko einer Nachzahlung besteht, sorgen Selbstständige auf diese Weise dafür, dass sie nicht zu viele Beiträge bezahlen. Denn einen Beitragsüberschuss bezahlen die Krankenkassen den Selbstständigen nicht zurück.

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