19. Jul 2018 | Planen & Hilfen

Checkliste: Steuererklärung als Witwe oder Witwer

Oft weiß man, dass es kommt. Eine schwere Krankheit kündigt es an: Ein Partner stirbt. Doch so manches Paar reißt es auch plötzlich auseinander: Ein Unfall radiert die gemeinsamen Zukunftspläne aus. Zurück bleibt eine Witwe, ein Witwer und vielleicht Kinder, noch minderjährig oder schon erwachsen. Das Erbe muss geregelt und die erste Steuererklärung als Witwe(r) gemacht werden.

Das ist oft keine leichte Aufgabe. Zumal, wenn man sich vorher nie mit den Finanzen befasst und immer alles dem Partner überlassen hat.

Steuererklärung als Witwe
Steuererklärung als Witwe oder Witwer – wie gelingt sie? (Bild © unsplash.com)

Wie sieht die Steuererklärung als Witwe aus? – 7 Tipps

Und so beginnt unsere Checkliste Steuererklärung als Witwe mir einem Punkt, den Paare klären sollten, lange bevor einer von beiden stirbt.

Tipp 1: Kenne die Familienfinanzen!

Wer kümmert sich schon gerne um die Steuererklärungen der Familie? Ist doch toll, wenn es der oder die andere macht! So handhaben es viele und verlassen sich voll auf den Partner, der bereit ist, sich zu kümmern. Bei gemeinsamer Veranlagung brauchen Ehepaare nur eine Steuererklärung abzugeben. So nehmen sie die Steuervorteile des Ehegattensplittings mit und können, wenn beide berufstätig sind, ihre Steuerklassen günstig kombinieren. Kinderfreibeträge etc. schmälern die Steuerlast der Familie. Und viele Versicherungen sind Familienversicherungen, wer will das schon zwischen zwei Steuererklärungen aufrechnen. Also: Zusammenveranlagung.

Nur was, wenn immer nur ein Partner alles erledigt und der andere sich voll darauf verlässt und von jetzt auf gleich alleine dasteht? Dann ist die Finanz-Igoranz der vergangenen Jahre fatal. Weder weißt du, welche Versicherungen da sind, noch was wo abgeheftet ist. Welche Steuern gezahlt wurden und wann? Dir fehlt der Durchblick. Im schlimmsten Fall ist insgesamt weniger Geld da als du dachtest.

So eine Überraschung will keiner erleben. Die Familienfinanzen sollten dich also vom ersten Tag der Ehe an wirklich dringend interessieren. Dann kennst du dich im Notfall aus, weißt, was wo zu finden und zu veranlassen ist. Du verpasst keine Fristen und kannst Ansprüche gegenüber Versicherungen etc. schneller geltend machen.

Tipp 2: Steuerklasse anpassen

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, wie Ehepaare und die Partner eingetragener Lebenspartnerschaften ihre Steuerklassen kombinieren können. Hat ein Partner ein deutlich geringeres Einkommen, so ist er oft in der ungünstigeren Steuerklasse eingestuft. Dann hat meist der besser Verdienende die 3, der andere die 5. Bei sehr ähnlichen Gehältern wählen viele die 4.

Stirbt ein Partner, hat die Witwe oder der Witwer das Recht, die Steuerklasse zunächst beizubehalten. Das gilt für das laufende Jahr und maximal für ein weiteres Kalenderjahr. Spätestens dann besteht das Finanzamt auf einer Anpassung der Steuerklasse. Witwen und Witwer sind nun steuerlich Singles gleichgestellt.

Falls es Gründe gibt, die einen früheren Wechsel der Steuerklasse sinnvoll machen: das geht immer bis zum 30. November des laufenden Jahres.

Tipp 3: Auskünfte gegenüber anderen Erben

Wer den Nachlass regelt, kümmert sich auch darum, dass die übrigen Erben die nötigen Informationen bekommen. Alle Erben haben das Recht, sich über die Finanzen des Verstorbenen zu informieren, denn davon hängt ab, ob sie die Erbschaft annehmen oder ausschlagen.

Das Finanzamt gibt nicht jedem Erbberechtigten eine Auskunft. Auch dann nicht, wenn diejenigen einen Erbschein vorlegen können. Solange in den bisherigen Steuererklärungen des Verstorbenen ein Ehepartner mitveranlagt wurde, bedarf es dessen Zustimmung. Möchtest du, dass die anderen Erben dir bei der Steuererklärung helfen, dann ist es sinnvoll, dem Finanzamt das Okay zu geben, dass zum Beispiel deine erwachsenen Kinder Auskünfte erhalten dürfen.

Tipp 4: Alte Unterlagen sichten

Für die nächste Steuererklärung, die ansteht, hilft ein Blick in die bisher gemeinsam gemachten Steuererklärungen. Sind die alten Unterlagen gut geordnet, dann hilft dir das, diese Ordnung genau so weiterzuführen.

Anhand der früheren Steuererklärungen siehst du außerdem, welche Versicherungen, Freibeträge, Ausgaben ihr bisher steuerlich geltend gemacht habt.

Notiere dir schonmal, welche Versicherungen du nun kündigen kannst oder ändern musst.

Tipp 5: Was sich alles ändert: Listen machen und abarbeiten

Notiere außerdem, welche Versicherungen, Leistungen oder außergewöhnliche Belastungen nun dazu kommen. Warst du bisher z.B. über die Familienversicherung krankenversichert, so hast du nun einen eigenen Vertrag, vielleicht bei einer anderen Krankenversicherung. Eine Lebensversicherung wurde ausgezahlt, folglich entfällt ab dem Folgejahr der Beitrag. Durch eine lange Krankheit des Partners können Kosten entstanden sein, die als außergewöhnliche Belastungen für Pflege und Medikamente steuerlich absetzbar sind.

Du bekommst eine Witwenrente, also hat sich dein Einkommen verändert. Kinder, die eine Halbwaisenrente beziehen, weil sie noch minderjährig oder in Ausbildung sind, haben nun durch die Rente ein eigenes Einkommen und eventuell (je nach Rententräger) auch eine eigene Krankenversicherung. Du musst regeln, wie es um Kindergeld und co. steht.

Mit einer Liste all solcher Punkte bereitest du bereits deine erste Steuererklärung als Witwe oder Witwer vor. Du musst diese Liste nicht an einem Tag schreiben. Notiere die Punkte nach und nach. Wenn dann die Steuererklärung ansteht, arbeitest du all das einfach nur noch ein, statt mühsam zu überlegen, was nun alles wegfällt und was dazu kommt.

Tipp 6: Die nötigen Belege ordnen

Bitte wirf nicht aus Wut, Frust, Überforderung oder Trauer Unterlagen weg, die du noch brauchst! Es ist viel zu Ordnen. Sichte mit Sorgfalt. Fang rechtzeitig damit an, so dass du für die Steuererklärung und alles, was zu regeln ist, gut vorbereitet bist.

Tipp 7: Rat einholen

Du musst das nicht alleine machen. Sowohl die Mitarbeiter beim Finanzamt als auch dein bisheriger Steuerberater können dir deine Fragen dazu beantworten, sowohl was frühere Steuererklärungen angeht als auch die betrifft, die du nun machen msust. Du kannst auch einen Steuerberater neu beauftragen, der dich durch die erste Steuererklärung als Witwe oder Witwer begleitet.

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