Finanzen   05.12.2017

Ein Unternehmen mit Startkapital von Bekannten gründen – eine gute Idee?

Mit einem oder mehreren Freunden oder gar mit engen Familienmitgliedern ein Unternehmen zu gründen, eine Idee zu vermarkten und gemeinsames Geld zu verdienen klingt verlockend. Mit wem könnte es genauso viel Spaß machen, täglich zusammenzuarbeiten, wie mit denen, die einem am nächsten stehen? Wem schenkt man genauso gerne sein vollstes Vertrauen, gerade, wenn es um Finanzielles geht und bei wem muss man so wenig Angst vor einem Ideenklau oder Betrug haben? Außerdem kennen sich Freunde und Familienmitglieder in der Regel schon so lange und gut, dass die Stärken und Schwächen des Anderen im Voraus bekannt sind und niemand die Gefahr läuft, nach einiger Zeit zu merken, dass das gemeinsame Gründen vielleicht doch keine so gute Idee war.

Gerade hier aber machen viele einen Denkfehler: denn natürlich kennt man sich gegenseitig sehr gut und vertraut sich mitunter blind – das heißt aber noch lange nicht, dass gerade beim sensiblen Thema der Finanzen, immer alle auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Selbst unter besten Freunden kann die ganze Unternehmung dann schnell einmal nach hinten losgehen. Ist das Gründen mit den Nächsten also überhaupt empfehlenswert?

Startkapital von Bekannten

Die Euphorie beim Gründen mit Freunden ist anfangs groß – doch in jedem Unternehmen können Probleme auftreten, welche die Beziehungen untereinander belasten. Lohnt es sich also, mit Bekannten zu gründen? (fotolia.de ©Mirko )

Startkapital aus dem Bekanntenkreis: Vor- und Nachteile

Vorteile der Finanzierung durch Freunde und Familie

Ein zentraler Aspekt bei der Gründung eines Unternehmens ist die Finanzierung. Oft treten neben einem zuvor erwirtschafteten Startkapital, Banken und staatliche Subventionen als Geldquellen ein. Wer jedoch innerhalb des eigenen Kontaktkreises gründet, sucht unter Umständen auch unter Freunden oder Familienmitglieder als Kapitalgeber für das Unternehmen. Sie sind dann nur indirekt an der Gründung beteiligt. Da das Startkapital eine enorme Hürde für viele junge Gründer darstellt, ist die Finanzierung mit der Hilfe von Bekannten eine echte Chance.

Denn die Finanzierung durch ausreichende und geeignete Kredite von Banken ist oft nur schwer umsetzbar. Nur wenige lassen sich von einer Geschäftsidee so schnell überzeugen, wie Bekannte, die einen vielleicht schon lange kennen und die einem eine Menge Vertrauen schenken. Findet sich dann doch ein Investor, der bereit ist, das Risiko einzugehen, in die Geschäftsidee zu investieren und sein Kapital im schlimmsten Fall zu verlieren, verlangt dieser in der Regel eine ordentliche Unternehmensbeteiligung. Die meisten dürften allerdings sowieso schon an der Suche nach einem solchen Investor verzweifeln.

Die Großmutter ist vielleicht gerne bereit, etwas zum Startkapital beizutragen. Wer ein paar Dinge beachtet, profitiert von dieser Finanzierungsmethode in mehrfacher Hinsicht.
(fotolia.de ©zwiebackesser)

Die Alternative, also die Finanzierung durch Nahestehende, liegt also im Grunde nah. Diese Finanzierung durch Menschen aus dem engsten Kreis, die nicht intensiv überzeugt werden müssen, sondern die von sich aus an eine gute Idee glauben, bringt einige Vorteile mit sich:

  • Wer gerade bei geringeren Beträgen keinen Kredit aufnehmen möchte, sollte vielleicht zunächst bei interessierten Bekannten nachfragen. Sind mehrere Leute bereit, etwas zu geben, kommt oftmals schnell ein recht ordentlicher Betrag zusammen.
  • Wer sich durch Bekannte finanzieren lässt, braucht keine Sicherheiten. Das gegenseitige Vertrauen und die offenen Aussprachen ermöglichen einen lockeren Umgang. Selbst, wenn Bekannte sich darüber im Klaren sind, dass in den kommenden Jahren vielleicht noch kein allzu großer Umsatz generiert wird und das Kapital zunächst „blind“ investiert ist, sind diese nicht selten bereit, das Risiko einzugehen und einfach zu schauen, was passiert.
  • Im Vergleich zu Banken oder anderen Investoren sind die „Konditionen“ unter Freunden oder in der Familie vermutlich recht günstig. Falls das Geld überhaupt in vollem Umfang zurückgezahlt werden muss, dann doch in der Regel ohne Zinsen.
  • Im Vergleich zu der Gründung mit Freunden oder der Familie verzichten jene, wenn sie nur als Kapitalgeber auftreten, meistens auf Unternehmensanteile.

Die Nachteile gegenüber anderen Finanzierungsmethoden

Läuft alles gut, floriert das Unternehmen und lassen sich die mitunter vielleicht gemäßigten Beträge, die Freunde oder Familienmitglieder beigesteuert haben, bald wieder zurückzahlen, ist diese Finanzierungsmethode im Vergleich zu anderen üblichen Finanzierungsarten wohl die allerbeste. Letztlich lässt sich unternehmerischer Erfolg aber nicht immer zu 100% voraussagen und das Ganze kann auch nach hinten losgehen. Die Finanzierung durch Nahestehende birgt also auch einige Risiken, die Nachteile gegenüber anderen Finanzierungsmethoden bilden.

So kann es durchaus vorkommen, dass die Familie als Kapitalgeber zwar nicht direkt am Unternehmen beteiligt werden will, aber zumindest verlangt, die unternehmerischen Entscheidungen beurteilen zu dürfen, bzw. diese mitgeteilt zu bekommen. Gerade wenn ältere Generationen im Spiel sind, die vielleicht noch etwas konservativere Ansichten haben, könnte das schnell lästig werden.

Der vermutlich viel größere Nachteil jedoch ist, dass eine Geschäftsidee immer platzen kann. Die Möglichkeit, dass das investierte Kapital verloren geht, besteht immer. Muss dies einer Bank zurückgezahlt werden, leidet nur der Kreditnehmer – die Bank nimmt die Sache nicht persönlich, im Gegenteil. Hat aber die Großmutter oder der Onkel in das Unternehmen investiert, könnte es durchaus passieren, dass das kommende Familientreffen zu einer mehr als unangenehmen Veranstaltung wird. In ähnlicher Weise können Freundschaften unter geplatzten Ideen leiden oder sogar vollständig in die Brüche gehen.

Wer diese Nachteile umgehen will, kann auf eine dritte Möglichkeit zurückgreifen, welche die Familie noch einmal indirekter an der Gründung beteiligt. Die Rede ist von der Bürgschaft. Sie kann beispielsweise dann nötig sein, wenn die Bonitätsprüfung zu schwach ausfällt, um von der Bank ein Darlehen ohne weitere Sicherheiten zu bekommen. Die Vorteile bei dieser Bürgschaft: sie stellt eine einseitige Verpflichtung ohne Anspruch auf eine Gegenleistung dar. Außerdem kann sie auch dann helfen, wenn die Bank der Meinung ist, dass das momentan noch frei verfügbare Einkommen des zukünftigen Gründers nicht ausreicht. Die Bank interessiert es nämlich weniger, wie viel Umsatz ein Unternehmen in einigen Monaten oder Jahren eventuell abwerfen könnte. Vielmehr legt sie in Bezug auf die Lebenshaltungskosten pauschale Sätze zugrunde – um diese Hürde zu umgehen, kann ein Bürge helfen. Wem die direkte Finanzierung durch Bekannte also nicht geheuer ist, der kann durchaus eine solche Bürgschaft in Betracht ziehen.

Tipps für die Bekanntenfinanzierung

Sind dagegen Freunde oder Familienmitglieder für eine Direktfinanzierung und ist man sich in allem einig und möchte das vorhandene Risiko eingehen, sollten dennoch einige Dinge beachtet werden, damit die Beziehungen nicht etwa unter dem Geld zu leiden haben:

  1. Auch wenn das Kapital nicht von einem Banker kommt, sollte im Falle einer direkten „Bitte“ um das Privatkapital die Präsentation der Geschäftsidee genauso professionell erfolgen, wie sie es im anderen Fall tun würden. Neben der genauen Erläuterung der Idee und des Unternehmens, sollte den Kapitalgebern im Detail offengelegt werden, für was wie viel Geld benötigt wird und wann es voraussichtlich zurückgezahlt werden kann.
  2. Es spielt keine Rolle, ob das Geld ein Darlehen ist oder ob es einem „geschenkt“ wird – es sollte in jedem Fall klar gemacht werden, dass es sich um „Risikokapital“ handelt und es passieren kann, dass das Geld umsonst investiert wurde. Gerade viele ältere Menschen, die sich mit der Sache nie auseinandergesetzt haben, haben eventuell keine Ahnung von den Risiken, die mit einer Unternehmensgründung einhergehen.
  3. Handelt es sich um ein definitives Darlehen, also um Startkapital, das wieder zurückgezahlt wird, sind die Bedingungen dafür ganz genau zu besprechen. Gibt es Zinsen und wenn ja, wie hoch sind diese? Wann werden diese zurückgezahlt, in welchen Raten und auf welches Konto usw.?
  4. Selbst bei einer Schenkung sollten die genauen Vereinbarungen schriftlich und mit Unterschriften festgehalten werden. Selbstverständlich bekommen beide Parteien ein solches Exemplar.
  5. Bevor die Entscheidung getroffen wird, das Kapital von Bekannten wirklich anzunehmen, sollte sich dies ein letztes Mal gut überlegt werden. In diese Überlegungen sind vor allem auch die Konsequenzen für den Kapitalgeber miteinzubeziehen: Kann dieser ohne das investierte Geld gut leben, auch wenn es verloren geht? Ist ihm das Risiko tatsächlich bewusst? Könnte das Ganze die Beziehung gefährden und ist das Unternehmen einem dieses Risiko wert?

Auch Verwandten sollten die Unternehmenspläne genau erläutert werden, falls diese als Kapitalgeber auftreten. (fotolia.de ©Syda Productions)

Vorsorgen für den Worst Case

Wem die Finanzierung des Unternehmens durch Bekannte und Verwandte nicht reicht und wer den Schritt wagen will, mit ihnen zusammen das Unternehmen zu gründen und zu versuchen erfolgreich zu werden, der sollte ebenfalls für den Worst Case vorsorgen. Wie in vorigen Abschnitten bereits erläutert, könnte bei der gemeinsamen Gründung einiges schief laufen. Um das zu vermeiden, sollten die Gründer sich zusammensetzen und einige Dinge abklären.

  • Von Anfang an sollten alle Details schriftlich festgehalten werden. Dazu zählen auch Trivialitäten, die den meisten klar sind, die aber in den meisten Fällen gerade deshalb einfach übergangen werden. Wer sie nicht schriftlich fixiert hat, gerät darüber nicht selten nach einiger Zeit in Streit. So sollte genau besprochen werden, wer im Unternehmen welche Aufgaben übernehmen wird. Auch die Erwartungen der einzelnen Gründer sind essentiell. Was passiert, wenn sich ein Investor meldet und bald als möglich einsteigen möchte? Was, wenn einer der Gründer das Team wieder verlassen will? Steht die genaue Aufteilung der Anteile und Gewinne fest? Und wofür wird wie viel Geld ausgegeben? Auch vermeintliche Banalitäten, um die sich am Anfang niemand einen Kopf machen will, sollten auf den Tisch kommen: Welche Büroräume sind repräsentativ für das Unternehmen? Braucht es anfangs vielleicht nur einen großen Küchentisch für die Besprechungen? Was passiert, wenn eine Mitarbeiterin plötzlich Nachwuchs bekommt und ausfällt? Was, wenn mehrere Leute abspringen? Ist für solche Notfälle vorgesorgt? Auch Dinge, die beispielsweise nicht in einem Gesellschaftsvertrag festgehalten werden, sollten in einem geeigneten System schriftlich fixiert werden, um die Basis für eine gelingende Kommunikation und Zusammenarbeit zu schaffen.
  • Das gemeinsame Geschäft wird am Anfang sicherlich den Hauptteil der kommenden Gesprächsthemen untereinander ausmachen, auch wenn die Freundschaft vorher vielleicht auf ganz anderen Werten basierte und das Unternehmen noch nicht einmal im Kopf existierte. Diese Werte sollten nicht vergessen werden. Es ist daher wichtig, eine Work-Life-Balance beizubehalten und nach Feierabend auch gemeinsam abschalten und bei einem guten Wein oder Abendessen über die Dinge zu sprechen, über die früher gesprochen wurde.
  • Egal welche Probleme auftreten, es sollte immer und so schnell wie möglich darüber gesprochen werden. Zwar möchte niemand gerne als der dastehen, der sich beschwert, nörgelt oder andere kritisiert – diese Kritik allerdings ist enorm wichtig, selbst wenn sie die anfängliche Gründungseuphorie vielleicht etwas ausbremst. Denn die Arbeitsweise eines Freundes lässt sich vielleicht erst im Gründungsprozess kennenlernen und einschätzen. Und wenn diese einem nicht passt, führt ein Totschweigen häufig zu viel drastischeren Problemen, als möglicherweise etwas unangenehme ehrliche Worten.
  • Eine der wichtigsten Regeln lautet zuletzt: Ehrlich bleiben und keine Geheimnisse voreinander haben. Egal, ob es die Kreditwürdigkeit eines Mitgründers betrifft oder eine anstehende Schwangerschaft einer Freundin, die in der Verwaltung aushilft – nur, wenn wichtige Informationen sofort geteilt werden und im Sinne der Gemeinschaft gedacht wird, kann das gemeinsame Unternehmen erfolgreich werden.

Wer von Anfang an alles genau bespricht und schriftlich festhält, vermeidet eventuell spätere Unternehmenskrisen. (fotolia.de ©Daisy Daisy )

Mit Bekannten gründen – überhaupt eine gute Idee?

Warum das Gründen unter Freunden und Familie verlockend ist

Gründen ist eine Sache für Einzelkämpfer – jedenfalls vorwiegend. Laut KfW Gründungsmonitor gründen ganze 77% aller Gründer alleine. Und 64% starten das Unternehmen oder die Umsetzung ihrer Idee dann auch ganz ohne Mitarbeiter. Im Grunde ist das aber verwunderlich, liegen die Vorteile des gemeinsamen Gründens doch auf der Hand:

  • Wer gemeinsam gründet, hat ein breiteres Know-How, als einer alleine
  • Jeder Mitgründer und Mitarbeiter hat seine ganz eigenen Kontakte und Kompetenzen und bringt diese in das Unternehmen mit ein
  • Das finanzielle Risiko, der Kapitaleinsatz und die Verantwortung verteilen sich beim gemeinsamen Gründen auf mehrere Schultern, wodurch die Last für jeden Einzelnen sinkt
  • Je mehr Mitgründer im Boot sind, desto mehr unterschiedliche Potenziale und Perspektiven ergeben sich im besten Fall
  • Der Informations- und Wissensaustausch, der im Team stattfindet, fördert die Kreativität und führt meist zu mehr neuen Ideen und Verbesserungen, als bei einem Einzelkämpfer
  • Letztlich macht bereits die Aussicht auf ein gemeinsames Gründen mehr Spaß, als die auf das Gründen alleine

Wer sich all diese Argumente vor Augen führt, kommt nicht unbegründet schnell zu dem Schluss, dass das Gründen mit mehreren anderen Leuten eigentlich nur empfehlenswert ist. Wer vielleicht sogar Bekannte, Freunde oder Mitglieder aus der Familie im Sinn hat, denen die Idee genauso gefallen könnte oder die eventuell eine ähnliche Vision teilen, für den liegt es nahe, sich zunächst an diesen Kreis zu wenden. Denn die Vertrautheit untereinander scheint noch einmal vieles zu vereinfachen. Der Umgang ist von Anfang an viel lockererer, die Erfahrungen, die man macht, lassen sich viel hemmungsloser beurteilen, bewerten und besprechen und die ersten Erfolge viel ausgelassener und schöner miteinander feiern. Und das alles kann auch funktionieren – muss es aber eben nicht.

Wenn das Gründen mit Freunden oder der Familie schlecht läuft, stehen nicht nur der unternehmerische Erfolg, sondern eben auch ernsthafte tiefe Beziehungen und Freundschaften auf dem Spiel. Dann muss sich nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch privat mit Stress und Streitereien auseinandergesetzt werden.

Wie es laufen kann, wenn es schlecht läuft

Im März 2016 berichtete die FAZ von Björn Bergstein, einem ehemaligen Berufssoldaten, der beschloss Computerspiele zu entwerfen und sein Erspartes zunächst in eine Ausbildung an der Games Academy Berlin zu investieren und anschließend eine Firma zu gründen. Bergstein verfolgte diese Pläne und entschloss sich dazu, die Firma gemeinsam mit Freunden zu gründen. Denn bereits seit dem zweiten Semester verfolgte er mit einem Kommilitonen zusammen die Idee, eine bestimmte Spiele-App auf das Smartphone zu bringen. Gemeinsam begann die Entwicklung und 2012 gewannen die beiden für ihr Spiel den „Gameforge Newcomer Award“. Es lag nahe, eine Firma zu gründen und da eine Freundin Jura studiert hatte und ein anderer Freund sich mit Medien auskannte und alle die Leidenschaft für Videospiele teilten, nahm Bergstein sie mit ins Boot. Weitere Kommilitonen arbeiteten auf Minijobbasis mit in der Firma und zunächst lief alles, wie Bergstein es sich gewünscht hatte: alle verstanden sich gut miteinander, die Arbeit ging voller Freude voran und auch privat hing man gerne zusammen rum. Doch ab dem Punkt, an dem ein Publisher sich meldete und das Spiel herausbringen wollte, ging das Unternehmen langsam aber sicher den Bach hinunter.

Sobald es ums Finanzielle geht, gerät man sich selbst unter Freunden schnell mal in die Haare. (fotolia.de ©UBER IMAGES)

Streitgrund war die simple, aber entscheidende Frage, ob das Geld, das der Publisher bot, angemessen oder zu wenig sei. Die Freunde wurden sich nicht einig und der Publisher sprang ab. Die App wurde fertig entwickelt und Bergstein und seine Freunde versuchten, sie selbst herauszubringen. Der Erfolg blieb allerdings aus.
Im Nachhinein wurde Bergstein bewusst, dass das Gründen mit Freunden in vielen Fällen eben doch keine so gute Idee darstellt, obwohl die Vorstellung sich meist genial anhört. Denn gerade das freundschaftliche Verhältnis, bei dem selten eine klare Hierarchie herrscht und jeder etwas sagen und mitbestimmten möchte, kann zu echten Problemen führen. Denn selten sind die Vorstellungen aller Mitgründer gleich: die einen wollen zunächst einmal überhaupt etwas in der Hand haben, die anderen wollen vielleicht gleich das große Ding drehen und viel Geld verdienen. Wenn dann nicht etwa ein BWLer an Bord ist, der lediglich auf die Zahlen schaut und rational entscheidet und kein Chef da ist, der sagt, was genau und wann etwas gemacht wird, finden Pläne oft kein Ende und eine Idee scheitert an ihrer endgültigen Umsetzung.

Die Nachteile des Gründens mit Bekannten

Experten im Bereich der Unternehmensgründung und des Unternehmertums bestätigen, was Bergstein aus seinen Erfahrungen gelernt hat. Wer seine Geschäftspartner nach Sympathie aussucht und Freunde oder Familie mit einbindet, begeht meist schon vor der eigentlichen Umsetzung der Ideen einen großen Fehler. Dass dieser Fehler aber durchaus schnell passieren kann verwundert nicht, denn gute Ideen entstehen oftmals eben nicht am Schreibtisch, sondern bei einem Feierabendbier mit Freunden, Kommilitonen oder Bekannten. Und wer von Anfang an dabei war, wird dann eben auch schnell einmal mit ins Boot geholt – das Vertrauen ist ja schon da.

Die Nachteile, die sich aus solch einer Entscheidung allerdings ergeben können, kommen den meisten Gründern überhaupt nicht in den Sinn:

  • Ein Unternehmen, das zusammen mit Freunden betrieben wird, kennt meist keine Hierarchien oder unterschiedlich aufgeteilte Verantwortungsanteile. Allerdings scheitern viele Unternehmen, wenn versucht wird, sie basisdemokratisch zu führen. Denn wenn alle mitreden dürfen, gibt es keinen Leitwolf, der in wichtigen Momenten eine Entscheidung trifft.
  • Freunde kennen sich oftmals aus dem Studium oder aus dem Beruf und haben deshalb auch meistens ähnliche Stärken und Qualifikationen. In einem guten Gründerteam allerdings ist Homogenität eher hinderlich. Es braucht unterschiedliche Kompetenzen und Fähigkeiten, um alle wichtigen Bereiche abdecken zu können. Wichtig ist auch, dass einer im Team ist, der viel Stärke zeigen kann, der ein selbstbewusstes Auftreten hat; dann wiederum auch ein Detailverliebter, dem kaum Fehler unterlaufen, ein Technikorientierter, ein BWLer usw. Finden sich dagegen nur Leute aus dem gleichen Fachgebiet zusammen, kommt es schnell zum Stillstand.
  • Unter Freunden ist es viel schwieriger zu entscheiden, wer im Team der Firma oder dem Unternehmen schlichtweg nicht gut tut. Sofort ist die Angst da, es könne die Freundschaft belasten, wenn man in diesem Punkt ehrlich ist und denjenigen bittet, sich vom Team zu trennen. In einem professionellen und rationaleren Verhältnis dagegen besteht derlei starke Hemmung seltener.
  • Gerade wenn es ums Geld geht, zerbrechen viele Freundschaften, weil es den meisten Menschen auch hier schwer fällt professionell zu bleiben. Der eine tut für den anderen vielleicht mehrmals etwas aus gutem Willen, zahlt mehr, als eigentlich angebracht, der Bezahlte zeigt sich in den Augen des anderen zu wenig dankbar, liefert vielleicht auch noch schlechte Arbeit und schon entstehen mitunter brenzlige Krisenherde im Unternehmen.

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