Recht   21.6.2018

Wann bin ich umsatzsteuerpflichtig?

Perspektivenwechsel mit Hürden

Arbeiter und Angestellte, die in die Selbstständigkeit wechseln, sind mit neuen steuerlichen Aspekten konfrontiert. Musstest du dich als Angestellter um deine Steuererklärung höchstens einmal im Jahr kümmern, stehst du als Selbstständiger vor ganz neuen steuerlichen Pflichten, die du gegebenenfalls monatlich erfüllen musst. Vor allem die Umsatzsteuer ist mit hohem Aufwand verbunden und bedarf besonderer Aufmerksamkeit. Daher gilt es vorab zu klären, inwieweit du umsatzsteuerpflichtig bist oder nicht.

umsatzsteuerpflichtig

Wann bin ich umsatzsteuerpflichtig?

Was ist die Umsatzsteuer?

Die Umsatzsteuer ist eine so genannte Verkehrssteuer oder Endverbrauchersteuer. Unternehmen haben die Pflicht, auf jede Ware und Dienstleistung eine Steuer aufzuschlagen und von ihren Kunden zu erheben. Die Steuer muss das Unternehmen an das Finanzamt abzuführen. Die Umsatzsteuer ist die auf der Rechnung ausgewiesene Mehrwertsteuer, die jeder Verbraucher für seine Einkäufe bezahlt. 

Die Last der Umsatzsteuer trägt der Endverbraucher alleine. Für den Unternehmer ist die Steuer lediglich ein durchlaufender Posten, von dem er weder einen Nutzen noch einen Verlust hat. Lediglich der Verwaltungsaufwand zur Erhebung, Ermittlung und Erklärung der Umsatzsteuer ist erheblich. Daher stellt sich für Unternehmer die Frage, inwieweit sie umsatzsteuerpflichtig sind?

Wann bin ich umsatzsteuerpflichtig?

Grundsätzlich müssen in Deutschland alle Unternehmen Umsatzsteuer bezahlen. Denn die Umsatzsteuer muss auf sämtliche Konsumgüter und Dienstleistungen aufgeschlagen werden. Hiervon gibt es nur wenige Ausnahmen, die im § 4 UStG (Umsatzsteuergesetz) aufgeführt sind. Dazu gehören neben vielen weiteren zum Beispiel:

  • Verkauf von Grundstücken
  • Umsätze von Versicherungsvertretern
  • Versicherungen
  • Vermietung und Verpachtung von Grundstücken
  • Heilbehandlungen
  • Medizinische Dienste
  • Betreuung und Pflegeleistungen
  • Krankentransporte
  • Umsätze aus Schule und Bildung
  • Innergemeinschaftliche Lieferungen
  • Auslandslieferungen
  • See- und Luftverkehr
  • Kreditvermittlung

Freiheit für Kleinunternehmer

Für Unternehmer, die sich beim Finanzamt als Kleinunternehmer anmelden, entfällt die Umsatzsteuerpflicht ebenso. Als Kleinunternehmer bist du auch dann nicht umsatzsteuerpflichtig, wenn dein Unternehmen keine der Tätigkeiten ausübt, die im § 4 UStG aufgeführt sind. Als Kleinunternehmer bist du von der Pflicht, Umsatzsteuer zu erheben, grundsätzlich befreit. Damit musst du von deinen Kunden auf deiner Rechnung keine Umsatzsteuer erheben und einkassieren.

Wer ist Kleinunternehmer?

Wenn deine Umsätze aus deiner Selbstständigkeit im vergangenen Kalenderjahr unter dem Maximum von 17.500 Euro gelegen haben und auch im aktuellen Jahr voraussichtlich 50.000 Euro nicht überschreiten werden, dann kannst du dich beim Finanzamt als Kleinunternehmer melden. 

Was sind die Vorteile der Kleinunternehmerregelung?

Der große Vorteil der Befreiung von der Umsatzsteuerpflicht ist die Entlastung deines Verwaltungsaufwandes. Nicht nur die Rechnungsstellung ist unkompliziert und einfach. Auch die Erhebung der Steuer, die Bereinigung durch bezahlte Vorsteuer, die regelmäßigen Steuererklärungen und die Zahlung an das Finanzamt entfallen für Kleinunternehmer.

Aber auch deine privaten Kunden freuen sich, wenn sie keine Mehrwertsteuer bezahlen müssen. Auf diese Weise kannst du deine Nettopreise ein wenig flexibler und vor allem günstiger gestalten. Gegenüber deinen Mitbewerbern, die umsatzsteuerpflichtig sind, hast du über die Preisgestaltung ohne Mehrwertsteuer einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.

Kommen deine Kunden jedoch hauptsächlich aus dem gewerblichen Bereich, dann entfällt der Vorteil. Denn Unternehmer können die Mehrwertsteuer aus Lieferantenrechnungen als bezahlte Vorsteuer von ihrer Umsatzsteuerschuld abziehen. Für sie ist eine Rechnung ohne Umsatzsteuer daher nicht attraktiv. 

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Welche Nachteile gibt es bei der Kleinunternehmerregelung?

Als Kleinunternehmer musst du zwar keine Umsatzsteuer erheben. Im Gegenzug kannst du aber auch keine bezahlte Vorsteuer steuerlich geltend machen, wie Unternehmer, die umsatzsteuerpflichtig sind. Das hat zur Folge, dass du als Kleinunternehmer Umsatzsteuern bezahlen musst wie ein privater Endverbraucher. Du hast keine Möglichkeit, deine für das Unternehmen bezahlte Vorsteuer steuerlich geltend zu machen. Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit, wenn hohe Investitionen anfallen, kann der Verzicht auf Vorsteuerabzug zu hohen finanziellen Nachteilen führen. 

Auch die Umstellung vom Kleinunternehmer zum normalen Unternehmer, der umsatzsteuerpflichtig ist, kann zu Problemen führen. Denn nach der Umstellung müssen sich auch deine Kunden daran gewöhnen, dass deine Preise durch die zu erhebende Mehrwertsteuer steigen. Die Preissteigerung kann dazu führen, dass du Kunden verlierst. 

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