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We care about you – Interview mit Janine Burrichter und Marilyn Seitz von Alohomora

Gerade der Beruf des Altenpflegers ist in Deutschland verrufen – in Arztpraxen, Pflegeeinrichtungen oder in Krankenhäusern kommt es ständig zu Personalengpässen. Deshalb haben Janine Burrichter und Marilyn Seitz von Alohomora eine Medizinische Zeitarbeitsfirma gegründet. Im Billomat Magazin erklären sie uns ihre Beweggründe.

Interview mit Janine Burrichter und Marilyn Seitz von Alohomora

Hallo ihr Beiden! Stellt euch und Euer Unternehmen bitte kurz vor.

Wir sind beide Ende 20 und leben seit einem guten Jahr wieder in unserer Heimat Spremberg. Wir sind beide examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen bzw. Gesundheits- und Kinderpflegerinnen, haben in Berlin gelernt und gearbeitet. Wir sind sehr glücklich darüber diesen Beruf gewählt zu haben und die Chance nutzen zu können, uns in unserer Heimat zu verwirklichen. Seit dem 01.November 2016 sind wir offizielle Geschäftsführerinnen der ALOHOMORA UG (haftungsbeschränkt).
Unser Fokus liegt auf der medizinischen Zeitarbeit. Wir bieten qualifiziertes Fachpersonal mit Berufserfahrung in der Lausitz zwischen Berlin und Dresden – wann immer es gebraucht wird. Wir garantieren unbürokratische und kurzfristige Einsatzmöglichkeiten. In Phasen, in denen durch Krankheit, Urlaub, natürliche Fluktuationen oder Arbeitsspitzen der Personalbedarf temporär ansteigt, stellt die Inanspruchnahme von externem medizinischem Personal eine flexible und kostengünstige Lösung dar. Deshalb ist dieser Service zu einem unverzichtbaren Baustein in der modernen Personalplanung geworden. Mit Personalleasing bewältigt das Unternehmen jede personelle Herausforderung, die zur effektiven gesundheitlichen Betreuung aller Patienten notwendig ist.

Janine Burrichter und Marilyn Seitz
Janine Burrichter und Marilyn Seitz von Alohomora

Eine Zeitarbeitsfirma allein für medizinische Fachangestellte- war diese Spezialisierung und somit die Trennung von gewöhnlichen Zeitarbeitsfirmen schon lange überfällig?

Ehrlich gesagt können wir nicht darüber entscheiden was überfällig ist und was nicht, aber wir wissen, dass wir etwas verändern möchten. Wir kennen uns sehr gut im medizinischen Bereich aus und sind grundsätzlich der Meinung, dass man nur etwas verändern kann wenn man weiß worum es geht. Einiges läuft schon seit einer ganzen Weile im deutschen Gesundheitssystem falsch und wir sehen die Zeitarbeit als ein modernes Arbeitssystem um qualifizierten Gesundheits- und Krankenpflegern(innen) bzw. Altenpflegern(innen) wieder ein Stückweit Arbeitsqualität zurück geben zu können, indem wir Freude an ihrer verantwortungsvollen Arbeit durch Anerkennung und Vergütung gewährleisten, sodass Krankenhäuser und andere medizinische Einrichtungen ebenso davon profitieren.
Weiterhin ist auch zu erwähnen, dass viele Krankenhäuser in Berlin ohne Zeitarbeit schon längst verloren wären. Wir sind also längst nicht die ersten, die bemerkt haben, dass sich etwas ändern sollte.

Ihr habt selbst langjährige Berufserfahrungen im Pflegedienst. Wann habt ihr die Entscheidung getroffen euch mit ALOHOMORA selbstständig zu machen?

Berufserfahrung im Pflegedienst würden wir jetzt nicht sagen. Man unterscheidet zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Pflegedienst ist eher bei den ambulanten Bereichen ein zu ordnen, langjährige Berufserfahrung haben wir allerdings im stationären Bereich.

Marilyn: „Ich persönlich habe während meiner Ausbildung als Gesundheits- und Krankenpflegerin in Berlin schon bemerkt, dass ich das System und die Art und Weise wie Personal eingesetzt wird, nicht ganz vertreten kann. Daher habe ich mich gleich dazu entschieden in einer Zeitarbeitsfirma in Berlin zu arbeiten und habe dadurch sehr viele Abläufe und Strukturen in verschiedenen Krankenhäusern kennen gelernt. Durch eine aneinander Reihung verschiedener Ereignisse habe ich mich kurzer Hand dazu entschieden im Januar 2016 als selbstständige Gesundheits- und Krankenpflegerin bzw. als Freiberuflerin zu arbeiten. Mit Hilfe einer Vermittlungsfirma, die Neueinsteiger unterstützt, hatte ich von Anfang an keine Probleme Aufträge zu erhalten und konnte meine Arbeitszeit flexibel gut honoriert gestalten. Umso mehr man arbeitet umso mehr tritt man in Kontakt mit anderen Freiberuflern und Leasingkräften. Wir haben uns über Situationen unterhalten, die uns schon passiert sind. Ich wurde zudem dafür sensibilisiert, worauf ich alles zu achten habe. Immer wieder machte sich ein leichtes Gefühl der Panik in mir breit, weil Deutschland es Freiberuflern nicht unbedingt leicht macht. Allgemein steht Zeitarbeit in Deutschland eher auf der dunklen anstatt der schönen lichtdurchfluteten Seite.
Meinen Freundinnen, die ebenfalls als Krankenschwestern arbeiten, habe ich natürlich davon erzählt, wie gut es mir als selbstständige Krankenpflegerin geht – aber viele haben Angst. Meine Geschäftspartnerin zum Glück nicht. Auch sie hat nach einiger Bedenkzeit den Entschluss gefasst, den gleichen Schritt zu gehen wie ich.“

Janine: „Bei mir gestaltete sich der Weg zur Selbständigkeit etwas anders. Nach meiner Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin in Berlin begann ich meinen Weg mit einer unbefristeten Festanstellung. Ich habe in einem Krankenhaus, in dem Hochleistungsmedizin betrieben wurde, gearbeitet und erlernte sehr viel Neues und das nicht nur in medizinischer und pflegerischer Hinsicht. Es gab Tage an denen ich an meine persönliche Grenze gestoßen bin.
Allerdings möchte ich keine einzige Erfahrung, die ich in diesem Arbeitsverhältnis und mit meinem Team erlebt habe, missen, denn nur so wurde ich zu der Schwester, die ich heute bin. Ich kann ohne Probleme Entscheidungen treffen, bleibe in kritischen Situationen ruhig und kann mit meinem ausgeprägten Fachwissen auch anderen helfen. Mir ging es gut, abgesehen von den 8-Stunden-Diensten, teilweise ohne Pause, aber dafür mit Überstunden. Die vielen Wochenenden, zusätzliche Tage, die ich eingesprungen bin, weil ich mein Team nicht im Stich lassen wollte; Ärzte, mit immer weniger Zeit, die sich zu 100 % auf uns Krankenschwestern in Notfallsituationen verlassen müssen – das ist, was am Ende zählt! Verlass auf den Anderen, denn sonst fällt das Kartenhaus zusammen. So kennt man es im Arbeitsalltag – „Es ist doch normal! Was soll man daran auch schon ändern?“ Dachte ich immer. Bis ich aus persönlichen Gründen zu der Entscheidung kam Berlin zu verlassen, um in meine Heimat zurück zu kehren. Die große Frage dabei war: Laufe ich in diesem Hamsterrad weiter oder gibt es doch eine Möglichkeit meine Liebe zum Beruf neu aufleben zu lassen? Und ja, die gab es. Somit gelang ich zur Selbständigkeit und dem großartigen Projekt ALOHOMORA UG zusammen mit meiner Geschäftspartnerin.“

Da sich die Freiberuflichkeit in einer Grauzone befindet, wussten wir, dass wir einen Schritt weiter gehen müssen und haben uns entschieden eine Personalleasing Firma zu gründen, um auch regional Fuß fassen zu können. Unsere Intension dahinter ist es, in einem kleineren Rahmen Krankenhäuser, Altenheime, Pflegedienste u.ä. in unserer Region unterstützen zu können.
Aber auch Gesundheit- und Krankenpfleger(innen) eine gut bezahlte, flexible und unbefristete Möglichkeit bieten zu können, das Hamsterrad zu verlassen.

Die Muggel unter unseren Lesern, können wahrscheinlich weniger etwas mit eurem Unternehmensnamen anfangen. Was bedeutet ALOHOMORA?

Ja, diese Frage hören wir sehr oft!

Genau die Muggel, denen dieser Name vermutlich etwas sagt, wollen wir auf der einen Seite ansprechen und auf uns aufmerksam machen, denn das ist unsere Generation. Eine Generation, die anfangen könnte, etwas am System zu verändern. Wir sagen immer gerne „über den Tellerrand hinaus schauen“. Auf der anderen Seite möchten wir nicht unbedingt mit Harry Potter in Verbindung gebracht werden. Grundsätzlich können wir sagen, dass uns dieser Name verbindet und auf eine bestimmte Art und Weise auch an unsere Heimat erinnert. ALOHOMORA bedeutet „eine Tür /ein Hindernis öffnen bzw. zu überwinden.“ Denn wenn ein Unternehmen aus personellen Engpässen nicht mehr weiter weiß, dann sind immer noch wir da.

Unseren Namen haben wir bewusst gewählt. Er ist Teil unserer Philosophie und bedeutet:
Wenn sich die eine Tür verschließt, öffnet sich eine Neue.

An wen richtet sich eure Personalvermittlung? Können auch Privatpersonen eine Pflegefachkraft bei euch buchen?

Nein. Das muss man ganz klar trennen. Privatpersonen können keine Pflegefachkraft von uns erhalten, denn das sind komplett andere Abrechnungs- und Buchungsvorgänge, welche auch mit den gesetzlichen Krankenkassen zu tun haben und davon grenzen wir uns ganz klar ab.
Wir gehen nur Verträge mit Unternehmen wie Krankenhäusern, Altenheimen und ambulanten Pflegeeinrichtungen ein und entleihen ihnen unsere Arbeitskraft für den im Vertrag vereinbarten Zeitraum.

Welche Qualifikation muss ein Bewerber aus dem Gesundheitswesen mitbringen?

Aktuell spezialisieren wir uns nur auf medizinisches Fachpersonal, d.h. Bewerber müssen eine mindestens 3-jährige Ausbildung als Gesundheits- und (Kinder-)Krankenpfleger/in oder Altenpfleger/in vorweisen. Natürlich freuen wir uns auch über Initiativbewerbungen, denn keiner weiß, was als nächstes gebraucht wird oder wie weit wir als ALOHOMORA UG in 2 bis 3 Jahren sein werden.

Weiterhin müssen Bewerber natürlich kontaktfreudig gegenüber Menschen, sei es Patienten oder Arbeitskollegen, sein. Sie sollten ihre Qualifikation als Berufung ansehen und gerade in Belastungssituationen ein sicheres Auftreten vorzeigen können.

Die Alten- und Gesundheitspflege in Deutschland hat keinen allzu guten Ruf. Wieso ist es eurer Meinung nach so? Und wie kann man den Beruf für die Jugend wieder attraktiver machen?

Wie wir schon erwähnt haben läuft im Gesundheitssystem einiges falsch. Die Hauptursache dafür sehen wir darin, dass Krankhäuser, Altenheime etc. Wirtschaftssysteme sind und so traurig es ist, aber Patienten bzw. Bewohner (kranke und alte Menschen) sind Kunden dieser Unternehmen und jedes Unternehmen strebt danach, keine roten Zahlen zu schreiben. Alles dreht sich nur noch ums Geld. Umso mehr Kunden ein Unternehmen hat, umso mehr Umsatz kann ein Unternehmen machen. Ganz einfach. Damit man seinen Umsatz zusätzlich steigern kann, weil Menschen, die viel verdienen, gerne immer noch mehr verdienen wollen, muss man überlegen was man z.B. an Kundenbetreuungskosten einsparen könnte. Krankenhausaufenthalte werden so festgelegt, dass möglichst viel abgerechnet werden kann und der Kundenschlüssel pro Dienstleister wird um 2 bis 3 Kunden erhöht. Konditionen für den Dienstleister, wie Arbeitszeit und Vergütung bleiben allerdings in den meisten Fällen unangetastet. Das bedeutet: mehr Arbeit für das gleiche Geld. Eine zusätzliche Belastung ist das 3- Schicht- System, sowie arbeiten an Wochenenden und Feiertagen, was in diesem Berufszweig natürlich dazu gehört. Wer arbeitet schon gerne am Wochenende, in der Nacht oder springt bei Krankheit eines Kollegen ein, obwohl man schon 6 Tage in dieser Woche gearbeitet hat? Viele hätten sicherlich kein Problem damit, davon sind wir überzeugt. Aber attraktiv wird es nur dann, wenn es nicht nur als Überstunden abgerechnet. sondern auch entsprechend honoriert werden würde und das ist in vielen Unternehmen leider nicht der Fall.
In Gesprächen mit dem Personal verschiedener Unternehmen wurde uns bestätigt, dass Arbeitnehmer/innen mit 100 bis 200 Überstunden völlig überarbeitet und am Limit sind. Einarbeitung und Erklärungen bedeuten länger arbeiten und noch mehr Überstunden. Wann soll man es nun noch schaffen Auszubildenden etwas zu erklären oder neue Kollegen/-innen qualitätsgerecht einzuarbeiten? Diese werden verunsichert und bekommen ein komisches Gefühl, fangen vielleicht doch lieber nochmal an zu studieren oder bewerben sich nochmal woanders, denn gebraucht wird Personal an jeder Ecke. Das führt zu einer hohen Fluktuation und diese wiederrum zu Unruhen im Team. Diese Unzufriedenheit zieht sich dann wie ein roter Faden durch alle Bereiche, bis hin zur Arbeit am Patienten oder am Bewohner.
Junge Menschen benötigen Flexibilität und Geld. Der verantwortungsvolle Beruf als Gesundheits- und Krankenpfleger/in sollte attraktiver gestaltet werden. Genau das haben wir uns zu unserem Ziel gemacht, denn nur zufriedene Mitarbeiter leisten auch gute Arbeit.
Damit wollen wir sagen, dass Krankenhäuser, Pflegeheime usw. ihre Arbeitsbedingungen dem Lohn entsprechend anpassen sollten, denn das Preis – Leistungsverhältnis ist in dieser Branche völlig unverhältnismäßig. Wenn wir so darüber nachdenken, ist nur die Tatsache, dass wir selbst über unsere Freizeit verfügen können, der ausschlaggebendste Punkt, dass wir uns ein Angestelltenverhältnis im Krankenhaus einfach nicht mehr vorstellen können.
Wir haben uns schon oft die Frage gestellt, ob wir noch einmal diesen Berufsweg als Gesundheits- und Krankenpflegerin einschlagen würden und haben festgestellt, dass wir diese Frage zu 100% mit Ja beantworten können. Es ist einfach ein so vielfältiger und schöner Beruf, der nie monoton wird und uns tägliche neue Herausforderungen abverlangt. Aktuell ist dieser Beruf leider nur etwas in Verruf geraten.

Plötzlich Geschäftsführerin. Wie schwierig war die Umstellung vom Angestellten sein zur Chefin?

Nicht unbedingt die Umstellung war schwierig, aber der Weg dahin, wo wir jetzt sind. Natürlich hatten wir anfänglich Schwierigkeiten damit Entscheidungen selbst zu treffen – wir konnten ja niemanden mehr fragen, sondern waren auf uns allein gestellt. Bürokratie wird in Deutschland ziemlich großgeschrieben und die Tatsache, dass wir „nur“ Krankenschwestern sind, keine Juristen, Steuerberater oder Versicherungs-und Buchhalterexperten, hat einiges sehr kompliziert und zeitaufwendig gemacht. In dem knappen Jahr seit unserer Firmierung haben wir durch die vielen Steine, die uns in den Weg gelegt worden sind, unheimlich viel gelernt und uns dadurch die Kosten  für Existenzgründerseminare gespart.

Was sind die nächsten Schritte für ALOHOMORA? Soll es euer Angebot in Zukunft auch deutschlandweit geben?

Mittlerweile sind wir so weit, dass wir alle Anfragen nicht mehr abdecken können und suchen, wie andere auch, ausgebildete Fachkräfte. Wir werben jedoch nicht mit Bonusprämien von 3000€ für Neueinstellungen, denn wir suchen Fachkräfte, die einfach Interesse daran haben selbstbestimmend für kontinuierlich gerechtes Geld bei uns zu arbeiten. Wir wollen einfach gute Arbeitgeber in unserer Region sein und uns daher auch nicht deutschlandweit ausrichten. Wenn es richtig gut läuft, freuen wir uns für den Anfang über 10 glückliche Arbeitnehmer/innen. Wir möchten nicht reich werden! Unser Wunsch ist es, als Krankenschwestern etwas wert zu sein und dieses Gefühl auch funseren Arbeitnehmer/innen zu vermitteln.
Unsere Steuerberaterin hat uns letztens gefragt ob wir uns sicher sind, dass wir unseren Angestellten fast das gleiche Gehalt zahlen wollen wie uns selbst als Geschäftsführerinnen.
Ja, warum nicht?

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