Lifestyle   21.5.2019

Kreativ-Walk: Eine Kreativitätstechnik in der Natur

Nicht nur die typisch kreativen Berufe erfordern den gezielten Einsatz bewährter Techniken, um die Kreativität zu fördern. Denn jeder Unternehmer steht unabhängig von seinem gewerblichen Angebot laufend vor der Herausforderung, kreative Ideen zu entwickeln. Unternehmerische Kreativität muss entscheidende Impulse setzen und auf Veränderungen des Marktes antworten können. Daher hat sie unmittelbare Auswirkungen auf den unternehmerischen Erfolg. Viele Unternehmer, Selbstständige und Freiberufler interessieren sich daher für Kreativitätstechniken, wie zum Beispiel den Kreativ-Walk. 

kreativ-walk

Welche Assoziationen löst deine Umgebung bei dir aus? Probier’s mal mit einem Kreativ-Walk, um deine Kreativität anzukurbeln! (Bild © unsplash.com)

Was ist der Kreativ-Walk? 

Der Kreativ-Walk ist eine Methode, Blockaden im Kopf zu überwinden, auf neue Ideen zu stoßen, Problemstellungen zu lösen und Antworten auf Fragen zu finden. Da man sich während des Kreativ-Walks in der Natur bewegt, dient dieser nicht nur der Findung neuer Ideen, sondern er ist auch gesund und bietet eine Möglichkeit, während der Arbeitszeit guten Gewissens einen Ausflug zu machen. Denn die Erfahrung zeigt, dass Bewegung dabei hilft, die Kreativität anzukurbeln. 

Wie funktioniert der Kreativ-Walk?

Die Trainerin Zamyat M. Klein beschreibt in ihrem Blog den Ablauf eines Kreativ-Walks. Zusammengefasst funktioniert die Methode wie folgt:

  1. Formulierung einer zentralen Frage, die während des Kreativ-Walks geklärt werden soll.
  2. Beim Spaziergang die Augen offen halten: Welche Assoziationen löst die Umgebung aus?
  3. Kristallisieren sich unterwegs eventuell Reizworte heraus, die mit der Ursprungsfrage in direktem Zusammenhang stehen?
  4. Sobald Pausen eingelegt werden: Notizen machen und die freien Assoziationen festhalten!
  5. Während oder nach dem Spaziergang freie Assoziationen zu den Reizwörtern herstellen, die sich während des Gangs herauskristallisieren.
  6. Assoziationen in Verbindung zur Ursprungsfrage setzen.
  7. Lösungsideen entwickeln.

Freie Assoziation – Was ist das genau?

Die Methode der freien Assoziation geht auf den Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, zurück. Sie wird auch als Methode der freien Einfälle bezeichnet. Freies Assoziieren ist eine Technik, um Zugang zum Unterbewusstsein eines Menschen herzustellen. Sigmund Freud ging davon aus, dass das Denken und Handeln sowie die Empfindungen des Menschen in der Hauptsache durch das Unterbewusstsein gesteuert werden. Im normalen Alltag versuche der Mensch, Gedanken und Gefühle zu vermeiden, die seinen Selbstwert in Frage stellen oder die aus anderen Gründen für ihn unangenehm sind. Auf diese Weise vermeide er Konflikte mit sich selbst und mit seiner Umgebung. Mit der Vermeidung von unterbewussten Regungen gehe laut Freud oftmals eine Fehlentwicklung einher, die den Menschen seelisch belaste und sein Leben beschränke. Das freie Assoziieren nahm Freud als Mittel, um die durch ihn als schädlich erachtete Kontrolle von Gedanken und Gefühlen zu überwinden und dem Menschen den Zugang zu seinem Unterbewusstsein zu ermöglichen. Auf diese Weise setzte Freud das freie Assoziieren als Technik ein, um innere Konflikte von Patienten der Psychoanalyse zu behandeln. 

Warum wird die freie Assoziation abseits der Psychoanalyse eingesetzt?

Die Befürworter der freien Assoziation gehen davon aus, dass das Unterbewusstsein des Menschen einen Fundus an geistiger Fähigkeit birgt, aus dem er die entscheidenden Gedanken und Impulse für Lösungsansätze von Problemstellungen und für neue Ideen zu Tage fördern kann.

Wo wird die freie Assoziation heute eingesetzt?

Abseits seiner Funktion als Instrument für die Diagnose in der Psychoanalyse und Psychotherapie wird das freie Assoziieren als Methode für die Findung von Ideen eingesetzt, wie zum Beispiel im so genannten Brainstorming. Im Brainstorming können Betriebe die eigene Kreativität testen. Das freie Assoziieren dient dabei als Technik zur Beförderung der Kreativität und als Ideenlieferant zum Beispiel bei der Findung von Projektkonzepten sowie in der Marktforschung oder im Marketing. Grundsätzlich sollen bei der freien Assoziation möglichst viele spontane Einfälle zu einem bestimmten Thema zusammengetragen werden, um kreative Prozesse in Gang zu setzen.

Wie funktioniert die freie Assoziation?

In der Regel wird eine Sitzung für die freie Assoziation in drei Schritten abgehalten, die aus dem Erleben, dem Berichten und dem Reflektieren bestehen. Die freie Assoziation kann entweder durch ein Thema eingeleitet und angestoßen werden oder aber ohne jede Vorgabe völlig frei erfolgen.

Erleben – Innere Sammlung von Gedanken in der freien Assoziation

Bei der freien Assoziation soll der Teilnehmer alles aussprechen, was ihm durch den Kopf geht. Dabei zielt man darauf ab, dass der Betroffene diejenigen Gedanken und Eindrücke offen legt, die er während der Sitzung in sich wahrnimmt und erlebt. Daher wird für die freie Assoziation eine möglichst entspannte Umgebung geschaffen, auf die sich die Beteiligten gut einlassen können. Die Ausübenden sollen sich locker fühlen und den freien Fluss der Gedanken ohne Zensureingriffe geschehen lassen. Im Laufe des Prozesses sollen die Teilnehmer darauf achten, was in den Gedanken, Erinnerungen und Vorstellungen, aber auch in Wünschen und Empfindungen geschieht. 

Berichten – Zusammentragen der freien Assoziation

Nachdem in den Teilnehmern erste konkrete Eindrücke und Gedanken entstehen, sprechen sie diese frei aus. Auch wenn Eindrücke und Gedanken dem Ausübenden nicht wichtig erscheinen oder wenn er sie als nicht passend beurteilt, soll er diese im Rahmen der Sitzung dennoch zu Tage fördern und offen legen. Viele Menschen haben Probleme damit, ihre inneren Gedanken frei auszusprechen. Daher sollen während der freien Assoziation insbesondere Vernunft, Logik und Misstrauen möglichst ausgeschaltet bleiben. Eigene innere Zensoren sollen abgelegt werden, damit die Einfälle und Gedanken möglichst ungefiltert festgehalten werden können. Der Bericht dauert so lange an, bis alle Einfälle und Gedanken erschöpft sind. 

Auswertung der freien Assoziation

Sind alle Gedanken zu einem bestimmten Stichwort oder einem Themenkreis zusammengetragen, dann können sie ausgewertet werden. Die Auswertung richtet sich dabei nach dem Anlass, der zu der Sitzung zur freien Assoziation führte. So sind die Ergebnisse der freien Assoziation in einen Bezug mit dem vorgegebenen Thema zu stellen, um die gewünschte Lösung herbei zu führen. 

Wann ist ein Kreativ-Walk sinnvoll? – Praxisbeispiel

Der oben geschilderte Ablauf eines Kreativ-Walks mag sehr theoretisch klingen. Das nachfolgende Beispiel soll zeigen, wann ein Kreativ-Walk sinnvoll ist und wie er das freie Assoziieren in der Praxis umsetzt.

Beispiel für die Praxis: Du ringst mit der Frage, wie Du Dein geschäftliches Portfolio erweitern kannst. Daher beschäftigst Du Dich zum Beispiel mit der Frage, welches Produkt Du zukünftig verkaufen solltest. Deine Frage bildet den Ausgangspunkt für Deinen Kreativ-Walk, den Du Schritt für Schritt umsetzt, um zu einem konstruktiven Ergebnis zu gelangen,  

Schritt 1 – Zeit und Ort 

Nimm Dir gezielt einen halben Tag Zeit, um Dich auf einer Wanderstrecke, mit der Du Dich wohlfühlst, mit Deiner Frage zu befassen. Unterwegs hältst Du bewusst die Augen offen und bewegst die zentrale Frage im Kopf. 

Schritt 2 – Eindrücke sammeln

Achte auf äußere Eindrücke während Deiner Wanderung, die Dir unmittelbar ins Auge springen und die für Dich eine Bedeutung haben. Solche Eindrücke können zum Beispiel in einer Ruine oder einer besonderen Aussicht bestehen.

Schritt 3 – Eindrücke festhalten

Sobald Du Eindrücke feststellst, die Dir entsprechende Stichworte liefern, dann legst Du eine Pause ein und notierst diese.

Schritt 4 – freie Assoziation

Nach der Niederschrift Deiner Eindrücke solltest Du darauf achten, welche Assoziationen Dir zu Deinen Stichwörtern einfallen. Verbindest Du zum Beispiel die Ruine mit dem Begriff „Renovierung“, dann ist diese Assoziation gemäß der Theorie, die hinter dem Kreativ-Walk steht, ein Anzeichen für eine mögliche Lösung Deiner Frage. 

Schritt 5 – Schlüsse ziehen

Nach dem Konzept des Kreativ-Walks kann die Ruine Dir unbewusst ins Auge gesprungen sein, weil Du Dein bisheriges Portfolio als nicht mehr funktionsfähig damit in Verbindung bringst. Daher gilt es nun, aus dem Stichwort und den dazu gehörenden Assoziationen konkrete Schlüsse zu ziehen. Eine Renovierung könnte im Zusammenhang mit Deiner Produktpalette zum Beispiel bedeuten, dass Du Dein bisheriges Angebot beibehältst und es einer Anpassung oder Auffrischung unterziehst. Vielleicht ist es aber auch ein Hinweis darauf, dass Du alte Ruinen einreißen solltest, um Neues an selber Stelle aufzubauen. Das Stichwort „Aussichtspunkt“ kann auf eine Idee hinweisen, die Du schon länger in Dir trägst und die Du bislang aufgrund ihrer Tragweite noch nicht umgesetzt hast. 

Schritt 6 – Auswertung

Achte darauf, welche Gedanken die verschiedenen Lösungsansätze bei Dir auslösen. Deine Assoziationen und die Schlüsse, die Du aus ihnen ziehst, können Deinen bisherigen Standpunkt erweitern, um Dir neue Perspektiven zu eröffnen und Orientierung zu schaffen. Diese können zum Beispiel darin liegen, dass Du Dich an einem Wettbewerber mit vergleichbarer Angebotspalette ausrichtest. Obwohl Du das vergleichbare Produktangebot bislang nicht in Betracht gezogen hattest, kann Dich Dein Kreativ-Walk dahin führen, dass Du in Zukunft zum Beispiel ein Nischenprodukt in Dein Sortiment aufnehmen wirst. Deine neue Orientierung kann Dich auch dahin führen, dass Du dem Impuls nachgehst, ein lange gehegtes Vorhaben nun endlich in die Praxis umzusetzen. Das Ergebnis Deines Kreativ-Walks wird immer genauso individuell ausfallen, wie Deine Ausgangsfrage.  

Tipps für Deinen Kreativ-Walk

Falls Du Bedenken hast, dass es Dir schwer fallen wird, Stichpunkte für Eindrücke auf Deinem Kreativ-Walk zu finden, dann kannst Du Dir diese auch bereits im Vorfeld überlegen. So kannst Du vor Antritt Deines Kreativ-Walks ganz pragmatisch und zielgerichtet passende Stichpunkte festlegen, nach denen Du die Umgebung absuchen wirst. Dabei legst Du fest, welche Objekte, denen Du unterwegs begegnen wirst, zu Deinen Stichworten passen.

Die ersten Assoziationen stellen für das Ergebnis des Kreativ-Walks nur einen Anfang, von dem aus Du Deine Gedanken weiter entwickelst. Achte daher stets darauf, die Ausgangsfrage nicht aus dem Gesichtsfeld zu verlieren und diese stets in einen Zusammenhang mit den nachfolgenden Gedanken zu stellen. 

Wann ist der Kreativ-Walk zu empfehlen?

Wie alle Techniken zur Verbesserung der Kreativität ist auch der Kreativ-Walk vielseitig einsetzbar. Laut ihren Befürwortern eignet sich die Methode für die Neupositionierung eines Firmenprofils, für die Themenfindung einer Marketingstrategie, für neue Projektideen, für die Event-Planung, für das Alleinstellungsmerkmal eines Unternehmens oder die Formung einer Marke. Immer dann wenn wichtige Entscheidungen für die Ausrichtung einer Unternehmung anstehen, lohne sich demnach der Kreativ-Walk, um neue Perspektiven und Orientierung zu gewinnen. 

Wer den Kreativ-Walk einmal unter Anleitung testen möchte, hat die Möglichkeit, bei Zamyat M. Klein ein entsprechendes Seminar zu belegen.

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