23. Nov 2021 | Allgemein

Was Powerseller und ähnliche kleine Onlinehändler häufig falsch machen – und wie es richtig geht

Vielleicht hast Du schon einmal den Begriff Powerseller gehört. Dahinter verbergen sich Händler auf eBay, die mehr als der übliche Nutzer verkaufen und sich in diesem Rahmen kommerzialisieren. Falls Du darüber nachgedacht hast, in diesem oder einem ähnlichen Bereich einzusteigen, solltest Du von Beginn an einige Fehler vermeiden und versuchen, auf alle nötigen Details zu achten. Wir erklären Dir, was wichtig ist. 

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Was genau ist ein Powerseller?

Um zu verstehen, wo die potenziellen Fehler liegen können, ist es sinnvoll, zunächst einmal zu definieren, was genau ein Powerseller ist. Der Begriff stammt von der Auktionsplattform eBay, die seit über zwei Jahrzehnten besteht und den meisten Menschen sicherlich bekannt ist. 

Ein Powerseller verkauft nicht wie viele andere Nutzer der Plattform immer mal wieder einzelne eigene Artikel, die er nicht mehr benötigt. Vielmehr ist er ein gewerblicher Händler, der aus seinen Verkäufen dauerhafte Profite und Gewinne ziehen möchte. Er ist also von der Privatperson zu einem Unternehmer nach der Definition des § 14 des BGB geworden

Um den Status eines Powersellers zu erhalten, müssen gewisse Grundvoraussetzungen erfüllt sein. Dazu gehört eine Mindestdauer der Mitgliedschaft bei eBay von ungefähr drei Monaten. 

Darüber hinaus muss im Zeitraum von einem Jahr eine bestimmte Zahl von Transaktionen abgewickelt werden. Des Weiteren sind ein bestimmter Mindestumsatz sowie eine gewisse Zahl verkaufter Artikel notwendig. Zudem müssen 98 Prozent der Bewertungen positiv sein – damit versucht die Plattform, den Kreis der Powerseller auf möglichst vertrauenswürdige Personen zu begrenzen. 

Ähnliche Modelle

Nicht nur bei eBay, sondern auch auf anderen Plattformen können kleine Händler eigene Shops einrichten. Dazu zählt unter anderem Amazon. Hier gibt es die Möglichkeit, ein Verkäuferkonto zu erstellen. 

Verkäufer können auf dieser Plattform zwischen mehreren Optionen wählen. Dazu zählt unter anderem das Basiskonto, bei welchem für jeden verkauften Artikel 99 Cent plus die prozentuale Beteiligung für Amazon anfallen. 

Ein professionelles Verkäuferkonto kostet monatlich 39 Euro, dafür entfallen die Gebühren von 99 Cent pro Artikel. Die dritte Option „Fullfillment by Amazon“ verursacht Ausgaben für die Lagerung der Produkte und den Versand durch Amazon. 

Darüber hinaus gibt es für Händler potenziell interessante Plattformen, die sich auf einzelne Sparten bzw. Produkttypen spezialisieren. Dazu gehört unter anderem Etsy. Hier gibt es Vintage-Produkte, handgemachte Produkte sowie Bedarf für Kreative. 

Die typischen Fehler

Um auf einer dieser Plattformen Erfolge zu haben, solltest Du von Beginn an wissen, welche typischen Fehler gemacht werden, um diese in einem nächsten Schritt vermeiden bzw. umgehen zu können. Zu den Fehlern können unter anderem gehören: 

  • Übersehen bürokratischer Notwendigkeiten
  • unzureichende Außendarstellung
  • Unterschätzen des Aufwands 

Übersehen bürokratischer Notwendigkeiten

Wie bereits angeklungen, sind Powerseller Unternehmer, also Händler. Dementsprechend müssen bestimmte bürokratische Schritte gegangen werden. Dazu gehört unter anderem, dem Finanz- und Gewerbeamt eine Mitteilung über die Tätigkeit zu machen. 

Denn: Selbstverständlich sind Powerseller wie alle anderen Unternehmer steuerpflichtig. Wird dies übersehen, kann es schnell zu Problemen kommen. Zum einen besteht die Gefahr, dass Zahlungen fällig werden, die der Powerseller nicht leisten kann, da er im Rahmen seiner Verkäufe hierfür keine Rücklagen geschaffen hat. 

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Des Weiteren kommen ja nach individuellem Fall strafrechtliche Konsequenzen auf den Seller zu. Im schlimmsten Fall droht sogar eine Gefängnisstrafe. Bereits seit Mitte der 2000er-Jahre haben die Steuerfahnder Personen, die in großem Stil einen Online-Handel auf bestimmten Plattformen betreiben und keine Steuern zahlen, im Blick. Zur Aufklärung nutzen sie eine spezielle Suchmaschine mit dem Namen Xpider. 

Unzureichende Außendarstellung und Präsentation

Ein weiterer Fehler, der häufig gemacht wird, besteht in einer schlechten Außendarstellung. Um auf einer großen Plattform Erfolg zu haben, reicht es nicht, einfach nur Produkte einzustellen und darauf zu hoffen, dass diese gekauft werden. Dies gilt in besonderem Maße, da viel Konkurrenz durch andere Verkäufer besteht. Fehler können unter anderem gemacht werden bei: 

  • den Produktfotos
  • der Produktbeschreibung

Durch die Produktfotos bekommt ein Kunde einen ersten Eindruck von dem Artikel, für den er sich interessiert. Wenn diese nicht ansprechend gestaltet sind, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass er den Post anklickt. 

Zu den typischen Fehlern können unscharfe Fotos oder eine schlechte Belichtung zählen. Dazu haben farbliche Aspekte eine Bedeutung, fehlende Detailfotos können gleichermaßen einen Unterschied ausmachen. 

Ebenfalls unvorteilhaft ist eine wenig professionelle und äußerst amateurhaft wirkende Fotografie des Artikels. Neben der fehlenden optischen Attraktivität des Produktes kann eine solche Präsentation zusätzlich wenig vertrauensvoll wirken und daher zusätzlich vor einem Kauf abschrecken. 

Gleiches gilt für die Produktbeschreibung. Wenn hier wichtige Angaben fehlen, wird ein Kauf ebenfalls unwahrscheinlicher. Fehler bei der Rechtschreibung oder Grammatik wirken für potenzielle Interessenten nicht weniger abschreckend. 

Unterschätzen des Aufwands

Des Weiteren besteht die Gefahr, dass Powerseller den Aufwand unterschätzen, der für den Aufbau eines erfolgreichen Geschäftes im Online-Handel notwendig ist. In einigen Fällen nimmt das Business sicherlich mehr Zeit in Anspruch als erwartet. 

Wer denkt, dass das „große Geld“ ohne viel Einsatz nebenbei verdient werden kann, liegt sicherlich oftmals falsch. Dies gilt besonders zu Beginn der Tätigkeit. In dieser Phase ist besonders viel Aufwand notwendig, um einen gewissen Bekanntheitsgrad zu erlangen bzw. erste treue und wiederkehrende Kunden zu akquirieren. Aus dieser Fehleinschätzung kann Frust entstehen, der dazu führt, dass der Handel frühzeitig aufgegeben wird. 

Worauf solltest Du achten? 

Um diese Fehler zu vermeiden, solltest Du von Beginn an darauf achten, Dich über einige Notwendigkeiten zu informieren und entsprechende Schritte einzuleiten. 

Bürokratie von Beginn an regeln

Dazu gehört unter anderem das Umsetzen des bürokratischen Teils. Hierfür solltest Du das Gewerbe- und Finanzamt kontaktieren und Dein Business anmelden. Wichtig ist, diesen Schritt zu gehen, bevor Du Deine unternehmerischen Aktivitäten aufnimmst. 

So können Probleme und Missverständnisse vermieden werden. Wenn Du Dir relativ sicher bist, nur geringe Umsätze zu erzielen, kann es sinnvoll sein, über die Anmeldung eines Kleingewerbes nachzudenken. 

Dies hat den Vorteil, dass Du ein wenig entlastet wirst. So bist Du zum Beispiel in diesem Fall nicht verpflichtet, eine doppelte Buchführung anzulegen und zu pflegen. Falls Du Dich mit dem Thema Steuern nicht auskennst, solltest Du Dich von einem Steuerberater unterstützen lassen. 

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Blick auf Details

Zudem ist es sinnvoll, von Anfang an einen Blick auf kleine Details zu legen. Diese können Dir dabei helfen, positive Bewertungen zu bekommen und eine gewisse Kundenbindung zu erreichen. 

Unter anderem hat dabei die Kommunikation mit Deinen Kunden eine wichtige Bedeutung. Achte darauf, stets kompetent und freundlich zu wirken sowie Deinen potenziellen Abnehmern Fragen so detailgenau wie möglich zu beantworten. 

Darüber hinaus können Details wie die Verpackung Deiner Produkte einen entscheidenden Unterschied ausmachen. Je nach Produkt solltest Du hierfür passende Kartons organisieren. Dabei sind mehrere Kriterien von Bedeutung

Zum einen sollten die Kartons stabil und handlich sein. Darüber hinaus ermöglichen Dir einige Anbieter das individuelle Bedrucken der Verpackungen. Solche Kleinigkeiten können Dir dabei helfen, eine hohe Kundenzufriedenheit zu erzielen und zugleich, sofern Du weitere Bereiche berücksichtigst, bis zu einem gewissen Grad ein Corporate Design zu kreieren. 

Präsentation Deiner Produkte 

Des Weiteren solltest Du Dich von Beginn an mit der Präsentation Deiner Produkte beschäftigen. So kannst Du verhindern, dass mögliche Käufer, die in Deinem Shop bereits wenig attraktive Präsentationen entdeckt haben, Deine Präsenz zukünftig meiden. Bezüglich der Produktfotos hast Du, um dies zu erreichen, mehrere Möglichkeiten: 

  • Informieren mithilfe von Ratgebern im Netz und Learning by doing
  • Besuchen eines Kurses
  • Ablichtung durch einen professionellen Fotografen 

Mithilfe der ersten beiden Optionen kannst Du die Produkte selbst fotografieren. Hierfür benötigst Du womöglich eine Kamera, allerdings können mittlerweile viele Smartphones ebenfalls hochqualitative Fotos schießen. 

Das Engagieren eines professionellen Fotografen lohnt sich sicherlich vor allem dann, wenn Du planst, eine größere Menge von den gleichen Artikeln zu verkaufen. In diesem Fall solltest Du die Kosten gegenüber dem potenziellen Nutzen abwägen. 

Darüber hinaus solltest Du Dich mit den Produktbeschreibungen befassen. Eine erste Orientierung sowie ein wenig Inspiration kannst Du auf Seiten von anderen erfolgreichen Onlineshops finden. Lass Dir für die Formulierungen ein wenig Zeit – so wird sicherlich ein besseres Ergebnis zustande kommen, als wenn Du diesen Schritt überhastet angehst. 

Fazit

Um als Powerseller Erfolg zu haben und Probleme zu vermeiden, solltest Du Dein Business rechtzeitig beim Gewerbeamt und Finanzamt anmelden. Zudem musst Du darauf achten, eine möglichst attraktive Produktpräsentation zu gestalten. Schlussendlich benötigst Du, wie bei jedem anderen Geschäft auch, Geduld und Durchhaltevermögen.