07. Aug 2018 | Gründung

Studie: Warum gründen Frauen eigentlich seltener als Männer?

In Deutschland haben 14 % der erwerbstätigen Männer ein Unternehmen gegründet, während es bei den Frauen nur 7 % sind. Warum ist das so?  

Studie, warum Frauen seltener Gründen
Der Fraueanteil in Führungspositionen ist immer noch gering – genauso sieht es bei der Unternehmensgründung aus.

Ein Blick hinter den Vorhang

Wer genau hinsieht, der erkennt, dass über der sogenannten gläsernen Decke, wie Vorstand, Bundestag oder Chefetagen vorrangig Männer arbeiten und es nur wenigen Frauen gelingt, durch diese Decke hindurch zu dringen. Die Frauen, denen das zu anstrengend bzw. zu zermürbend erscheint, die könnten sich doch eigentlich selbstständig machen, ein eigenes Unternehmen gründen und somit den alten Machtstrukturen von Beginn an das Handwerk zu legen. Das ist doch ganz einfach, also? Eben das ist nicht unbedingt der Fall!

Denn auch dabei stehen die Frauen den Vorurteilen gegenüber und diese machen den Weg holprig. Inzwischen gibt es in Deutschland rund 40 % Frauen, von denen ein Unternehmen gegründet wurde, doch in der Startup-Szene zeigt sich noch ein ganz anderes Bild: in dieser gibt es nur knapp 15 % Frauen. 

Dieses Ergebnis brachte der Deutsche Startup Monitor 2017. Zwar ist ein ständiges Wachstum zu sehen, aber dieser entwickelt sich nur sehr langsam. Dabei weisen Berliner Startups mit 16,2 % den höchsten Anteil an Frauen auf, während die Hamburger und Münchner Startups mit je 10,5 % den niedrigsten Frauenanteil aufweisen. 

Selbst bei den populären Startups sind die Frauen nicht sehr präsent. Bei Essenslieferant DeliveryHero sitzt beispielsweise keine einzige Frau im Vorstand oder im Aufsichtsrat. Dies gilt auch für die Startup-Schmiede rocket Internet, wo ausschließlich Männer diese Posten bekleiden. Immerhin sind im neunköpfigen Zalando-Aufsichtsrat zwei Frauen vertreten. 

Kein deutsches Phänomen

Allerdings handelt es sich dabei keineswegs um ein deutsches Phänomen, denn auch das Silicon Valley ist eine reine Männerbastion. Dort sind nur 10 % der Manager weiblich und in der Schweiz sind es rund 9 %. Immerhin sind 30 % der Managerposten in Großbritannien und Griechenland von Frauen besetzt.

Schon früh zeigt sich dieses Ungleichgewicht: Beim Businessplanwettbewerb Startup Teens, bei dem Jugendliche zwischen 14 und 19 ihre eigenen Startup-Ideen einreichen können, waren nur 25 % Mädchen beteiligt. Besonders im Bereich der Digital- und Hightech-Szene sind zu wenig Frauen vertreten. Von der Geschäftsführerin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU) Claudia Große-Leege, wird dies wie folgt erklärt: „Zum einen ist es so, dass in den sogenannten Mint-Berufen Frauen weniger präsent sind.  Zudem höre ich immer wieder von Gründerinnen, dass die Startup-Szene von einer Macho-Kultur geprägt ist, in der alte Mechanismen eine Rolle spielen.“

Wo liegt das Problem? – die Herausforderungen für Gründerinnen

Wer kennt die Aussage nicht: Der Mann ist für Handwerk, Technik und Finanzen verantwortlich, während die Frau kocht, putzt und sich um die Kinder kümmert. Dies ist völlig konservativ und überholt? Sicherlich, aber dennoch werden unsere Köpfe und die Gesellschaft noch immer von eben dieser Arbeitsaufteilung dirigiert, selbst wenn dies unterbewusst passiert. Es ist unglaublich aber wahr: Erst nach 1977 war es Frauen erlaubt, ohne die Erlaubnis ihres Mannes arbeiten zu gehen, – das ist noch gar nicht so lange her! 

In Hinsicht auf die Digitalszene wird ebenfalls noch mit weiblichen Unternehmer-Vorbildern gegeizt. Während sich die Männer zumeist auf die Tech-Szene fokussieren, zieht es die Frauen doch lieber in die „gewohnten Gefilde“ wie Mode oder Beauty. Viele Frauen fügen sich unbewusst in diese Rollenverteilung ein und schon in der Schulzeit findet diesen ihren Ursprung. Bis ins Studium zieht sich dieses Denken und damit sind nur 23 % der Informatikstudenten in Deutschland weiblich. 

Finanzielle Unsicherheiten, Ungerechtigkeit & Boys Club vs. Einzelkämpferin

Viele Frauen zieht es eher in ein sicheres Angestelltenverhältnis als in die Existenzgründung. Frauen, die den Schritt wagen, die gehen diesen eher zögerlich an: Von ihnen werden die Ideen theoretisch länger durchgespielt, sie sind sicherheitsorientierter und stecken sich realistischere Ziele als die Männer. Dies bezieht sich vor allem auf den finanziellen Teil der Gründung, wo der Trend zur Gründung durch Eigenkapital geht. Dies ist zuletzt nicht nur der Fall, da die Frauen bei der Verteilung von Wagniskapital oft zu kurz kommen. 

In der Startup-Szene geht so gut wie gar nichts ohne ein weitgreifendes Netzwerk. Strategie-Tipps, Aufträge, Kooperationspartner, Geldgeber – ohne Vitamin B – also ohne jemanden zu kennen, der jemanden kennt. Ist das nicht der Fall, dann bestehen nur wenig Chancen, ein Startup zum Rollen zu bringen. Frauen netzwerken jedoch anders als Männer und eben aufgrund dieser unterschiedlichen Voraussetzungen haben Frauen ganz andere Fragen und Bedürfnisse.

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