Finanzen   12.9.2017

Steuerhinterziehung bei Online Verkäufen

Online-Handel hat so vieles vereinfacht. Keine Schlangen, kein Gedränge, man ist stets über den Bestand informiert. Und du bekommst immer den besten Preis. Wer denkt da schon an Steuerhinterziehung bei Online Verkäufen? Und doch wird diese Straftat tagtäglich millionenfach im Internet begangen, sie ist nicht exklusiv reichen Managern vorbehalten. Sie schadet nicht nur dem Fiskus, sondern auch unserer Wirtschaft. Und sie stellt eine Falle für arglose Verkäufer dar, deren Unwissenheit auch in diesem Fall nicht vor Strafe schützt.

Wie sieht die Lage aus? Schauen wir uns zunächst kurz an, wie Steuern überhaupt funktionieren: Du verkaufst etwas in Deutschland. Da freut sich der Staat. Denn du bezahlst Steuern dafür. Entweder den Regelsteuersatz von 19% oder den ermäßigten Steuersatz von 7% des Warenwerts. Dieses Geld bezahlt dir dein Kunde zusätzlich. Du darfst es nicht behalten, sondern musst es an den Staat abführen. Du kannst es jedoch als Vorsteuer geltend machen und dir vom Finanzamt zurückholen, wirklich belastet wird nur der private Endkunde.

Steuerhinterziehung bei Online Verkäufen: Strengere Regeln für Ebay und Amazon Verkäufer

Steuerhinterziehung geht auch beim Online Handel. Gerade Privatverkäufer bei Amazon und ebay können der Abführung von Umsatzsteuer einfach entgehen. (© 88studio – Fotolia)

Das System passt, solange du einen Laden besitzt und etwas verkaufst. Denn in diesem Fall ist gewährleistet, dass du dich in Deutschland befindest und eine Steuernummer hast, also Umsatzsteuer kassierst und abführst. Im Internet ist beides nicht selbstverständlich.

Wie funktioniert also Steuerhinterziehung bei Online Verkäufen?

Konzentrieren wir uns mal auf die größten Plattformen für Verkäufe im Internet: Amazon und Ebay. Amazon fungiert als Logistik-Dienstleister und verdient bei jedem Verkauf mit, egal ob die Steuern bei der Transaktion ordnungsgemäß abgeführt werden. Dementsprechend besteht wenig bis kein Interesse beim Unternehmen, Steuerhinterziehung zu verfolgen. Amazon schafft also fröhlich Ware nach Deutschland, als Logistik-Dienstleister vorbei an der Überwachung zuständiger Behörden. Das Unternehmen spielt den Kurier und Mittelsmann bei der Steuerhinterziehung, aufgrund der schieren Menge ist es kaum möglich, irgendetwas nachzuvollziehen.

Bei Ebay sieht es ähnlich aus. Rechtlich müssen Steuern nur bei gewerblichen Verkäufen abgeführt werden. Falls du also Angst hattest, wegen der schönen Kommode deiner Oma bald die Steuerfahndung am Hals zu haben, lass dich beruhigen: Als privater Verkäufer auf Ebay musst du keine Umsatzsteuer bezahlen. Die Folge: Laut Zahlen des Unternehmens bieten 5 Millionen Verkäufer ihre Sachen privat an, lediglich 175.000 gewerbliche Händler stehen diesen gegenüber. Wer’s glaubt wird selig.

Die Nachteile sind klar. Verkaufst du etwas für 300,-€, musst du 57,-€ Umsatzsteuer abführen, also dem Kunden 357,-€ abrechnen. Der Händler aus China ohne deutsche Steuernummer verlangt 320,-€ und bezahlt keinen Cent Steuer. Natürlich kauft der Kunde bei letzterem, der sogar mehr verdient, als du es bei einem Verkauf würdest. Ganz schön unfair.

Strengere Regeln für Amazon und Ebay Verkäufer

Die Steuerfahnder werden langsam besser. Ebay und andere Plattformen werden von speziellen Programmen gescannt, um Händler aufzuspüren. Wenn du deinen Computer im letzten Monat vierzig Mal verkauft hast, gibt es wenig Argumente, dich als Privatverkäufer einzustufen, auch wenn Gerichte hier immer im Einzelfall entscheiden. Das Finanzamt kann Ebay hier zwingen, die Daten des Verkäufers rauszurücken. Dann drohen saftige Forderungen.

Im Fall von Amazon wird momentan geprüft, inwieweit das Unternehmen zur Verantwortung gezogen werden kann. In Großbritannien funktioniert das wunderbar. Hier muss Amazon die Steuern bezahlen, die seine Händler hinterziehen. Als Folge schmeißt das Unternehmen alle Händler ohne gültige Steuernummer einfach raus. Es kann so einfach sein.

Als Fazit gilt: Mach dich nicht angreifbar. Wenn du Dinge im Internet verkaufst, ist das nicht strafbar. Aber wenn du es gewerblich tust, musst du Steuern bezahlen. Hole dir im Zweifelsfall Rechtsberatung, ob du auf der sicheren Seite bist. So vermeidest du wirklich unliebsame Überraschungen. Denn es gilt nach wie vor das abgegriffene Zitat: „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein.“

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