Organisation   01.8.2019

Sind Gruppenentscheidungen die besseren Entscheidungen?

Um die Moral zu stärken, manchmal auch, um die Expertise der Angestellten abzurufen, werden immer mehr Entscheidungen in Gruppen getroffen. Doch sind Gruppenentscheidungen wirklich die besseren Entscheidungen?

Teamentscheidungen haben viel für sich. Zum einen können jene, die sonst vielleicht nicht zu Wort kommen, hier ihre Expertise einbringen. Zum anderen ist es für die Arbeitsmoral im Team gut, wenn eine Entscheidung in der Gruppe getroffen werden kann. Doch sind solche Gruppenentscheidungen nicht immer gut, wie zum Beispiel die herausfand.

gruppenentscheidungen

Gruppenentscheidungen sind heute beliebter als je. Der breite Konsens stärkt die Zufriedenheit, und das Unternehmen ist fit für die Zukunft. Wirklich? (Bild © unsplash.com)

Was spricht gegen Gruppenentscheidungen?

Ein Nachteil ist, dass eine Gruppe so gut wie immer eine Hierarchie hat. Und in der Gruppe tendieren sehr viele Menschen dazu, den Meinungsführenden zu folgen, weil das für sie Vorteile hat – sie tauchen in der Menge unter und machen sich dadurch nicht einzeln angreifbar. Doch sie versprechen sich auch entweder im Gegenzug Vorzugsbehandlung durch die Meinungsführenden oder zumindest ein Ende der leidigen Diskussionen.

Das Ganze kann jedoch noch weitergehen – so wie es in der Politik den Fraktionszwang gibt (bei dem alle Abstimmenden nach den Vorgaben der Partei votieren müssen, ob sie persönlich wollen oder nicht), so gibt es auch einen Gruppenzwang, der jede Diskussion ad absurdum führt. Wenn Abstimmungen und Meinungen bereits vorgegeben sind, kann keine zielführende Diskussion mehr stattfinden, geschweige denn ein wirklich zukunftsfähiges Ergebnis erzielt werden.

Objektive Sachargumente werden oft übergangen

Und was ist, wenn tatsächlich alle Mitglieder der Gruppe ganz von selbst der gleichen Meinung sind? Dann kann das jegliche Diskussion von vornherein unterbinden. Das mögen die einen positiv finden, weil das Gelaber ausfällt. Doch sollte dich als Unternehmer so etwas hellhörig machen. Denn es ist äußerst selten, dass es vor einer Gruppenentscheidung keinen Diskussionsbedarf gibt. Zumal es fraglich ist, ob alle Teilnehmenden tatsächlich auf genau demselben Kenntnisstand sind.

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Hinzu kommt, dass manche Gruppenmitglieder schon vor der Entscheidung Vorlieben für bestimmte Lösungen haben. Wenn darüber gesprochen wird, verliert die Gruppe schnell aus den Augen, dass es auch objektive Sachargumente gibt, die diskutiert werden sollten. Wenn nicht darüber gesprochen wird, trifft die Gruppe eine Entscheidung aufgrund von subjektiven Vorlieben und nicht aufgrund objektiver Argumente. In den seltensten Fällen ist das wünschenswert – einzige Ausnahme, die uns gerade einfällt: Kantinenessen.

Wie kann man Gruppenentscheidungen sinnvoll machen?

Das soll nun nicht heißen, dass Gruppenentscheidungen per se schlecht sind. Es bedarf nur einiger weniger Faktoren, um sie tatsächlich zu einem besonders effektiven Mittel der Entscheidungsfindung zu machen:

  • Eine Person in der Gruppe sollte bei der Entscheidungsfindung moderierend tätig sein, darauf achten, dass alle zu Wort kommen, dass die Diskussion nicht in eine Vorliebensdiskussion abgleitet (Ausnahme: Futter ;)), dass die Diskussion fair bleibt und Meinungsführer nicht allein die Diskussion führen.
  • Die Diskussion sollte sich zunächst ausschließlich auf Sachargumente beschränken, ohne dass irgendwelche Vorlieben geäußert werden. Sagt nur ein Mitglied etwas wie nebenbei zu seinen Vorlieben, kann das gleich einen Teil der Gruppe stark beeinflussen und die Diskussion im Keim ersticken. Erst wenn alle objektiven Sachargumente auf dem Tisch liegen, kann die Diskussion weitergehen.
  • Die Diskussion sollte absolut frei sein – kein Argument sollte niedergemacht oder nach einem Halbsatz abgebügelt werden. Auch ewige Zweifler und Querdenker sollten zu Wort kommen dürfen, denn es ist häufig so, dass sie noch einmal einen entscheidenden Impuls zur Lösungsfindung gegeben haben.
  • Lasst die Diskussion nicht in eine Kuschel-Veranstaltung abgleiten. Wenn das passiert, sollte eine Person die Rolle des „Advocatus Diaboli“ übernehmen, also um der sachlichen Auseinandersetzung willen die Gegenposition vertreten, selbst wenn sie ihr nicht zustimmt.

Eine so geführte Sammlung von Sachargumenten und anschließende Diskussion führt sehr viel eher zu sinnvollen, guten Entscheidungen. Laut der Hildesheimer Wissenschaftler konnte auf diese Weise die Lösungsrate bei schwierigen Entscheidungen von 7 % auf 40 % erhöht werden.

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