Finanzen   20.10.2019

Welche Versicherungen für Selbstständige sind die wichtigsten?

Damit im Fall des Schadensfalls nicht gleich Dein Unternehmen auf dem Spiel steht, solltest du an die wichtigsten Versicherungen für Selbstständige denken. Private Versicherungen haften in geschäftlichen Zusammenhängen nämlich nicht. Doch welche Versicherungen braucht man als Selbstständiger? Wir verraten es dir.

  1. Was sind Betriebshaftpflicht, Berufshaftpflicht und Vermögensschadenshaftpflicht?
  2. Was ist die Berufsunfähigkeitsversicherung?
  3. Was bedeutet vorgezogenes Krankentagegeld?
  4. Mehr über die Vermögensschadenshaftpflichtversicherung

Was sind Betriebshaftpflicht, Berufshaftpflicht und Vermögensschadenshaftpflicht?

Eine Haftpflichtversicherung, die du garantiert längst kennst, ist die private Haftpflichtversicherung. Wenn ein Schadensfall in deiner Rolle als Unternehmer entsteht, greift die private Versicherung aber nicht.

Welche Versicherungen für Selbstständige sind die wichtigsten?

Auch Selbstständige sollten ein paar (wichtige) Versicherungen abschließen. Die Berufshaftpflicht zum Beispiel.

Betriebshaftpflicht, Berufshaftpflicht oder Vermögensschadenshaftpflicht sind die alternativen Versicherungen für Selbstständige. Die drei Versicherungsarten unterscheiden sich folgendermaßen:

  • Betriebshaftpflicht:
    Diese Haftpflichtversicherung tritt in produzierenden Betrieben in Kraft.
  • Berufshaftpflicht:
    Diese Haftpflichtversicherung ist für andere Berufe wichtig, die nicht mit produzierenden Betrieben zusammenhängen. Typische Bürojobs gehören zur Zielgruppe. Wenn du zum Beispiel Übersetzer bist und während einer Besprechung Kaffee über den Laptop deines Kunden kippst: Dann springt die Berufshaftpflicht für dich ein.
  • Vermögensschadenshaftpflicht:
    Diese Haftpflichtversicherung ist wichtig, wenn Schäden am Vermögen einer anderen Partei entstehen können. Zum Beispiel: Steuerberater oder Unternehmensberater beraten nachweislich falsch. Das Vermögen des Klienten schmilzt daraufhin zusammen. Die Vermögensschadenshaftpflichtversicherung kann dann einspringen. Mehr dazu später.

Was ist die Berufsunfähigkeitsversicherung?

Stell dir vor, du bist nicht mehr in der Lage, deinen gewählten Beruf auszuüben. Du bist zum Beispiel Dolmetscher, aber eine chronische Erkrankung der Stimmbänder macht das Simultanübersetzen unmöglich. Oder du fotografierst beruflich, aber erkrankst dauerhaft an den Augen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung kann dann die schlimmsten finanziellen Folgen auffangen. Nicht verwechseln: Berufsunfähigkeit ist nicht dasselbe wie Erwerbsunfähigkeit. (Auch dafür gibt es eine Versicherung, die Erwerbsunfähigkeitsversicherung.)

Die Berufsunfähigkeitsversicherung springt ein, wenn du deinen gewählten Beruf nicht länger ausüben kannst, aber nach wie vor eine andere Tätigkeit wählen könntest. Dafür musst du aber erst mal deine aktuelle Selbstständigkeit aufgeben. Bis du im neuen Beruf angekommen bist, brauchst du womöglich eine Umschulung oder andere Ausbildung. Um diese Durststrecken abzumildern, kann die Berufsunfähigkeitsversicherung ein gutes Sicherheitsnetz sein. Je mehr (gesundheitliche) Risiken dein Beruf mit sich bringt, desto angebrachter ist diese Versicherung natürlich.

Vorgezogenes Krankentagegeld – eine Ergänzung der Versicherungen für Selbstständige

Krankengeld für Selbstständige gibt es nicht für jeden. Angestellte haben es da leichter: Wenn sie krank sind, ist erst der Arbeitgeber für die Lohnfortzahlung zuständig. Ab dem 43. Krankheitstag übernimmt die Krankenkasse die Zahlung. Manche Selbstständige genießen zumindest ein vergleichbares Modell: Versicherte in der Künstlersozialkasse (KSK) beispielsweise haben ebenfalls einen Anspruch auf Krankengeld nach 6 Wochen. Allerdings können 6 Wochen lang werden, wenn alle Verdienste in der Zwischenzeit ausbleiben. Außerdem muss man sich direkt am ersten Tag der Krankheit krankmelden, damit die Zählung beginnt. Wer geht schon direkt zum Arzt, wenn man glaubt, nur einen Schnupfen zu haben? Krankenkassen bieten aber für KSK-Mitglieder einen Tarif an, der vorgezogenes Krankentagegeld ermöglicht. Du zahlst dann zum Beispiel jeden Monat 15 Euro an die Krankenkasse und bekommst im Krankheitsfall ab dem 15. Krankheitstag täglich 30 Euro Krankengeld. (Das ist nur eine Beispielrechnung – die Tarife können ganz unterschiedlich aussehen).

Frag mal bei deiner Krankenkasse nach.Die Krankenkassen bieten unterschiedliche Krankengeld-Wahltarife mit unterschiedlich hohen Auszahlungen im Krankheitsfall, die sehr stark variieren. So können schon für 3 Euro im Monat zu einer Leistung von 58 Euro Krankentagegeld führen, während in anderen Kassen die Absicherung fast 300 Euro bei einer Auszahlung von 65 Euro pro Tag kostet. Jede Krankenversicherung für Selbstständige muss diese Leistung anbieten. Sie wird aber von so wenigen Selbstständigen genutzt, dass Ansprechpartner bei den Kassen manchmal selbst nichts davon wissen. Lass dich nicht abwimmeln: Wenn sie genau nachsehen, werden sie den Tarif in ihren Regularien schon finden!

Was ist die Vermögensschadenshaftpflicht?

Die Vermögensschadenshaftpflicht ist eine spezielle Form der Berufshaftpflichtversicherung. Die Versicherung bietet einen Schutz gegen die sogenannten echten Vermögensschäden, die durch ein Fehlverhalten an Anderen entstehen. Echte Vermögensschäden sind Schäden, die nicht Folge eines Schadens an einer Person oder an einer Sache sind. 

Was sind unechte und echte Vermögensschäden?

Echte Vermögensschäden unterscheiden sich von den unechten Vermögensschäden. 

Unechte Vermögensschäden

Unechte Vermögensschäden beschreiben einen finanziellen Nachteil, der einem Anderen entsteht, weil durch ein Fehlverhalten eine Person oder eine Sache zu Schaden gekommen ist. Wenn zum Beispiel die Kamera eines Fotografen durch einen Unfall beschädigt wird, entsteht diesem einerseits der Schaden an der Sache. Er hat jedoch darüberhinaus auch einen Verdienstausfall, weil er zum Beispiel ein wichtiges Fotoshooting nicht ausführen kann und den Auftrag verliert. In diesem Fall spricht man von einem unechten Vermögensschaden. 

Echte Vermögensschäden

Dahingegen ist der echte Vermögensschaden ein Schaden, der unmittelbar durch ein Fehlverhalten entsteht, ohne dass dabei eine Person oder eine Sache beschädigt wird. Echte Vermögensschäden entstehen in der Regel im Rahmen beruflicher Tätigkeiten. So liegt ein echter Vermögensschaden zum Beispiel vor, wenn ein Rechtsanwalt eine falsche Beratung durchführt. 

Wer haftet für Vermögensschäden?

Grundsätzlich haften Selbstständige und Freiberufler für die Schäden am Vermögen, die sie durch ihre berufliche Tätigkeit gegenüber ihren Kunden oder Mandanten verursachen. Dabei gilt das Schuldprinzip. Ist nachzuweisen, dass der Selbstständige oder Freiberufler durch schuldhaftes Verhalten den Vermögensschaden ausgelöst hat, haftet er dafür. Da ein geringer Auslöser in bestimmten Berufen zu hohen finanziellen Schäden beim Kunden oder Mandanten führen kann, ist eine Absicherung gegen die Vermögensschadenshaftpflicht für bestimmte gefährdete Berufsgruppen sehr ratsam.

Wer sollte eine Versicherung gegen Vermögensschadenshaftpflicht abschließen?

Besonders Berufsgruppen mit beratender oder betreuender Funktion, die sich auf das Vermögen ihrer Kunden bezieht, wie zum Beispiel Wirtschaftsberater, stehen in einem besonders hohem Risiko, echte Vermögensschäden zu verursachen. Für sie ist der Abschluss einer Versicherung gegen Vermögensschadenshaftpflicht von herausragender Wichtigkeit. Aber auch andere Berufsgruppen können im Zuge ihrer Tätigkeit an ihren Kunden echte Vermögensschäden auslösen, die durch eine entsprechende Versicherung abgesichert werden können.

Neben den klassischen Beratungsberufen stehen insbesondere Versicherungsvermittler in der Verantwortung gegenüber dem Vermögen ihrer Kunden. Darüberhinaus können aber auch Rechtsanwälte, die eine Frist nicht einhalten bei ihrem Klienten einen Vermögensschaden auslösen. Auch Architekten, denen in der Planung einer Immobilie Fehler mit nachfolgenden finanziellen Schäden unterlaufen, haften für den entstandenen finanziellen Schaden gegenüber dem Bauherrn. Neben Wirtschaftsberatern, Versicherungsvermittlern, Rechtsanwälten und Architekten können auch selbstständige Notare, Steuerberater, Sachverständige, Gutachter, Werbeagenturen und Übersetzer Schadensfälle auslösen und sollten daher eine Versicherung gegen Vermögensschadenshaftpflicht abschließen. Darüberhinaus können sich aber auch Vereine, Verbände, Stiftungen und Wohnungsunternehmen durch eine Vermögensschadenshaftpflichtversicherung absichern. 

Welche Schäden umfasst die Vermögensschadenshaftpflicht?

In der Regel kommt eine Versicherung gegen Vermögensschadenshaftpflicht für die folgenden Fälle auf

  • Fehler in der Beratung
  • Versäumnisse von Fristen
  • Verjährung von Mitgliedsbeiträgen
  • Fehler in der Materialbeschaffung
  • Planungsfehler

Warum lohnen sich Versicherungen für Selbstständige gegen Vermögensschadenshaftpflicht?

Eine gute Versicherung gegen Vermögensschadenshaftpflicht sorgt nicht nur dafür, dass ein Schaden bei berechtigten Ansprüchen beglichen wird. Darüberhinaus wird ein Versicherer im Schadensfall prüfen, ob der Versicherte in rechtlicher Hinsicht für den entstandenen Schaden auch tatsächlich aufkommen muss. Dabei untersucht die Versicherung genau, ob der entstandene Schaden tatsächlich und nachweislich auf ein fehlerhaftes Verhalten des Versicherten zurückgeht oder ob eine andere Ursache für den Schaden verantwortlich ist. Kommt die Versicherung zu dem Schluss, dass der Geschädigte seinen Anspruch auf Schadensausgleich zu Unrecht gegen ihren Versicherten erhebt, wehrt sie die unberechtigte Schadensersatzforderung mit rechtlichen Mitteln für ihren Klienten ab. 

Der starke Partner im Rücken

Alleine der Umstand, dass im Falle eines Schadens die rechtliche Verantwortlichkeit durch die Versicherung geklärt wird, sorgt in vielen Berufsgruppen für zusätzliche Sicherheit. Denn im Schadensfall verliert der betroffene Selbstständige oder Freiberufler nicht nur einen Kunden und sieht sich mit negativer Bewertung in der Öffentlichkeit konfrontiert. Auch eine ungerechtfertigte Forderung aufgrund eines Vermögensschadens kann sehr schnell die berufliche Existenz gefährden. Denn die Untersuchung und Abwehr auch eines ungerechtfertigt erhobenen Sachverhalts durch den betroffenen Unternehmer kostet neben Zeit und Arbeitseinsatz zumeist auch sehr viel Geld. Daher lohnt sich die Versicherung gegen Vermögensschäden für betroffene Berufssparten in jedem Fall. 

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