Finanzen   30.6.2018

Wer ist nicht vorsteuerabzugsberechtigt?

Nicht vorsteuerabzugsberechtigt bist du, wenn du eine Ware oder Dienstleistung als privater Endverbraucher einkaufst oder Kleinunternehmer bist. Kleinunternehmer brauchen keine Umsatzsteuer einzunehmen, sind aber dadurch auch nicht vorsteuerabzugsberechtigt.

nicht vorsteuerabzugsberechtigt

„Vorsteuerabzugsberechtigt“ ein langes Wort, das für viel Verwirrung sorgen kann. Dabei ist es im Prinzip ganz einfach, wer nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist. (Bild ©pexels.com)

Es geht um Umsatzsteuer

Die meisten Rechnungen enthalten Umsatz- bzw. Mehrwertsteuer. Handwerker und andere Dienstleister sind verpflichtet auf ihren Stundenlohn Umsatzsteuer aufzuschlagen. Wer mit Waren handelt, berechnet ebenfalls Umsatzsteuer. Von Ware oder Leistung hängt ab, welcher Steuersatz gilt, es gibt zum Beispiel 7% oder 19%. Nur Kleinunternehmer dürfen auf die Vereinnahmung von Umsatzsteuer verzichten. Das geht aber nur unter den Vorraussetzungen der Kleinunternehmerregelung.

Alle Rechnungsempfänger, also jedermann, egal ob große Firma, Kleinunternehmer oder private Endverbraucher, zahlen Rechnungen immer inklusive der Umsatzsteuer. Wenn der Rechnungsempfänger ein Unternehmen ist, das auch selbst Umsatzsteuer einnimmt, dann ist es vorsteuerabzugsberechtigt. Es kann sich an Dritte gezahlte Umsatzsteuer vom Finanzamt zurück holen, indem diese Beträge mit der eingenommenen Umsatzsteuer verrechnet werden. Das ist der Vorsteuerabzug.

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Was ist der Vorsteuerabzug?

Beim Vorsteuerabzug wird gezahlte gegen die eingenommene Umsatzsteuer aufgerechnet. In der Umsatzsteuervoranmeldung, gibt das Unternehmen seine Umsätze an, auf die Umsatzsteuer anfallen. Es vermerkt außerdem wie viel Umsatzsteuer auf Betriebsausgaben angefallen ist. Die Differenz wird ausgezahlt. Das geht in beide Richtungen: Entweder das Finanzamt bekommt Geld oder es zahlt auch mal etwas zurück, wenn ein Unternehmen mehr Umsatzsteuer gezahlt als eingenommen hat.

Je nach Umsatzhöhe eines Unternehmens erfolgt die Umsatzsteuervoranmeldung und der Vorsteuerabzug quartalsweise oder monatlich. Bei Unternehmen mit sehr wenig Umsatz kann auch die Abgabe der jährlichen Umsatzsteuererklärung reichen: Das Finanzamt gibt – abhängig vom Umsatzsteueraufkommen beim Steuerpflichtigen – den Takt vor.

Wer ist nicht vorsteuerabzugsberechtigt?

Endverbraucher

Privatleute sind nicht vorsteuerabzugsberechtigt. Das gilt für jeden privat getätigten Einkauf. Und auch Unternehmer sind im Privatleben Endverbraucher.

Beispiel:

Manuela betreibt einen Hausmeisterservice. Sie kauft für ihr Büro ein Notebook. Bei ihrer nächsten Umsatzsteuervoranmeldung kann sie die gezahlte Umsatzsteuer zum Vorsteuerabzug anmelden. Manuela kauft sich außerdem ein Pferd. Da das ein privater Einkauf ist, der nichts mit ihrer geschäftlichen Tätigkeit zu tun hat, ist dieser Einkauf nicht vorsteuerabzugsberechtigt.

Bei Kleinunternehmern sieht es anders aus. (Bild pexels.com)

Bei Kleinunternehmern sieht es anders aus. (Bild ©pexels.com)

Kleinunternehmer

Freiberufler, Kleingewerbetreibende und Selbstständige, die nach §19 Umsatzsteuergesetz unter die Kleinunternehmerregelung fallen und diese auch in Anspruch nehmen, sind nicht vorsteuerabzugsberechtigt. Das bedeutet: Sie zahlen auf ihre Betriebsausgaben Umsatzsteuer und geben diese Betriebsausgaben am Jahresende in ihrer Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) an. Sie können aber die gezahlte Umsatzsteuer nicht schon vorab verrechnen.

Beispiel:

Horst ist Künstler. Er ist Kleinunternehmer, da er die Kleinunternehmerregelungs-Umsatzgrenze von 17.500 Euro im Vorjahr nicht überschritten hat. Er hat im 1. Quartal 2017 durch den Verkauf seiner Bildern einen Umsatz von 3.500 Euro erreicht. Umsatzsteuer berechnet er seinen Kunden nicht: Das darf er als Kleinunternehmer ja auch gar nicht. Der Umsatz von 3.500 Euro ist also brutto wie netto.

Im gleichen Zeitraum hat Horst Farben, Pinsel und Leinwände gekauft: 952 Euro hat er dafür ausgegeben. Die teilen sich auf, auf 800 Euro Netto-Rechnungsbeträge und 19% Umsatzsteuer, was 152 Euro entspricht.

Mehr passiert hier nicht: Horst ist nicht vorsteuerabzugsberechtigt. Er zahlt auf seine Betriebsausgaben genauso Umsatzsteuer, wie er das als Privatmann tun würde. Erst im folgenden Jahr bei der Steuererklärung kann er die Bruttobeträge seiner Betriebsausgaben steuersenkend geltend machen. Das bedeutet: Horst gibt in seiner Einnahmen-Überschuss-Rechnung die vollen 952 Euro für Malutensilien als Betriebsausgabe an.

Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung

Hätte Horst auf die Kleinunternehmerregelung verzichtet, sähe die Rechnung so aus:

Auf die 3.500 Euro Umsatz mit einer kreativen Leistung müsste er 7% Umsatzsteuer aufschlagen, er nähme also 245 Euro Umsatzsteuer ein. In seiner Umsatzsteuervoranmeldung für das Quartal würde er außerdem angeben, dass er 152 Euro Umsatzsteuer auf Betriebsausgaben gezahlt hat. Fazit: Dass Finanzamt möchte von ihm nur die Differenz: 245€ – 152€ = 93€

Horst hat dadurch einen kleinen Liquiditätsvorteil. Allerdings – und dass muss er bedenken: Er muss sich mit Umsatzsteuervoranmeldungen und einer Umsatzsteuererklärung beschäftigen. Das ist ein Mehraufwand an Verwaltungsarbeit, den Horst nicht auf sich nehmen möchte. Als Kleinunternehmer hat er ja die Wahl, zu entscheiden, was für ihn günstiger ist, die Kleinunternehmerregelung oder die Normalbesteuerung.

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(*Letzte Aktualisierung: Mai 2018, ursprüngliche Veröffentlichung am 30. Juni 2016)

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