Finanzen   21.2.2019

Steuerberaterkosten: Verstehst du die Rechnung?

Unternehmer, die für die Anfertigung ihrer Steuererklärung einen Steuerberater beauftragen, müssen sich rechtzeitig über die anfallenden Kosten informieren. Denn die Steuerberaterkosten, die die Steuerkanzlei für ihre Leistungen abrechnet, setzen sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen, die einer vorgegebenen Gebührenordnung unterliegen.

Zudem hat die Steuerkanzlei aber auch individuelle Spielräume, die sie bei der Steuerberater Rechnung nutzen kann. Daher lohnt es sich, wenn Du Dich einerseits über die Gebührenordnung informierst und Dich andererseits bereits im Vorfeld einer Beratung über den anfallenden Kostenrahmen bei Deinem Steuerberater erkundigst. 

Wenn du nachlesen möchtest: Die Vergütungsverordnung für Steuerberater ist, wie alle Gesetze, im Volltext im Internet zu finden.

  1. Was ist die Steuerberatervergütungsverordnung?(StBVV)
  2. Welche Leistungen kann die Rechnung des Steuerberaters enthalten?
  3. Wie kannst Du die Steuerberaterkosten kontrollieren?
  4. Welche Angaben enthält die Rechnung des Steuerberaters?
  5. Welche Vorgaben macht die StBVV genau?
  6. Was bedeuten die Tabellen der StBVV?
  7. Wie gibt die StBVV die Berechnung der Steuerberaterkosten vor?
  8. Wie kannst Du die Gebührenverordnung nutzen?
  9. Steuerberater Rechnung – ein Beispiel
Steuerberaterkosten

Du hast zwar die Rechnung erhalten, aber keine Ahnung, wie sich die Steuerberaterkosten zusammensetzen? – das ist in der Steuerberatervergütungsverordnung (StBVV) gesetzlich geregelt. (Bild © unsplash.com)

Was ist die Steuerberatervergütungsverordnung?

Die StBVV ist eine gesetzlich begründete Verordnung, die vorgibt, wie Steuerberater ihre Leistungen verrechnen. Die Vergütungsverordnung für Steuerberater bestimmt, dass diese ihre Leistungen ausschließlich auf Basis der enthaltenen Regelungen abrechnen dürfen. Steuerberater können in der Folge ihr Honorar nicht frei bestimmen, sondern sie sind an die Vorgaben der Vergütungsverordnung gebunden. Das bedeutet, dass der Steuerberater weder weniger noch mehr Gebühren für seine Leistungen verlangen darf, als die Verordnung vorgibt.

Was gibt die Steuerberatervergütungsverordnung vor?

Die Vergütungsverordnung gibt im Einzelnen genau vor, dass bestimmte Leistungen zu definierten Sätzen abzurechnen sind. Aus diesem Grund findest Du auf der Abrechnung Deines Steuerberaters neben weiteren Angaben auch die Nennung des Paragraphen, der die Abrechnung einer bestimmten Leistung regelt. Die berechneten Leistungen richten sich nach Deinem Auftrag und nach den Arbeiten, die der Steuerberater für Dich erledigt hat. 

Welche Leistungen kann die Rechnung des Steuerberaters enthalten?

Steuerbüros machen nicht nur Steuererklärungen. Manche Firmen lagern einen erheblichen Teil ihrer Buchhaltung an das Steuerbüro aus. Die Mandanten können aber auch die vorbereitende Buchhaltung selbst übernehmen und entsprechend aufbereitete Daten aus ihrer Buchführung an die Steuerkanzlei liefern, die dann nur noch den Jahresabschluss und die Steuererklärungen erstellt.

Wie kannst Du die Kosten für den Steuerberater kontrollieren?

Ob Dein Steuerberater für Dich auch die unterjährigen Umsatzsteuervoranmeldungen übernimmt oder ob ihr Euch ausschließlich zum Anfertigen der einmal im Jahr fälligen Steuererklärungen trefft, hat entscheidenden Einfluss auf die Höhe der Abrechnung. Bereits im Vorfeld der Beauftragung entscheidest Du über den Umfang der Aufgaben, mit denen Du Dein Steuerbüro betraust. Mit der gezielten Beauftragung von bestimmten Aufgaben steuerst Du die Kosten, die das Steuerbüro am Ende seiner Tätigkeit für Dich abrechnen wird. 

Welche Angaben enthält die Rechnung des Steuerberaters?

Die Steuerberatergebührenverordnung gibt neben den Gebührensätzen auch vor, welche Angaben die Rechnung eines Steuerberaters enthalten muss. Zu den zentralen Angaben gehören:

  • Bezeichnung des Gegenstandes für die Berechnung
    Der Gegenstand einer Steuerberater Rechnung bezeichnet die Aufgabe, die die Steuerkanzlei für Dich erledigt hat. Zu den Aufgaben können zum Beispiel die Erstellung einer Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung oder die Ausfertigung der Einkommensteuererklärung gehören. 
  • Gegenstandswert bei Ansetzung von Wertgebühren
    Deine Steuerberater Rechnung enthält die so genannte Bemessungsgrundlage. Diese wird auch als Gegenstandswert bezeichnet. Der Gegenstandswert stellt die Grundlage, auf die sich bestimmte, in der StBVV genannte Gebühren beziehen. Die Bemessungsgrundlage ist der Betrag, um den es in Deiner Steuerangelegenheit geht, also zum Beispiel Deine Betriebseinnahmen.
  • Beträge einzelner Gebühren
    Die Beträge der einzelnen Gebühren führt der Steuerberater in der Rechnung jeweils gesondert auf. Für die Ansetzung der Gebühren gibt es in der StBVV mehrere Tabellen. In der Rechnung deines Steuerberaters ist angegeben, auf welche Tabelle er sich bei welchem Rechnungsposten bezieht.
  • Angewendete Gebührenvorschriften mit Angabe der entsprechenden Paragraphen
    Auch die Vorgaben der StBVV für einzelne Aufgaben sind in der Rechnung des Steuerberaters genau aufgeführt. Dabei nennt die Rechnung die Paragraphen, die sich auf den genannten Posten beziehen. Zum Beispiel steht in der Abrechnung: „Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung: Gebühr gemäß
  • Auslagen 
    Für die Bearbeitung Deiner Aufgaben fallen für den Steuerberater Auslagen an, die er in seiner Rechnung abrechnet. Dazu können zum Beispiel Auslagen für Post oder Telefon gehören. Seine Auslagen kann der Steuerberater mit einer Kostenpauschale gemäß abrechnen.  
  • Vorschüsse
    Hast Du an Deinen Steuerberater bereits einen Vorschuss für seine Tätigkeit bezahlt, dann verrechnet er diesen in seiner Rechnung mit den noch offenen Gebühren. 

Welche weiteren Angaben enthält die Abrechnung des Steuerberaters?

Die Abrechnung Deines Steuerberaters enthält neben den abgerechneten Leistungen auch Angaben über den Abrechnungszeitraum einer bestimmten Position, wie zum Beispiel einer Umsatzsteuererklärung. Zudem nennt sie die Tabelle aus der StBVV, auf die sich eine Gebühr bezieht, den hierfür vorgegebenen Gebührenrahmen und den nach eigenem Ermessen verwendeten Gebührensatz. Zu jeder Leistung führt sie die anfallende Gebühr im Nettobetrag auf. 

Darüber hinaus weist eine Steuerberaterrechnung auch die Pflichtangaben einer normalen Rechnung auf. Aus diesem Grund gibt Dein Steuerberater in seiner Rechnung auch an, innerhalb welches Zeitraums er seine Leistung erbracht hat. Dazu gibt er in der Abrechnung für alle seine Posten die entsprechenden Nettobeträge an, die er am Ende zu einer Summe zusammen fasst. Am Ende der Rechnung rechnet er die anfallende Umsatzsteuer hinzu.

Welche Vorgaben macht die StBVV genau? – Tabellen, Gebührenrahmen und Ansatz

Im Rahmen der Vorgaben über die Gebühren von Steuerberatern belässt die StBVV einen weiten Spielraum für den individuellen Fall. In ihrem Kern gibt die StBVV Steuerberatern vor, wieviel diese zugleich mindestens und höchstens für eine Leistung verlangen dürfen. Hierfür legt die StBVV einen genauen Gebührenrahmen für jede der üblichen Leistungen von Steuerberatern fest. 

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Was bedeuten die Tabellen der StBVV?

Die StBVV enthält in den Anlagen ihrer Ausführung insgesamt fünf Tabellen. Die Tabellen geben die volle Gebühr in Höhe von 10 Zehntel für eine bestimmte Leistung vor, die jeweils bei einem Gegenstandswert in bestimmter Höhe anfällt. Zum Beispiel enthält die Anlage 1 Tabelle A die Gebühren für Beratung. Bei einem Gegenstandswert bis 300 Euro beträgt laut der Tabelle A die volle Gebühr mit 10 Zehntel 26 Euro. In der StBVV findest Du entsprechende Tabellen für die folgenden Leistungen:

Die Tabellen in der StBVV enthalten die vollen Gebührenwerte. Der volle Gebührenwert entspricht dabei einem Rechenwert von 10 Zehntel.

Wie gibt die StBVV die Berechnung der Steuerberaterkosten vor?

Bei der Gebührenabrechnung unterscheidet die StBVV zwischen den Wertgebühren und den Rahmengebühren. Beide Gebührensysteme werden für die Berechnung der Steuerberaterkosten herangezogen. 

Was sind die Wertgebühren?

Die so genannten Wertgebühren sind in den Listen der Tabellen A bis E aufgeführt. Dabei ist die Höhe der Wertgebühren abhängig vom Gegenstand der Leistung. Die Beträge für den Gegenstandwert sind in Intervallen angegeben und jeweils einer Gebühr zugeordnet. Die Gebühren sind als „volle Gebühr“ in Höhe von 10 Zehnteln angegeben.

Was sind die Rahmengebühren?

Für jede Leistung eines Steuerberaters ist durch die StBVV ein Gebührenrahmen vorgesehen. Der Gebührenrahmen – auch der steht in der Rechnung, die du erhalten hast – legt fest, innerhalb welcher Spanne der Berater seine Leistung abrechnen darf. Auf Basis des Gebührenrahmens kann der Steuerberater einen individuellen Gebührensatz nach eigenem Ermessen innerhalb des vorgegebenen Intervalls ansetzen. Der Gebührenrahmen sorgt dafür, dass der Schwierigkeitsgrad einer Steuererklärung oder anderen Leistung berücksichtigt werden kann. Der Gebührenrahmen wird in einem Intervall von Zehnteln angegeben.

Was ist der Mittelwert der Gebühren?

Meist kann der Steuerberater nicht die volle Gebühr in Höhe von 10 Zehnteln verlangen. Der Gebührenrahmen gibt dem Steuerberater zum Beispiel vor, dass er nicht 10 Zehntel sondern lediglich eine Gebühr im Bereich zwischen 3 und 8 Zehnteln verlangen darf. Innerhalb dieses Intervalls kann der Steuerberater seine Gebühren individuell und nach eigenem Ermessen anlegen. So setzt er zum Beispiel innerhalb des oben genannten Bereichs zwischen 3 und 8 Zehntel den Mittelwert in Höhe von 5 Zehntel an. Wie viel Zehntel er anlegt, muss er in der Rechnung genau angeben.

Wie kannst Du die Gebührenverordnung nutzen?

Wer sich mit der StBVV befasst, der kann im Vorfeld einer Beratungsleistung beurteilen, wie hoch die Kosten für den Steuerberater ausfallen werden. Dabei kannst Du jedoch nur eine grobe Schätzung vornehmen. Denn zahlreiche Bestandteile aus der Leistung eines Steuerberaters unterliegen – wie zum Beispiel die Rahmengebühren – dem Ermessen des Steuerberaters. Für die Wahl des Gebührensatzes wählen die meisten Steuerberater den Mittelwert, sodass Du diesen auch in einer Vorkalkulation ansetzen kannst.

Mit Blick auf die StBVV kannst Du zudem die Abrechnung Deines Steuerberaters genau überprüfen und nachvollziehen, wie sich die Steuerberaterkosten zusammensetzen.

Steuerberater Rechnung – ein Beispiel

Als Beispiel für die Berechnung einzelner Posten können die Bilanz und die Einkommensteuererklärung heran gezogen werden. 

Bilanz – Beispielrechnung des Steuerberaters

Der Gegenstandswert für unsere beispielhafte Abrechnung beträgt 35.000 Euro. 

Für die Erstellung einer Bilanz mit Gewinn- und Verlustrechnung fällt eine Gebühr gemäß an. Diese richtet sich nach dem Gegenstandswert. Der Gebührenrahmen für die Erstellung einer Bilanz liegt laut StBVV zwischen 10 Zehntel bis 40 Zehntel. 

Bei einem Gegenstandswert in Höhe von 35.000 Euro liegt laut der StBVV die volle Gebühr von 10 Zehntel bei einem Gegenstandwert von bis zu 37.500 Euro bei 181 Euro. Der Steuerberater wählt einen Gebührensatz von 25 Zehntel für seine Leistung. 25 Zehntel von 181 Euro betragen: 18,1 x 25 = 452,50 Euro

Einkommensteuer – Beispielrechnung des Steuerberaters

Für die Einkommensteuer gilt die Tabelle A der StBVV. Der Gebührenrahmen für die Erstellung der Einkommensteuererklärung ist mit einem Intervall zwischen 1 Zehntel bis 6 Zehntel angegeben. 

Bei einem Gegenstandswert in Höhe von 35.000 Euro liegt laut Tabelle A die volle Gebühr von 10 Zehntel bei 872 Euro. Der Steuerberater wählt für seine Leistung einen Gebührensatz in Höhe von 3,5 Zehntel. 3,5 Zehntel von 872 Euro betragen: 87,20 x 3,5 = 305,20 Euro

Steuerberaterkosten sind Betriebsausgaben

Die gute Nachricht am Schluss: Für Selbstständige zählen die Steuerberaterkosten zum Teil auch zu den Betriebsausgaben, sind also wieder von der Steuer absetzbar.

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