Gründung   08.5.2013

„Was man in die Welt hinausgibt, kriegt man auch zurück“: Interview mit Susanne Ackstaller

Susanne Ackstaller hat täglich mit Lageberichten, Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen zu tun. Aber daneben ebenso mit Mode, Glamour und Lifestyle. Einerseits ist sie Texterin für Unternehmens- und Finanzkommunikation, andererseits Modekolumnistin, die auch unter ihrem Alter Ego Texterella zum Thema Mode bloggt: Susanne bewerkstelligt es, sich in zwei völlig unterschiedlichen Bereichen zu positionieren. Im Interview erzählt sie uns vom Beginn ihrer Selbstständigkeit im Jahr 2000, von der Kunst, mit zwei Alleinstellungsmerkmalen umzugehen, und sie verrät, welche Fehler sie als langjährige Netzwerkerin bei vielen Gründerinnen und Gründern beobachtet. 

  • Susanne, du hattest mal eine Art Traumjob mit festem Gehalt bei einem großen, renommierten Automobilkonzern – und hast dich trotzdem für die Selbstständigkeit entschieden. Warum tut man so was?

Susanne Ackstaller: Ich muss ein wenig ausholen: Selbstständig gemacht habe ich mich, weil ich mit Anfang 30 zwei Kinder bekam (später gesellte sich noch ein drittes hinzu) und keine Lust auf Teilzeitarbeit ohne Karrierechancen hatte. Heute mag es vielleicht ein bisschen anders sein, aber damals war die Automobilbranche noch sehr männerlastig. Für weibliche Teilzeitkräfte gingen die Aufstiegschancen gegen null. Vollzeit wiederum scheiterte an den fehlenden Betreuungsmöglichkeiten – auf dem Lande in Oberbayern sowieso.

Susanne ist einerseits Diplom-Kauffrau mit Zusatzausbildung zum Certified Investor Relations Manager - und gleichzeitig Modekolumnistin mit Leidenschaft für "Lipgloss & Champagner".

Susanne ist einerseits Diplom-Kauffrau mit Zusatzausbildung zum Certified Investor Relations Manager – und gleichzeitig Modekolumnistin mit Leidenschaft für „Lipgloss & Champagner“.

Haushalt und Kinder waren aber wahrlich auch keine alleinige Lebensaufgabe für mich – so habe ich einfach Ausschau nach kleineren Aufträgen gehalten, die ich mit zwei kleinen Kindern bewältigen konnte. Schon damals war ein Frauen-Netzwerk dabei hilfreich. Schnell ist aus wenigen kleinen Aufträgen mehr geworden. Dann habe ich auch angefangen, gezielt an meiner Selbstständigkeit zu arbeiten und mich zu positionieren. Als ich nach ein paar Jahren die Chance hatte, wieder in mein Unternehmen zurückzukehren, habe ich darauf verzichtet. Auf Angestelltendasein hatte ich überhaupt keine Lust mehr. Ich wollte lieber mein eigener Chef bleiben. Das ist mittlerweile sieben Jahre her – ich habe es nicht bereut.

  • Hattest du anfangs Zweifel an der Selbstständigkeit, so aus der sicheren Position heraus? Wenn ja – wie hast du sie überwunden?

SA: Ich bin ja mehr „nebenher“ und ohne wirkliche Strategie in die Selbstständigkeit gerutscht. Auch das Risiko war sehr überschaubar, hatte ich doch – das will ich gar nicht verhehlen – einen guten Verdiener an meiner Seite. Zweifel hatte ich an der Selbstständigkeit nie. Als ich einmal diesen Weg eingeschlagen hatte, wusste ich, dass das der richtige für mich ist, und ich bin dankbar, dass mich die Familienphase quasi hineingeschubst hat.

Ich arbeite gerne leistungsorientiert, aber ich will die Früchte meiner Leistung dann auch gerne selber ernten. Zudem hasse ich Hierarchien und lange Abstimmungsprozesse. Und ich will gerne selber entscheiden, auch für wen und was ich arbeite. Dafür ist die Selbstständigkeit perfekt.

Von Anfang an hilfreich war es übrigens, dass ich in Netzwerken engagiert war und immer noch bin. Dort habe ich meine ersten Aufträge gekriegt, dort gebe ich heute selber Aufträge weiter.

  •  Wir haben uns im Magazin schon damit auseinandergesetzt, dass es schwierig für Selbstständige sein kann, einen USP herauszuarbeiten – du hast sogar zwei: Geschäftsberichts-Texterin und Modekolumnistin, knallharte Wirtschaftsfakten und leichtfüßiger Lifestyle. Wie stellst du sicher, dass dein Profil in der Außendarstellung trotzdem klar bleibt?

SA: Das ist tatsächlich nicht so einfach. Das habe ich erst vor ein paar Tagen gemerkt, als ich auf einem Finanzworkshop meinen Modeunternehmensnamen Texterella auf dem Namensschild wiederfand. Da hatten die Veranstalter im Internet selbst recherchiert und meine zwei Leistungsangebote durcheinandergebracht.

Ganz pragmatisch habe ich zwei Webseiten mit einer komplett unterschiedlichen Gestaltung: eine für Finanzkommunikation, eine für Mode- und Lifestyle-Themen. Der jeweiligen CI folgen auch Briefpapier, Visitenkarten etc, und natürlich habe ich auch zwei unterschiedliche E-Mail-Konten. Aber wie man oben sieht, kommen andere trotzdem manchmal durcheinander. Geschadet hat mir das allerdings noch nicht. Glaube ich.

Letztlich ist ja aber das Schreiben der gemeinsame Faktor! Das verbindet Modekolumnen mit Geschäftsberichten. Überall sind gute Texte gefragt. Von daher sind meine Kernkompetenzen nur scheinbar unterschiedlich.

  • Als sehr aktive Netzwerkerin hast du im Lauf deiner Selbstständigkeit viele Gründerinnen und Gründer kennengelernt. Was, würdest du sagen, ist der häufigste Anfängerfehler, den du bei beginnenden Selbstständigkeiten beobachtest?

SA: Viele bieten einen „Bauchladen“ an – ohne wirklichen USP. Dabei ist ein klares Alleinstellungsmerkmal oder auch eine Nische, in der man sich als Experte positioniert, der Schlüssel zum Erfolg. Ich kenne zwar auch einige (wenige) erfolgreiche Bauchladen-InhaberInnen, bin aber nach wie vor der Meinung, eine Nische macht es einfacher, erfolgreich zu sein. Weil die Konkurrenz kleiner ist.

Dann sollte man sich natürlich nicht zu billig verkaufen. Klar, wer am Anfang steht und weniger Erfahrung hat, darf auch günstiger sein. Aber bitte die eigene Leistung nicht verramschen! Sonst arbeitet man zwar viel, aber für wenig Geld. Und man kommt schwer von niedrigen Honoraren weg.

  • Was bedeutet „Netzwerken“ für dich?

SA: First give, then take. Erst geben, dann nehmen. Und nicht immer nur auf den eigenen Vorteil schauen. Was man in die Welt hinausgibt, kriegt man auch zurück.

  •  Gibt es einen universellen Rat, den du Gründerinnen und Gründern ans Herz legen würdest? Eine Weisheit, die sich aus deiner bisherigen Selbstständigkeit ergeben hat?

Vergiss den Spaß an der Arbeit nicht! Denn genau diese Freiheit haben wir ja gerade als Selbstständige.

Danke schön fürs Interview, Susanne!

Verwandte Artikel

Das könnte dich auch interessieren

Gründung

Teilnahme an einem Gründerwettbewerb: Pro und Contra

Ein Gründerwettbewerb steht an? Das ist doch toll! Gründerwettbewerbe sind eine gute Möglichkeit für dein Startup, bekannter zu werden, Gelder …
Finanzen

Geld verdienen: 5 clevere Einnahmequellen für Blogger

In Blogs steckt Herzblut, Zeit, Liebe, Geld, Talent, Fleiß und vor allem eine ganze Menge Knowhow. Bloggen ist Arbeit. Und …
Anfängerfehler beim Rechnungen schreiben – die 10 häufigsten Fragen
Finanzen

Anfängerfehler beim Rechnungen schreiben – die 14 häufigsten …

Das Unternehmen ist frisch gegründet, der erste Geldregen steht an – wenn denn die Rechnung erfolgreich geschrieben wurde. Rechnungen schreiben …

Privat: Billomat 60 Tage kostenlos testen

Mit der Anmeldung akzeptierst du die AGB.

Newsletter
Newsletter
Kontakt
Folge uns
Deine Einstellungen zu Cookies für diese Website:

Wähle selbst aus, welcher der nachfolgenden Cookies die Website verwenden darf. Du kannst diese Einstellungen jederzeit wieder über unsere Datenschutzbestimmungen ändern.

Ändere deine Cookie-Einstellungen mit dem Schieberegler:
Notwendig
Notwendig
Statistik
Statistik
Komfort
Komfort
Targeting
Targeting