Marketing   06.6.2019

Visitenkarte – unnötige Ausgabe oder ein Muss?

Es ist nur ein kleines Stück Karton, im digitalen Zeitalter scheinbar völlig unwichtig. Doch der Schein trügt. Eine gedruckte Visitenkarte zu haben, ist auch heute noch wichtig, und zwar in dem Moment, in dem du potentiellen Kunden persönlich gegenüber stehst. Und genau das tun Selbstständige weit häufiger als angenommen. Ob bei einer Messe oder einer Weihnachtsfeier – häufig spricht man über seine Arbeit. Doch wer merkt sich da nach all den Gesprächen eines solchen Tages oder Abends schon eine URL, die irgendwann mal genannt wurde? Das wäre der Moment gewesen, in dem du deine Visitenkarte hättest überreichen können … wenn du denn eine gehabt hättest.

Doch das Aushändigen der Karte allein generiert natürlich noch kein Geschäft. Wichtig ist, wie die Visitenkarte ankommt und ob sie bleibt (oder weggeworfen wird) – und dazu gehören einige Punkte, die du vor dem Druck beachten solltest.

visitenkarte

Bei jeder persönlichen Begegnung kann es hilfreich sein, deine Visitenkarte zu übergeben. (Bild © unsplash.com)

Was solltest Du beim Erstellen Deiner Visitenkarte beachten?

1. Das Design Deiner Visitenkarte

Der größte Fehler bei Visitenkarten ist, am Design zu sparen. Dennoch tun das die meisten Selbstständigen. Sie lassen sich von einem Online-Generator eine x-beliebige Karte zusammenschustern und billig drucken. Solche Karten werden ganz sicher keinen (guten) Eindruck hinterlassen. Mach dir also Gedanken über dieses kleine Stück Pappe: Was möchtest du mit der Karte aussagen? Was sollen Menschen denken, wenn sie die Karte sehen? Wie kannst du dich und deine Dienstleistung darstellen? Und nicht zuletzt: welche Details sollten draufstehen?

Aus diesem Grund solltest du dir mit deinen Vorstellungen und Wünschen einen Grafik-Designer suchen, deren bisherige Arbeiten dir gefallen (Beispiele für ihre Arbeiten findest du meistens auf den Websites der Designer). Natürlich: du wirst sie bezahlen müssen, und manch ein Designer bekommt wahrscheinlich höhere Honorare als du. Doch du erhältst am Ende ein professionelles Design, eine druckfähige Datei und eine Visitenkarte, die nicht nur anders aussieht als alle anderen, sondern die auch noch Eindruck macht. Und frage dich in Anbetracht der Kosten, ob du in der Zeit, die du für das Design bräuchtest, bis es halbwegs gut aussieht, nicht besser neue Kunden akquirieren könntest.

Beispiele für Visitenkarten

Schau dich dennoch ruhig zur Inspiration im Internet um. Auf diesen internationalen Websites findest du ein paar ausgefallene Beispiele von Visitenkarten, die garantiert keiner so schnell vergisst: Smashing Magazine, Webdesigner Depot oder Noupe.

So ausgefallen wie manche der Beispiele auf diesen Websites muss deine Karte gar nicht unbedingt sein. Doch wirst du die Visitenkarte der Fahrradwerkstatt vergessen, mit der du deine Schrauben selbst anziehen kannst? Oder die Lego-Männchen, die Wäscheklammer? Wahrscheinlich nicht. Ideal wäre es, wenn deine Karte deinem Gegenüber so gut gefällt, dass sie oder er die Karte auf jeden Fall aufheben möchte.

Was du nicht tun solltest, ist, ein Design aus dem Internet oder die Visitenkarte einer anderen Firma einfach zu kopieren, denn die Designer stellen Karten meistens ganz exklusiv für ihre Kunden her und haben natürlich das Urheberrecht an ihren Arbeiten (ein Verstoß dagegen kann für dich teuer werden).

2. Der Text auf der Visitenkarte

Weniger ist in diesem Falle mehr. Wenn du deine Visitenkarte mit Text überfrachtest, wird sie unübersichtlich und das Wichtigste wird leicht übersehen. Was auf der Karte auf jeden Fall stehen muss, sind dein Name oder dein Firmenname und eine Möglichkeit, dich zu kontaktieren: das kann die URL deiner Website sein, eine E-Mail-Adresse oder eine Telefonnummer. Das ist das Minimum.

Wenn du noch nicht stadtbekannt bist, ist es ratsam, hinzuzufügen, welche Dienstleistung du anbietest. Möglicherweise ist deine Visitenkarte so einzigartig gestaltet, dass du glaubst, das erkennt man von selbst. Vielleicht ist das so – aber es wird immer Menschen geben, die sich die Karte Monate später anschauen, sich nicht mehr daran erinnern, wer oder was dahinter steckt und sie einfach wegwerfen. Mach es deinen (zukünftigen) Kunden möglichst leicht: deine Adresse ist kein Muss, doch ist es für andere, die nicht zuerst auf deiner Website nachschauen, damit einfacher, dich zu finden oder dir zu schreiben.

3. Das Material Deiner Visitenkarte

Früher wurden Visitenkarten auf feinem Büttenkarton gedruckt. Heute sind manche Karten so schräg und bunt, dass eine ganz schlichte weiße Karte mit wenig Text fast schon wieder auffällt. Suche dir zusammen mit deiner Designerin das zu dir und deiner Dienstleistung passende Material aus. Es müssen keine Wäscheklammern und Lego-Männchen sein – zumal so etwas immer auch eine Geldfrage ist. Auch Plastikbeschichtung, doppelseitiger Druck, Falz und Ähnliches ist nicht unbedingt notwendig. Eine Karte, die allein durch ihr gelungenes Design auffällt, tut es meistens auch.

4. Den richtigen Druck für Deine Visitenkarte wählen

Karten selbst auszudrucken erscheint im ersten Moment vielleicht am günstigsten, doch bedenke, welchen Drucker du zur Verfügung hast. Die meisten Bürodrucker sind gar nicht in der Lage, dickeren Karton zu bedrucken, geschweige denn in professioneller Qualität. Eine Möglichkeit wäre es, die Karte über eine auf Visitenkarten spezialisierte Firma wie Moo drucken zu lassen. Dort kannst du ein vorgegebenes Design wählen oder ein eigenes Design hochladen und zwischen unterschiedlichen Kartengrößen und Papierstärken wählen. Du kannst aber auch eine normale Druckerei im Internet oder in deiner Nähe aussuchen – die Preise sind sehr unterschiedlich, die Qualität aber auch. Lass dir in jedem Fall vorher Papiermuster zuschicken. Möchtest du Öko-Papier und Öko-Farben, wirst du am ehesten im Internet fündig, zum Beispiel bei Printzipia.

5. Mehr Schein als Sein

Der Eindruck, den deine Visitenkarte hinterlässt, sollte dir und deiner Dienstleistung entsprechen – anders gesagt: versprich mit deiner Visitenkarte nichts, was du nicht halten kannst oder möchtest. Wenn sie schrill und bunt ist, wird sie vielleicht auffallen. Wenn deine Dienstleistung oder dein Produkt jedoch nicht schrill und bunt ist, dann könnte das eher einen schalen Eindruck hinterlassen. Wenn du dir eine edle, teure Visitenkarte leistest, deine Dienstleistung oder dein Produkt  aber alles andere als edel ist, dann kannst du dir die Karte auch sparen.

6. Und zuletzt: Verteilen, verteilen, verteilen

Wenn du die Visitenkarten schließlich hast, nimm immer welche mit – egal, wohin du gehst. Auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt, im Freibad, im Theater oder beim Geburtstag eines alten Kollegen: überall kann sich die Gelegenheit ergeben, die Visitenkarte überreichen zu können, denn überall kommt man mit anderen Menschen ins Gespräch. Geh niemandem mit der Verteilerei auf die Nerven, aber wenn du in einem Gespräch das Gefühl hast, dass jemand Interesse an deinem Beruf und deiner Dienstleistung hat, dann solltest du tunlichst sofort deine Visitenkarte zücken können. Leg dir deshalb auch ein vernünftiges Etui für die Karten zu, denn nichts erscheint unprofessioneller als eine schmuddelige, zerknickte Visitenkarte aus einer Hosentasche voller Krümel. Egal wie teuer sie in der Herstellung war.

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